miniatur|350px|Christliche Theologie (Signet mit Schlüsselbegriffen) Christliche Theologie ist die Theologie, die sich auf Jesus Christus als das Wort Gottes (logos theou) zurückführt. Christliche Theologie sieht sich selbst traditionell und historisch als ein den Wissenschaften gleichwertiges Fachgebiet an, das nach den verschiedenen christlichen Konfessionen unterteilt ist.

Begriff und Definitionsversuche Die Ansätze der Definition von „Theologie“ gehen in verschiedene Richtungen. Mitunter wird das Denken betont: „Theologie ist das vernünftige Nachdenken über Gott und damit auch über den Gottesgedanken und den Gottesglauben.“So Holm Tetens bei einer Tagung zum Thema „Ist Theologie eine Wissenschaft?“ in Basel 2019, veröffentlicht in Fabian F. Grassl, Harald Seubert, Daniel von Wachter (Hrsg.): Ist Theologie eine Wissenschaft? Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2022, S. 62. Ein anderer Ansatz hebt das Reflektieren über das praktische Leben hervor: Die evangelische Theologie sei „die praktische Kunst, durch Unterscheidungen im Denken darüber zu orientieren, wie Menschen sich im Leben an letzter Gegenwart bzw. Wirklichkeit orientieren“.So Ingolf U. Dalferth in Fabian F. Grassl u. a.: Ist Theologie eine Wissenschaft? 2022, S. 83. Ausgehend von den an einer Theologischen Fakultät beforschten und gelehrten Inhalten könnte sich eine breitere Definition ergeben: „Christliche Theologie prüft und bewertet religiöse Erfahrungen und entwickelt Theorien über Gott, sein Wirken und seine Mitteilungen; dabei konzentriert sie sich auf die Erforschung der von ihrer Kirche anerkannten Glaubensurkunden (insb. auf die Bibel als göttlicher Offenbarung), auf die Geschichte der Christenheit sowie auf kirchliche Aufgaben, wobei sie Erfahrungen im Leben als Christ und beim Ausüben kirchlicher Dienste verwertet.“So Franz Graf-Stuhlhofer in seiner Rezension von Fabian F. Grassl u. a.: Ist Theologie eine Wissenschaft? 2022, in: European Journal of Theology 32 (2023) S. 369–372.

Allgemeine christliche Theologie Die christliche Theologie vertritt das Selbstverständnis, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Quellen christlichen Glaubens und christlicher Glaubenspraxis zu leisten sowie die Darstellung christlichen Glaubens und seine systematische Analyse zu liefern. Die Wissenschaftsfähigkeit der Theologie ist umstritten. Fragestellungen der Wissenschaftstheorie der Theologie werden im Teilgebiet der Fundamentaltheologie, die eine Teildisziplin der systematischen Theologie ist, behandelt.

Eine erste Übersicht über die zahlreichen Einzeldisziplinen der christlichen Universitätstheologie gibt die Grobgliederung: I. Biblische Theologie, II. Historische Theologie, III. Systematische Theologie, IV. Praktische Theologie, V. Interkulturelle Theologie. Die Abgrenzung der fünf Hauptbereiche und die Zuteilung der Einzeldisziplinen kann sich jedoch je nach Konfession unterscheiden.

Biblische Theologie Ausgangspunkt allen Redens von Gott ist für Christen aller Konfessionen die Bibel. So beschäftigt sich ein Großteil der universitären theologischen Forschung und Lehre mit biblischen Schriften.

Biblische Exegese nennt man die Übersetzung, Untersuchung und Interpretation von Bibeltexten mit Hilfe bestimmter exegetischer Methoden. Hermeneutik ist allgemein eine wissenschaftliche Reflexion über Bedingung und Möglichkeit des Verstehens: hier von biblischen Texten, speziell als Reflexion über die Methodik der Exegese. Einleitungswissenschaft ist der Teil der Bibelforschung, der ihre Entstehung (Autoren, Traditionen, Ort, Zeit, Umstände) aufzuhellen versucht, um so das nötige Hintergrundwissen für die Exegese bereitzustellen.

Die Exegese teilt sich traditionell in die beiden Hauptteile der Bibel, das Alte und das Neue Testament. Zu beiden Fächern gibt es die Teilgebiete Einleitung, Geschichte, Theologie und Ethik. Die genaue Abgrenzung ist oft nicht möglich, da die Entstehung der Bibel nur aus der Geschichte Israels heraus verständlich wird, ebenso wie Theologie und Ethik, die sich nicht trennen lassen.

Altes Testament: Einleitung in das Alte Testament Geschichte des Volkes Israel Theologie des Alten Testaments Ethik des Alten Testaments Neues Testament Einleitung in das Neue Testament Geschichte des Urchristentums Theologie des Neuen Testaments Ethik des Neuen Testaments.

Der Zusammenhang beider „Testamente“ wird vor allem in der reformatorischen Theologie vielfach ebenfalls unter dem Namen „Biblische Theologie“ verhandelt. Dazu zählt auch die Judaistik für die Zeit „zwischen“ den Testamenten, die früher eher als Randgebiet betrachtet und in ihrer Bedeutung für die Bibelexegese unterschätzt wurde.

Historische Theologie Dieser Oberbegriff umfasst in der Regel die Kirchen- und Dogmengeschichte. Er wird heute oft als Sammelbegriff gegenüber dem früheren Teilgebiet „Kirchengeschichte“ bevorzugt, bezeichnet aber kein eigenes Fachgebiet. Er ist ein disziplinübergreifender Zweig, in dem historisch arbeitende Theologiesparten behandelt werden.

Siehe besonders: Historische Theologie Kirchengeschichte Religionsgeschichte Dogmengeschichte (auch Theologiegeschichte) Geschichte der Ökumene Ebene Historische Entwicklung im Artikel Christentum Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen Zeittafel zur Geschichte der Täufer Zeittafel zur Geschichte der Baptisten Zeittafel Geschichte des Christentums

Konfessionelle Unterschiede können sich in der unterschiedlichen Epochengliederung bzw. unterschiedlichen Gewichtung einzelner Epochen zeigen.

Systematische Theologie Fundamentaltheologie ist in der katholischen Theologie die grundlegende Reflexion der Charakteristik des christlichen Glaubens und seiner Abgrenzung von anderen Weltanschauungen und Religionen. Im Hinblick auf das Letztgenannte wurde sie früher Apologetik genannt. Mit diesem Begriff wird zugleich eine historische Epoche der christlichen Theologie (2. und 3. Jahrhundert) bezeichnet, da in ihr die Erläuterung und vor allem Verteidigung der christlichen Glaubensinhalte gegenüber ihren Kritikern im römischen Reich eine große Rolle spielte. Die Fundamentaltheologie wird in drei bzw. vier Traktate aufgeteilt: Religion, Offenbarung, Kirche und theologische Erkenntnislehre. Im zweiten Traktat wird die Religionstheologie behandelt.

Dogmatik reflektiert die Inhalte des christlichen Glaubens und stellt sie (in der Regel angelehnt an die Reihenfolge der Glaubensbekenntnisse) systematisch dar. Heute unterscheidet man folgende Teilgebiete/Traktate: Theologische Anthropologie Geschöpflichkeit, Gottebenbildlichkeit, Sündenfall, Rechtfertigung des Menschen Gotteslehre Wort und Begriff „Gott“ im Allgemeinen; der jüdisch-christliche Gott; Schöpfung, Vorsehung, Allmacht, Vater-Sein, Trinität usw. Christologie ist die Reflexion und Auslegung der Person Jesus Christus. Soteriologie ist die Reflexion über das Heil, das mit der Person Jesus Christus verbunden ist. Pneumatologie ist die Lehre vom und Reflexion über den Heiligen Geist. Ekklesiologie ist die Reflexion über Wesen und Wirklichkeit der Kirche im Licht ihrer theologischen Bestimmung. Sakramentenlehre ist die Reflexion über die Sakramente im Allgemeinen sowie die Darstellung der sieben Einzelsakramente. Eschatologie (früher: Lehre von den „letzten Dingen“) ist die Reflexion über die Hoffnung auf die Vollendung der Welt und die Vollendung der einzelnen Menschen, die sich aus dem Glauben ergeben. Ethik (evangelisch) oder Moraltheologie (katholisch) reflektiert über die Normen, Richtlinien und Prinzipien christlicher Lebensgestaltung. Religionsphilosophie (eher katholisch) reflektiert über das Verhältnis von Glauben zum Wissen. Die reformatorische Theologie betont hier eher den Gegensatz von Glauben und allgemeiner Religion bzw. Theologie und Philosophie. Religionswissenschaft erforscht Religiosität und Religionen allgemein. Ob sie eher zur Systematischen oder zur Historischen Theologie gehört, ist je nach Fakultät verschieden. An manchen Universitäten (z. B. Leipzig) wird die Religionswissenschaft an geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt und betont den im Gegensatz zur Theologie empirischen Charakter ihrer Arbeit. Als solchermaßen eigenständiges Studienfach kehrt sie die Sichtweise um und betrachtet eher die christliche Theologie als Teilgebiet unter anderen Theologien. Innerhalb der empirischen Religionswissenschaft gibt es eine starke Emanzipationsbewegung gegenüber der Theologie und von ihr beeinflussten Teilen der Religionswissenschaft.

Praktische Theologie Dieses Teilgebiet gilt der Praxis kirchlichen und christlichen Handelns, z. B. Gottesdienst, Diakonie, Liturgie, Seelsorge usw. Pastoraltheologie Homiletik ist die Predigtlehre. Liturgik (Liturgiewissenschaft und vergleichende Liturgiewissenschaft) thematisiert – gesungene wie gesprochene – Gottesdienstformen. Katechetik, Religionspädagogik, Gemeindepädagogik betrifft die Vermittlung christlicher Inhalte auch außerhalb des Gottesdienstes. Poimenik ist Reflexion über die Seelsorge. Oikodomik ist die Lehre vom Gemeindeaufbau. Diakonik oder Diakoniewissenschaft bzw. Caritaswissenschaft befasst sich mit der Diakonie bzw. der Caritas, der tätigen Nächstenliebe. Missionswissenschaft beschäftigt sich traditionell mit der Verkündigung und Verbreitung des Evangeliums, ist heute eng mit Ökumenik und Interkultureller Theologie verknüpft. Kirchenmusik ist Musik unter theologischen Aspekten; innerhalb eines Theologiestudiums überschneidet es sich stark mit Liturgik. Kirchenbau ist Architektur unter theologischen Aspekten. Christliche Archäologie ist eigentlich Archäologie; ein Hauptschwerpunkt sind Ausgrabungen in Palästina. Christliche Publizistik: theologischer Journalismus. Kirchenrecht: der Jura-Bereich innerhalb der Theologie. Aszetik: betrifft die Theologie des geistlichen Lebens, im katholischen Bereich vor allem von Ordensgemeinschaften. Religionsdidaktik, darunter Biblische Didaktik

Weiterhin kann es in der Praktischen Theologie mit der Bezeichnung „Pastoraltheologie“ zu Verstehensschwierigkeiten kommen, da mit „Pastoraltheologie“ in der evangelischen Praktischen Theologie wirklich nur die Person des Amtsträgers in Augenschein genommen wird, während in der katholischen Praktischen Theologie das gesamte Feld der Praktischen Theologie einfach als die „Pastoral“ bezeichnet werden kann.

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass die Zuordnung der einzelnen untergeordneten Fächer zu übergeordneten Fachrichtungen manchmal unsicher ist und durchaus auch anders vorgenommen werden kann, teilweise bestehen auch Überschneidungen und Doppelungen. Den inneren Zusammenhalt der einzelnen Teilgebiete untereinander, die sich durch die Übernahme verschiedener Paradigmen auseinanderentwickelt haben und weiterhin auseinanderentwickeln, soll die Theologische Enzyklopädie gewährleisten (so zumindest in der evangelischen Theologie).

Interkulturelle Theologie

Im Bereich deutscher theologischer Fakultäten hat sich das Doppelfach Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft heute vielerorts als eigenständiges Fach etabliert. Diese Eigenständigkeit findet ihren Ausdruck auch in der Bezeichnung der entsprechenden Fachgruppe innerhalb der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (WGTh). Der Name der Fachgruppe lautet „Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie“.