Die Naniwa () war ein Geschützter Kreuzer der gleichnamigen Klasse der Kaiserlich Japanischen Marine, der von 1885 bis 1912 in Dienst stand.
Geschichte Die Naniwa wurde am 27. März 1884 in der britischen Werft Armstrong, Mitchell & Company in Low Walker (Newcastle upon Tyne) mit der Baunummer 475 auf Kiel gelegt. Der Stapellauf erfolgte etwa ein Jahr später am 18. März 1885 und die Indienststellung am 1. Dezember 1885.Milanovich: Naniwa and Takachiho. S. 36. Das unter dem Kommando von Kapitän zur See Itō Sukeyuki stehende Schiff verließ Großbritannien am 28. März 1886 und traf am 26. Juni in Shinagawa ein. Es wurde im Juli als Kriegsschiff zweiter Klasse der Stationären Flotte zugeteilt. Das Schiff und seine Schwester Takachiho waren am 26. November Gastgeber für Kaiser Meiji und seine Frau, Kaiserin Shōken, als die Schiffe Torpedoschießübungen durchführten. Die Naniwa transportierte Premierminister Itō Hirobumi, den Heeresminister Generalmajor Ōyama Iwao, den Marineminister Generalleutnant Saigō Jūdō und den Justizminister Yamada Akiyoshi am 1. Dezember von Yokohama nach Kōbe und anschließend nach Pusan in Korea, bevor sie am 13. Dezember nach Yokohama zurückkehrte. Anfang 1887 transportierten die beiden Schiffe den Kaiser und die Kaiserin von Yokohama nach Kyōto und wieder zurück. Anschließend nahm die Naniwa an den Flottenmanövern vom 22. August bis zum 5. September teil. Zwei Monate später umrundete die Naniwa zusammen mit vier anderen Schiffen die Hauptinseln. Am 17. Juni 1888 wurde die Naniwa zum Flaggschiff der Ständigen Flotte ernannt und fuhr noch im selben Jahr nach Okinawa, Formosa, Wonsan und Zhifu. Der Kreuzer empfing den Tenno, als dieser am 15. Oktober den Stapellauf des Geschützten Kreuzers Takao in der Marinewerft von Yokosuka beiwohnte. 1889 wurde die Naniwa dem Yokosuka Marine-Distrikt zugeteilt. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff besuchte sie Häfen im russischen Fernen Osten, in Korea und China und nahm in der letzten Jahreshälfte an Flottenmanövern teil.
Nach der Teilnahme am Großen Manöver im April 1890 mit dem Kaiserlich Japanischen Heer wurde der Kreuzer vom Tenno begutachtet, kreuzte von Juni bis Juli vor der Ostküste Koreas und besuchte Wladiwostok im russischen Fernen Osten. Am 23. August wurde die Naniwa wieder als Kriegsschiff erster Klasse eingestuftTodaka: Cruisers. S. 228. und verbrachte das folgende Jahr mit Patrouillenfahrten in heimischen Gewässern. Am 2. Februar 1892 verließ das Schiff Shinagawa, um nach Hongkong zu fahren, bevor es später im Jahr an den jährlichen Großen Manövern teilnahm. Anfang 1893 fuhr die Naniwa nach Honolulu, um japanische Bürger während des Sturzes der hawaiianischen Monarchie zu schützen, und kehrte im Mai nach Hause zurück. Im Dezember traf der Kreuzer erneut in Honolulu ein. Die Marinesoldaten der Naniwa und der des britischen Kreuzers Champion wurden gebeten, an Land zu gehen, um ihre jeweiligen Bürger während der „Schwarzen Woche“ von Dezember 1893 bis Januar 1894 zu verteidigen, als die provisorische Regierung von Hawaii eine Invasion der Vereinigten Staaten zur Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung befürchtete. In den Wirren der Revolution floh ein Japaner, der wegen Mordes verurteilt worden war, aus dem Gefängnis in Honolulu und suchte auf der Naniwa Zuflucht. Die Weigerung von Kapitän Tōgō Heihachirō, den Verurteilten den Behörden der provisorischen Regierung zu übergeben, führte beinahe zu einem diplomatischen Zwischenfall zwischen Japan und den Vereinigten Staaten. Die Naniwa traf am 15. April wieder in Japan ein und wurde am 19. Juli zum Flaggschiff von Konteradmiral Tsuboi Kōzō, dem Kommandeur des Ersten fliegenden Geschwaders ernannt.Duus: The Japanese Conspiracy. S. 82.
Erster Chinesisch-Japanischer Krieg Während des Donghak-Aufstands veranlassten die vorrückenden Rebellen die koreanische Regierung im Mai 1894, China um Hilfe zu bitten, das im folgenden Monat mit der Verlegung von Truppen nach Asan begann. Die japanische Regierung, die nicht zulassen wollte, dass Korea unter chinesische Kontrolle geriet, schickte noch im selben Monat eigene Truppen nach Chemulpo (dem heutigen Incheon) und besetzte die Stadt zusammen mit Seoul. Die darauf folgende Ankunft weiterer chinesischer Truppen an der Mündung des Taedong am 16. Juli empörte die Japaner, die darauf ein Ultimatum stellten und mit Krieg drohten, sollten weitere Truppen in Korea eintreffen. Der Generalgouverneur von Zhili, Li Hongzhang, der die Drohung der Japaner für einen Bluff hielt, ließ weitere 2500 Mann nach Asan verlegen. Daraufhin beorderten die Japaner die Kombinierte Flotte nach Gunsan, um sich für einen möglichen Krieg vorzubereiten. Um einen weiteren Kriegsgrund zu schaffen, zwangen die Japaner den koreanischen König Gojong, aus dem chinesischen Tributsystem auszusteigen. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli trafen zwei Schiffe mit einem Teil der Soldaten und ein drittes am Morgen des 25. Juli ein.Wright: The Chinese Steam Navy 1862–1945. S. 86Olender: Sino-Japanese War 1894–1895. S. 58ff. Nachdem alle japanischen Schiffe Gunsan erreicht hatten, wurde die Naniwa zusammen mit der Akitsushima und der Yoshino abkommandiert, um sich auf der Insel Pungdo am Eingang zur Bucht von Asan mit den drei japanischen Kriegsschiffen aus Chemulpo zu treffen. Anschließend sollten sie die Westküste Koreas blockierten, um jegliche Verstärkung für Asan zu verhindern. Doch da die Telegrafenleitung nach Chemulpo von den Rebellen gekappt worden war, blieben die japanischen Schiffe im Hafen.Olender: Sino-Japanese War 1894–1895. S. 63.
Schlacht von Pungdo Am 25. Juli befand sich das japanische fliegende Geschwader unter Konteradmiral Tsuboi, bestehend aus den Schiffen Yoshino, Naniwa, Takachiho und Akitsusu, vor Asan. Im Hafen befanden sich der Geschützte Kreuzer Jiyuan und das Torpedokanonenboot Kwang-yi der Beiyang-Flotte um sich mit dem gecharterten britischen Dampfer Kowshing zu treffen, der die letzten chinesischen Truppen transportierte. Nach japanischer Darstellung zeigten sich die Chinesen zum Gefecht bereit und gaben verschiedene Hinweise auf feindselige Absichten. Daraufhin setzten die Japaner Kurs auf offene See. Die Jiyuan befand sich auf Verfolgungskurs dicht hinter der Naniwa, was dazu führte, dass diese wendete und auf das chinesische Schiff zusteuerte. Die Jiyuan wurde nun ihrerseits von der Naniwa bedrängt. Obwohl noch keine Schüsse abgefeuert worden waren, hissten die Chinesen bereits die Parlamentärflagge und näherten sich der Naniwa. Als die Chinesen die Distanz auf 300 m reduziert hatten, feuerten sie einen Torpedo auf die Japaner ab. Da der Torpedo sein Ziel jedoch verfehlte, ging die Naniwa zusammen mit der Akitsushima ihrerseits zum Gefecht über und belegte den Kreuzer mit schweren Salven, was zu hohen Verlusten unter der Besatzung führte. Bei der ersten japanischen Salve trafen mehrere Schüsse den Kommandoturm der Jiyuan und durchschlugen ihn, während die Ruderanlage, die Telegrafen im Maschinenraum und die Sprachrohre völlig zerstört wurden. Bevor etwas unternommen werden konnte, schlug eine zweite Breitseite in das Schiff ein, die die Offizierskabinen zerstörte und ein riesiges Loch in die Bordwand riss. Sobald die Ruderanlage wieder funktionstüchtig war, begannen die Chinesen abzudrehen mit Kurs Richtung Weihai.Wilson: Ironclads in Action. S. 67ff.Wright: The Chinese Steam Navy 1862–1945. S. 88.
Da die Chinesen die Briten aus unbekannten Gründen nicht über das laufende Gefecht informiert hatten, hielt Kapitän Galsworthy die Jiyuan, als sie um etwa 08:30 Uhr die Kowshing passierte, fälschlicherweise für ein japanisches Schiff. Daher war er weder überrascht noch beunruhigt, als sich drei japanische Kreuzer näherten, da er davon ausging, dass diese das Kanonenboot Tsao-kiang angreifen würden, welches die Kowshing seit etwa 7.00 Uhr morgens eskortierte. Unabhängig davon war die Kowshing ein britisches Schiff, das nur vorübergehend von der chinesischen Regierung gechartert worden war. Folglich fühlte sich Galsworthy unter dem Schutz der britischen Zivilflagge sicher. Gegen 9.00 Uhr erhielt die Kowshing den Befehl, dem japanischen Kreuzer Naniwa zum japanischen Hauptgeschwader zu folgen. Tōgō befahl dem britischen Schiff, um 09:15 Uhr beizudrehen, dem Galsworthy nach kam. Er willigte auch in eine Durchsuchung seines Schiffes ein. Tōgō erklärte das Schiff für beschlagnahmt, da es chinesische Truppen transportiere. Die chinesischen Truppen übernahmen jedoch die Kontrolle über das Schiff und weigerten sich, der Anordnung der Japaner Folge zu leisten. Ein Versuch eines deutschen Offiziers in chinesischen Diensten, eine friedliche Lösung auszuhandeln, scheiterte, und Tōgō eröffnete um 13:10 Uhr aus Angst vor chinesischer Verstärkung das Feuer. Ein Torpedo, der auf eine Entfernung von 150 m abgefeuert wurde, ging knapp am Schiff unterhalb des Kiels vorbei. Doch die Geschütze der Naniwa verfehlten ihr Ziel nicht. Ein Treffer schlug im Kesselraum des Schiffes ein, was den Antrieb lahmlegte, und ein weiterer beschädigte das Schiff unterhalb der Wasserlinie. Dies löste Panik an Bord der Kowshing aus und die Besatzung und die Passagiere versuchten verzweifelt, das Schiff zu verlassen. Die schweren Geschütze der Naniwa feuerten weiter auf das sinkende Schiff, während ihre leichten Geschütze auf die Menschen im Wasser zielten. Nachdem der Dampfer um 13:47 Uhr gesunken war, ließen die Japaner Boote zu Wasser, um die europäische Besatzung zu retten, die die Chinesen im Wasser jedoch ignorierten. Die Naniwa wurde zu Beginn der Schlacht einmal getroffen, was jedoch zu keinerlei Schäden führte, da die Granate nicht detonierte. Der Kreuzer feuerte während des Gefechts nur 36 Granaten aus seinen schweren Kanonen, gab aber 1.331 Schuss aus seinen leichten Geschützen ab.Olender: Sino-Japanese War 1894–1895. S. 70ff.
Zwei Tage nach der Schlacht kehrten die Naniwa und das Kanonenboot Maya zum Wrack der Kwang-yi zurück, um jeden Versuch, das Schiff zu bergen, zu verhindern. Das Schiff explodierte, als es beschossen wurde, wahrscheinlich als Folge der Detonation der Torpedosprengköpfe.Olender: Sino-Japanese War 1894–1895. S. 66. Die japanische Marine verbrachte die nächsten Wochen damit, Truppenkonvois nach Gunsan zu eskortieren. Am 9. August begab sich Vizeadmiral Itō, der nun das Kommando über die Kombinierte Flotte hatte, mit seinen Schiffen nach Weihaiwei, um dort nach der Beiyang-Flotte zu suchen. Dabei führte er einen vergeblichen Angriff auf die Küstenverteidigung des Hafens durch, als er die chinesischen Schiffe nicht fand. Auf beiden Seiten entstand kein Schaden, und die kombinierte Flotte kehrte nach Kunsan zurück. Für den Rest des Monats eskortierte die Naniwa Truppenkonvois nach Kunsan. Itō schickte die Naniwa am 14. September zurück nach Weihai, um dort nach den chinesischen Schiffen zu suchen, blieb aber auch dort erfolglos. Ihr Scheitern überzeugte Itō davon, dass die Beiyang-Flotte weiter nördlich lag. Auch auf chinesischer Seite blieb ihr Auftauchen nicht unbeobachtet und Admiral Ding Ruchang, der Befehlshaber der Beiyang-Flotte, beschloss, seine Schiffe zur Verteidigung der chinesischen Truppenkonvois bis zur Mündung des Yalu zu nutzen.Olender: Sino-Japanese War 1894–1895. S. 63, 81, 83ff., 93.
Seeschlacht am Yalu
Das Fliegende Geschwader führte den Rest der Kombinierten Flotte am 16. September nach Nordwesten, um den Ankerplatz der Insel Haiyang zu untersuchen. Als er diesen am nächsten Morgen leer vorfand, befahl Itō seinen Schiffen, nach Nordosten zu fahren und das Gebiet um die Mündung des Yalu-Flusses zu durchsuchen. Um 11:23 Uhr sichtete die Yoshino die chinesischen Schiffe in einer Entfernung von 21 Seemeilen. Da er wusste, dass seine Schiffe schneller waren als die chinesischen, beabsichtigte Itō, die Beiyang-Flotte in Fahrtrichtung zu kreuzen und dann sein Feuer auf die schwach geschützten Schiffe des rechten chinesischen Flügels zu konzentrieren.Olender: Sino-Japanese War 1894–1895. S. 93, 100f.