mini|Isabella Weber (2024) Isabella Maria Weber (geb. 1987 in Nürnberg (PDF-Datei) Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Februar 2020.) ist eine deutsche Ökonomin und Hochschullehrerin. Sie ist Associate Professorin für Volkswirtschaftslehre an der University of Massachusetts Amherst in den USA und leitet die Chinaforschung am dortigen Political Economy Research Institute. Schwerpunktmäßig beschäftigt sie sich mit der politischen Ökonomie Chinas, internationalem Handel, der Geschichte des wirtschaftlichen Denkens sowie mit Preis- und Geldtheorie.

Werdegang Isabella Weber besuchte als Tochter einer Erzieherin und eines Küsters eine Waldorfschule und legte anschließend ihr Abitur an einem Gymnasium ab. Aufgrund einer Freiwilligentätigkeit an einer Internationalen Schule in Bangkok 2006 wurde sie Augenzeugin des Militärputsches in Thailand. Anschließend absolvierte sie ein Praktikum bei der örtlichen Niederlassung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Nachdem sie ein Jura-Studium an der Humboldt-Universität nach dem ersten Semester abgebrochen hatte, begann Weber ihre wissenschaftliche Laufbahn mit einem von der Studienstiftung des deutschen Volkes geförderten Stipendium für sozialwissenschaftliche Forschung. Sie absolvierte von 2010 bis 2012 ein Bachelorstudium in Politikwissenschaft mit Nebenfach Wirtschaft an der Freien Universität Berlin, in dessen Rahmen sie von 2010 bis 2011 auch eine Sprachausbildung beim Zentrum für Chinesische Sprache mit Gasthörerschaft an der Universität Peking absolvierte. International Economic Association. Es folgte 2015 ein Master in Wirtschaftswissenschaften an der New School for Social Research in New York City.

Im Jahr 2018 promovierte Weber in Development Studies am Peterhouse College der University of Cambridge mit dem Thema China’s Escape from the ‘Big-Bang’: The 1980s Price Reform Debate in Historical Perspective. Eine weitere Promotion erreichte sie mit der Thesis Essays on Theories of Money and International Trade, wiederum an der New School for Social Research.

Von 2017 bis 2019 war sie Assistenzprofessorin (Lecturer) für Wirtschaftswissenschaften am Goldsmiths College der University of London. 2019 wechselte sie zu Gunsten einer Assistenzprofessur für Wirtschaftswissenschaften an die University of Massachusetts Amherst, wo sie zudem Forschungsleiterin für China Studies am Political Economy Research Institute wurde. University of Massachusetts. Political Economic Research Institute: Isabella Weber

Sie war zudem als Gastwissenschaftlerin an der Tsinghua-Universität und der Universität Duisburg-Essen tätig.

Für Jamaal Bowman und andere fungierte sie als Sachverständige des US-Kongresses. Weber war Mitglied der von September bis Oktober 2022 eingesetzten „ExpertInnen-Kommission [sic!] Gas und Wärme“ (Gaspreiskommission) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz unter Robert Habeck zur Regierungszeit der Ampelkoalition. Als Fellow 2022/2023 am Berggruen Institute in Los Angeles beschäftigte sie sich mit Emergency Economics (Krisenökonomie/Notwirtschaften).berggruen.org

Weber ist Unterzeichnerin der Berlin Declaration. Nach den US-Präsidentschaftswahlen 2024 prägte sie den Begriff der „antifaschistischen Wirtschaftspolitik“. Seit Anfang 2025 ist Isabella M. Weber gemeinsam mit Adam Tooze und Maurice Höfgen Herausgeberin des deutschsprachigen Wirtschaftsmagazins Surplus. Im Juli 2025 bestellte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil Isabell M. Weber zu einem Mitglied der „Expertenkommission für die Modernisierung der Schuldenregel“.

Im Sommersemester 2026 ist Weber elfte Inhaberin der Karl-Polanyi-Gastprofessur in Wien, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), der Central European University (CEU), der International Karl Polanyi Society und der Volkshochschule Wien. Im Juli 2026 gab Weber bekannt, im Wintersemester 2026/2027 am Wissenschaftskolleg zu Berlin zu Fragen der Alltagsökonomie und essentieller ökonomischer Zweige forschen zu wollen.

Sie beherrscht Deutsch, Englisch, Chinesisch, Französisch und Thailändisch (Grundkenntnisse).

Wissenschaftliche Arbeit In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte Weber sich mit der politischen Ökonomie Chinas, internationalem Handel, der Geschichte des wirtschaftlichen Denkens sowie mit Preis- und Geldtheorie. Dazu veröffentlichte sie rund ein Dutzend Peer-Reviewte Zeitschriftenartikel und Buchkapitel. Zudem gab sie der BBC Experteninterview und veröffentlichte Beiträge in Zeitungen wie The Guardian, Jacobin und Pandora Magazine. Seit 2014 hielt sie darüber hinaus Gastvorträge in Deutschland, Großbritannien, den USA, China, Österreich und präsentierte bei Konferenzen. University of Massachusetts. Political Economic Research Institute: Isabella Weber

Ihr erstes Buch How China Escaped Shock Therapy: The Market Reform Debate wurde mit dem Joan Robinson Prize und als bestes Buch in interdisziplinären Studien durch die International Studies Association ausgezeichnet. International Studies Association: News from ISA Darin beschreibt sie, wie die allmähliche Marktöffnung Chinas ablief und wie sie den Aufstieg des Landes erleichtert, ohne dass es zu einer völligen Assimilation an den globalen Neoliberalismus gekommen wäre. Im Mittelpunkt steht der Diskurs um verschiedene Reformmöglichkeiten der Wirtschaft nach dem Ende der Mao-Ära. Zur Debatte habe eine Zerstörung des sozialistischen Systems durch eine Schocktherapie oder eine Nutzung der Institutionen der Planwirtschaft als Schöpfer des Marktes gestanden. In der Entscheidung sieht Weber eine maßgebliche Grundlage für die wirtschaftliche Expansion Chinas im Vergleich zur russischen Wirtschaft, die in Folge einer Schocktherapie brach lag. Auf der Grundlage umfangreicher Recherchen, darunter Interviews mit wichtigen chinesischen und internationalen Akteuren und Vertretern der Weltbank sowie Einblicken in unveröffentlichte Dokumente, zeichnet das Buch die Debatte nach, die es China letztlich ermöglichte, einen Weg der schrittweisen Reindustrialisierung einzuschlagen. Es beleuchtet nicht nur den Wandel der 1980er Jahre, sondern zeigt auch die intellektuellen Grundlagen der Beziehungen zwischen Staat und Markt im China der Reformära. Das Werk wurde von Fachkollegen gelobt und in mehreren Sprachen veröffentlicht. Die deutschsprachige Ausgabe erschien unter dem Titel Das Gespenst der Inflation. Wie China der Schocktherapie entkam im April 2023.

Strategische Preiskontrollen Mit Bezug zu ihren auch historischen Zugängen zur Wirtschaftspolitik vertrat sie im Dezember 2021 die These, strategische Preiskontrollen könnten in Nadelöhr-Situationen zur Inflationskontrolle beitragen. The Guardian Dabei nahm sie besonders Bezug auf die erfolgreiche Inflationskontrolle der Roosevelt-Regierung im Nachgang des Zweiten Weltkrieges. Wiederholt bezeichneten auch andere Ökonomen wie der White House Council of Economic Advisers die Wirtschaftslage der Nachkriegszeit und während der COVID-19-Pandemie als strukturell sehr gut vergleichbar. The White House Damit stellte sie vor allem eine Alternative zu konventionellen makroökonomischen Maßnahmen wie z. B. einer Straffung der Geldpolitik vor, die vielseitig auf Kritik, besonders von neoliberaler Seite, stieß. Jacobin Magazin

Kritik an ihrer These übte wenige Tage später Ende 2021 unter anderem der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman mit dem Hinweis darauf, besonders Lieferketten seien Verursacher von Preissteigerungen und eine Normalisierung der weltwirtschaftlichen Lage würde eine Stabilisierung der Inflation automatisch bringen. Im Mai 2022 veröffentlichte Daten, denen zufolge Lieferkettenprobleme lediglich 38 Prozent der Inflation verursachten, unterstützten indes Webers These. Economic Policy Institute Für Krugmans Anfeindung, Webers Idee sei „truly stupid“ entschuldigte er sich später. Twitter Seine unsachliche Anfeindung wurde dennoch Grundlage von Debatten zu strukturell abwertendem Umgang mit Frauen in den Wirtschaftswissenschaften. Handelsblatt In der New York Times revidierte Krugman im September 2022 seine dereinst geäußerte Meinung und trat für die Sinnhaftigkeit von Preiskontrollen in Europa ein.

Für Deutschland brachte sie mit Sebastian Dullien konkret einen Gaspreisdeckel ins Gespräch.Dullien, Sebastian, und Isabella M. Weber. „Mit einem Gaspreisdeckel die Inflation bremsen“. Wirtschaftsdienst 2022, Nr. 3 (2022): 154–55. Nach erster massiver Kritik fand ihre Position zunehmend Zustimmung, als erste offizielle Zahlen zeigten, dass der Preisanstieg neben Beschaffungsproblemen auch stark durch Gewinnsteigerungen von Ölkonzernen getrieben wurde und auch bei fallenden Beschaffungspreisen Konzerne die Preise künstlich hoch hielten, um ihre Gewinne zu erhöhen. Aus der Praxis ergaben sich zudem Ermittlungen des Bundeskartellamtes, wodurch auch in der Öffentlichkeit Webers und Dulliens Vorschlag eines strategischen Gaspreisdeckels Aufmerksamkeit sowie Zustimmung geriert, zumal fossile Energien ein ausschlaggebender Inflationstreiber sei. Süddeutsche Zeitung

Unternehmensprofite als Inflationstreiber Im Kontext der Inflation untersuchte Weber die Rolle von Unternehmensprofiten als Faktor für steigende Preise. Gemeinsam mit Kollegen veröffentlichte sie Studien, die zeigten, dass erhöhte Gewinnmargen in bestimmten Sektoren erheblich zur Inflationsentwicklung beitragen können. Auch diese These fand nach anfänglich scharfer Kritik Der Spiegel Süddeutsche Zeitung stärkeren Widerhall im wirtschaftswissenschaftlichen Diskurs.

Ihre Forschung lieferte neue Grundlagen für Diskussionen um Lohnerhöhungen und Preisstabilität. Sie argumentierte, dass eine einseitige Fokussierung auf Löhne als Inflationstreiber die Rolle der Unternehmensgewinne vernachlässigt und plädierte für eine umfassendere Analyse der Inflationsursachen. So seien die Unternehmensgewinne von US-Unternehmen auf einen Höchststand seit 70 Jahren gewachsen Business Insider während die Löhne kaum gestiegen seien. Patriotic Millionaires Die größten US-Unternehmen hatten während der Pandemie ihre Profite um durchschnittlich 50 % gesteigert. The Guardian

Auszeichnungen Für ihre Arbeit über den Aufstieg der Wirtschaft in der jüngeren Geschichte Chinas wurde Isabella Weber 2018 mit dem Warren Samuels Prize for Interdisciplinary Research in History of Economic Thought and Methodology ausgezeichnet und 2019 mit der Ground-breaking Subject Matter Accolade der International Convention of Asia Scholars. University of Massachusetts. Political Economic Research Institute: Isabella Weber

Webers Buch „How China Escaped Shock Therapy: The Market Reform Debate“ wurde unter anderem mit dem Wissenschaftspreis der Keynes-Gesellschaft, dem International Studies Association Best Interdisciplinary Book Award und dem Joan Robinson Prize 2021 ausgezeichnet. International Economic Association. Zudem wurde es auf eine Reihe von Listen der wichtigsten bzw. besten Bücher 2021 aufgenommen. So auf die Listen der Financial Times, der Foreign Policy, des Project Syndicate, von ProMarket und Folha de S. Paulo.

2024 erhielt sie den Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik.

Ausgewählte Veröffentlichungen Peer-reviewte Zeitschriftenartikel K. V. Velupillai, I. M. Weber: Reflections on B P Adarkar’s ‘Years of High Theory’ (1934–1941). In: Economic and Political Weekly. Band 51, Nr. 14, 2. April 2016. I. M. Weber, G. Semieniuk: China and American Radical Political Economists: From Great Hopes to Disillusionment. In: Research in the History of Economic Thought and Methodology. 37A, 2019, S. 31–63, doi:10.1108/S0743-41542019000037A005 (Winner of the Warren Samuels Prize for Interdisciplinary Research in the History of Economic Thought and Methodology). I. M. Weber: On the necessity of money in an exchange-constituted economy: the cases of Smith and Marx. In: Cambridge Journal of Economics. Band 42, Nr. 6, 2019, S. 1459–1483, doi:10.1093/cje/bez038.