Die Playoffs um den Stanley Cup des Jahres 2022 begannen am 2. Mai 2022 und endeten am 26. Juni 2022 mit dem 4:2-Sieg der Colorado Avalanche über die Tampa Bay Lightning. Colorado gewann damit nach 1996 und 2001 den dritten Stanley Cup, während Tampa den dritten Titel in Serie verpasste. Als wertvollster Spieler der Playoffs wurde Cale Makar der Avalanche mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet, während Connor McDavid von den im Conference-Finale ausgeschiedenen Edmonton Oilers die Scorerliste anführte.
Nach zwei Jahren mit aufgrund der COVID-19-Pandemie verändertem Format kehrt die Liga in diesem Jahr zum üblichen, 2014 eingeführten Modus zurück. Mit Montréal, Vegas und den New York Islanders gelang es drei von vier Halbfinalisten des Vorjahres nicht, sich in diesem Jahr wieder zu qualifizieren; nur Titelverteidiger Tampa war erneut vertreten. Derweil nahmen die Pittsburgh Penguins zum 16. Mal in Folge an der post-season teil, was die längste aktive Serie dieser Art in den vier großen nordamerikanischen Ligen darstellte. Dem gegenüber verpassten die Buffalo Sabres zum elften Mal in Folge die Playoffs und sind seither alleiniger Halter dieses Negativrekords, den sie sich zuvor mit jeweils 10 Jahren noch mit Edmonton und Florida geteilt hatten. In der Eastern Conference gab es außerdem das Novum, dass alle acht Playoff-Teilnehmer einer Conference mindestens 100 Punkte erreichten.
In der ersten Runde gingen fünf der acht Serien über die volle Distanz von sieben Partien, was zuletzt in den Playoffs 1992 mit sechs Serien übertroffen wurde. Die Playoffs endeten mit 6,31 Toren pro Spiel, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr (5,48) darstellte und auch dem Trend der regulären Saison 2021/22 entsprach.
Modus Nachdem sich aus jeder Division die drei punktbesten Teams sowie die zwei Wildcard-Teams der jeweiligen Conference qualifiziert hatten, starteten die im K.-o.-System ausgetragenen Playoffs. Die Divisionssieger trafen dabei in der ersten Runde auf die Wildcard-Teams der jeweiligen Conference, wobei der Divisionssieger mit den meisten Punkten auf das schlechtere der beiden Wildcard-Teams traf. Die übrigen Paarungen des Conference-Viertelfinals wurden divisionsintern unter den zweit- und drittplatzierten Teams ausgetragen.
Jede Conference spielte in der Folge im Conference-Viertelfinale, Conference-Halbfinale und im Conference-Finale ihren Sieger aus, der dann im Finale um den Stanley Cup antrat. Alle Serien wurden im Best-of-Seven-Modus ausgespielt, das heißt, dass ein Team vier Siege zum Erreichen der nächsten Runde benötigte. Das höher gesetzte Team hatte dabei in den ersten beiden Spiele Heimrecht, die nächsten beiden das gegnerische Team. Sollte bis dahin kein Sieger aus der Runde hervorgegangen sein, wechselte das Heimrecht von Spiel zu Spiel. So hatte die höher gesetzte Mannschaft in den Spielen 1, 2, 5 und 7, also vier der maximal sieben Spiele, einen Heimvorteil. Der Sieger der Eastern Conference wurde mit der Prince of Wales Trophy ausgezeichnet und der Sieger der Western Conference erhielt die Clarence S. Campbell Bowl.
Bei Spielen, die nach der regulären Spielzeit von 60 Minuten unentschieden blieben, folgte die Overtime, die im Gegensatz zur regulären Saison mit fünf Feldspielern gespielt wurde. Zudem endete sie durch das erste Tor (Sudden Death) und nicht, wie in der regulären Saison üblich, mit einem Shootout.
Qualifizierte Teams Eastern Conference Atlantic Division A1: A2: A3:
Metropolitan Division M1: M2: M3:
Wild Cards EWC1: EWC2: Western Conference Central Division C1: C2: C3:
Pacific Division P1: P2: P3:
Wild Cards WWC1: WWC2:
Playoff-Baum
Conference-Viertelfinale Eastern Conference (A1) Florida Panthers – (EWC2) Washington Capitals Die Florida Panthers setzten sich als amtierender Gewinner der Presidents’ Trophy mit 4:2 gegen die Washington Capitals durch und gewannen somit im ersten Playoff-Aufeinandertreffen beider Teams ihre erste Serie seit der Finalteilnahme im Jahre 1996. Die Capitals hingegen schieden seit ihrem Stanley-Cup-Gewinn 2018 zum vierten Mal in Folge in der ersten Runde aus. Auf Seiten der Panthers war vor allem Carter Verhaeghe maßgebend, der mit 12 Punkten so oft scorte wie kein anderer Spieler der Franchise-Geschichte in einer Playoff-Serie. Ferner überzeugte der zur Trade Deadline verpflichtete Claude Giroux mit 7 Scorerpunkten, während T. J. Oshie die Capitals mit dem gleichen Wert anführte. Im Duell der russischen Torhüter begegneten sich Sergei Bobrowski (90,6 % Fangquote) für die Panthers und Ilja Samsonow (91,2 %) auf Seiten der Capitals in etwa auf Augenhöhe, wobei beide eher durchschnittliche Leistungen zeigten. Darüber hinaus gelang Florida das seltene Kunststück, eine Serie zu gewinnen, ohne ein einziges Mal im Powerplay erfolgreich zu sein – bei 18 eigenen Möglichkeiten und trotz 7 Überzahl-Toren von Washington.
(A2) Toronto Maple Leafs – (A3) Tampa Bay Lightning Zum ersten Mal überhaupt standen sich in den Playoffs die Toronto Maple Leafs und die Tampa Bay Lightning gegenüber, wobei sich die Lighting als amtierender Stanley-Cup-Sieger mit 4:3 durchsetzten. Für Toronto bedeutete dies trotz zwischenzeitlicher 3:2-Führung die siebte Erstrunden-Niederlage in Folge und zudem saisonübergreifend mittlerweile zehn verlorene Partien in Folge, in denen sie die Serie mit einem Sieg selbst hätten erfolgreich beenden können. In einer ausgeglichenen Serie, in der die Maple Leafs sogar mehr Treffer als Tampa erzielten (24:23), begegneten sich auch die beiden Torhüter Jack Campbell für Toronto und Andrei Wassilewski für die Lightning mit einer eher unterdurchschnittlichen Fangquote von jeweils 89,7 % auf Augenhöhe. Offensiv überzeugten derweil Nikita Kutscherow (8 Scorerpunkte) und Victor Hedman (7) auf Seiten von Tampa sowie Auston Matthews (9) und Mitchell Marner (8) auf Seiten der Maple Leafs.
(M1) Carolina Hurricanes – (EWC1) Boston Bruins Die Carolina Hurricanes und Boston Bruins trafen in den Playoffs zum insgesamt sechsten Mal sowie zum dritten Mal in den letzten vier Jahren aufeinander. Nach zuvor zwei Siegen der Bruins (2019: 0:4 sowie 2020: 1:4) setzten sich nun die Hurricanes mit 4:3 durch, wobei alle sieben Partien vom jeweiligen Heimteam gewonnen wurden. Bester Scorer der Serie wurde Brad Marchand für Boston mit 11 Punkten, während die Scorerliste der Hurricanes mit Jaccob Slavin und Anthony DeAngelo von zwei Abwehrspielern mit jeweils 8 Punkten angeführt wurde. Ferner wechselten beide Mannschaften zeitweise ihre Torhüter, so ersetzte Pjotr Kotschetkow (90,0 % Fangquote) bei den Hurricanes für zwei Partien den verletzten Antti Raanta (92,7 %), während die Bruins nach den ersten zwei Niederlagen von Linus Ullmark (86,0 %) zu Jeremy Swayman (91,1 %) übergingen.
(M2) New York Rangers – (M3) Pittsburgh Penguins Im insgesamt achten Playoff-Aufeinandertreffen beider Teams setzten sich die New York Rangers mit 4:3 gegen die Pittsburgh Penguins durch, obwohl diese zwischenzeitlich bereits mit 3:1 geführt hatten. In einer offensiv geführten Serie mit 57 Toren und somit im Schnitt über 8 Treffern pro Spiel gelang es den Rangers dabei, in den Partien 5 bis 7 jeweils einen Rückstand sowie zweimal gar einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen. Beide Teams stellten jeweils zwei Akteure mit mindestens 10 Scorerpunkten, Mika Zibanejad (11) und Adam Fox (10) auf Seiten der Rangers sowie Jake Guentzel (10) und Sidney Crosby (10) für die Penguins. Auf der Torhüterposition mussten die Penguins überwiegend auf ihren nominell dritten Torwart Louis Domingue (89,8 % Fangquote) zurückgreifen, da Stammtorwart Tristan Jarry (86,7 %) erst im entscheidenden siebten Spiel von einer Verletzung zurückkehrte und sein Backup Casey DeSmith (94,1 %) während der Overtime des ersten Spiels ebenfalls verletzungsbedingt ausgefallen war. Die Rangers hingegen setzten in allen sieben Partien auf Igor Schestjorkin (91,1 %) als Starter, der nur in der dritten und vierten Partie von seinem Landsmann Alexander Georgijew (93,5 %) ersetzt wurde.
Western Conference (C1) Colorado Avalanche – (WWC2) Nashville Predators Zum zweiten Mal nach 2018 standen sich die Colorado Avalanche und die Nashville Predators in den Playoffs gegenüber, wobei der Avalanche mit einem 4:0-Erfolg der einzige Sweep der ersten Runde gelang. Auf Seiten Colorados überzeugten vor allem Verteidiger Cale Makar mit 10 Scorerpunkten sowie Nathan MacKinnon mit 5 Treffern, während bei den Predators nur Matt Duchene auf mehr als 3 Punkte kam. Zudem musste Nashville verletzungsbedingt auf Stammtorwart Juuse Saros verzichten und setzte daher auf Connor Ingram, der die Serie als Rookie mit einer Fangquote von 91,3 % und einem Gegentorschnitt von 3,64 beendete. Für die Avalanche hingegen verzeichneten Darcy Kuemper und Pavel Francouz jeweils zwei Siege, wobei Kuemper mit 93,4 % deutlich mehr Schüsse parierte als Francouz (90,2 %).
(C2) Minnesota Wild – (C3) St. Louis Blues Im dritten Playoff-Aufeinandertreffen beider Teams setzten sich die St. Louis Blues mit 4:2 gegen die Minnesota Wild durch, was das sechste Erstrunden-Ausscheiden in Folge für die Wild bedeutete. Offensiv traten für St. Louis vor allem David Perron (9 Scorerpunkte), Ryan O’Reilly (8) und Wladimir Tarassenko (6) in Erscheinung, während Kirill Kaprisow auf Seiten Minnesota mit 7 Treffern bester Torschütze der Serie wurde. Auf der Torhüterposition wechselten derweil beide Teams während der Serie das Personal: Die Blues von Ville Husso (90,6 % Fangquote) nach der dritten Partie auf Jordan Binnington (94,3 %) sowie Minnesota vor dem letztlich entscheidenden sechsten Spiel von Marc-André Fleury (90,6 %) auf Cam Talbot (84,6 %).
(P1) Calgary Flames – (WWC1) Dallas Stars Die Calgary Flames und Dallas Stars standen sich zum dritten Mal in den Playoffs gegenüber, wobei die Flames durch einen 4:3-Erfolg in die nächste Runde einzogen. In einer ausgesprochen defensiv geführten Serie, in der insgesamt nur 29 Tore fielen, zeigten beide Torhüter herausragende Leistungen. Für Calgary erreichte Jacob Markström einen Gegentorschnitt von 1,53 sowie eine Fangquote von 94,3 %, während Jake Oettinger von den Stars mit 95,4 % gehaltener Schüsse den höchsten Wert der Playoff-Historie für einen Torhüter mit mehr als fünf bestrittenen Partien verzeichnete. Offensiv traten derweil vor allem Calgarys Johnny Gaudreau mit 8 Scorerpunkten und dem letztlich entscheidenden Overtime-Tor im siebten Spiel sowie als Topscorer der Stars Joe Pavelski mit 6 Punkten in Erscheinung.
(P2) Edmonton Oilers – (P3) Los Angeles Kings Die Edmonton Oilers und Los Angeles Kings begegneten sich bereits zum achten Mal in den Playoffs, allerdings zum ersten Mal seit genau 30 Jahren. Trotz scheinbarer statistischer Überlegenheit (27:17 Tore) benötigten die Oilers die volle Distanz von sieben Partien, um letztlich mit einem 4:3-Sieg in die nächste Runde einzuziehen. In der Offensive waren es für Edmonton vor allem erneut Connor McDavid mit 14 Scorerpunkten, der Bestwert der gesamten ersten Runde, sowie Evander Kane mit 7 Toren, die den Unterschied machten. Bei den Kings erzielte hingegen kein Spieler mehr als 6 Punkte; bester Scorer wurde Adrian Kempe (6). Auch auf der Torhüterposition übertraf Mike Smith mit zwei Shutouts sowie einer Fangquote von 93,8 % sein Gegenüber Jonathan Quick (1 Shutout; 90,4 %) klar, wobei Quick nur im dritten Spiel nicht startete, dort allerdings Cal Petersen nach etwa der Hälfte der Spielzeit ersetzte.
Conference-Halbfinale Eastern Conference (A1) Florida Panthers – (A3) Tampa Bay Lighting