mini|Oberer Teil des Epitaphs König Cunincperts, seit 1896 in den Musei civici di Pavia. Das Marmorfragment misst 60 mal 100 cm, dabei ist es 9 cm dick. Bei den Buchstaben handelt es sich um römische Majuskeln, die 3,5 cm hoch sind. Erhalten blieb das Fragment dadurch, dass es in der Kirche San Salvatore in die rechte Mauer eingefügt wurde; dann gelangte es im frühen 19. Jahrhundert in die Sammlung des Marchese Luigi Malaspina. Schließlich wurde es von der Provinzverwaltung dem Museum überantwortet.Die Transkription bei Ludwig Anton Muratori: Geschichte von Italien, nach Ordnung der Jahre, vom Anfange der Christlichen Zeit-Rechnung bis auf das Jahr 1500, aus dem Italiänischen übersetzt, und hin und wieder mit Anmerckungen, insonderheit zur Erläuterung der Teutschen Historie, versehen, Teil 4: Vom Jahr Christi DC. bis DCCCCXL, Jacob Schuster, Leipzig 1740, S. 230. Demnach lautet der Text: „Avreo ex fonte qviescvnt in ordine reges / avvs, pater, hic filivs Heivlandvus tenetvr / Cvningpert florentissimvs et robvstissimvs rex. / Qvem Dominvm Italia patrem atqve pastorem / inde flebile maritvm iam vidvuata gemet. Alia de parte si originem qvaeras, / rex fvit avvs, mater gvbernacvla tenvit regni, / mirandvs erat forma, pivs, mens; si regviras, / miranda …“ (Digitalisat, S. 230). mini|Beginn des 6. Buches der Historia Langobardorum des Paulus Diaconus in der Handschrift Cividale del Friuli, Museo Archeologico Nazionale, XXVIII aus der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts Cunincpert, auch Cuningpert, Cunicpert, Cuninopert (* nach 650; † 700), war von 688 bis 700 König der Langobarden, nachdem er bereits rund ein Jahrzehnt mit seinem Vater als Mitkönig geherrscht hatte, was bei den Langobarden sonst nicht vorkam.
Wie sein Vater Perctarit setzte er die Katholisierung des zuvor arianischen Langobardenreichs gegen bewaffneten Widerstand seitens einiger Herzöge, aber auch einiger „cives“ der Hauptstadt Pavia durch. Widerstand leisteten zudem weitere Städte im Norden. Cunincpert brach die Macht der Herzöge im Norden Italiens.
Darüber hinaus beendete er den seit eineinhalb Jahrhunderten bestehenden Dreikapitelstreit im Nordosten der Halbinsel. Bei der Macht- und Religionspolitik, die untrennbar verbunden waren, nutzten sowohl der Vater als auch der Sohn zwischen 662 und 700 das Mittel der Klostergründungen. Auch intensivierten sie die Verehrung des Erzengels Michael, den sowohl Arianer als auch Katholiken anerkannten und der auf diese Weise, verknüpft mit der Dynastie, eine Integrationsfigur werden konnte. Zudem wurden sowohl der Vater als auch der Sohn bei ihrer Religionspolitik durch ihre Familie und den Papst, vor allem aber durch die fränkischen, ebenfalls katholischen Agilolfinger unterstützt, die in Süddeutschland und Italien großen Einfluss hatten und die auf der Halbinsel von 653 bis 712 die meisten Könige stellten. Wie spätere Gesetze erweisen, bestanden trotz dieser politisch-religiösen Ausrichtung weiterhin vorchristliche Gebräuche fort.
Das Herzogtum Benevent im Süden Italiens, gleichfalls langobardisch, verselbstständigte sich hingegen zunehmend, obwohl Cunincpert, als sein Vater 662 zu den Awaren und danach den Franken hatte fliehen müssen, in Benevent mit seiner Mutter Zuflucht gefunden und dort seine Jugend verbracht hatte. Darüber hinaus scheiterte unter Cunincperts Sohn der Versuch einer Dynastiegründung im Kampf mit einem anderen Zweig der eigenen Familie.
Leben Herkunft, Familie mini|Inschrift der Äbtissin Cunincperga / Cunincperta, der Tochter Cunincperts und seiner Frau Hermelinda Cunincperts Eltern waren König Perctarit aus der Familie der Agilolfinger und seine Frau Rodelinda (Paulus Diaconus, Historia Langobardorum V, 33).
Cunincpert heiratete um 688 die Angelsächsin Hermelinda. Paulus Diaconus schreibt: „Cunincpert rex Hermelinda ex Saxonum Anglorum genere duxit uxorem“ (V, 37). Mit ihr hatte er den Sohn Liutpert und die Tochter Cunincperta (auch Cunincperga), die später Äbtissin des Klosters S. Maria Theodotis della Posterla wurde.Martina Hartmann: Die Königin im frühen Mittelalter, Stuttgart 2009, S. 51.
Flucht des Vaters (662), mit der Mutter als Geisel nach Benevent Als König Perctarit 662 vor dem Usurpator Grimoald, dem Herzog von Benevent, aus seiner Hauptstadt Mailand ins Exil zu den Awaren floh, wurden seine Frau Rodelinda und sein kleiner Sohn Cunincpert als Geiseln nach Benevent gebracht (Historia Langobardorum IV, 51). Ob sie dort als Exilanten oder Geiseln lebten, lässt sich aus den Quellen nicht erschließen, in jedem Falle wurden sie dort während ihres zehnjährigen Aufenthalts von Grimoalds Sohn Romuald I. ehrenhaft behandelt. Perctarits Schwester musste Grimoald heiraten. Für kurze Zeit kehrte Perctarit nach Pavia zurück, musste jedoch verkleidet fliehen. Ein fränkisches Heer versuchte, ihm wieder zum Thron zu verhelfen, doch unterlag es dem Heer Grimoalds bei Asti. Der byzantinische Kaiser versuchte im nächsten Jahr Benevent zu erobern, doch scheiterte auch dieser Versuch, ebenso wie ein Versuch der Awaren, im Nordosten zu siedeln. Grimoald zerstörte verschiedene Städte, darunter Oderzo. Er schloss sogar mit den Franken einen Frieden, so dass Perctarit seine Flucht nach Britannien vorbereitete.
Nachdem Grimoald 671 vergiftet worden war, konnte Perctarit zurückkehren. Er vertrieb Garibald, Grimoalds minderjährigen Sohn und Nachfolger, und eine Volksversammlung wählte Perctarit drei Monate nach Grimoalds Tod einstimmig zum König. Sogleich ließ er seine Frau und seinen Sohn Cunincpert aus dem beneventanischen Exil zurückholen (Historia Langobardorum V, 33).
Mitregentschaft (vor dem 20. Januar 680 bis 688/690) Um 679, spätestens jedoch im Januar 680, erhob Perctarit seinen Sohn Cunincpert zum Mitkönig – „in regno consortem adscivit“ –, mit dem er zusammen („pariter“) noch zehn Jahre herrschte (V, 35). In welcher Weise dies geschah, ist unklar, da Paulus Diaconus sich nicht weiter dazu äußert, dieser aber die einzige Quelle dazu darstellt. Die Datierungsformel einer Urkunde vom 20. Januar 685, die das 13. Regierungsjahr Perctarits und das 5. Cunincperts nennt, belegt, dass letzterer bereits zu dieser Zeit auf dem Thron saß. Vater und Sohn herrschten demnach zehn Jahre lang gemeinsam. Allerdings geht aus einer Urkunde vom 9. November 688 hervor, dass Perctarit zu diesem Zeitpunkt bereits tot war.Carlrichard Brühl (Hrsg.): Codice diplomatico longobardo, III, 1, (= Fonti per la Storia d’Italia, LXIV), Rom 1973, n. 7.
Dux Alahis von Tridentum (Trient) erhob sich um 679 gegen Perctarit und besiegte den comes der Bayern, den Herrn über Bozen und weitere Orte, der dort „gravio“ (Graf) hieß, wie Paulus ergänzt.Mathieu Schwann deutete diesen Sieg 1890 als bloßen Grenzkonflikt, wie man es in dieser Zeit gewohnt war, denn die Grenzen zwischen Langobarden und Bayern wurden nicht verändert (Ders.: Illustrierte Geschichte von Bayern, Bd. 1, Süddeutsches Verlags-Institut, Stuttgart 1890, S. 277). Perctarit rückte mit seinem Heer aus und belagerte Alahis in Tridentum, erlitt jedoch eine schwere Niederlage. Cunincpert, der Alahis „iam olim diligebat“, gelang es, die beiden zu versöhnen. Darüber hinaus sprach Perctarit dem Rebellen auf Bitten Cunincperts auch das Dukat Brescia zu, obwohl er Alahis misstraute und seinen Sohn warnte. Mehrmals rettete Cunincpert dem aufständischen dux, den Perctarit hinrichten wollte, das Leben (Historia Langobardorum V, 36). Alahis wiederum wehrte sich weiterhin gegen die Katholisierung durch das Königshaus.
Die Verhandlungen im Dreikapitelstreit wurden, auch dank Perctarits, bis zu den ersten Jahren, in denen Cunincpert allein regierte, fortgesetzt. Diese führten zur römischen Synode von 680 und zum Dritten Konzil von Konstantinopel, das 680 bis 681 stattfand.
Herrschaft 300px|mini|Cunincpert war der erste Langobardenkönig, dessen Abbild nebst Titel auf den in seinem Namen geprägten Münzen erschien. Ein in Pavia geprägter Tremissis mit der Umschrift DN CVNI-INCPE RX; Dominus Noster Cunincpert Rex (Unser Herr Cunincpert, der König) zeigt zudem eine weitere Neuerung, nämlich die Hervorhebung SCS MI-HAHIL (Sankt Michael), also desjenigen Heiligen, in dessen Schutz man sich begab. Möglicherweise von den Gebräuchen in Benevent inspiriert, wo Cunincpert als Kind im Exil war, wurde die Münzreform in zwei Etappen durchgeführt, deren genauer Zeitpunkt nicht mehr sicher festgestellt werden kann. Durch die Münzreform wurden die inzwischen stark abgewerteten byzantinischen Münzen verdrängt, was nur bei einer durchgreifenden Kontrolle möglich war, allein schon, um zu verhindern, dass die neuen Münzen mit ihrem hohen Goldanteil sogleich gehortet wurden und somit dem Austausch und Handel nicht mehr zur Verfügung standen. Im Gegensatz zu Süditalien, das in näherem Kontakt mit Byzanz stand, wurden unter Cunincpert keine Solidi geprägt.Ermanno Arslan: Una riforma monetaria di Cuniperto, re dei Longobardi (688–700), in: Quaderni Ticinesi di Numismatica e Antichità Classiche (1986) 249–275. Nach Perctarits Tod verblieb sein Sohn Cunincpert als alleiniger König; er heiratete „Hermelindam ex Saxonum Anglorum genere“ (Historia Langobardorum V, 37), sie war also von sächsisch-anglischer Herkunft, eben aus Britannien. Doch zunächst, unmittelbar nach dem väterlichen Begräbnis, berichtet Paulus Diaconus davon, dass der König sich während eines Jagdausfluges aus dem Lager geschlichen habe, um mit der Romanin Theodota Geschlechtsverkehr zu haben. Zuvor hatte ihn seine eigene Frau auf die Schönheit des Mädchens aufmerksam gemacht, das sie im Bad mit ihren flachsfarbenen, beinahe fußlangen Haaren bewundert hatte. Cunincpert hatte noch so getan, als würde er den Worten seiner frisch vermählten Frau keine Bedeutung beimessen. Danach lebte Theodota jedenfalls in einem Kloster, das später den Namen S. Maria Theodotis della Posterla erhielt. Theodota, die ansonsten unbekannt ist, ist durch eine Grabinschrift bezeugt, die um 750 entstand; diese Inschrift dürfte Paulus bekannt gewesen sein.
Dessen versteckte Kritik liegt vielleicht darin, dass die Romanin, obwohl nun nicht mehr Jungfrau, ins Kloster geschickt wurde. Oder aber, wenn sich Paulus in erster Linie an fränkische Leser wandte, dass er versteckt die Unkeuschheit des gerade erst verheirateten Königs tadeln wollte. Denn kurz bevor er den Tod Cunincperts schildert, lobt er die Keuschheit des Arnulf von Metz (eines bedeutenden Vorfahren seines Auftraggebers, des Frankenkönigs Karl), der, wie er betont, in der gleichen Zeit lebte.Ross Balzaretti: Sexuality in Late Lombard Italy, in: April Harper, Caroline Proctor (Hrsg.): Medieval Sexuality. A Casebook, Routledge, New York 2008, S. 7–31, hier: S. 15. Immerhin, so konstatierte Andrea Esmyol, nutzte der König „gegenüber seiner Frau eine List und bestellte Theodote nicht einfach vor ihren Augen in ihr Haus.“ Ob dies aus Rücksicht auf seine Frau oder auf die Familie der Theodote geschah, bleibt unklar.Andrea Esmyol: Geliebte oder Ehefrau? Konkubinen im frühen Mittelalter, Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, S. 60 f.
Letzte Aufstände der Herzöge und Arianer, Schlacht von Coronate Cunincpert gelang es, eine Reihe von Widerständen niederzuringen, die von Gruppen ausgingen, die sich gegen die Religions- und Zentralisierungspolitik von Vater und Sohn schon lange wehrten. Nach diesen Jahren veränderte sich dementsprechend die Natur der Konflikte unter den Langobarden: „Zukünftig entluden sich Spannungen nur in Dynasten-Kriegen nach merowingischem Vorbild.“Klaus Coors: Die Langobarden, Diplomica, Hamburg 2017, S. 33.