Wiesentheid ist der Hauptort des Marktes Wiesentheid im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Er bildet heute, als einwohnerreichster und größter Gemeindeteil, den Mittelpunkt der politischen Gemeinde Wiesentheid und des zentralen Landkreises. Die Siedlung war bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts politisch unbedeutend und stieg erst in der Folge, als Residenz der Herren von Dernbach, die 1681 die Reichsstandschaft erhielten, zu einem Zentralort auf. Die Bedeutung wurde noch durch die Grafen von Schönborn verstärkt, die zwischen 1697 und 1806 über Wiesentheid herrschten.

Den Grafen von Schönborn ist auch das bis heute weitgehend intakte Gepräge des Marktortes zu verdanken. Sie schufen im 18. Jahrhundert ein Ensemble aus Pfarrkirche, Schloss mit Schlosspark und Verwaltungsbauten im Stil des mainfränkischen Barock, wozu bedeutende Künstler wie Leonhard Dientzenhofer, Balthasar Neumann oder Giovanni Francesco Marchini mit ihren Arbeiten beitrugen. Die Barockisierung des Ortsbildes machte auch nicht vor den Häusern der Untertanen Halt, sodass der gesamte Altort heute von Bauten dieser Zeit dominiert wird.

Der Tourismus spielt für Wiesentheid dennoch eine nur untergeordnete, jedoch immer wichtigere Rolle. Bedeutsamer ist seine zentrale Lage und der Anschluss an die Bundesautobahn 3, sowie die überregional bedeutsame Bundesstraße 286. In Wiesentheid siedelten sich seit den 1960er Jahren mehrere Industrieunternehmen an, die den Hauptort heute für Einpendler attraktiv machen. Daneben entstanden Einkaufsmöglichkeiten für ein großes Einzugsgebiet. 1994 wurde Wiesentheid zu einem Unterzentrum in der Planungsregion Würzburg aufgewertet.

Geografie Lage Wiesentheid liegt im Zentrum der politischen Gemeinde. Die Gemeindeteile ordnen sich klammerförmig um den Markt an. Im Norden beginnt die Gemarkung der Stadt Prichsenstadt, die der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde ist. Nordöstlich liegt Geesdorf, südöstlich ist die Gemarkung Untersambach zu finden, der Gemeindeteil Untersambacher Mühle liegt Wiesentheid am nächsten. Der Südsüdosten wird von der Fläche der Gemeinde Abtswind eingenommen, im Süden liegt Rüdenhausen, während die Gemarkung von Kleinlangheim in einem schmalen Streifen im Südwesten hereinragt. Der Westen und Südwesten wird von der Gemarkung Feuerbach ausgefüllt. Der hier gelegene Gemeindeteil Obere Papiermühle liegt Wiesentheid am nächsten. Der historischen Größe der Gemarkung von Prichsenstadt-Laub ist die Grenze im Nordwesten geschuldet.

Nächstgelegene, größere Städte sind Volkach, mit einer Distanz von etwa 11,5 Kilometern und Gerolzhofen, das ungefähr 11,7 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 30 Kilometer entfernte Würzburg.

Gemarkung Die Gemarkung Wiesentheid hat eine Fläche von 11,126 km². Sie ist in 2631 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4228,69 m² haben. Ihre benachbarten Gemarkungen sind im Nordwesten Laub, im Nordosten Prichsenstadt, im Osten Geesdorf und Untersambach, Abtswind im Südosten, Rüdenhausen im Süden und Feuerbach im Westen.

Die Gemarkung Wiesentheid bildet das Zentrum des Gemeindegebiets von Wiesentheid mit Wiesentheid als einzigem Gemeindeteil auf der Gemarkung. Sie ist nur wenig bebaut. Unmittelbar östlich schließen sich die Sportplätze des Marktes an die bebaute Fläche an. Während der Süden der Gemarkung von größeren Waldflächen (Obere und Untere Lag, Heimbachtannig und Zagel) dominiert wird, herrschen im Norden und Westen landwirtschaftlich genutzte Flurlagen vor. Lediglich im Nordwesten ragt mit einigen Waldabteilungen (Ameisenschlag, Fladig, Gauwitzen, Plankeck, Seeschlag) des Michelheidewalds eine weitere forstlich genutzte Fläche hinein.

Naturräumliche Lage Naturräumlich liegt Wiesentheid am Übergang zweier Räume innerhalb des Steigerwaldvorlandes. Beide Areale sind dem Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland zuzurechnen, wo der Einfluss des Mittelgebirges auf die Landschaft bereits deutlich spürbar ist. Der Süden der Gemarkung kann dem Schwanbergvorland zugerechnet werden. Anders als viele angrenzende Areale profitiert das Gebiet von einer Niederschlagsstraße, die von Ochsenfurt kommend in Richtung des Steigerwaldes verläuft. Dagegen verweisen die Böden in ihrer Zusammensetzung bereits auf das Steigerwaldvorland von Neuses im Norden der Gemarkung.

Der Marktort liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung. In Wiesentheid wird aufgrund der fehlenden Reliefenergie kein Weinbau betrieben. Der Übergangscharakter wird auch in der Bodenzusammensetzung deutlich. Der Großteil der Gemarkung wird von Sandböden eingenommen, die über einer Schicht von Letten- und Gipskeuperböden anstehen. Die Mächtigkeit dieser Flugsande nimmt aber nach Südosten hin zugunsten von Böden des Unteren Keuper mit Grenzdolomiten und Letten ab.

Hydrologisch wird Wiesentheid trotz einer mehrere Kilometer weiten Entfernung vom Fluss durch den Main beeinflusst. Dem Main, genauer dem Mainzufluss Schwarzach, streben alle Bäche innerhalb der Flächeneinheit Wiesentheids zu. Der historische Altort Wiesentheid wird vom Sambach durchflossen. Auf dem Gebiet der mittelalterlichen Siedlung mündet der Fasanenbach in den Fluss. Genau wie die beiden weniger schüttungsstarken Fließgewässer Klingenbach und Heimbach (auch Heubach) fließt der Sambach von Osten nach Westen durch die Gemarkung.

Die Gewässer speisen noch heute mehrere Seen. Besonders viele sind im Nordwesten der Gemarkung am Rande des Michelheidewalds zu finden. Die Seen sind bis heute zumeist nur umgangssprachlich benannt, wobei die Benennungen sich von alten Flurlagen ableiten. Folgende Seen existieren: Bleichsee, Brühlsee, der Große See, Hirschensee, Hirschgartensee, Reservenweiher, Schulzensee, Neuer See, Schlosssee oder Parksee, Soolsee, Weed See (auch Weeth See, Weedsee) und Zagelsee.Dieter Krenz: Wiesentheid. Ein Streifzug durch die Geschichte. Münsterschwarzach 2018. S. 101–103. Einige der Seen sind heute nicht mehr mit Wasser gefüllt, sondern liegen trocken.

Ortsgliederung Im Zentrum der Gemarkung Wiesentheid liegt der historische Ortskern. Der älteste Teil Wiesentheids reihte sich als Straßendorf mit Gewannfluren entlang der heutigen Sophienstraße auf. Der charakteristische, dreiecksförmige Marienplatz bildet den Endpunkt der mittelalterlichen Ursiedlung. Nordöstlich schließt sich dagegen die barocke Erweiterung an, die im 17. und 18. Jahrhundert angelegt wurde und heute als T-Form von Kanzleistraße/Schlossplatz und Balthasar-Neumann-Straße gebildet wird. Ergänzt werden die historischen Siedlungen um die am Ausgang des 18. Jahrhunderts angelegte Schönbornstraße im Süden.

Ein weiterer Pol des Ortes wird durch den Schlosspark gebildet, der nördlich an das Schloss anschließt. Außerdem besteht mit der Kreuz- oder Jakobskapelle als Familiengrablege der Grafen von Schönborn im Osten der Sophienstraße bzw. an der ostwärts führenden Feuerbacher Straße ein zusätzlicher, historischer Knotenpunkt. Um die historischen Knoten ordnen sich die Neubaugebiete des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. mini|Über 100 Jahre alte Weide bei Wiesentheid Die ältesten Areale wurden 1950 im Gebiet westlich der Schönbornstraße um die Seeflurstraße (Baugebiet „Hedwig-Dern-Straße“) ausgewiesen. Es folgte 1951 das Areal um die Nikolaus-Fey-Grund- und Mittelschule im Osten und die Neubaugebiete im Südosten um die Steigerwaldhalle. Die Gebiete im Norden des Steigerwald-Landschulheims um die Blumenstraße sind noch jüngeren Datums. Der Friedhof des Ortes ist an der Nikolaus-Fey-Straße am östlichen Ortsausgang zu finden.

Die Nähe zur Bundesautobahn 3/Europastraße 45, sowie die Anbindung an die Bundesstraße 286 führte insbesondere seit den 1960er Jahren zu einem starken Anwachsen der Siedlungsfläche. Zusätzlich entstanden Gewerbeflächen im Süden des Altortes, die heute von der Staatsstraße 2240 durchquert werden. Bedeutende Industrieflächen sind außerdem an der Feuerbacher Straße mit der städtischen Kläranlage zu finden.

Aufgrund der jahrhundertelangen Inanspruchnahme der Fluren durch den Menschen existieren um Wiesentheid kaum Schutzgebiete. Lediglich entlang der Bäche Sambach und Fasanenbach wurden die naturnahen Ufer mit Auengehölzen und Erlenbeständen als Biotope eingetragen. Besondere Bedeutung für die Artenvielfalt hat auch der Gehölzbestand im Schlosspark, sowie die aus der menschlichen Nutzung entzogenen Teiche nördlich der Erlachsmühle. Daneben wird der nordwestliche Teil der Gemarkung von einem Teil des Vogelschutzgebietes Südliches Steigerwaldvorland eingenommen. In der Flächeneinheit sind drei Naturdenkmäler und einige alte Bäume zu finden. Mit den Dünen im Michelheidewald nordwestlich von Wiesentheid existiert ein eingetragenes Geotop in der Nähe des Hauptortes.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Wiesentheid und seine Gemarkung gehören nicht zu den Orten mit einer langen vor- und frühgeschichtlichen Siedlungstradition. Zwar stieß man im Nordwesten der Flächeneinheit auf eine Siedlung vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung, die durch Lesefunde belegt werden können. Intensive Grabungen wurden allerdings hier noch nicht vorgenommen. So konnten bisher noch keine Funde aus dem Paläolithikum gemacht werden und auch bronzezeitliche Objekte wurden noch nicht entdeckt.

Die Bronzezeit ist jedoch mit einigen Funden auf den Fluren von Reupelsdorf gut erschlossen. So grub man hier über 50 Gegenstände aus Bronze aus, die als Reupelsdorfer Hortfund aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert ins Museum für Franken gelangten. Die Gegend um Wiesentheid war in der Bronzezeit bereits dicht besiedelt. Im Michelheidewald, auf Kleinlangheimer Gemarkung, entdeckte man mehrere Hügelgrabfelder aus der späteren Bronzezeit und der frühen Eisenzeit. Die Region war vor allem von Menschen der Hallstattkultur besiedelt.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Völkerwanderungszeit bisher kaum archäologisch nachweisbar ist. Allerdings entdeckte ein Volkacher Hobbyarchäologe im Juni 2008 mehrere Tonscherben, Schalen und Vorratstöpfe aus römischer Zeit in einem Erdaushub aus Wiesentheid. Über die Scherben erfolgte der erste archäologisch gesicherte Siedlungsnachweis aus dem Wiesentheider Kernort, wobei die Objekte bereits auf die germanische Zeit datiert wurden. Sie stammten von einem Brennofen, der vielleicht von Markomannen oder Hermunduren betrieben wurde.Dieter Krenz: Wiesentheid. Ein Streifzug durch die Geschichte. Münsterschwarzach 2018. S. 11.

Ab dem 6. Jahrhundert begannen fränkische Stammesverbände von Westen kommend in das Gebiet vorzustoßen und verdrängten die etablierte Bevölkerung langsam. Die Franken brachten das Christentum in das Steigerwaldvorland mit und etablierten erste Verwaltungsgrenzen, die sogenannten Gaue. Die Gegend um Wiesentheid kam zum südlich der Schwarzach gelegenen Iffgau. Der ungewöhnliche Ortsname mit der Endung -heid ist in keine Ortsnamenmode einzuordnen, weswegen eine Entstehung des Ortes keiner bestimmten Phase der fränkischen Besiedlung zugeordnet werden kann.

Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wiesentheid bereits in einer Urkunde des Jahres 918. Das Dokument, ausgestellt am 21. April in Frankfurt, wurde von König Konrad I. signiert. Der König bestätigte hierin eine Schenkung des mattonischen Kommendatarabtes Dracholf an das Kloster Münsterschwarzach, die eventuell bereits 892 stattgefunden haben soll. Neben anderen Orten wird „ad Wisenheida“ erstmals erwähnt. Die Siedlung diente, zusammen mit Düllstadt und Stadelschwarzach, zur Versorgung des Klosters mit lebensnotwendigen Gütern.Dieter Krenz: Wiesentheid – Ein Streifzug durch die Geschichte. Wiesentheid 2018. S. 14–16.