Die portugiesisch-sri-lankischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Portugal und Sri Lanka. Die Länder unterhalten seit 1953 direkte diplomatischen Beziehungen.Übersicht zu den diplomatischen Beziehungen zu Sri Lanka beim Außenministerium Portugals, abgerufen am 5. Mai 2022

Ihre Beziehungen gelten als gut, jedoch noch wenig entwickelt. Wichtigstes Verbindungsglied ist die historische portugiesische Präsenz im heutigen Sri Lanka von 1506 bis 1658. So geht die Minderheit der Burgher zu einem Teil auf die Cafrinhas (Sri Lanka Kaffirs) zurück, eine Bevölkerungsgruppe, die aus den von den Portugiesen aus ihren afrikanischen Besitzungen hergebrachten Menschen entstand und hier eine eigene, bis heute erhaltene portugiesischbasierte Kreolsprache entwickelte. Die portugiesisch-niederländische Festung und Altstadt von Galle ist seit 1988 Weltkulturerbe und wird als einziges Bauwerk in Sri Lanka in der portugiesischen Denkmalliste SIPA geführt.Eintrag der Altstadt von Galle in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 6. Juni 2022 Zum portugiesischen Vermächtnis in Sri Lanka gehören zudem eine Vielzahl sri-lankischer Familiennamen wie Fernando, Silva, Perera (von Pereira), Fonseka (von Fonseca), Caldera, Andradi (von Andrade) u. a., aber auch die Römisch-katholische Kirche in Sri Lanka, die heute mit etwa 6,1 % von insgesamt 7,3 % die große Mehrheit der Christen im Land stellt.

Die heutigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sind erst wenig entwickelt, auch auf Grund der anhaltenden innenpolitischen Krise Sri Lankas. Es besteht zudem nur eine sehr kleine gegenseitige Diaspora, lediglich in kultureller und sportlicher Beziehungen kommt es häufiger zu Kontakten. In Krisenzeiten halfen auch portugiesische Hilfsorganisationen wie die Assistência Médica Internacional (AMI) in Sri Lanka, insbesondere 2004, 2005 und 2014.Alfredo Cunha (Fotos), Luís Pedro Nunes (Text): Toda a Esperança do Mundo., Porto Editora, Porto 2015 (ISBN 978-972-0-04780-9), S. 304 und 316f

Im Jahr 2015 waren 102 Staatsbürger Sri Lankas in Portugal gemeldet, davon mit 65 die meisten im Großraum der Hauptstadt Lissabon.Offizielle Ausländerstatistiken nach Distrikt, portugiesische Ausländer- und Grenzbehörde SEF, abgerufen am 5. Mai 2022 2019 waren 33 Einwohner Sri Lankas in Portugal geboren.Webseite zur portugiesisch-sri-lankischen Migration beim portugiesischen wissenschaftlichen Observatório da Emigração, abgerufen am 5. Mai 2022 Die genaue Zahl der portugiesischstämmigen Einwohner des Landes ist unbekannt, dürfte jedoch deutlich höher sein.

Geschichte Bis 1658 mini|Portugiesische Asien-Karte von 1630 mini|Lascarins-Wache von Padikara Muhandiram Arthur Silva Wijeyasinghe Siriwardena (1889–1947): auch mit Hilfe der einheimischen Hilfstruppen der Lascarins gelang es den Portugiesen, ihre Interessen im damaligen Ceylon durchzusetzen. mini|Portugiesen ermorden 1594 den königlichen Vertrauten Jayavira Bandara Mudali: portugiesische Militärs nutzten immer wieder die inneren Konflikte der verschiedenen Reiche in Ceylon, um ihre Präsenz zu festigen, wurden jedoch auch immer wieder in innere Konflikte hineingezogen. Der portugiesische Seefahrer Lourenço de Almeida landete im August 1506 als erster Europäer auf der Insel Ceylon, als er nach einer Irrfahrt die alte Hafenstadt Colombo erreichte. Die Portugiesen nannten die Stadt fortan Kolamba, das singhalesische Wort für Hafen. Später entwickelte sich daraus der heutige Stadtname.

Anfangs besonders am Handel mit Zimt interessiert, traf Lopo Soares de Albergaria, Vizekönig Portugiesisch-Indiens, 1518 eine Handelsvereinbarung mit Parakramabahu VIII., dem König des Königreichs Kotte. Die Portugiesen erhielten damit die Kontrolle über die Küste des Königreichs Kotte, das sie im Gegenzug vor Angreifern zur See beschützten. 1517 hatten sie in Colombo bereits eine Festung zum Schutz des Hafens errichtet, die 1518 von Soares de Albergaria nach der Einnahme Colombos vergrößert und verstärkt wurde. Die Portugiesen benannten die Festung nach Unserer Lieben Frau Nossa Senhora das Virtudes (auch Santa Barbara).European Encroachment and Dominance: The Portuguese, In: Sri Lanka: A Country Study, abgerufen am 6. Juni 2022Eintrag der Altstadt von Galle in der portugiesischen Denkmalliste SIPA (unter Cronologia), abgerufen am 6. Juni 2022 Nach 1518 wurde Ceylon ein Stützpfeiler des wachsenden portugiesischen Handelsraums in Südostasien.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 151f

Im Krieg mit dem benachbarten Königreich Sitawaka wurde das Fort 1524 aufgegeben, auch auf Druck des Königs von Kotte. Da die Portugiesen hier nur einen kleinen Posten zurückgelassen hatten, versuchten die muslimischen Händler ihren verlorenen Handel in Ceylon wiederaufzubauen, doch gelang es den wenigen Portugiesen, die in Colombo weiter unter dem Schutz des Königs von Kotte standen, sie erneut zu vertreiben. 1540 kamen die Jesuiten in Ceylon an und begannen die Missionierung, aber auch die systematische Sammlung von Wissen. 1545 wurde das Königreich Jaffna den Portugiesen tributpflichtig, die 1619 die Stadt Jaffna ganz einnahmen und befestigten und damit das ganze Königreich kontrollierten.

Im Oktober 1550 griff Vizekönig Afonso de Noronha mit 500 Soldaten Sitawaka an und besetzte auch Kotte, wo 1551 der König in seinem Palast erschossen wurde. Sein Enkel und Nachfolger wurde zum willfährigen Handlanger der Portugiesen und konvertierte 1557 zum Katholizismus. Die Zwangskonvertierungen und Zerstörungen buddhistischer Tempel und Klöster brachten die Bevölkerung jedoch auch gegen die Portugiesen auf, und stärkten das Königreich Sitawaka, welches fast ganz Kotte mit Ausnahme der Küstenstreifen und dem Gebiet um Colombo einnehmen konnte. In der Schlacht von Mulleriyawa fügte Sitawaka den Portugiesen eine empfindliche Niederlage zu. Selbst die Hauptstadt Kotte, nicht weit von Colombo entfernt, musste 1565 von den Portugiesen gänzlich evakuiert werden; neue Hauptstadt von Kotte war Colombo.Kingsley Muthumuni de Silva: A History of Sri Lanka, University of California Press 1981 (Digitalisat), S. 97–125 Bereits 1554 begann Duarte de Eca mit dem Wiederaufbau der Festung von Colombo.J. Sarath Edirisinghe: The siege of Colombo, Artikel vom 4. Mai 2014 der sri-lankischen Zeitung Sunday Times, abgerufen am 6. Juni 2022

Aus dem Fort von Colombo wurde nun eine ummauerte und durch Gräben und 237 Geschützen gesicherte Stadt. Innerhalb der Festung lebten in den 1650er Jahren 900 Familien adliger Siedler und 1500 Handwerker und Händler. Die Siedlung hatte zwei Kirchen, die Pfarrkirche und São Lourenço, und Konvente der Dominikaner, der Augustiner, der Kapuziner und der Jesuiten. Außerdem lagen innerhalb der Mauern das Armenhaus der hiesigen Santa Casa da Misericórdia und das königliche Hospital.

Die Kontrolle über den Großteil von Ceylon, auch das bis dahin von Sitawaka kontrollierte Inland, erreichte Portugal erst nach einer Reihe einfacher, aber konsequenter Polizeiaktionen zwischen 1580 und 1598.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 242 Das Königreich Kandy konnte allerdings nicht erobert werden. Seitdem Portugal 1580 durch Erbfolge an Spanien gefallen war und aus dieser Iberischen Union heraus immer weniger seine überseeischen Interessen verteidigen konnte, verstärkten die Niederlande nun auch die Angriffe auf die portugiesischen Handelsposten in Ceylon. Durch die Konflikte mit den Niederländern war die portugiesische Flotte zunächst geschwächt, doch nach dem Niedergang Sitawakas 1593 gelang es den Portugiesen zunächst, große Teile Ceylons wieder unter ihre Kontrolle bringen und zu halten, auch mit Hilfe ihrer einheimischen Hilfstruppen, den Lascarins. 1594 erreichten sie sogar einen Freundschaftsvertrag mit dem Königreich Kandy, der jedoch noch im gleichen Jahr in einen anhaltenden Krieg mit den rücksichtslos agierenden Portugiesen umschlug, die sich nun wieder dem Königreich Kandy mit Hilfe ihres engen Verbündeten, dem Königreich Jaffna erwehrten. Später versuchte auch der in Ceylon aufgewachsene Gaspar de Figueira de Serpa, Sohn eines Portugiesen und einer Singhalesin, Kandy zu erobern, scheiterte aber trotz aller noch so brutaler Bemühungen am Ende. Auch seine Vertrauten gingen teils listig, teils auch außerordentlich brutal vor und konnten die portugiesische Präsenz gegenüber den Angriffen Kandys und der Niederländer damit nur noch eine Zeit aufrechterhalten.

Die Niederländische Ostindien-Kompanie verstärkte ihre Bemühungen um den lukrativen Gewürzhandel jedoch unablässig. Spanien verlangte immer stärkeren Tribut aus Portugal, das seinen Überseebesitzungen schließlich keinerlei Hilfe mehr senden konnte, so dass diese sich den Angriffen kaum noch erwehren konnten. Im Niederländisch-Portugiesischen Krieg und der 1655–1656 erfolgten Belagerung Colombos wurden die Portugiesen schließlich aus ihren wichtigsten Stützpunkten in Ceylon verdrängt. 1658 fiel mit Jaffna auch die letzte portugiesische Präsenz in Ceylon an die Niederländer.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 245

Seit 1658 Nach 1658 kam die Insel vollständig unter niederländische Herrschaft. Die verschiedenen europäischen Ostindien-Kompanien blieben weiter Konkurrenten in der Region, jedoch blieb eine Zeit lang halbwegs genug Raum für alle, und die niederländische Kontrolle über Ceylon blieb weitgehend ungefährdet, während Portugal seinen Asienhandel über Portugiesisch-Indien aufrechterhalten konnte. Die Missionstätigkeit der portugiesischen Orden, vor allem der gut organisierten Jesuiten dagegen blieb noch einige Zeit in Ceylon aktiv und wirkte auch noch nach, bis die protestantischen Niederländer schließlich alle katholische Missionierung unterbinden konnten.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 254ff

Im 19. Jahrhundert kam die Insel unter britische Herrschaft, bis sie 1948 unabhängig wurde. Im Januar 1953 nahmen Ceylon und Portugal diplomatische Beziehungen auf. Gegenseitige Botschaften richteten beide Länder danach nicht ein. Am 7. Januar 1953 akkreditierte sich erstmals ein portugiesischer Vertreter in Ceylon, Vasco Vieira Garin, Portugals Vertreter in Indien.

1972 nannte sich das Land in Sri Lanka um. Um die Nelkenrevolution am 25. April 1974 herum brach das Land zunächst die diplomatischen Beziehungen zu Portugal ab, bis sie am 20. Oktober 1976 wiederhergestellt wurden.

Nach dem Terroranschlag in Sri Lanka am Ostersonntag 2019 verurteilte der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa öffentlich die Tat und übermittelte der Regierung Sri Lankas im Namen aller Portugiesen ihr Beileid.Sri Lanka: Marcelo Rebelo de Sousa condena ataques à “liberdade religiosa” - „Sri Lanka: Marcelo Rebelo de Sousa verurteilt Angriff auf "die Religionsfreiheit"“, Artikel vom 21. April 2019 der portugiesischen Zeitung Público, abgerufen am 6. Juni 2022 Auch ein portugiesischer Staatsbürger starb bei den Anschlägen auf Kirchen und Hotels, als er mit seiner Frau die Flitterwochen im Hotel Kingsbury in Colombo verbrachte.Sri Lanka: Rui Lucas morreu em lua-de-mel “num sítio calmo” - „Sri Lanka: Rui Lucas starb bei Flitterwochen "an einem ruhigen Ort"“, Artikel vom 21. April 2019 der portugiesischen Zeitung Público, abgerufen am 6. Juni 2022

Diplomatie Portugal unterhält keine eigene Botschaft in Sri Lanka, das Land gehört zum Amtsbezirk des portugiesischen Botschafters in Indien. In der sri-lankischen Hauptstadt Colombo besteht ein portugiesisches Honorarkonsulat.Diplomatisch-konsularische Kontakte Portugals in Sri Lanka, Portal für Reisende und Auslandsportugiesen des Außenministerium Portugals, abgerufen am 5. Mais 2022