Der Neubau ist seit 1850 Teil des Wiener Stadtgebiets und seit 1861 der 7. Gemeindebezirk.
Geographie Der Neubau wird folgendermaßen begrenzt: Norden: Josefstadt (8. Bezirk), Grenze: Lerchenfelder Straße Osten: Innere Stadt (1. Bezirk), Grenze: Zweierlinie Süden: Mariahilf (6. Bezirk), Grenze: Mariahilfer Straße Westen: Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk) und Ottakring (16. Bezirk), Grenze: Neubaugürtel und Lerchenfelder Gürtel
Der Neubau gehört zu den inneren Bezirken Wiens, zum erweiterten Stadtzentrum, und ist mit einer Fläche von 1,613 km² der drittkleinste Wiener Gemeindebezirk. Er nimmt 0,39 % der Fläche Wiens ein. Der Bezirk gehört zu den am dichtesten verbauten Bezirken Wiens. Nur 2,9 % der Bezirksfläche entfallen auf Grünland.
Topographie Der Neubau liegt auf dem Gebiet zwischen der Senke des heute kanalisierten Ottakringer Bachs und dem Höhenrücken der Mariahilfer Straße. Der Ottakringer Bach verlief ursprünglich im Gebiet der heutigen Lerchenfelder Straße bzw. Neustiftgasse und diente der Vorstadt St. Ulrich zur Wasserversorgung und Abfallentsorgung. Die Meereshöhe fällt im Bezirk von Westen nach Osten ab und beträgt am Gürtel , beim Museumsquartier 182 m ü. A.Faber: Neubau S. 12
Flächennutzung Die Flächen des Neubaus werden fast ausschließlich als Baugebiet oder für Verkehrsflächen genutzt. 72,0 % des Bezirksgebietes werden von Bauflächen eingenommen, der höchste Wert eines Wiener Gemeindebezirkes. Der Großteil der Baufläche (82,5 %) entfällt dabei auf Wohngebiete, der Rest fast ausschließlich auf kulturelle, öffentliche und religiöse Einrichtungen (14,0 %). Als Betriebsgebiet gewidmete Flächen nehmen am Neubau hingegen einen geringen Anteil ein, nur 3,6 % der Baufläche entfallen auf diesen Nutzungstyp. Neben den Bauflächen nehmen die Verkehrsflächen mit 25,2 % den größten Flächenanteil ein. Der Neubau ist dadurch der Bezirk mit den drittwenigsten Grünflächen. Nur 2,9 % der Bezirksfläche entfallen auf diese Nutzungsart, wobei alle Grünflächen des Bezirks Parkanlagen sind.
+ Flächennutzung in ha 2001 Baufläche Grünfläche Verkehrsflächen 116 4,66 40,58 Wohnbau Betriebsgebiet öffentliche Einrichtungen Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Kleingärten Freizeit-Flächen95,654,1316,22–4,66––––
Bezirksteile mini|Bezirksteile des Neubau miniatur|Flohmarkt in der Neubaugasse miniatur|Spittelberg Der Bezirk Neubau wurde 1850 aus den vier Vorstädten Schottenfeld, Neubau, Sankt Ulrich und Spittelberg gebildet. Hinzu kamen kleinere Teile von Mariahilf, Laimgrube und Altlerchenfeld.
Schottenfeld
Der größte Bezirksteil ist Schottenfeld im Westen. Der Bezirksteil umfasst im Wesentlichen das Gebiet zwischen dem Gürtel und der Neubaugasse. Neben dem Magistratischen Bezirksamt (das auch für den 6. Bezirk zuständig ist) befinden sich das Finanzamt, die Hauptbücherei Wien, die Sankt-Laurenz-Kirche und das Kaiserliche Möbelmuseum Wien auf dem Schottenfeld.
Altlerchenfeld (Teil)
Im Nordwesten liegt um die Altlerchenfelder Pfarrkirche an der Lerchenfelder Straße ein kleiner Teil von Altlerchenfeld (der größere Teil gehört zum 8. Bezirk).
Neubau
Östlich des Schottenfelds liegt der relativ kleine ehemalige Ort Neubau zwischen Neubaugasse und Kirchengasse.
Sankt Ulrich
Im Nordosten ist der Bezirksteil Sankt Ulrich situiert. Hier befinden sich das Justizministerium (Palais Trautson), das Mechitaristenkloster und die Pfarrkirche Sankt Ulrich.
Spittelberg
Südlich schließt sich der historisch dichtest verbaute Spittelberg an, der sich als Lokalmeile etabliert hat. Auch das Volkstheater und das MuseumsQuartier befinden sich auf dem Areal des historischen Spittelbergs, werden aber heute nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht.
Laimgrube und Mariahilf (Teile)
Südlich des Spittelbergs liegen kleine Teile der ehemaligen Vorstädte Laimgrube (Stiftskaserne) und Mariahilf, die ansonsten zum 6. Bezirk zählen.
Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die fünf Zählbezirke in Neubau sind St. Ulrich, Stiftskaserne, Apollogasse, Schottenfeld und Neustiftgasse.
Wappen 200px|rechts|Bezirkswappen von Neubau Das Bezirkswappen von Neubau setzt sich aus fünf Teilen zusammen, die für die fünf Bezirksteile stehen: Der Herzschild in der Mitte symbolisiert den Bezirksteil Neubau. Es zeigt einen liegenden Mond und ein goldenes Kreuz. Vermutlich symbolisiert das Wappen den Sieg der Christen über die Wien belagernden Osmanen. Im linken (heraldisch: rechten), oberen Wappenteil wird das Wappen von Altlerchenfeld dargestellt. Der rote Grund wird von einem silbernen Kreuz geteilt, in den vier Feldern stehen vier goldene Lerchen. Die Lerchen stellen neben den Bäumen eine Möglichkeit für die Entstehung des Namens dar. Rechts daneben (heraldisch: links oben) befindet sich das Wappen des Bezirksteils Sankt Ulrich. Es zeigt den Heiligen Ulrich von Augsburg, den Kirchenpatron der Siedlung, auf blauem Hintergrund mit einer grünen Wiese. Er trägt Bischofskleidung und Insignien. In der linken Hand hält er einen silbernen Fisch. Dieser symbolisiert eine Legende, in der erzählt wird, dass Ulrich einem Boten ein Stück Gänsebraten schenkte, das sich in einen Fisch verwandelte. Der linke (heraldisch: rechte), untere Wappenteil repräsentiert den Bezirksteil Schottenfeld. Es zeigt einen Schottenpriester (Benediktiner) vor silbernem Grund, der auf einer Wiese wandert, und symbolisiert damit die frühere Zugehörigkeit des Gebietes zum Schottenstift. Der rechte (heraldisch: linke), untere Wappenteil symbolisiert als sprechendes Wappen den Bezirksteil Spittelberg („Spitalsberg“). Auf einem roten Hintergrund ist ein Felsenberg mit einem blauen Reichsapfel abgebildet, darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer silbernen Taube. Teile des Wappens sind dem Siegel des Bürgerspitals entnommen. (Auf einer Abbildung aus dem Jahr 1734 fehlte der Heilige Geist; der Reichsapfel schwebte auf der Bergspitze des Spitlbergs.)
Die Wappen der Bezirksteile Neubau, St. Ulrich und Spittelberg wurden 1734 in dem von Francisco (Franz) Dolfin (1697–1775) bei Johann Peter van Ghelen in Wien herausgebrachten Werk Lustra decem coronae Viennensis, seu suburbia Viennensia bei einer Vogelschau auf diese Wiener Vorstädte abgebildet. Über das tatsächliche Alter der Wappen der Bezirksteile liegen keine Informationen vor.
Geschichte miniatur|Neubau um 1830 miniatur|Mariahilferstraße (1908) miniatur|Inserate für „Film-Cafés“ in der Neubaugasse 1923, damals Zentrum der österreichischen Filmbranche Ältere Geschichte der Siedlungen
Die älteste Siedlung im Bereich des heutigen Bezirks war das Dorf Zeismannsbrunn. Seit 1302 heißt die Siedlung aber nach dem Patron der Kirche St. Ulrich. St. Ulrich war die wichtigste Hochburg des Protestantismus in Wien. 1693 wurde der westliche Teil von St. Ulrich von der Grundherrschaft als eigenständiger Ort Neubau abgetrennt. Etwas weiter westlich befand sich eine Siedlung im Besitz des Schottenstiftes, die Neustift genannt wurde. Ebenfalls etwas außerhalb befand sich das Schottenfeld (früher auch: oberes Neustift, Ober-Neustift, Neu-Schottenfeld), das wegen seiner Industrie und des daraus folgenden Reichtums auch als Brillantengrund bzw. Seidengrund bezeichnet wurde. (Die Seidengasse erinnert daran.)
Dagegen hatte der Spittelberg (früher: Spitalberg) einen denkbar schlechten Ruf. Die sehr enge Bebauung war der Gesundheit nicht förderlich, außerdem war die Siedlung eine Hochburg der Prostitution. Heute ist dieser Stadtteil Beispiel für eine Luxussanierung.
Eingemeindung 1848/1849 wurde die feudale Grundherrschaft in Österreich aufgelöst; 1849 wurde mit Kaiserlichem Patent vom 17. März 1849 ein provisorisches Gemeindegesetz für alle Länder der Monarchie, ausgenommen die ungarischen, erlassen, in dem bestimmt wurde: Vorstädte haben mit der eigentlichen Stadt immer eine einzige Ortsgemeinde zu bilden.I. Abschnitt, § 2, RGBl. Nr. 170 / 1849 (= S. 203 ff.) Daher wurden die heute den Bezirk Neubau bildenden Wiener Vorstädte nicht selbstständig, sondern 1849 als ehemals schutzunterthänige Vorstadtgemeinden dem Wiener Gemeinderat unterstelltLGBl. für NÖ. Nr. 33 / 1849 (= S. 48) und 1850 als 6. Bezirk mit dem Namen Neubau formell nach Wien eingemeindet.LGBl. für NÖ. Nr. 21 / 1850 (= S. 94 f.) Nach der Teilung Wiedens im Jahr 1861 wurde Neubau zum 7. Bezirk, ein Jahr später wurden die Bezirksgrenzen neu gezogen, wodurch kleine Teile der ehemaligen Vorstädte Mariahilf, Laimgrube und Altlerchenfeld zum 7. Bezirk kamen.
Die westliche Grenze des Bezirks Neubau verlief von der Bernardgasse bis zur Stollgasse einen Häuserblock östlich (!) des in den 1870er bis 1890er Jahren angelegten Gürtels, somit durch Wimbergergasse und Kenyongasse.Neuester Plan von Wien. Alfred Hölder, k.u.k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, Kartographische Anstalt von G. Freytag & Berndt, Wien (um 1900) Der Urban-Loritz-Platz zählte ebenfalls noch zum 15. Bezirk. Durch das Landesgesetz vom 28. Dezember 1904 wurde festgelegt, dass diese Bezirksgrenze an die Gürtelstraße verlegt sei.Art. VII § 2 Abs. 2 lit. b Gesetz vom 28. Dezember 1904, Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Wien, Nr. 1 / 1905 In der dazugehörigen Kundmachung des niederösterreichischen Statthalters vom 7. Juni 1905Art. VII § 2 Abs. 2 lit. b Gesetz vom 28. Dezember 1904, Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Wien, Nr. 104 / 1905 wurde konkretisiert, dass die neue westliche Grenze des 7. Bezirks an der „westlichen Grenze des Stadtbahnkörpers“ verlaufe (somit der innere Gürtel und die heutige U-Bahn-Trasse zum Bezirk gehöre) und ab 1. Juli 1905 gelte.
Die letzten beiden Änderungen der Bezirksgrenzen erfolgten 1995 im Bereich des Lerchenfelder GürtelsGesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 7., 15. und 16. Bezirk (LGBl. für Wien 15/1995), ausgegeben am 20. März 1995 und 1996 im Bereich des Europaplatzes vor dem WestbahnhofGesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 6., 7. und 15. Bezirk (LGBl. für Wien 49/1996), ausgegeben am 25. September 1996, um die Bezirkszugehörigkeit der dortigen Verkehrsanlagen zu vereinfachen.
Die Bebauung des Bezirkes stammt hauptsächlich aus der Zeit zwischen 1880 und 1910. Zu dieser Zeit gab es auch sehr viele Industriebetriebe, die später aufgelassen oder abgesiedelt wurden.
Filmviertel
Mit der Blüte des österreichischen Stummfilms zwischen 1918 und 1923 entwickelten sich die Neubaugasse und angrenzende Straßen zum Filmviertel, wo fast alle in Wien im Film tätigen Unternehmen ihren Sitz oder zumindest eine Niederlassung hatten. Kaum ein Haus, in dem nicht mindestens ein Filmverleih, Filmproduzent, Filmanwalt, eine Filmbuchhandlung, ein Filmcafé oder ein Filmzulieferer die Niederlassung hatte, je näher an der Mariahilfer Straße, umso eher. Auch Filmausstattungsunternehmen und andere Spezialisten der Branche waren damals in der Neubaugasse konzentriert.vgl. Berichte und Anzeigen in österreichischen Filmzeitschriften der 1920er-Jahre (namentlich: Der Filmbote, Das Kino-Journal und Die Filmwelt)
Auch nach dieser Phase blieb die Gegend das Filmviertel, und erst mit dem „Anschluss“ an Deutschland und der darauf folgenden starken Veränderung der zuvor mehrheitlich jüdisch dominierten Filmbranche dürfte die Geschichte des Filmviertels ein Ende genommen haben.
Heute befinden sich in der Neubaugasse und angrenzenden Straßen wie der Mariahilfer Straße und der Siebensterngasse nur noch wenige Niederlassungen von in der Filmbranche tätigen Unternehmen. Zudem ist die Branche insgesamt wesentlich stärker auf einige marktbeherrschende Unternehmen konzentriert, während sich vor 1938 Dutzende Filmverleiher und -produzenten den Markt untereinander aufteilten.
Zweiter Weltkrieg