Über die Demokratie in Amerika () ist eine französische Studie Alexis de Tocquevilles über die Vereinigten Staaten der Jackson-Ära (1830er Jahre). Sie analysiert anhand der Gesellschaft der USA die Folgen der von der modernen Demokratie als Staatsform durchzusetzenden Prinzipien der menschenrechtlichen Freiheit und Gleichheit. Der Individualismus der Menschen führt nach seiner Auffassung zu einem Rückzug der Menschen in die Privatsphäre und zur fortschreitenden Machtübernahme durch eine zunehmend zentralisierte Regierung. Dadurch entstehe ein Paternalismus, der eine neue Art von „sanftem“ Despotismus darstellt. Trotz wachsender Gleichheit bleibe das Gefühl der Ungerechtigkeit bei auch sehr geringen Unterschieden bestehen.

Die französische Originalausgabe wurde in zwei Bänden veröffentlicht, der erste erschien am 23. Januar 1835, der zweite zusammen mit der 8. Auflage des ersten Bandes am 24. April 1840. 1836 erschienen bereits zwei deutsche Übersetzungen des ersten Bandes.

Über die Demokratie in Amerika ist ein Klassiker der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Geschichtswissenschaften und der Amerikakunde und ist das meistzitierte Buch über die Vereinigten Staaten.

Die Amerikareise Tocquevilles Ende März 1831 wurden die Verwaltungsbeamten Alexis de Tocqueville und Gustave de Beaumont von der französischen Regierung nach Amerika entsandt, um das amerikanische Gefängnissystem zu untersuchen. Als sie nach fünfeinhalb Wochen am 11. Mai in New York ankamen, reisten sie zehn Monate lang durch die Vereinigten Staaten und beobachteten nicht nur die Gefängnisse, sondern auch verschiedene Aspekte der amerikanischen Gesellschaft, einschließlich der Wirtschaft und der Politik. Alexis de Tocqueville traf den Generalstaatsanwalt des Staates Louisiana, Étienne Mazureau, der ihm eine Reihe von soziologischen, demografischen und sprachlichen Daten zur Verfügung stellte. Fünf Wochen blieben sie in New York. Sie trafen mit wichtigen Persönlichkeiten zusammen und notierten Fragen und Antworten.

Im Juli 1831 fuhren sie nach Albany, von dort zur Frontier. Weitere Stationen waren Boston, Philadelphia, Baltimore, Pittsburgh, New Orleans. Dann reisten sie durch die Staaten Mississippi, Alabama, Georgia, South und North Carolina nach Washington. Tocqueville traf mit Präsident Jackson zusammen. Mit der Postkutsche fuhren sie zurück nach Philadelphia und New York.

Alexis de Tocqueville und Gustave de Beaumont hielten sich auch kurz in Kanada auf und verbrachten im Sommer 1831 einige Tage in Niederkanada und Oberkanada, den Provinzen, aus denen später das heutige Québec und Ontario hervorgingen.

Im Februar 1832 waren sie in Frankreich zurück. Sie legten 1833 ihren Bericht über das amerikanische Gefängnissystem vor (Du système pénitentiaire aux États-Unis et de son application en France – Über das Strafvollzugssystem in den Vereinigten Staaten und seine Anwendung in Frankreich). Beaumont schrieb anschließend einen Roman über die Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten, Marie ou l’esclavage en Amérique, der auf Deutsch unter dem Titel Die Wüstenbraut 1854 in Wien veröffentlicht wurde. Tocqueville hingegen, der von der amerikanischen Politik fasziniert war, schrieb seine politische und soziale Analyse der USA.

Inhalt De la démocratie en Amérique ist in erster Linie eine Analyse der republikanischen repräsentativen Demokratie und ihrer besonderen Form in den Vereinigten Staaten. In seiner Einleitung zum ersten Band kündigte Tocqueville zunächst an, dass er auf den zweiten Band verzichten würde. Diese Entscheidung musste er später offensichtlich revidieren.

Der erste Band ist eine beschreibende Analyse der Demokratie in den Vereinigten Staaten. Er befasst sich mit der Dynamik, die die Demokratiebewegung der Regierungsform, den Gesetzen und dem politischen Leben verleiht. Die wichtigen Institutionen der amerikanischen Union haben nach Tocqueville allesamt neben ihrer problemlösenden Leistung noch eine zweite, gleichsam ungewollte Nebenwirkung: Sie erziehen die neuen Generationen der Amerikaner zu dem Bürgersinn, der in den jungen USA der 1830er Jahre vorherrscht. Sie erhalten die mœurs (Sitten), Verantwortungsgefühl, Eigeninitiative, Ordnungssinn, Bereitschaft, sich in die öffentlichen Angelegenheiten einzumischen, Kenntnisse demokratischer Praxis sowie einen öffentlichen politischen Bereich, in den die Kirchen nicht direkt intervenieren: All dies gehört zu den US-amerikanischen Selbstverständlichkeiten. Diese Selbstverständlichkeiten, ursprünglich meist ein Erbe der puritanischen Gründer, werden durch das gesamte politische und gesellschaftliche Leben, durch die Einrichtungen besonders der lokalen Politik, zur zweiten Natur der Nordamerikaner gemacht. Dies beschreibt Tocqueville nicht ohne den Hintergedanken, dass Frankreich und andere europäische Nationen an diesem Teil des amerikanischen Beispiels lernen können. So könnten sie vielleicht demokratische Sitten entwickeln. Das letzte Kapitel dieses ersten Bandes der Démocratie en Amérique untersucht die Hauptursachen dafür, dass sich die demokratische Republik in Nordamerika erhält und stabil ist. Das wichtigste Ergebnis seiner Überlegungen formuliert Tocqueville in der Überschrift eines Unterkapitels: „Die Gesetze tragen mehr zur Erhaltung der demokratischen Republik in den Vereinigten Staaten bei als die geographischen Umstände und die mœurs noch mehr als die Gesetze.“ Mit anderen Worten: Die mœurs sind für die Stabilität der amerikanischen Union wichtiger als die geschriebene Verfassung, und sie sind auch wichtiger als die besondere geopolitische Lage der USA. In einer Fußnote zum ersten Absatz des so überschriebenen Unterkapitels erinnert Tocqueville seinen Leser an die in einem vorangegangenen Kapitel gegebene Beschreibung dessen, was er mit mœurs bezeichnet. Dort steht:

Die mœurs oder Sitten und Gewohnheiten beschreiben also den gesamten Kosmos der Denk-, Verhaltens-, Debattier- und Interpretationsweisen einer Gesellschaft; ihre Art, die öffentlichen, wirtschaftlichen und privaten Angelegenheiten zu beschreiben, ihre Symbole und Gemeinplätze, ihre Werte und die sich aus diesen ergebende Praxis menschlichen und bürgerlichen Verhaltens und Handelns.

Der zweite Band ist eine Reflexion über die besonderen Formen der amerikanischen Demokratie. Diese Reflexion wird auf allgemeine Überlegungen zur Demokratie ausgeweitet, insbesondere auf die Gefahr der Tyrannei der Mehrheit und einer sanfte Tyrannei. Das Werk befasst sich mit dem Einfluss, den die Demokratie auf die Zivilgesellschaft ausübt, d. h. auf die Sitten, die Ideen und das geistige Leben.

Der zweite Band von De la démocratie en Amérique von 1840 befasst sich intensiver mit den Grundlagen von Staat und Politik. Die mœurs bleiben der Hauptgegenstand der Untersuchungen Tocquevilles: So wie der erste Band die Wirkung des dezentralisierten Vereinswesens, der lokalen Politik in den Gemeinden, der Geschworenengerichte, der föderalen Aufteilung der USA und anderer äußerer Faktoren auf den Bürgersinn der Amerikaner der 1830er Jahre untersucht und feststellt, in welch starkem Maße die Einrichtungen der amerikanischen Verfassung den Gründungsgedanken der USA lebendig erhalten, untersucht der zweite Band auch die problematischeren mœurs der Demokratie. Er beschreibt insbesondere das Verhältnis von Gleichheit und Freiheit. Tocqueville sieht darin keine Prinzipien von gleicher Wichtigkeit, sondern spricht sich deutlich für den Vorrang der Freiheit aus. Die in einem aufgeklärten Staat entstehende formale Gleichheit der Bürger hat nach Tocqueville verschiedene Auswirkungen. Zuallererst schaffen der Wegfall ständischer Ordnungen und die Rechtsgleichheit aller Bürger jenen Raum, den ein freiheitliches Individuum überhaupt benötige. Der Wegfall von Autoritäten und die Unabhängigkeit der Menschen begründen jene Freiheitsliebe, die demokratische Gesellschaften und ihre Institutionen auszeichnet. In einer daraus entstehenden Anarchie sehen die Kritiker die größte Gefahr einer demokratischen Ordnung. Tocqueville widerspricht dem nicht, sieht darin aber nicht das Hauptproblem des Gleichheitsprinzips. Vielmehr fürchtet er in seiner Ausgangsthese des vierten Teils des zweiten Bandes eine schleichende Beeinträchtigung des Freiraums der Bürger. „Die Gleichheit löst nämlich zwei Tendenzen aus: die eine führt die Menschen geradewegs zur Freiheit und kann sie auch plötzlich in die Anarchie treiben; die andere leitet sie auf längerem, verschwiegenerem, aber sicherem Wege in die Knechtschaft.“ Während sich ein demokratischer Staat gegen die Anarchie zu schützen weiß, ist die Abwehr des Verlusts individuellen Freiraums durch Gleichmacherei schwieriger, da diese sowohl den Neigungen der Masse der Bürger entspreche als auch dem Staat gelegen komme.

Für Tocqueville führt das Prinzip der Gleichheit tendenziell zu einem starken, zentralistisch organisierten Staat, gegen den sich das Individuum nicht mehr wehren kann. Daraus entstehe eine grenzenlose „Volksgewalt“. Die Repräsentanten dieser Macht werden sich ihrer Gewalt allmählich bewusst und fördern diese Position aus Eigeninteresse. Die Regierenden können schließlich „alle Vorgänge und alle Menschen verwalten“. Für Tocqueville entsteht dadurch ein Transfer von Verantwortlichkeiten. Unter „Regieren“ verstehen die Führer dieser Staaten nicht mehr nur die Regentschaft des gesamten Volkes, sondern auch die Verantwortlichkeit für das Wohlergehen jedes Einzelnen. Sie sehen ihre Aufgabe nun auch darin, den Bürger „zu leiten und zu beraten, ja ihn notfalls gegen seinen Willen glücklich zu machen“. Umgekehrt übertragen die Einzelnen immer mehr ihre Selbstverantwortung auf die staatliche Gewalt. Letztlich befürchtet Tocqueville ein Abrutschen in die Unfreiheit, wenn die Gleichheit zum einzigen großen Ziel wird.

Tocqueville analysierte also zukünftige Entwicklungen der Demokratie in den Vereinigten Staaten und potenzielle Gefahren, die „für die Demokratie“ entstehen sowie Gefahren, die „von der Demokratie“ ausgehen. Er schrieb, die Demokratie habe eine Tendenz, zu einem „weichen Despotismus“ zu degenerieren.

Er stellte auch fest, dass die einzige Rolle, die die Religion spielen könne, auf ihre Trennung von der Regierung zurückzuführen sei, was ein säkulares Land ermögliche, das beiden Seiten gerecht werde.

Politische Organisation In Neuengland behielten die Angloamerikaner einige aristokratische Prinzipien bei, die aus dem Ausland mitgebracht worden waren, darunter auch das englische Erbrecht. Im Süden war der Einfluss jedoch nicht gerade aristokratisch. Diese Mitglieder der Aristokratie begannen, die politische Aktion zu bündeln, dieselben Mitglieder, die zur Amerikanischen Revolution beitrugen.Tocqueville, A. (1835). Démocratie en Amérique (p. 46). C. Gosselin. Tocqueville erwähnt, dass Maryland der erste Staat war, der das allgemeine Wahlrecht beanspruchte und somit eine demokratische Regierung einführte. Er erklärt auch, dass die Kräfte der Demokratie, wenn sie einmal initiiert wurden, nicht mehr aufzuhalten sind und dass diese Kräfte schließlich dazu tendieren, zum allgemeinen Wahlrecht zu gelangen.Tocqueville, A. (1835). Démocratie en Amérique (p. 55). C. Gosselin.