Die Alpen-Frühlings-Miere (Minuartia gerardii), auch Gerard-Miere oder Alpen-Miere genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Mieren (Minuartia) in der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).

Beschreibung mini|Habitus, Vorder- und Rückseite der Blüte mini|Im Habitat

Vegetative Merkmale Die Alpen-Frühlings-Miere ist eine mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 2 bis 5 Zentimetern. Sie bildet meist dichte Polster. Die Grundachse und die untersten Zweige sind manchmal etwas verholzt. Die Laubblätter sind schmal-linealisch, stumpf, lebhaft grün und etwas fleischig. Die Furchen zwischen den Laubblattnerven sind so breit wie die Nerven oder breiter. Getrocknete Blätter sind unterseits deutlich dreinervig. Nur die untersten Blätter tragen in ihren Blattachseln kurze Blattbüschel.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Meist ein bis fünf, selten bis zu sieben Blüten stehen in endständigen Blütenständen zusammen. Der Blütenstiel ist 5 bis 15, selten bis zu 20 Millimeter lang. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind bei einer Länge von 3,5 bis 4,5 Millimetern eiförmig mit spitzem oberen Ende und an der Spitze etwas nach innen gebogen. Die weißen Kronblätter sind mit einer Länge von 4 bis 5 Millimeter meist etwas länger als die Kelchblätter. Die Staubbeutel sind purpurfarben. Die Fruchtkapsel ist länglich-eiförmig und so lang oder etwas länger als der Kelch. Die Samen messen selten 0,5 bis meist 0,7 bis 1 Millimeter im Durchmesser, mit mehr oder weniger spitzen Papillen, diese etwa so lang wie breit.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.

Vorkommen Die Alpen-Frühlings-Miere kommt in Österreich zerstreut bis häufig in allen Bundesländern außer Burgenland und Wien in der subalpinen bis alpinen Höhenstufe und (herabgeschwemmt) auch im montanen Bereich. Die höchsten Vorkommen in der Schweiz finden sich im Unterengadin am Piz Linard in einer Höhenlage von 3300 Metern.

Diese etwas kalkliebende Pflanze bevorzugt als Standort Rasen und Gesteinsfluren. Sie kommt in Pflanzengesellschaften des Seslerion-Verbands und im Elynetum vor; überregional ist sie eine Charakterart der Klasse Carici-Kobresietea.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 1 (sehr nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Taxonomie Die Erstbeschreibung erfolgte 1799 unter dem Namen Arenaria Gerardi durch Carl Ludwig Willdenow in Species Plantarum, 4. Auflage (Willdenow), Band 2, Teil 1, S. 729. Das Artepitheton gerardii ehrt den französischen Botaniker Louis Gérard (1753–1819). Die Neukombination zu Minuartia gerardi wurde 1908 durch August von Hayek veröffentlicht. Weitere Synonyme für Minuartia gerardii sind: Alsine saxatilis , Alsine gerardi , Alsine verna var. gerardi , Minuartia verna var. gerardi und Sabulina gerardii

Literatur Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6. Markus S. Dillenberger: Two new combinations in Sabulina (Caryophyllaceae). In: Schlechtendalia, Band 30, 2016, S. 41–44. Volltext-PDF.

Einzelnachweise Hans-Christian Friedrich: Familie Caryophyllaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band III, Teil 2, Seite 811–815. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1979, ISBN 3-489-60020-7.

Weblinks

Caryophyllaceae / Minuartia gerardii (Minuartia verna subsp. gerardii) - Gerard-Miere / Alpen-Frühlings-Miere / Alpen-Miere - Datenblatt mit Fotos bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, 2005-05-19.

Kategorie:Mieren Kategorie:Alpenflora