Die sechs Familien der Einsiedlerkrebse gehören zusammen mit zwei weiteren Familien, den krabbenförmigen Vertretern der Königskrabben und den Hapalogastridae, zur zoologischen Überfamilie Paguroidea mit über 800 Arten. Den meisten Einsiedlerkrebsen ist gemeinsam, dass der Hinterleib asymmetrisch ist, bei symmetrischem Pleon (Pylochelidae und einige Arten anderer Familien) ist das verbindende Merkmal der reduzierte vierte Pereiopode. Die meisten Einsiedlerkrebse verbergen ihren Hinterleib in leeren Schneckenhäusern, ähnlichen von anderen Lebewesen gebildeten Behausungen wie beispielsweise Korallen oder kalkigen Wurmröhren, oder auch Plastikmüll. Dieses Verhalten ist für sie lebensnotwendig, da ihr Hinterleib meist weich und ungeschützt ist und Fressfeinden als Angriffspunkt dienen könnte. Einige Tiefsee-Einsiedlerkrebse nutzen Krustenanemonen zum Schutz. Im Laufe des Wachstums werden immer größere Gehäuse zum Tausch benötigt. Der Palmendieb trägt als Juvenile eine Schale. Königskrabben haben diese Lebensweise im Laufe der Evolution verloren und sekundär einen weitgehend stark kalzifizierten Hinterleib ausgebildet. Sie sind groß genug, um auch als Meeresfrucht genutzt zu werden.
Merkmale Der Brustpanzer besteht aus dem dritten bis siebten thorakalen Sterniten, der achte ist selbständig. Das Pleon ist meist symmetrisch, die Somiten nicht abgegrenzbar oder deutlich und verknöchert (Polyychelidae, Probeebei, Palmendieb). Augenschuppen (Seitenplatten, die sich innenseitig am Augenstiel anheften) sind vorhanden. Der Antennenstiel besteht aus fünf Gliedern. Die Scherenbeine sind meist asymmetrisch, kurz und kräftig. Der vierte Pereiopode ist reduziert und kleiner als die ersten beiden Schreitbeine, lediglich die Stein- und Königskrabben machen hier eine Ausnahme. Die Uropoden sind of asymmetrisch und bilden keinen Schwanzfächer. Das Telson ist gewöhnlich symmetrisch und ungeteilt.
Einsiedlerkrebse haben als Zehnfußkrebse fünf Gliedmaßenpaare (Pereiopoden): ein Paar Scherenbeine, zwei Paar Laufbeine, die aus dem Schneckenhaus ragen, und zwei Paar kleinere, für ihre Sonderfunktion verkürzte Beine, mit denen sie ihre Behausung festhalten. Die Familien der Linkshändigen Einsiedlerkrebse (Diogenidae) und der Rechtshändigen Einsiedlerkrebse (Paguridae) unterscheiden sich durch die Seite, an der sie das größere Scherenbein tragen, mit dessen Hilfe sie den Eingang ihres Gehäuses verschließen können.
Lebensweise Es gibt auch sessil lebende Paguroiden, beispielsweise Vertreter der Gattung Paguritta, die in Steinkorallen der Gattung Porites leben und mit ihren zu Fangnetzen umgewandelten Fühlern Plankton fangen.Helmut Schuhmacher: A hermit crab, sessile on corals, exclusively feeds by feathered antennae. 1977 Dec;27(4):371-374. doi:10.1007/BF00345570
Die Landeinsiedlerkrebse (Coenobitidae), bekannt ist beispielsweise der Palmendieb, verbringen ihr ganzes Leben, außer dem Larvenstadium, an Land. Ins Wasser gehen sie nur, um ihre Kiemenkammern mit Wasser zu füllen, die Weibchen zudem, um die Larven nach ihrem Schlupf dorthin zu entlassen. Der bereits erwähnte Palmendieb besitzt allerdings nur noch rudimentäre Kiemen und trägt im Adultstadium keinen Schutz mehr.
Der Langarm-Einsiedler (Pagurus longicarpus) zeigt sozial kooperatives Verhalten, indem er beim Wechsel der Behausung eine Abstimmung bezüglich der Größe geeigneter Schneckenhäuser vornimmt: So seien bereits bis zu 20 Tiere dabei beobachtet worden, wie sie vor einem Schneckenhaus auf das Eintreffen eines größeren Tieres warteten, um nacheinander in das jeweils freiwerdende, nur minimal größere Schneckenhaus schlüpfen zu können. Die Art ist deshalb seit den 1980er-Jahren Ausgangspunkt für Kooperationsstudien und Verteilungfragen bei Mensch und Tier.
Systematik Die Überfamilie wird in acht rezente und drei fossile (mit † gekennzeichnet) Familien gegliedert: Annuntidiogenidae , 2014 † Coenobitidae , 1851, Landeinsiedlerkrebse Diogenidae , 1892, Linkshändige Einsiedlerkrebse Lithodidae , 1819, Stein- und Königskrabben Paguridae , 1802, Rechtshändige Einsiedlerkrebse Parapaguridae , 1882, Tiefsee-Einsiedlerkrebse Pilgrimchelidae , 2014 † Pylochelidae , 1888 Pylojacquesidae , 2001 Schobertellidae , 2013 † Xylopaguridae , 2016
Synonyme sind Birgusoidea , 2007, Cancellochelloidea , 2007, Cheiroplatoidea , 2007, Pomatocheloidea , 2007 und Pylocheloidea , 2007.
Quellen
Weblinks
Einsiedlerkrebse im Meerwasser-Lexikon
Einzelnachweise
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