Das Auditorium Maximum (Audimax) der Universität Hamburg ist ein freistehendes Gebäude im Hamburger Stadtteil Rotherbaum. Als Auditorium maximum bietet das Gebäude den mit knapp 1700 Sitzplätzen größten Hörsaal der Universität, der sich durch eine versenkbare Trennwand in zwei Hörsäle teilen lässt.

Das Audimax wurde von 1957 bis 1959 nach Entwürfen von Bernhard Hermkes erbaut und fügt sich in das von Paul Seitz konzipierte Ensemble des Campus Von-Melle-Park ein, zu dem neben dem Audimax u. a. der Philturm und die Universitätsbibliothek gehören. Zum Von-Melle-Park öffnet sich das Audimax mit einer konvexen Glasfassade, die den Blick auf das Foyer und Treppenhaus mit seinen schlank gestalteten Stützen freigibt. Eine konstruktive Besonderheit des Gebäudes ist die Stahlbetonkuppel in Form eines perfekten Kugelsegmentes, die mit einer Spannweite von bis zu 65 Metern den Hörsaal überspannt und ohne Verbindung zu den Wandscheiben nur auf den äußeren Stützpfeilern ruht.

Neben dem Vorlesungsbetrieb der Universität finden im Audimax regelmäßig Konzerte sowie kulturelle und politische Veranstaltungen statt. Besondere Bekanntheit erlangte die Protestaktion „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ anlässlich der Rektoratsübergabe 1967. Das Audimax verkörpert nach Ansicht von Architekturkritikern die Aufbruchstimmung der Universität in der Nachkriegszeit in gelungener Weise und steht heute unter Denkmalschutz.

Geschichte Vorgeschichte und Vorlesungsgebäude am Dammtor mini|Vorlesungsgebäude an der Moorweide, heute Hauptgebäude Edmund‑Siemers‑Allee 1

Die Universität Hamburg wurde erst 1919 gegründet. Schon länger bestand in Hamburg hingegen das Allgemeine Vorlesungswesen, eine Art Erwachsenenbildung mit akademischem Anspruch. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde vom Senat 1837 geschaffen, 1895 reformierte Werner von Melle das Programm. 1908 entschied sich die Bürgerschaft für den Bau eines Vorlesungsgebäudes für das Allgemeine Vorlesungswesen und gab den Bauplatz an der Moorweide dazu, gegenüber dem Dammtorbahnhof. Das Geld für das Gebäude stiftete Edmund Siemers, der Entwurf stammte von Hermann Distel. 1911 wurde das Gebäude eingeweiht, das neben Arbeitsräumen vor allem sieben Hörsäle aufnimmt. Ab 1919 fand in diesem Gebäude der Vorlesungsbetrieb der frisch gegründeten Universität statt. Mit heutiger Bestuhlung bietet der größte Hörsaal im Vorlesungsgebäude an der Edmund-Siemers-Allee (ESA) 612 Plätze, alle sieben dort befindlichen Hörsäle bieten in Summe weniger Kapazität als der eine Hörsaal im Audimax.Hörsaal-Wegweiser der Universität Hamburg (abgerufen im Mai 2022). Die sieben Hörsäle an der Edmund-Siemers-Allee (ESA) sind Ernst-Cassirer-Hörsaal (ESA A), Agathe-Lasch-Hörsaal (ESA B), Erwin-Panofsky-Hörsaal (ESA C), Eduard-Heimann-Hörsaal (ESA H), Magdalene-Schoch-Hörsaal (ESA J), Albrecht-Mendelssohn-Bartholdy-Hörsaal (ESA K) und Emil-Artin-Hörsaal (ESA M). Ihre Zuhörer-Kapazität beträgt zusammengenommen 1665 Plätze.

Das räumliche Zentrum der Universität war durch die Übernahme des Vorlesungsgebäudes eher zufällig gewählt worden. Freie Flächen gab es in den dicht bebauten Stadtteilen um den Dammtorbahnhof kaum. Die Universität war von ihrer Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg größtenteils in angemieteten Häusern und Villen untergebracht, locker verstreut über Rotherbaum und Harvestehude, daneben das Universitätsklinikum in Eppendorf. Einen Campus gab es somit nicht, die Wege waren lang und der Universität fehlte eine identitätsstiftende Mitte.Michael Holtmann: Zwischen Schlössern und Baracken. In: 100 Jahre Universität Hamburg, Band 1 („Allgemeine Aspekte und Entwicklungen“). Wallstein, Göttingen 2020, ISBN 978-3-8353-3407-6, S. 482 f.

Eine Lösung wäre ob der räumlichen Enge in Rotherbaum der Umzug an einen neu zu gründenden Standort gewesen. Dazu gab es mehrfach Vorschläge und Planungen, am konkretesten 1928: Fritz Schumacher legte den Plan vor, auf unbebautem Gebiet nördlich des Eppendorfer Moors im Stadtteil Groß Borstel eine „akademische Stadt“ zu errichten. Auch der Botanische Garten sollte dorthin umziehen. Der neue Universitätsstandort sollte durch eine Verlängerung der Wilhelm-Metzger-Straße durch das Eppendorfer Moor erschlossen werden, auch eine Verlängerung einer Hochbahn-Linie war geplant.Verlegung der Universität, Werkverzeichnis der Fritz-Schumacher-Gesellschaft, Nr. 269. Dazu Schumachers Denkschrift: Die bauliche Zukunft der Hamburgischen Universität von 1928. Dieser Plan wurde sowohl vom Senat als auch von der Universitätsleitung unterstützt, die Weltwirtschaftskrise machte ihn zunichte.Michael Werner: Stiftungsstadt und Bürgertum. De Gruyter, Berlin 2015, ISBN 978-3-486-71388-6, S. 430. (Werner zitiert dort Jürgen Lafrenz.)

Hamburg wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer getroffen, besonders im verheerenden Feuersturm von 1943. Diese Angriffe verwüsteten besonders den Osten der Stadt und das Gebiet um den Hafen. Das Gebiet der Universität westlich der Außenalster war vergleichsweise glimpflich davongekommen.Arthur Dähn: Die Zerstörung Hamburgs im Kriege 1939–45. In: Architekten- und Ingenieurverein Hamburg (Hrsg.): Hamburg und seine Bauten : 1929–1953. Hoffmann und Campe, Hamburg 1953, DNB 451787641, S. 28–38.

Planung und Bau

mini|Einladung zur Grundsteinlegung des „Neuen Vorlesungsgebäudes“ (Auditorium maximum) am 15. Mai 1957

Von der Gründung der Universität 1919 bis zum Zweiten Weltkrieg zählte die Universität Hamburg nie mehr als etwa 3.000 Studenten. Von 1949 bis 1959 stiegen die Studentenzahlen an der Universität Hamburg von unter 5.000 auf 12.000 an.Christian Scholz: 100 Jahre hochschulstatistische Daten der Universität Hamburg. Universität Hamburg, Stabsstelle Datenmanagement und quantitative Analyse, Mai 2019, S. 9. („Abbildung 2: Studierende und Studienanfänger/-innen an der Universität Hamburg von 1919-2018“, online). In der unmittelbaren Nachkriegszeit trugen Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge aus den Ostgebieten und der Sowjetischen Besatzungszone zum Wachstum bei. Später sorgten neben den steigenden Geburtenzahlen vor allem die zunehmenden Abitur- und Studentenraten, auch bei Frauen, für weiteres Wachstum. Prognostiziert wurden somit weitere, drastische Steigerungen der Studentenzahlen.

Die meisten Gebäude der Vorkriegsuniversität waren noch vorhanden, teilweise wurden sie nach der Kapitulation von der englischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Das galt aber nicht für das Vorlesungsgebäude, in dem ab 1945 wieder Vorlesungen stattfinden konnten. Auch nach Rückgabe aller Gebäude konnte jedoch keinesfalls der Raumbedarf einer wachsenden Universität befriedigt werden. Ein Campus fehlte nach wie vor. Durch die Zerstörungen des Krieges war nun jedoch Bauplatz entstanden. Die Fläche zwischen Grindelallee und Beneckestraße (nicht mehr existent) wurde enttrümmert, einzelne noch teilweise stehende Gebäude wurden abgerissen. Dieses Gebiet um den ehemaligen Bornpark sollte den neuen Campus bilden.Eberhard von Wiese: Neues Universitätsviertel am Bornpark. In: Hamburger Abendblatt, 14. Juni 1952, S. 4 (Digitalisat mit Lageplan).

1952 entstand mit dem Studentenhaus an der Schlüterstraße der erste Nachkriegs-Neubau der Universität. 1954 legte das Hamburger Hochbauamt einen Plan für eine „Universitätsstadt“ im Dreieck zwischen Schlüterstraße, Grindelallee und Grindelhof vor, südlich von der Moorweidenstraße begrenzt. Hier sollten – bis auf das Universitätskrankenhaus UKE – sämtliche Einrichtungen der Universität zusammengefasst werden, die Baukosten wurden mit fünfzig Millionen DM prognostiziert.Universitätsstadt beim Dammtor. In: Hamburger Abendblatt, 17. September 1954, S. 3 (Digitalisat mit Modellfoto). 1955 sprach sich der Senat endgültig für eine innerstädtische Universitätsstadt aus, Verlagerungspläne an Standorte an der Peripherie waren damit vom Tisch. Der Rahmenplan für den Campus der Universität Hamburg stammte von Paul Seitz in Zusammenarbeit mit Werner Hebebrand.Peter Krieger: “Wirtschaftswunderlicher Wiederaufbau-Wettbewerb” : Architektur und Städtebau der 1950er Jahre in Hamburg. Universität Hamburg, Hamburg 1996, urn:nbn:de:gbv:18-136, S. 213–217 (Hochschulschrift). Im Mai 1955 fand die Grundsteinlegung für das Mineralogische Institut statt, das erste Gebäude entsprechend der neuen Planung. Das Auditorium Maximum war mit 2000 Plätzen geplant, auch die Mathematik und die Naturwissenschaften sollten rund um den Bornplatz ihr Zuhause finden.Universität will hoch hinaus. In: Hamburger Abendblatt, 25. Mai 1955 (Digitalisat). In den 1970er Jahren wurden diese Fakultäten dann entlang der Bundesstraße untergebracht (u. a. im Geomatikum), da der Campus am Bornplatz nicht genug Raum für die weiter wachsende Universität bot. mini|Vorbild Kresge Auditorium (Cambridge, Massachusetts) Im April 1956 begann die Planung für das Auditorium Maximum.Form und Konstruktion: Vier Meisterwerke des Hamburger Architekten Bernhard Hermkes. Ausstellung in der Freien Akademie der Künste Hamburg, 9. Januar bis 23. Februar 2014, Programmheft. Bauherren waren die Freie und Hansestadt Hamburg und die Universität Hamburg. Der Entwurf stammte von Bernhard Hermkes, die Akustik wurde von Lothar Cremer ausgelegt. Die Statik des Dachs wurde von Alfred Mehmel verantwortet.Auditorium Maximum Hamburg (Plan), Signatur 720-1/344-31_03662 im Staatsarchiv Hamburg (Digitalisat). Hermkes’ Entwurf orientiert sich deutlich am 1955 eingeweihten Kresge Auditorium des MIT,Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Stuttgart 1995, S. 126. dessen Entwurf von Eero Saarinen stammte. Als weiteres Vorbild wird die Berliner Kongresshalle genannt, die 1956/1957 erbaut wurde.Michael Holtmann: Zwischen Schlössern und Baracken. In: 100 Jahre Universität Hamburg, Band 1 („Allgemeine Aspekte und Entwicklungen“). Wallstein, Göttingen 2020, ISBN 978-3-8353-3407-6, S. 504.

Im Mai 1957 wurde der Grundstein für das Audimax gelegt, anwesend waren der Rektor Karl Schiller, der Erste Bürgermeister Kurt Sieveking und der Schulsenator Hans Wenke.Großer Festtag für Hamburger Universität. In: Hamburger Abendblatt, 15. Mai 1957, S. 3 („Die Hamburg-Seite 3“, online). Fotos von der Grundsteinlegung zeigen die Dekane der Universität in voller Amtstracht in der Baugrube, mit Talar und Amtskette.„Audimax“ im Bestand der Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, mit freundlicher Unterstützung durch Rainer Nicolaysen (eingesehen im März 2022). Der Rohbau wurde von einer ARGE aus Wayss & Freytag mit Dyckerhoff & Widmann errichtet. Ende Juli 1958 wurde das Richtfest gefeiert.Audi-Max wird wunderbar. In: Hamburger Abendblatt, 2. August 1958.