mini|Frieder Schmidt, IPH-Kongress 2012 Frieder Schmidt (* 6. April 1952 in Tübingen) ist ein deutscher Wissenschaftshistoriker und Papierhistoriker. Von 1992 bis zum 31. Oktober 2017 leitete er als Nachfolger von Wolfgang Schlieder die Papierhistorischen Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Leben und Schaffen Schmidt wurde 1952 in Tübingen geboren. Nach dem Besuch des Rotteck-Gymnasiums in Freiburg im Breisgau und einer gewerbliche Ausbildung bei der Robert Bosch GmbH studierte er zwischen 1976 und 1983 an der Universität Stuttgart Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, Geschichte und Philosophie. Die Magisterarbeit befasste sich mit der industriearchäologischen Untersuchung der Hammerschmiede Gröningen.Frieder Schmidt: Die Hammerschmiede Gröningen als technisches Denkmal. Hrsg. vom Schwäbischen Heimatbund. Theiss, Stuttgart 1984. ISBN 3-8062-0408-X. Seit 2026 ist diese Arbeit in digitaler Form vollumfänglich veröffentlichtFrieder Schmidt: Hammerschmiede Gröningen – Industriearchäologische Untersuchung eines technischen Kulturdenkmals. Historischer Verein für Württembergisch Franken e.V. Digitale Reihe. (PDF) und macht jetzt auch seine Untersuchungen zu Geschichte, Konstruktion und Arbeitsweise wassergetriebener Hämmer zugänglich.

Anschließend war er bis 1991 am Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim tätig. Dort betraute ihn Lothar Suhling mit papiergeschichtlichen Forschungs- und Darstellungsinhalten. 1990 erfolgte die Promotion bei Armin Hermann mit der Arbeit „Von der Mühle zur Fabrik. Die Geschichte der Papierherstellung in der württembergischen und badischen Frühindustrialisierung“, die 1994 im Druck erschienen ist. Die Publikation untersucht in einer umfassenden vergleichenden Regionalstudie die Umbruchphase der frühindustriellen Papierfabrikation im Übergang von der handwerklichen Papierherstellung zur massenhaften industriellen Fertigung in Südwestdeutschland.Frieder Schmidt: Von der Mühle zur Fabrik: die Geschichte der Papierherstellung in der württembergischen und badischen Frühindustrialisierung. Ubstadt-Weiher: Verlag Regionalkultur, 1994 (Zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 1990). ISBN 3-929366-06-1.

Seit 1991 gehört Schmidt zu den Mitorganisatoren des Deutschen Arbeitskreises für Papiergeschichte (DAP),Website des DAP den er bis 2016 leitete.Frieder Schmidt: „Deutscher Arbeitskreis für Papiergeschichte“ gegründet. Tagungsbericht über das Forschungssymposium in Berlin. In: Allgemeine Papier-Rundschau Bd. 114, 1990, Nr. 47, S. 1345–1346. Als aktives Mitglied der International Association of Paper Historians (IPH)Website der IPH hält er Vorträge und publiziert zu papiergeschichtlichen Themen, u. a. zur Wasserzeichenforschung oder zu Papierhistorikern wie Toni SchulteFrieder Schmidt: Toni Schulte (1900–1978), Mitbegründerin der IPH. In: International paper history, Bd. 8, 1998, Nr. 2, S. 24–31. oder Gerhard Piccard.Frieder Schmidt: Bibliographie der Veröffentlichungen des Wasserzeichenforschers und Papierhistorikers Gerhard Piccard (1909-1989). In: International Association of Paper Historians: IPH-Information, Bd. 23, 1989, Nr. 3, S. 131–136. 2004 initiierte er den international aktiven Arbeitskreis BuntpapierFrieder Schmidt: Arbeitskreis Buntpapier. In: Meister der Einbandkunst – Internationale Vereinigung: MDE-Rundbrief 2012, Nr. 2, S. 10. und befasste sich mit Forschungsansätzen und Arbeitsergebnissen.Frieder Schmidt: Buntpapier – Forschungsansätze und Arbeitsergebnisse. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 21 (2013), S. 153–171.

1992 übernahm er die Leitung der Papierhistorischen Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, dessen stellvertretender Leiter er ebenfalls bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2017 war. Hier betreute er ab 1992 die Integration der Bestände der ehemals in Mainz ansässigen Forschungsstelle Papiergeschichte, die dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum vom Deutschen Museum München überlassen wurden.Website der Papierhistorischen Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek Er engagierte sich intensiv für die inhaltliche Erschließung der vielfältigen papierhistorischen Bestände des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und machte diese durch zahlreiche Publikationen bekannt.Frieder Schmidt: How to document the development of paper grades and qualities? The paper collections of the Deutsches Buch- und Schriftmuseum (German Book and Writing Museum) of the Deutsche Nationalbibliothek (German National Library) as a unique resource. In: Papers of the 29th International Congress of Paper Historians, Bd. 17, 2008, S. 43–54. Fachliche Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit sind papierhistorische Fragestellungen, u. a. zu Erscheinungsform und zur Erschließung von WasserzeichenFrieder Schmidt: Maschinenpapierwasserzeichen in den Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. In: Dialog mit Bibliotheken, Bd. 23, Frankfurt und Leipzig 2011, Nr. 1, S. 62–66. Online PDF Frieder Schmidt: Papiermacher und ihre Wasserzeichen. In: Dialog mit Bibliotheken, Bd. 25, 2013, Nr. 1, S. 43–51. Online PDF oder biografische Forschungen zu Papiermachern und -fabrikanten oder Papierhistorikern. Er verfasste verschiedene Artikel für die Neue Deutsche Biographie (NDB), z. B. zu Ulman StromerFrieder Schmidt: Stromer (Stromeir), Ulman, Großkaufmann, Politiker, Papiermühlengründer. In: Neue deutsche Biographie, Bd. 25, 2013, S. 576–577.Ulman Stromer auf der Website der NDB oder der Papierfabrikanten-Familie SpiroFrieder Schmidt: Spiro, Papierfabrikanten. In: Neue deutsche Biographie, Bd. 24, 2010, S. 707–708. und das Lexikon des gesamten Buchwesens, u. a. die Stichworte „Stoff“, „Stoffbütte“Frieder Schmidt: Stoffbütte. In: Lexikon des gesamten Buchwesens, Bd. 7, 2007, S. 262. oder „Wasserzeichenforschung“.Frieder Schmidt: Wasserzeichenforschung. In: Lexikon des gesamten Buchwesens, Bd. 8, 2014, S. 200–202.

Die Rohstoffversorgung der Papierindustrie stand immer wieder im Fokus seiner Forschungen, sei es in der HadernpapierzeitFrieder.Schmidt: „Ich brauch Hadern zu meiner Mül“ – die Lumpenwirtschaft der Papiermacher. In: Ferrum 85 (2013), S. 50–62. Online Frieder Schmidt: Die Lumpenversorgung deutscher Papiermühlen. Ein Überblick von 1390 bis 1700. In: IPH Congress Book 20 (2014), S. 204–217., in der Periode der FrühindustrialisierungFrieder Schmidt: Rohstoffprobleme der papiererzeugenden Betriebe Südwestdeutschlands in der Frühindustrialisierung. In: Das Papier 47 (1993), Heft 11, S. 660–667.Frieder Schmidt: Tenner, Engels, von Kurrer u. a. – 200 Jahre Bleiche von Papierfaserstoff. In: Papiertechnische Stiftung. 4. PTS-Symposium Papierfaserstofftechnik '97 = 4th Symposium Pulp Technology '97. 08.04. – 11.04 1997 in Dresden. München u. Heidenau 1997 (PTS-Vortragsband. 01/97), S. 34-1–34-18. oder in der Hochindustrialisierung.Frieder Schmidt: Tilghman, Mitscherlich und der Fall des Reichspatents 4179. In: Das Papier 47 (1993), Heft 4, S. 192–199. Die Befassung mit Siegfried Reissek und seinen Untersuchungen der FasergewebeFrieder Schmidt: Siegfried Reissek und seine Untersuchungen der Fasergewebe. In: Paper History 18 (2014) 2, S. 21–29. Online PDF steht in diesem Zusammenhang.

Frieder Schmidt förderte und unterstützte fachlich zahlreiche papierhistorische Projekte, so u. a. das im eContentPlus-Programm der Europäischen Kommission geförderte Projekt „BERNSTEIN – the memory of paper“,Website des Bernstein-Projektes das die wichtigsten und umfangreichsten existierenden europäischen Wasserzeichen-Datenbanken verknüpfte und so eine umfassende Informationsquelle zu Papier und Wasserzeichen bietet.Frieder Schmidt: Das Gedächtnis der Papiere: das eContentPlus-Projekt BERNSTEIN und seine Grundlagen. In: Museum aktuell, Bd. 142, 2007, S. 18–19.Frieder Schmidt: Das Gedächtnis der Papiere. Ein Zwischenbericht über das eContentplus Projekt BERNSTEIN. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte, Bd. 17, 2008, S. 383–386.

1999 wurde Frieder Schmidt für die Ausstellung „Washi in the 19th Century – The Leipzig Collection“ durch die Japan Paper Academy mit dem KAMI ACADEMY AWARD in der „Kategorie für internationalen Austausch, Aufklärungsaktivitäten und Förderung der Papierkultur“ geehrt. Präsentiert wurden 440 Objekte japanischer Papier- und Buntpapiermuster der Bartsch-SammlungSammlung Bartsch des Deutschen Buch- und Schriftmuseums in Leipzig, die der Wiener Finanzbeamte Franz Bartsch dem Museum testamentarisch vermacht hatte. Die Ausstellung basierte auf der Erschließungs- und Forschungsarbeit von Frieder Schmidt, unterstützt durch Sigrid Feiler und Erhard Feiler sowie durch Experten aus Japan und Frankreich, und entstand in Kooperation mit der Japan Paper Academy, dem Kyoto Institute of Technology und dem Goethe-Institut Kansai.Presseinformation: Auszeichnung der Japan Paper Academy an Leipziger Papierhistoriker. In: Die Deutsche Bibliothek: Hausmitteilungen 30. Jahrgang, Nr. 4, Juli-August 1999, Die Deutsche Bibliothek, Frankfurt am Main / Leipzig / Berlin 1999, S. 110 Sie wurde in fünf japanischen Städten präsentiert, begleitend erschien ein gleichnamiger Katalog.19-seiki no washi-ten : Raipuchihi no korekushon kichō-ten = Washi in the 19th century. Hrsg.: henshu Nihon kami akademī / Deutsche Buch- und Schriftmuseums, Kyoto 1999.

2003 erschien die von ihm und Elke Sobek erarbeitete Internationale Bibliographie zur Papiergeschichte (IBP) mit rund 4.000 Monografien und 16.000 unselbständigen Publikationen. Die 20.000 Titeleinträge für den Publikationszeitraum bis 1996 wurden in zehn Kapitel untergliedert und durch ein ausführliches Register zu Personen, Körperschaften, geografischen und sonstigen Sachverhalten sowie ein umfangreiches Titelregister ergänzt.Internationale Bibliographie zur Papiergeschichte (IBP) Berichtszeit: bis einschließlich Erscheinungsjahr 1996, Produktinfo beim Verlag Walter de Gruyter

2016 kuratierte Schmidt die Ausstellung „Bahnriss?! Papier | Kultur“»Bahnriss?! Papier | Kultur« – eine Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum. In: Dialog mit Bibliotheken, Bd. 28, 2016, Nr. 1: 42-47. Online PDF im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig, die vom 19. Februar bis 2. Oktober 2016 präsentiert wurde, sowie die gleichnamige Virtuelle Ausstellung in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), die anlässlich des Welttages des Buches am 23. April 2017 online ging und bis Jahresende 2025 abrufbar war.Bahnriss-Ausstellung auf der Website der DDB

Seit seiner Pensionierung befasst er sich intensiv mit Papier und seiner Geschichte in der deutschsprachigen und der multilingualen Wikipedia und den zugehörigen Schwesterprojekten.Frieder Schmidt: Paper and its History in der German-Language Wikipedia – An Inventory. In: Artists’ Paper. A Case in Paper History. Ed.by Penelope Banou, Georgios Boudalis, Patricia Engel, Stephen R. Hill, Joseph Schirò and Jedert Vodopivec Tomažic. Horn: Berger & Söhne, Ferdinand 2023, S. 503–545.List of Wikipedia Links. Compiled by Frieder Schmidt, in addition to the presentation “Paper and its History in the German-Language Wikipedia. An Inventory”, 36th IPH CONGRESS, August 15 – 20 2022, Krems (Austria). Online PDF . Schmidt lebt seit 2017 wieder in Stuttgart.

Ehrungen 1999 KAMI ACADEMY AWARDPresseinformation: Auszeichnung der Japan Paper Academy an Leipziger Papierhistoriker. In: Die Deutsche Bibliothek: Hausmitteilungen 30. Jahrgang, Nr. 4, Juli-August 1999, Die Deutsche Bibliothek, Frankfurt am Main / Leipzig / Berlin 1999, S. 110 2006 Verleihung des Ehrenrings Papiergeschichte durch den Verein Zellcheming 2024 Ernennung zum Ehrenmitglied der IPHWebseite des IPH Vorstands

Veröffentlichungen (Auswahl) Von der Hand- zur Maschinenarbeit: Wandel in der südwestdeutschen Papierfabrikation durch Technologietransfer. Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim 1987.