mini|Das Puschkinhaus Das Puschkinhaus () in Sankt Petersburg beherbergt das Institut für russische Literatur der Russischen Akademie der Wissenschaften (), eine Forschungseinrichtung, die dem Ministerium für Wissenschaft und Hochschulen der Russischen Föderation und der russischen Akademie der Wissenschaften untersteht. Das Institut besteht aus wissenschaftlichen Abteilungen, Zentren, Gruppen und Laboratorien sowie einem Literaturmuseum, einem Handschriftenarchiv und einem Tonträgerarchiv. Das Institut befindet sich seit 1927 in Sankt Petersburg, Makarowufer 4, im früheren Gebäude des Meeres-Zollamts. Frühere Adressen waren:
1905–1922 Universitätskai 5, das Hauptgebäude der Akademie der Wissenschaften 1922–1927 Tiflisstraße 1, das Gebäude des Archivs des Zollamts 1920–1924 Millionnaja Uliza 22 und 24, Ausstellungssäle und Wohnungen der Mitarbeiter im Palast der Fürsten Abamelik-Lasarew 1925–1927 Makarowufer 6, Ausstellungssäle des Museums
Das Institut der russischen Literatur wurde am 15. Dezember 1905 auf Initiative einiger russischer Kulturschaffender eröffnet. 1995 wurde es auf Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation in den Staatskodex der besonders wertvollen Objekte des Kulturerbes der Völker der Russischen Föderation aufgenommen.
Geschichte mini|Gebäude der Akademie der Wissenschaften, in dem sich das Puschkinhaus am Anfang des 20. Jahrhunderts befand
Die Geschichte des Puschkinhauses begann 1899 mit den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Alexander Puschkins und einer Jubiläums-Ausstellung, für die 703 Exponate von verschiedenen Privatpersonen und Einrichtungen gesammelt wurden. Auf Initiative des Präsidenten der Kaiserlichen St. Petersburger Akademie der Wissenschaften, des Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch Romanow, wurde zur gleichen Zeit eine Kommission zur Beratung über ein Denkmal für Puschkin unter Vorsitz des Großfürsten eingesetzt. Die Idee über die Aufstellung eines Denkmals änderte sich nach und nach in die Einrichtung eines Puschkinhauses, eines besonderen literarischen Pantheons, in dem Reliquien der russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts gesammelt und aufbewahrt werden sollten. Der Beschluss der Kommission über diesen Punkt erfolgte am 15. Dezember 1905. Dieser Tag gilt als „Geburtstag“ des Puschkinhauses.
Den Hauptbestand des Puschkinhauses sammelte der Literaturwissenschaftler Boris Lwowitsch Modsalewski. Er initiierte auch das Projekt Vorschriften für das Puschkinhaus, das 1907 von Nikolaus II. bestätigt wurde. Die Aufgaben der neuen Einrichtung bestanden in der Sammlung und Erhaltung „von allem, was Puschkin als Schriftsteller und Mensch betrifft“ sowie „alles, was das Leben und die Tätigkeit von Vertretern der russischen Belletristik betrifft.“
Der erste Erwerb des Puschkinhauses war die persönliche Bibliothek Alexander Puschkins, die im April 1906 mit staatlichen Mitteln angekauft wurde. Sie bildete den Grundstock einer riesigen Sammlung von Büchern, Handschriften und Gegenständen, die mit dem Namen des großen russischen Poeten verbunden waren. Ebenfalls auf Staatskosten wurde das Pariser Museum von Alexander Fedorowitsch Onegin (Otto) erworben. Die Sammlung Onegins wurde am 15. Mai 1909 angekauft, verblieb jedoch auf Lebenszeit in Besitz des Pariser Sammlers. 1917 befand sich im Puschkinhaus die Kollektion des ersten Literaturmuseums Russlands – des Puschkinmuseums des Kaiserlichen Lyzeums Zarskoje Selo, das mit der Februarrevolution abgeschafft wurde. 1922 wurden die Sammlungen des Puschkinhauses mit Familienreliquien und Dokumenten erweitert, die in der Familie Gannibal aufbewahrt wurden. Sie wurden von der Großcousine Puschkins, Anna Semjonowna Gannibal, übergeben. 1925 starb Onegin; seine Kollektion wurde 1928 ins Puschkinmuseum überführt.
Seit der Gründung des Puschkinhauses gehörten zu seiner Sammlung nicht nur Reliquien Puschkins. 1909 wurde hierher ein Teil der Ausstellung der Akademie der Wissenschaften zu Ehren von Iwan Turgenjew überführt.
Nach der Revolution kam die Kollektion des Lermontow-Museums der Kavallerieschule „Nikolaus I“ dazu. Die Sammlung enthielt Gemälde und Grafiken von Michail Lermontow, Handschriften, Dokumente, Bücher mit Autogrammen des Poeten und seiner Freunde, Erinnerungsstücke, fast alle Porträts Lermontows, die während seines Lebens geschaffen wurden, sowie von seinen Verwandten, Freunden und Bekannten. Die Kollektion des Museums der Kavallerieschule macht einen wesentlichen Teil des Lermontow-Fundus des IRLI RAN aus. Dieser ist von seinem Umfang her der vollständigste und bedeutendste Teil aller existierenden Sammlungen von Materialien über Lermontow. In Sankt Petersburg ist der Lermontow-Saal im Puschkinhaus das einzige Museum über Lermontow.
1930 erhielt das Puschkinhaus die Sammlung des ehemaligen Nekrassow-Museums der Zentralbibliothek des Gebietskomitees für politische Bildung. Im gleichen Jahr wurde das Puschkinhaus zum Akademieinstitut für Russische Literatur (abgekürzt IRLI für ). 1931 wurde das Leningrader Tolstoi-Museum vom Puschkinhaus übernommen.
Seit 1995 gehört das Puschkinhaus zum Staatskodex der besonders wertvollen Objekte des Kulturerbes der Völker der Russischen Föderation.
Wissenschaft Das Puschkinhaus wurde 1930 zum Akademieinstitut. Seitdem wurde die Tätigkeit des Puschkinhauses von den Forschungsaufgaben und der Logik des historischen und literarischen Prozesses bestimmt. Fast von Anfang an formierten sich zwei Abteilungen: Altrussische LiteraturWebsite der Abteilung für altrussische Literatur und Neue russische Literatur.Website der Abteilung für neue russische Literatur Diese wiederum enthielten in verschiedenen Etappen unterschiedliche Unterabteilungen. Unverändert jedoch blieben die Hauptaufgaben des Instituts – die Sammlungen und die literaturhistorische Forschung.
1938 kam die Abteilung Russische Folklore hinzu. Diese war ursprünglich als Folklore-Abteilung des Instituts zur Erforschung der Völker der UdSSR bei der Akademie der Wissenschaften geschaffen worden, dann wurde sie in das Institut für Anthropologie, Ethnografie und Ethnologie eingegliedert, bevor die Abteilung dann in das Puschkinhaus überführt wurde. Während seiner ganzen Geschichte hat die Abteilung eine enorme Feldforschungsarbeit geleistet. Während über 100 Expeditionen, an denen Philologen, Musikwissenschaftler und Ethnografen teilnahmen, wurde die Folklore in der sowjetischen und nachsowjetischen Periode beschrieben. Über 200.000 Tondokumente — Beispiele des mündlichen Schöpfertums der Völker des Nordens, Sibiriens, des Fernen Ostens, des Kaukasus und Mittelasiens – wurden auf verschiedenen Tonträgern gesammelt: Phonographenwalzen, Tonbänder und DVDs werden im Phonogramm-Archiv aufbewahrt. Das Phonogramm-Archiv ist das größte musikwissenschaftliche ethnografische Reservoir des Landes. Ziel der Sammlung ist nicht nur die Aufbewahrung von Tondokumenten, sondern auch die systematischen Aufzeichnung der mündlichen Volkskunst, ihre Erforschung und Publikation. Besonders wertvoll ist der Fond alter Tonaufnahmen aus den Anfängen der Tonaufzeichnung in der folkloristisch-ethnografischen Praxis der 1890er bis 1920er Jahre. Die historische Sammlung des Puschkinhauses besteht aus über 7000 Phonographenwalzen und Platten und ist im Weltdokumentenerbe der UNESCO registriert.
Die Puschkin-Studien wurden als selbstständige Struktur des Instituts für russische Literatur erst im Jahr 1956 eingeführt – wesentlich später, als andere Abteilungen, aber faktisch gab es die akademischen Puschkin-Studien schon vor der offiziellen Eröffnung des Puschkinhauses, oder besser gesagt bedingten sie die Einrichtung des Hauses. Den Sektor Puschkin-Studien leitete für ein Jahr Boris Tomaschewski bis zu seinem frühzeitigen Tod. Einen Teil des Sektors leitete dann Boris Gorodezki und im Jahr 1962 wurde der Sektor in die Gruppe Puschkin-Studien im Sektor neue russische Literatur reorganisiert. Die Gruppe wurde bis 1974 von Boris Meilach geleitet. Die Mitarbeiter des Sektors (bzw. der Gruppe) waren faktisch im Wesentlichen mit Forschungsarbeiten beschäftigt, deren Ergebnisse in den Ausgaben der Serie Puschkin: Forschungen und Materialien (Band I—XVII; 1956–2003) publiziert. Weiterhin erarbeiteten sie die entsprechenden Abschnitte in wissenschaftlichen Monografien, die vom Institut herausgegeben wurden. 1986 wurde die Puschkin-Gruppe umgewandelt in eine Abteilung Puschkin-Studien, deren Aufgabe es war, eine neue vollständige akademische Sammlung der Werke des Poeten sowie eine Puschkin-Enzyklopädie herauszugeben. Dafür war es als erstes nötig, neue Puschkinforscher heranzubilden. Deshalb wurde unter der Leitung von Wadim Wazuro und Sergei Fomitschow an der Leningrader Staatlichen Universität ein zweijähriges Seminar für die Quellenkritik Puschkins organisiert. Auf Antrag des Vorsitzenden der Puschkin-Kommission der Akademie der Wissenschaften Dmitri Lichatschow wurden für mehrere Jahre zweckgebundene Mittel für Aspiranten der Fachrichtung Puschkin-Studien vergeben, die es ermöglichten, die Abteilung für Puschkin-Studien teilweise mit jungen Mitarbeitern aufzufüllen.
Die Handschriftenabteilung Die Handschriftenabteilung des Puschkinhauses ist eines der größten Archive. Ohne sie wäre die Erforschung des literarischen und kulturellen Lebens des Landes nicht möglich. Hier werden über 3 Millionen Signaturen, etwa 900 persönliche Nachlässe bekannter russischer Schriftsteller, Wissenschaftler und Kulturschaffender aufbewahrt. Die ersten Manuskripte eines Schriftstellers im Puschkinhaus waren Briefe Alexei Pleschtschejews aus der Verbannung, adressiert an den russischen General Wiktor Dandewil, die 1906 vom Sohn des Poeten an das Puschkinhaus übergeben wurden. Nicht nur einzelne Manuskripte, sondern auch ganze Archivbestände russischer Schriftsteller und Kulturschaffender gelangten mit verschiedenen Sammlungen ins Puschkinhaus. Eine spezielle Unterabteilung der Handschriftenabteilung war die Puschkin-Sammlung. Es begann 1911 mit einem Brief des Poeten an seine zukünftige Ehefrau, Natalja Gontscharowa. Die Puschkin-Sammlung enthielt Dokumente und Manuskripte aus anderen Sammlungen. Nach einem Regierungserlass von 1938 und der Entscheidung des Präsidiums der Akademie der Wissenschaften der UdSSR im Jahr 1948 wurde fast der gesamte handschriftliche Nachlass von Puschkin im Puschkinhaus konzentriert. Heute befinden sich dort 7734 Archiveinheiten, davon 1773 Einheiten (das sind über 12-Tausend Seiten) von Puschkin persönlich. In dieser Sammlung befinden sich Entwürfe und fertige Manuskripte von Gedichten Puschkins, wie Die Zigeuner, Der eherne Reiter und Eugen Onegin, von Prosawerken und historischen Werken, weiterhin Briefe von Puschkin und an Puschkin, sein Tagebuch, Zeichnungen usw.
Das Puschkin-Kabinett 1934 wurde das Puschkin-Kabinett eingerichtet, das die reichhaltigste Sammlung der zu Lebzeiten des Dichters erschienenen Ausgaben seiner Werke sowie Periodika und Almanache enthält, in denen seine Werke erschienen. Hier befindet sich auch ein Satz grundlegender Ausgaben seiner Werke auf Russisch und in anderen Sprachen, eine umfangreiche Sammlung diverser Literatur über Puschkin, bis hin zu Alben mit jährlichen Zeitungsausschnitten. Das System der verschiedenen Kataloge des Puschkin-Kabinetts erlaubt, mit minimalem Aufwand die notwendigen Informationen zu erhalten und sofort die zur Arbeit notwendigen Materialien aus dem Kabinett zu erhalten. Das Puschkin-Kabinett wurde zur grundlegenden Quellenbasis mehrerer bibliografischer Verzeichnisse auf Puschkin bezogener Literatur. In den 1990er Jahren begann das Kabinett mit der elektronischen Bearbeitung neu eintreffender Literatur über Puschkin.
Das Gebäude mini|Büste Puschkins vor dem Eingang mini|Vordere Treppe mini|Zentraler Saal mini|Einer der Ausstellungssäle des Literaturmuseums