Die Bob-Europameisterschaft 1971 wurde am 9. und 10. Januar im Zweierbob erstmals auf der erst 1968 gebauten und 1969 eröffneten Kunsteisbahn am Königssee ausgetragen. Da die Bahn damals von der Länge her nach den Regularien der FIBT nicht für einen internationalen Wettbewerb im Viererbob zugelassen war, wurde der Wettbewerb im großen Schlitten am 15. und 16. Januar auf der olympischen Bobbahn von 1964, dem Olympia Eiskanal Igls im österreichischen Igls ausgetragen. Dieser war zu jener Zeit noch eine Natureisbahn.
Zweierbob 32 Bobs aus 9 Nationen nahmen an der ersten internationalen Meisterschaft im Bobsport auf der ersten Kunsteisbahn der Welt teil.Thuner Tagblatt vom 11. Januar 1971 S.8 Favorisiert waren vor allem die bundesdeutschen Bobs mit den Teams Floth/Bader und Zimmerer/Utzschneider, die schon Olympia-, Weltmeisterschafts- und Europameisterschaftsmedaillen aufweisen konnten. Nach einer längeren Durststrecke gaben aber auch die Trainingsleistungen der Schweizer Bobs Anlass zu Medaillenhoffnungen, wobei vor allem das neu zusammengestellte Duo Candrian/Schärer überzeugte. Für Hans Candrian war es die erste Saison als Pilot, Bremser war der noch unbekannte, erst 24-jährige Erich SchärerDer Bund vom 8. Januar 1971 S. 21. Nach dem ersten Wettkampftag lag dann die Sensation in der Luft. Da Anschieber Pepi Bader den Bob beim Start im zweiten Lauf so stark verschob, dass Pilot Horst Floth sich versteuerte, lag das Schweizer Duo Candrian/Schärer zur Halbzeit zwei Zehntel vor den Silbermedaillengewinnern von GrenobleHamburger Abendblatt vom 11. Januar 1971 S. 10. Am zweiten Wettkampftag spielten Floth/Bader allerdings all ihre Erfahrung aus, fuhren im dritten Lauf Bahnrekord und distanzierten schließlich die Eidgenossen noch mit über sechs Zehnteln Vorsprung auf den Silberrang. Für die Schweizer war diese EM-Medaille nach einigen enttäuschenden Jahren fast schon eine Sensation. Das sehr gute bundesdeutsche Abschneiden rundete das Ohlstädter Duo Zimmerer/Utzschneider ab, das sich nach dem vierten Platz am ersten Wettkampftag noch an den Österreichern Gruber/Oberhauser auf den Bronzeplatz vorbeischob. Rang AthletenBob1. Lauf2. Lauf1. Tag3. Lauf4. Lauf Gesamtzeit1 Horst FlothPepi Bader I43,22 s44,37 s 1:27,5942,96 s43,50 s2:54,05 min2 Hans CandrianErich Schärer III 44,11 s44,28 s 1:27,3943,56 s43,71 s2:54,66 min3 Wolfgang ZimmererPeter Utzschneider II 44,01 s43,72 s 1:27,7343,82 s43,36 s2:54,91 min4 Herbert GruberJosef Oberhauser II 44,04 s43,59 s 1:27,6343,86 s43,51 s2:55,00 min5 Max KaltenbergerFritz Sperling III 44,04 s44,05 s 1:28,092:55,51 min6Ferdinand ProbstUdo Quick IV 1:28,132:55,71 min7 Jean WickiHeinz Schenker I 44,60 s43,94 s 1:28,5443,72 s43,55 s2:55,81 min8 Patrick ParisotGérard Monrazel I 1:28,102:55,85 min9Hansruedi MüllerRoland Sedleger 44,29 s44,64 s 1:28,9343,54 s43,94 s2:56,41 min10 Reisch Schmalla 2:56,42 min
Viererbob Nach dem Wettbewerb auf der Kunsteisbahn am Königssee, die den Mannschaften annähernd gleiche Bedingungen gewährleistet hatte, erwartete die schweren Viererbobs auf der Natureisbahn in Igls eine völlig andere Ausgangslage.Der Bund vom 18. Januar 1971 S.12 Durch die witterungsbedingt schlechten Bedingungen auf der Natureisbahn, wurde einen Tag vor dem ersten Wettkampftag ein Training frühmorgens um 5.00 Uhr angesetzt, musste aber bereits nach 12 Schlitten abgebrochen werden, da Flickstellen nicht komplett vereist waren. Aufgrund dieser Ausgangslage wurde festgelegt, die ersten Wertungsläufe eines jeden Wettkampftages bereits um 5.00 Uhr zu starten, den zweiten jeweils um 20.00 Uhr, um durch die bei Dunkelheit fallenden Temperaturen annehmbare Eisbedingungen zu haben.Freiburger Nachrichten vom 15. Januar 1971 S.7 Nach dem ersten Wettkampftag lag der frischgebackene Europameister im Zweierbob, Horst mit seinem Team, knapp mit neun Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem rumänischen Bob mit Altmeister Ion Panturu an der Spitze. Auf dem Bronzerang platzierte sich bis dahin das Ohlstädter Team mit Pilot Wolfgang Zimmerer. Mit 13 Hundertsteln Rückstand waren aber auch für diesen Bob die Chancen auf EM-Gold noch intakt.Thuner Tagblatt vom 16. Januar 1971 S.7 Am zweiten Wettkampftag, an dem letztlich beide Läufe in den frühen Morgenstunden durchgeführt wurden, ließ die Jury wegen des schlechten Zustandes der Bahn nur noch die besten acht Bobs zu den zwei ausstehenden Wertungsläufen zu. Während sich nach dem dritten Lauf an der Platzierung des Vortages noch nichts geändert hatte, brachte der vierte Lauf noch eine überraschende Wendung. Zum einen führte der rumänische Viererbob-Europameister von 1967, Ion Panturu, Bestzeit, zum anderen beging der führende Bob mit Horst Floth an den Lenkseilen einige Fahrfehler und fiel so noch auf den dritten Platz zurück. Panturu wurde dadurch zum zweiten Mal an gleicher Stelle Europameister, der Ohlstädter Vierer konnte sich über Silber freuen. Rang AthletenBob1. Lauf2. Lauf1. Tag3. Lauf4. lauf Gesamtzeit1 Ion PanțuruDumitru FocșeneanuIon ZangorDumitru Pascu 1:05,251:04,892:10,144:19,07 min2 Wolfgang ZimmererWalter SteinbauerStefan GaisreiterPeter Utzschneider I 1:05,681:04,502:10,184:19,39 min3Horst FlothDonat ErtelJan ThölkePepi Bader II 1:04,951:05,102:10,054:20,26 min4Hansruedi Müller??? II 1:05,821:05,182:11,004:21,00 min5Patrick Parisot??? 1:05,501:05,172:10,674:21,39 min6Peter Thurnbichler??? II 1:05,631:05,462:11,094:22,60 min7 Carl-Erik Eriksson??? 1:05,931:05,832:11,764:22,77 min8 Herbert Gruber??? I 1:05,651:05,652:11,304:23,11 min
Medaillenspiegel Platz Nation Gold Silber Bronze 1 1 1 2 2 1 — — 3 — 1 —
Einzelnachweise
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