mini|E-KM-Gb-Kopfwagen im Depot Der Fahrzeugbestand der Metro Kiew besteht aus über 800 Wagen der verschiedensten Typen und zahlreichen Sonderfahrzeugen. Im planmäßigen Verkehr der ukrainischen Hauptstadt Kiew wird dabei eine Mischung aus über 30 Jahre alten, zwischenzeitlich modernisierten Fahrzeugen und wenigen neuen Typen eingesetzt. Eine grundlegende Erneuerung des Fahrzeugbestandes der Metro Kiew war für 2021 geplant.

Fahrzeuggeschichte Fast alle Fahrzeuge, die in der Kiewer Metro eingesetzt werden bzw. in der Vergangenheit eingesetzt wurden, stammen aus russischer Produktion. Sie wurden größtenteils von den Maschinenwerken Metrowagonmasch in Mytischtschi bei Moskau hergestellt, erhalten und modernisiert. Ein Teil des in den 1980er-Jahren angeschafften Fuhrparks stammt auch aus der Produktion des Sankt Petersburger Jegorow-Maschinenbauwerks, zugleich Hauptlieferant der Metro Sankt Petersburg. Bis zum Ende der Sowjetunion wurde der Fahrzeugbestand planmäßig erneuert, und auch Hauptinstandsetzungen und Modernisierungen in den Herstellerwerken fanden statt. Nach dem Ende der Sowjetunion änderte sich die wirtschaftliche Lage für staatliche und kommunale Betriebe in der nun selbständigen Ukraine dramatisch. Obwohl im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern wie der Straßenbahn Kiew finanziell noch gut ausgestattet, war an eine Erneuerung des Fahrzeugparks zunächst nicht zu denken. Erst nach der Jahrtausendwende kam es zu Neubeschaffung von Fahrzeugen aus Russland, wenn auch nicht in ausreichender Anzahl, so dass vorhandene Fahrzeuge teilweise über 40 Jahre in Nutzung verblieben. Einzelne Fahrzeuge wurden unter Beteiligung von Wagonmasch in St. Petersburg und der Instandsetzungsbetriebe der Metro Kiew modernisiert. Der Versuch einer Neuentwicklung eines Triebzuges für die Kiewer Metro durch Wagonmasch unter Beteiligung von Škoda verlief letztendlich wenig erfolgreich.

Nach 2014 wurden die noch vorhandenen wirtschaftlichen Beziehungen nach Russland von staatlicher Seite gekappt. Für die Metro Kiew bedeutete das, dass ein Großteil der älteren Fahrzeuge in der Ukraine nun bei Waggonbau Krjukiw modernisiert wurde. An eine Neubeschaffung von Zügen in Russland war nicht mehr zu denken Eine geringe Anzahl von Fahrzeugen, die bei Waggonbau Krjukiw neu hergestellt wurden, verkehrt auf der Linie 3. 2019 berichteten ukrainische Medien über den beabsichtigten Kauf von 50 neuen Garnituren. Die benötigten finanziellen Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro sollten durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung bereitgestellt werden. Geplant waren Lieferung und Inbetriebnahme für 2021, allerdings fand der geplante Kauf nicht statt.

Im Juni 2021 befanden sich im Fahrzeugpark der Kiewer Metro insgesamt 821 Passagierwagen im Betrieb, davon waren 726 in Russland hergestellt worden. 135 Wagen wurden bei Waggonbau Krjukiw modernisiert und gelten als Neufahrzeuge.

Technik mini|Metrogleise mit Stromschienen, hier an der Station DniproTechnisch unterscheidet sich das Netz der Kiewer Metro nicht von den Metronetzen anderer sowjetischer Städte. Die Spurweite liegt bei 1520 mm (Russische Breitspur), die Stromversorgung mit 825 V Gleichspannung erfolgt über eine von unten bestrichene seitliche Stromschiene in Fahrtrichtung links. Gekuppelt werden die Wagen – bis auf wenige Ausnahmen – mit einer standardisierten Scharfenbergkupplung. Das Lichtraumprofil ist ebenfalls einheitlich zu den anderen Netzen in der damaligen Sowjetunion. Diese Normung ermöglichte den Einsatz einheitlicher Fahrzeugtypen und auch den Austausch von Fahrzeugen zwischen den einzelnen Netzen. Durch technische Weiterentwicklungen und insbesondere Änderungen der Elektroausrüstungen sowie der Steuerungs- und Signaltechnik können aber nicht alle Fahrzeugtypen untereinander gekuppelt werden. Die Freizügigkeit des Fahrzeugbestandes wird auch durch die unterschiedliche Ausrüstung der Strecken mit modernen Sicherungssystemen eingeschränkt.

Bei allen Fahrzeugen der Kiewer Metro handelt es sich um Einrichtungsfahrzeuge. Die Kopfwagen werden grundsätzlich so eingestellt, dass der Zug in beide Fahrtrichtungen verkehren kann. An Streckenende wird für die Rückfahrt das Gleis gewechselt, was die Bau von Überleitstellen an den Streckenenden erforderlich macht. Die Fahrzeuge haben Türen an beiden Seiten. Da die Metro Kiew keine Stationen geschlossenen Typs besitzt, spielen die unterschiedlichen Türabstände der verschiedenen Typen keine Rolle. Ein Übergang zwischen den Wagen während der Fahrt des Zuges ist nicht möglich.

Äußerlich sind die Züge in einem blauen Farbton gehalten, der bereits für Metrofahrzeuge in der Sowjetunion typisch war; die Wagen der Kiewer Metro unterscheiden sich jedoch durch die gelb statt weiß ausgeführten Zierlinien. Zusammen mit dem blauen Wagenkasten ergeben sich dadurch die Nationalfarben der Ukraine, Größe und Anordnung der Zierlinien blieben aber gleich. Lediglich bei der neuen Baureihe 81-7021 weicht die äußere Gestaltung ab. Die Fahrzeuge sind zwar nach wie vor im typischen Metroblau gehalten, haben jetzt aber große weiße Kontrastflächen.

Im Zuge der Modernisierung des Fahrzeugbestandes zur Baureihe E-KM wurden die Scheinwerfer durch LED-Leuchten ersetzt. Auf die oberen Signallichter wurde verzichtet und stattdessen eine Zugzielanzeige eingebaut. Zu erkennen sind die modernisierten Fahrzeuge an der fehlenden Fronttür und der breiten Frontscheibe.

Zugbildung Im Netz der Kiewer Metro kommen ausschließlich Garnituren aus fünf Wagen zum Einsatz. Dies ist durch die Länge der Bahnsteige von rund 100 m bedingt. Der U-Bahnhof Dnipro mit einer Bahnsteiglänge von 124 m könnte auch Garnituren von sechs Wagen aufnehmen, da diese aber der einzige Bahnhof mit einer derartigen Bahnsteiglänge ist, spielt dies praktisch keine Rolle.

Auf den geplanten Linien 5 und 6 sollen Garnituren mit sechs Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

Fahrzeugbestand Ende 2019 verfügte die Metro Kiew über insgesamt 821 Fahrzeuge, von denen 803 einsatzbereit waren. Davon werden ungefähr 500 täglich für den fahrplanmäßigen Betrieb benötigt.

Reisezüge Eingesetzt werden inzwischen ausschließlich Fahrzeuge der Baureihen 81-717/714, 81-7021/7022 und E-KM. Grundsätzlich können die Garnituren im gesamten Netz freizügig eingesetzt werden, sind aber normalerweise bestimmten Strecken zugeordnet. Theoretisch gehört auch noch die Einzelgarnitur „Slawutitsch“ zum Bestand, diese ist jedoch seit längerer Zeit schadhaft abgestellt.

+ Reisezüge der Metro Kiew Fahrzeugtyp Bild Baureihe SteuerwagenZwischenwagen Strecke Hersteller Einführung bei der Metro Kiew Ausmusterung bei der Metro Kiew Anmerkungen D 200px81-702 22px|rot Metrowagonmasch Mytischtschi 19601969 Abgabe an Metro Leningrad, Tausch gegen Baureihe E E 200px81-703 22px|rot Metrowagonmasch Mytischtschi 19642015teilweise Modernisierung / Umbau Esch 200px 81-70781-708 22px|rot Metrowagonmasch Mytischtschi 1970 1970: 30 Wagen 1971: 38 Wagen

1972: 31 Wagen

1973: 10 WagenEsch-3 200px81-710 22px|rot22px|rotMetrowagonmasch Mytischtschi19731976Abgabe an Metro Charkow 81-717/714 200px 81-71781-714 22px|rot22px|rot22px|rot Metrowagonmasch Mytischtschi 1978 2019/2020 Modernisierung im Depot Obolon;Anpassung der äußeren Erscheinung an die Baureihe E-KM Em 200px 81-50281-50381-501 22px|rot Wagonmasch Leningrad 1979 Slawutitsch 200px81-553.181-554.1/81-555.1 22px|rot Metrowagonmasch / Škoda 2001 1 Garnitur mit 5 Wagen nur Prototyp, keine Serienproduktion und kein fahrplanmäßiger Einsatz- 81-7021/7022 200px 81-702181-7022 22px|rot Waggonbau Krjukiw 2009 1 Garnitur mit 5 Wagen E-KM 200px 81-708081-708181-7081-01 22px|rotWaggonbau Krjukiw 2013 Umbau aus Esch/Em 27 Garnituren mit 135 Wagen

Typ D Der Betrieb der Kiewer Metro wurde im Jahre 1960 mit Garnituren vom Typ D aufgenommen. Die seit 1955 bei Metrowagonmaschsawod in Mytischtschi hergestellten Züge waren eine Weiterentwicklung des seit 1939 gebauten Typ G, die sich vor allem durch ein geringeres Gewicht und bessere Fahrleistungen auszeichneten. Ab diesem Typ wurde bei sowjetischen Metrofahrzeugen die Scharfenbergkupplung als Standardlösung verbaut. Bei diesem Typ wurde nicht zwischen Steuer- und Mittelwagen unterschieden, alle Serienfahrzeuge wurden in die Baureihe 81-702 eingereiht. Vorteil war die größere Freizügigkeit beim Einsatz der Wagen, da sie sowohl an der Zugspitze, als auch als Mittel- und Endwagen laufen konnten. Nachteile waren, dass in der Mittelwagen der Platz, den der dort nicht benötigte Führerstand einnahm, nicht für Passagiere zur Verfügung stand, und die höheren Kosten.

Die Fahrzeuge konnten maximal 264 Passagier aufnehmen, davon 44 sitzend. Sie erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h, Beschleunigung und Verzögerung lagen bei jeweils 1,0 m/s2. Nachteilig im Einsatz waren die hohe Geräuschentwicklung und die starke Querneigung des Wagenkastens beim Befahren von Kurven.

Bei Betriebsbeginn waren in Kiew 24 Garnituren vorhanden, 1963 wurde der Bestand auf 39 erhöht. Diese Zahl reichte auch zum Betrieb der ab 1965 verlängerten Linie 1 aus. 1969 wurden alle Fahrzeuge an die Metro Leningrad abgegeben. Grund war die Tatsache, dass einige U-Bahnhöfe im früheren Leningrad und jetzigen Sankt Petersburg mit Türen versehene Bahnsteige besitzen, die nur zum Ein- und Aussteigen bei haltendem Zug geöffnet werden. Diese sogenannten Stationen geschlossenen Typs erfordert Fahrzeuge mit einem bestimmten Türabstand. Zur Betriebsvereinfachung wurden daher die Fahrzeuge Typ D nach Leningrad überstellt, die Metro Kiew erhielt dafür als Ersatz 39 Garnituren des Typs E. Inzwischen besitzt die Metro Kiew wieder drei Fahrzeuge vom Typ D: ein Wagen (828) wurde zur Akkulok umgebaut, ein Wagen (818) dient als Messwagen, und Wagen 2135 wurde als Museumsfahrzeug hergerichtet.

Typ E Die Fahrzeuge des Typs E wurden ab 1963 bei Metrowagonmaschsawod in Mytischtschi in Serie gebaut. Von der Vorgängerbaureihe unterscheiden sie sich äußerlich durch den gesickten Wagenkasten, breitere Türen und die geänderten Türabstände; zwischen der hinteren Tür des Wagens und dem Wagenende befindet sich kein Fenster mehr. Auch hier wurde nicht zwischen Steuer- und Mittelwagen unterschieden; alle Serienfahrzeuge wurden in die Baureihe 81-703 eingereiht.

Die Fahrzeuge konnten maximal 264 Passagier aufnehmen, davon nur noch 40 sitzend. Sie erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h, die Beschleunigung lag bei 1,1 m/s2, die Verzögerung bei 1,3 m/s2.

Die Metro Kiew erhielt die ersten zehn Fahrzeuge dieses Typs im Jahre 1964. Die Fahrzeuge waren jedoch unausgereift, mangelhaft gefertigt und fielen oft aus. Die nächsten 18 Fahrzeuge liefen daher erst 1967 zu, im Folgejahr ergänzt durch mehr als zwanzig Fahrzeuge. Aufgrund der geänderten Türen konnten die Fahrzeuge nicht freizügig im Leningrader Netz eingesetzt werden. Die Metro Kiew gab daher alle Wagen des Typs D ab und erhielt 1969 dafür 40 Wagen vom Typ E. Im gleichen Jahr kamen nochmals zehn Neufahrzeuge hinzu. Im Jahr 1980 wurden wiederum 40 Fahrzeuge an die Moskauer Metro abgegeben.

Anfang 2006 befanden sich noch 72 Fahrzeuge dieses Typs im Bestand der Metro Kiew, von denen die Masse jedoch modernisiert wurde. Die letzten verbliebenen, nicht modernisierten Fahrzeuge wurden 2015 aus der Nutzung genommen. Seit Beginn der 1970er Jahre bis zu ihrer Ausmusterung waren die Wagen dieser Baureihe nur als Zwischenwagen eingesetzt worden, als Kopfwagen dienten Fahrzeuge der Typen Esch bzw. Em. Der Wagen 3195 blieb als Museumsfahrzeug erhalten.

Typ Esch