mini|Inklusorium mit Hagioskop in der Kirche von Bro auf Gotland Inklusen (von „Eingeschlossener“) ließen sich zu einem von Gebet und Askese geprägten Leben in einem Inklusorium einschließen. Durch ihre extreme Form der Weltabgewandtheit mit dem Ziel, Vollkommenheit (perfectio) zu erlangen, genossen Inklusen vor allem im europäischen Mittelalter ein hohes geistliches Ansehen. In ihrem asketischen Prinzip entsprechen sie den frühchristlichen Säulenheiligen des Nahen Ostens.

Im romanischen Sprachraum wurden die Inklusen zumeist als Reklusen (lateinisch mit identischer Übersetzung) bezeichnet. Im frühen Christentum in Ägypten sind keine Zellen von Inklusen bekannt, in Nubien wurden einzig Inklusorien in Sayala nachgewiesen.Peter Grossmann: Christliche Architektur in Ägypten. (Handbook of Oriental Studies. Section One: The Near and Middle East. Volume 62) Brill, Leiden 2002, S. 258.

Das westliche Mönchtum lehnte Selbstkasteiung mit Ketten, wie sie bei den syrischen Säulenheiligen praktiziert wurde, ab. Es legte mehr Wert auf eine ausgewogene Theologie des kontemplativen Lebens. Um 900 verfasste ein Mönch namens Grimlaicus eine Regula solitariorum. Diese Regel war als Ergänzung der Regula Benedicti für Inklusen gedacht. Inklusen sollen nie ganz alleine leben, sich hinreichend ernähren und es wird ein Mindestmaß an Hygiene vorgeschrieben.Gregor Emmenegger: Warum hat sich Wiborada einmauern lassen?, in: Wiborada von St. Gallen, S. 42–44.

Inklusorium Das Inklusorium ist eine Zelle oder ein kleines Haus, das man dann auch als Klause bezeichnet. Das Inklusorium soll an eine Kirche angebaut sein, damit die oder der Inkluse durch ein Hagioskop auf den Altar schauen und der Heiligen Messe folgen sowie die Kommunion empfangen und beichten kann. Das Glas des Fensters ist undurchsichtig oder das Fenster ist mit einem Vorhang verhängt, sodass man den Inklusen von außen nicht sehen kann. Auf der gegenüberliegenden Seite soll ein zweites Fenster angebracht sein, durch das der Inkluse Licht, Luft und das Lebensnotwendige empfängt oder auch mit Ratsuchenden Kontakt halten kann. In der Frühzeit waren die Inklusorien ungeheizt. Ab dem 13. und 14. Jahrhundert wurden die Vorschriften allmählich abgemildert: Inklusorien durften beheizt werden, in vielen Inklusorien bestand aber aufgrund der Bauweise gar nicht die Möglichkeit dazu.

Früher befanden sich Inklusorien meist in Klöstern. Später waren es auch Kleriker oder wohlhabende Familien, die eine Klause stifteten oder für deren Unterhalt sorgten.

Bekannte weibliche Inklusen hl. Verena (um 260–320), in Bad Zurzach, Schweiz Liutbirg († um 870) Wiborada († 926 in St. Gallen), Märtyrin Hiltrud von Lissies († um 970), Asketin hl. Aurelia von Regensburg († 1027 in Regensburg) Jutta von Sponheim (um 1092–1136) Inkluse auf dem Disibodenberg, Lehrmeisterin der hl. Hildegard hl. Hildegard von Bingen (1098–1179) lebte in ihrer Jugend mehrere Jahre als Inkluse hl. Ida von Toggenburg (um 1140–1226) Eva von Lüttich (um 1190–1265) Juliana von Lüttich (1193–1258) Juliana von Norwich (um 1342 – nach 1413) hl. Dorothea von Montau (1347–1394), Inkluse am Dom zu Marienwerder in Westpreußen Elisabeth von Beutnitz (1402–1445), in Beutnitz, Thüringen sel. Rosa Flesch (1826–1906) lebte zeitweilig als Inkluse in der Kreuzkapelle an der Wied

Bekannte männliche Inklusen Schio, einer der „13 syrischen Väter“, der sich Mitte des 6. Jahrhunderts in dem von ihm gegründeten Höhlenkloster Schiomghwime in Georgien einmauern ließ Fintan von Rheinau (um 803–878), irischer Eremit Simeon von Trier (um 980/990–1035), byzantinischer Mönch und Eremit Amnichad von Fulda († 1043), irischer Eremit Mercherdach, irischer Mönch im 11. Jahrhundert Reiner von Osnabrück († 1233)

Siehe auch Anachoret Klausur (Kloster) Wüstenväter

Literatur Tom Licence: Hermits and Recluses in English Society, 950–1200. Oxford University Press, Oxford 2011, ISBN 978-0-19-959236-4. Ann-Katrin Gässlein, Gregor Emmenegger (Hg.): Wiborada von St. Gallen. Neuentdeckung einer Heiligen. Schwabe Verlag, Basel 2022, ISBN 978-3-7965-4500-9. Franziska Schnoor, Ruth Wiederkehr (Hg.): Frauen. Weibliche Lebenswelten im Mittelalter. Verlag am Klosterhof, St. Gallen 2026, ISBN 978-3-905906-62-2.

Weblinks

Michael Buhlmann: Inklusen im Kloster Amtenhausen. (Beispiele weiblich-religiöser Lebensgestaltung des hohen Mittelalters)

Einzelnachweise

Kategorie:Mönchtum Kategorie:Eremitentum Kategorie:Klosterbauten