Der Dritte Kreuzzug war ein Kriegszug, zu dem Papst Gregor VIII. in einer Bulle die christlichen Königreiche Europas aufrief, nachdem der Ayyubiden-Sultan Saladin das Heer des Königreichs Jerusalem besiegt und die Hauptstadt Jerusalem erobert hatte, die damit nach rund 90 Jahren wieder unter muslimische Herrschaft kam. Der Kreuzzug begann 1189 unter der Führung von Friedrich Barbarossa, dem Kaiser des römisch-deutschen Reiches, der vor Erreichen des Heiligen Landes ums Leben kam, Philipp II. von Frankreich und Richard Löwenherz von England. Der Kreuzzug endete 1192 mit einem Friedensvertrag, ohne dass die Stadt Jerusalem von den Kreuzfahrern erobert worden wäre. Dem Königreich Jerusalem konnte lediglich der Küstenstreifen von Beirut bis Jaffa gesichert werden, und Akkon, das die Kreuzfahrer nach langer Belagerung erobert hatten, wurde die neue Hauptstadt. Unbewaffneten christlichen Pilgern wurde der freie Zugang nach Jerusalem zugesichert.

Im Zusammenhang mit dem Dritten Kreuzzug taucht erstmals die Bezeichnung cruce signatus (mit dem Kreuz gekennzeichnet) auf, woraus sich dann die Begriffe „Kreuzzug“ und „Kreuzfahrer“ entwickelten. Davor waren die Kreuzfahrer als „Pilger“, „Reisende“ oder „Soldaten Christi“ bezeichnet worden. mini|hochkant=2|Richard Löwenherz im Zweikampf mit Saladin. Englische Phantasiedarstellung, um 1340

Ursachen des Dritten Kreuzzuges mini|Die Levante zu Beginn des Dritten Kreuzzugs. Nach dem gescheiterten Zweiten Kreuzzug gerieten die Kreuzfahrerstaaten immer stärker in Bedrängnis.

Im Jahre 1154 eroberte Nur ad-Din, Emir von Mossul aus der Dynastie der Zengiden, das Emirat Damaskus, wohin er seinen Hauptsitz verlagerte. Im Jahre 1169 schickte Nur ad-Din den sarazenischen Feldherren Saladin und dessen Onkel als Truppenführer eines Feldzuges gegen die Kreuzfahrer nach Ägypten. Der Feldzug endete mit der Beseitigung des schiitischen Fatimiden-Kalifats von Kairo durch Saladin im Jahre 1171, nachdem der Kalif verstorben war. Eigenmächtig ernannte sich Saladin zum Sultan von Ägypten und begründete die Dynastie der Ayyubiden. Dadurch kam es zu schweren Konflikten mit Nur ad-Din, welcher aber 1173 starb. Daraufhin besetzte Saladin Damaskus und große Teile Syriens. 1183 gelang ihm die Einnahme Aleppos, vier Jahre später eroberte er Mossul. Nachdem Saladin seine muslimischen Feinde besiegt hatte, wandte er sich den Kreuzfahrerstaaten zu, die sich nun in seiner Umklammerung befanden.

Mit einem großen Heer zog er Richtung Palästina, wo er am in der Schlacht bei Hattin ein Kreuzfahrerheer vernichtend schlug. Nach dieser Schlacht entriss Saladin den Kreuzfahrern nahezu ungehindert Städte wie Akkon und eroberte einen Großteil des Königreichs Jerusalem. Am nahmen Saladins Truppen nach kurzer Belagerung Jerusalem ein, wobei sie jeden, der ein Lösegeld aufbringen konnte, freiließen und den Rest versklavten. Die Kreuzfahrer kontrollierten jetzt nur noch Tyros, Tripolis, Antiochia und einige Festungen, die Saladin im folgenden Jahr ebenfalls angriff.

Die Nachricht von der Eroberung Palästinas durch Saladin löste in Europa große Bestürzung aus, was auch die Todesursache von Papst Urban III. gewesen sein soll. Die Forderung nach einem neuen Kreuzzug wurde schnell laut. Am rief Papst Gregor VIII. mit der Bulle „Audita tremendi“ zu einem allgemeinen Waffenstillstand in Europa und zum Dritten Kreuzzug auf. Als Gregor nach nur zwei Monaten im Pontifikat starb, übernahm sein Nachfolger Clemens III. das Propagieren des Kreuzzugs.

Verlauf des Dritten Kreuzzuges Als erster Herrscher zeigte sich im Jahre 1187 Wilhelm II., der normannische König Siziliens, zur Teilnahme bereit. Er schickte umgehend 50 Galeeren, die erheblich zum Erfolg der Verteidigung von Tripolis beitrugen.

Der englische König Heinrich II. und der französische König Philipp II. beendeten ihren Dauerkonflikt um die englischen Lehen in Westfrankreich und nahmen am 21. Januar 1188 in Gisors in der Normandie gemeinsam das Kreuz.Heinz Halm: Kalifen und Assassinen, Ägypten und der Vordere Orient zur Zeit der ersten Kreuzzüge. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66163-1, S. 306.

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friedrich I. (genannt Barbarossa) erklärte im März 1188 auf dem Reichstag in Mainz, gemäß seiner Vorstellung vom sakralen und universalen Charakter des Kaisertitels, seine persönliche Teilnahme am Kreuzzug. Auf dem Reichstag in Mainz wurde auch die Finanzierung für den Kreuzzug Friedrich Barbarossas geregelt. Hierbei wurde festgelegt, dass jeder Kreuzzugsteilnehmer mindestens drei Mark Silber an Ausgaben aufbringen musste, um am Kreuzzug teilnehmen zu können. Dieser Betrag wurde als Minimalausgabe eines Kreuzritters für zwei Jahre geschätzt.

Im Juli 1189 starb König Heinrich II., und sein Sohn Richard I. wurde sein Nachfolger. Dieser erneuerte im Juli 1189 in Azay-le-Rideau an der Loire zusammen mit Philipp II. das Kreuzzugsgelübde,Heinz Halm: Kalifen und Assassinen, Ägypten und der Vordere Orient zur Zeit der ersten Kreuzzüge. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66163-1, S. 307. wobei vereinbart wurde, gemeinsam zu ziehen, da keiner der beiden dem anderen traute und die Abwesenheit des einen Königs einen zu großen Vorteil für den Daheimgebliebenen bedeutet hätte. Sie sollten schließlich im Juli 1190 aufbrechen. Zur Finanzierung der Kreuzzugskosten erhoben beide Herrscher eine Kreuzzugssteuer, den sogenannten Saladinszehnten.

Der Kreuzzug Friedrichs I. Am 11. Mai 1189 brach Friedrich mit dem vermutlich größten Kontingent, das jemals ein einzelner Fürst zu einem Kreuzzug beisteuerte, in Regensburg auf. Friedrich wurde von einigen Vertretern des deutschen Hochadels begleitet, so vom Münsteraner Bischof Hermann II. (Münster), der den Kreuzzug vorbereitet hatte und dessen Ritterheer, das von Rudolf II. von Steinfurt angeführt wurde.

Bereits 1188 hatte Friedrich mit König Béla III. von Ungarn, Kaiser Isaak II. Angelos von Konstantinopel und dem mit Isaak befreundeten Sultan Kılıç Arslan II. von Iconium verhandelt, die ihm freien Durchzug und die Verpflegung seines Heeres zusicherten.

Das Kreuzfahrerheer wählte den Landweg der Donau entlang. Am 22. Mai überschritt es die deutsch-ungarische Grenze. Pfingsten feierte man vor den Toren von Pressburg. Am 4. Juni wurde der Kaiser bei Gran vom ungarischen Königspaar pompös empfangen und bewirtet. In Ungarn verlobte sich Friedrichs Sohn, Herzog Friedrich VI. von Schwaben, mit der ungarischen Königstochter Konstanze. Als in Belgrad Station gemacht wurde, hatte sich die Anzahl der Kreuzfahrer durch den Zustrom von Menschen aus Österreich und Ungarn um ein Vielfaches erhöht, darunter auch Géza, der Bruder des ungarischen Königs. Die Reise durch Ungarn verlief ohne größere Schwierigkeiten.

Zug über den Balkan

In Niš wurde Friedrich I. am 27. Juli 1189 vom serbischen Großzupan Stefan Nemanja, der gerade eine Rebellion gegen das byzantinische Reich anführte, empfangen und großzügig beschenkt.

Als die byzantinische Grenze überschritten wurde, zeigte sich, dass Kaiser Isaak II. Angelos nicht nur die übernommenen Verpflichtungen nicht einhielt, sondern auch feindselige Absichten gegen die Kreuzfahrer hegte. Während ihres Weges über Triadica nach Philippopel wurden die Kreuzfahrer immer wieder von byzantinischen und bulgarischen Banditen bedrängt. Insgeheim hatte der byzantinische Kaiser zwischenzeitlich ein Bündnis mit Saladin gegen die Kreuzfahrer vereinbart und verweigerte ihnen ab August auch ausdrücklich die Weiterreise. Nachdem Isaak II. Angelos einige Gesandte Friedrichs I. hatte gefangen nehmen lassen, ließ dieser am 26. August die Stadt Philippopel einnehmen und in den folgenden Wochen zur Verpflegung seiner Armee umliegende Städte und Burgen erobern oder plündern. Als Verhandlungen mit Isaak nicht vorankamen, marschierte Friedrich I. im November nach Adrianopel weiter, ließ die Stadt am 22. November einnehmen und dort überwintern. Zahlreiche Städte des Umlandes wurden geplündert und byzantinischer Widerstand niedergekämpft. Friedrichs Heer kontrollierte nun das Umland bis nahe an die Mauern Konstantinopels heran. Im Dezember und Januar nahm Friedrich auch Kontakt mit dem serbischen Großzupan Stefan Nemanja sowie walachischen und kumanischen Rebellen auf und verhandelte mit ihnen über einen gemeinsamen Angriff auf Konstantinopel. Daraufhin lenkte der byzantinische Kaiser im Januar 1190 ein. Am 14. Februar schloss man ein Abkommen, wonach Isaak Schiffe, Geiseln und Lebensmittel zur Verfügung stellen musste. Die Kreuzfahrer überquerten damit in den Tagen vom 22. bis 28. März 1190 bei Gallipoli den Hellespont.

Zug durch Kleinasien Das Heer bahnte sich darauf einen Weg durch Kleinasien. Ab Laodicea befand es sich in muslimischem Gebiet und wurde von den türkischen Rum-Seldschuken angegriffen. Der alternde Kılıç Arslan II. hatte sich von der Regierung zurückgezogen und sie seinen Söhnen überlassen. Der älteste von ihnen, Rutbeddin, schloss sogleich ein Bündnis mit Saladin. Am 7. Mai 1190 setzten sich die Kreuzfahrer in der Schlacht bei Philomelion das erste Mal gegen türkische Einheiten durch. In der gebirgigen Landschaft gab es wenige Lebensmittel, Krankheiten brachen aus, der Transport von Material erwies sich als zunehmend schwieriger. Am 18. Mai 1190 gelang es dem Kreuzfahrerheer, die Türken in der Schlacht bei Iconium ein zweites Mal zu schlagen und deren Hauptstadt einzunehmen. Die Besiegten mussten nun Pferde, Lasttiere und Lebensmittel zur Verfügung stellen und den Kreuzfahrern Geiseln überlassen, die freies Geleit gewährleisteten.

Ende Mai 1190 erreichte Friedrich mit seinem Heer das befreundete Königreich Kleinarmenien in Kilikien und wurde freundlich aufgenommen und unterstützt. Über schwierige Bergpfade zog er nach Seleucia am Fuß des Taurus-Gebirges. Am 10. Juni 1190, schon in Sichtweite der Stadt, ertrank er aber im Fluss Saleph.

Auflösung oder Weitermarsch nach Akkon Von Antiochia aus kehrte ein großer Teil des Heeres demoralisiert auf dem Seeweg nach Hause zurück. Die wenigen verbliebenen Kreuzfahrer reisten unter Führung von Friedrichs Sohn, Friedrich von Schwaben, auf dem Landweg über Tyros in Richtung Jerusalem weiter. Im Oktober 1190 erreichte der Rest von Kaiser Friedrichs Kreuzfahrerheer die belagerte Stadt Akkon und schloss sich den christlichen Belagerern an.

Philipps und Richards Kreuzzug mini|Einschiffung Philipp Augusts in Genua zum Kreuzzug (Miniatur um 1490) Nachdem sie durch die Einführung einer Sondersteuer in ihren Königreichen die finanziellen Mittel für einen Kreuzzug aufgebracht hatten und kriegerische Konflikte miteinander beigelegt hatten, brachen Richard I. von England und Philipp II. von Frankreich am 4. Juli 1190 vom gemeinsamen Treffpunkt in Vézelay nach Palästina auf. Man zog eine Weile gemeinsam, dann trennten sich die Wege der beiden Armeen. Richard zog nach Marseille, wo er auf seine Flotte aus England/Westfrankreich traf, die gerade die Iberische Halbinsel umsegelt hatte. Philipp zog nach Genua, wo er eine genuesische Flotte angeheuert hatte.

Überwinterung auf Sizilien Über den Seeweg erreichten beide im September 1190 Sizilien. 1189 war dort Wilhelm II. von Sizilien kinderlos verstorben. Als neuer König hatte sich Tankred von Lecce durchgesetzt und hielt nun Wilhelms Ehefrau Johanna, die Schwester Richards, gefangen. Richard eroberte am 4. Oktober 1190 die Stadt Messina, befreite seine Schwester und ließ das Kreuzfahrerheer in Messina überwintern. Im März 1191 schlossen schließlich Tankred, Philipp und Richard einen formellen Friedensvertrag.

Am 30. März setzte Philipp die Reise direkt nach Palästina fort. Am 10. April stach auch Richard in See.

Richards Eroberung Zyperns Richards Flotte geriet vor Kreta in einen Sturm und wurde dadurch in zwei Teile getrennt. Während Richard selbst und der Hauptteil seiner Streitmacht sich Ende April in Rhodos sammelte, wurden einige Schiffe mit Richards Verlobter Berengaria von Navarra und seiner Schwester Johanna nach Zypern abgetrieben.