mini|Signatur von Georg Heinrich Borheck (um 1802) Georg Heinrich Borheck (* 30. September 1751Johann Stephan Pütter: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen. Theil 2. Von 1765 bis 1788. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1788, S. 196. (Digitalisat auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 17. Mai 2023)Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler, Grafiker, Bildhauer, Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 223. (mit abweichendem Geburtsdatum 1. Oktober 1751) (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 14. Mai 2023) in Göttingen; † 12. Juni 1834 ebenda) war ein deutscher Architekt, Baubeamter, Hochschullehrer und Architekturschriftsteller.
Leben und Wirken Nach dem Besuch der Göttinger Stadtschule studierte Borheck von Michaelis 1771 bis Ostern 1776 Mathematik an der Universität GöttingenFerdinand Wüstenfeld: Die Mitarbeiter an den Göttingschen gelehrten Anzeigen in den Jahren 1801–1830. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Göttingen 1887, S. 19., unterstützt und protegiert vom Göttinger Universitätsarchitekten Johann Michael Müller.Götz von Selle (Hrsg.): Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1838. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim / Leipzig 1937, S. 190. (Immatrikulation am 1. Oktober 1771, „Georg Henr. Borheck, Götting., math.; Gratis, ob rem angustem, et commendatus a Mullero, Architecto acad.“) Im Anschluss an sein Studium gab er „mit Beyfall“Physikalisch-ökonomische Bibliothek, Jahrgang 1778, Band 9, Lieferung 3, S. 415–424, hier S. 415. (Digitalisat auf adw-goe.de, abgerufen am 18. Mai 2023) an der Universität „Unterricht in der reinen Mathematik, Architectur und Feldmeßkunst“. Seine intensive und selbstbewusste Beschäftigung bereits in jungen Jahren mit dem Baufach und insbesondere der Landbaukunst lässt sich daran erkennen, dass Borheck ab 1778 erst 27-jährig mit Rezensionen über Baufachbücher an die Öffentlichkeit trat. Sein mutmaßliches Erstlingswerk als Fachschriftsteller war in der Göttinger Zeitschrift Physikalisch-ökonomische Bibliothek eine Besprechung von Johann Christian Friedrich Kefersteins soeben erschienenem Lehrbuch Anfangsgründe der bürgerlichen Baukunst für Landleute.Physikalisch-ökonomische Bibliothek, Jahrgang 1778, Band 9, Lieferung 3, S. 415–424, hier S. 415 f. (Autorenhinweis auf Borheck). (Digitalisat auf adw-goe.de, abgerufen am 18. Mai 2023) Bereits ein Jahr später erschien 1779 als Borhecks erstes eigenes Lehrbuch sein Entwurf einer Anweisung zur Landbaukunst nach ökonomischen Grundsätzen mit einem Umfang von 196 Seiten und sechs Kupferstich-Tafeln, in dem er das landwirtschaftliche Bauen anhand von Beispielen aus dem Göttinger Umland und mit Verbesserungen vorstellte.Volker Gläntzer: Die Bauernhausentwürfe des Georg Heinrich Borheck. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der niedersächsischen Hausforschung. In: Nils-Arved Bringeus u. a. (Hrsg.): Wandel der Volkskultur in Europa. Festschrift für Günter Wiegelmann zum 65. Geburtstag. (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Band 60.) Münster 1988, Band 2, S. 541–560. Dass das Werk positiv und mit „Beyfall“ aufgenommen wurde, bezeugen zwei 1780 und 1781 in der Zeitschrift Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen und in der Zeitschrift Physikalisch-ökonomische Bibliothek erschienene Buchbesprechungen.Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen, 13. Stück vom 29. Januar 1780, S. 105–107, hier S. 105. (Digitalisat auf gdz.sub.uni-goettingen.de, abgerufen am 18. Mai 2023)Rezension von Johann Beckmann in: Physikalisch-ökonomische Bibliothek, Jahrgang 1781, Band 11, Lieferung 1, S. 131–133. (Digitalisat auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 18. Mai 2023) Borhecks Lehrbuch wurde von ihm 1792 um einen zweiten Band erweitert und ist ein Vorläufer der Landbaukunst-Literatur, als deren Höhepunkt 20 Jahre später das zweibändige Handbuch der Land-Bau-Kunst (1797/1798) von David Gilly gilt.
Borhecks Publikationen und seine Fähigkeiten als Privatlehrer beeindruckten die königliche Landesregierung in Hannover, so dass er 1780 als Nachfolger seines verstorbenen Lehrers Müller zum Universitäts-Architekten in Göttingen berufen wurdeVolker Gläntzer: Die Bauernhausentwürfe des Georg Heinrich Borheck. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der niedersächsischen Hausforschung. In: Nils-Arved Bringeus u. a. (Hrsg.): Wandel der Volkskultur in Europa. Festschrift für Günter Wiegelmann zum 65. Geburtstag. (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Band 60.) Münster 1988, Band 2, S. 541–560, hier S. 543. und ebenfalls 1780 in Nachfolge von Heinrich Christian Körtje zum Klosterbaumeister der Fürstentümer Calenberg und Göttingen.Die Gothaischen gelehrten Zeitungen von August 1780 (Digitalisat auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 18. Mai 2023) meldeten Borheck dagegen als „Königlichen Landbaumeister für das Fürstenthum Göttingen“ (S. 524). Als Universitätsarchitekt war Borheck ein Vierteljahrhundert lang zuständig für alle Neu- und Umbauten der noch jungen Universität Göttingen, wobei die stadtbildprägenden Anbauten an das Kollegiengebäude (1784–1787), das neue Accouchierhaus mit seiner spektakulären Eingangshalle und dem Treppenhaus (1785–1787) sowie die ersten Entwürfe für die Sternwarte Göttingen (1802) als Hauptwerke zählen. Auf die Funktion als Klosterbaumeister dürften sein klassizistischer Umbau der gotischen Kirche St. Johannis in Göttingen (1791–1792) sowie einige Dorfkirchen und Pfarrhäuser in der näheren Umgebung von Göttingen zurückgehen. 1791 erhielt Borheck, „wahrscheinlich als Auszeichnung“, den Titel „Oberbaucommissar“ und den Rang eines Oberamtmanns.
Zur Architektentätigkeit hinzu kam weiterhin die Lehrbefugnis als Privatdozent („Privatlehrer zum Unterricht in der Baukunst“Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen vom geheimen Justizrath Pütter fortgesetzt vom Professor Saalfeld. Dritter Theil von 1788 bis 1820. Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover 1820 (Digitalisat auf gdz.sub.uni-goettingen.de, abgerufen am 16. Mai 2023), S. 382.) an der Universität, wo Borheck über verschiedene Zweige der Architektur Vorlesungen hielt und zur Veranschaulichung auch ModelleOliver Zauzig: Die königliche Modellkammer der Georg-August-Universität Göttingen. Analyse der historischen Praxis einer universitären Lehrsammlung unter Einbeziehung der heute noch vorhandenen Objekte. Dissertation (als Typoskript), Humboldt-Universität Berlin, 2021, S. 60 f., S. 375. (Digitalisat auf edoc.hu-berlin.de, abgerufen am 15. Mai 2023) vorführte. Dabei stellte er sich in die Göttinger Universitätstradition seiner Vorgänger Johann Friedrich Penther und Johann Michael Müller, denn Themen seiner vier Lehrveranstaltungen waren in jedem Semester die „Anlage wirthschaftlicher Landgebäude“, „die vortheilhafteste Einrichtung der Stadtgebäude nach ihren verschiedensten Absichten“, „die Wasserbaukunst und insbesondere über Mühlen- und Brückenbau“ sowie „die Entwerfung richtiger Bauanschläge“.Jens-Uwe Brinkmann: „Der gantzen Stadt zur Zierde und Annehmlichkeit.“ Die öffentliche Bautätigkeit. In: Stadt Göttingen, Kulturdezernat (Hrsg.): Göttingen im 18. Jahrhundert. Eine Stadt verändert ihr Gesicht. (Texte und Materialien zur Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen 26. April – 30. August 1987) Erich Goltze KG, Göttingen 1987, S. 255–324, hier S. 317. Nebenbei tat sich Borheck verstärkt ab 1792 wieder als Architekturlehrbuch-Schriftsteller hervor. In seinen Schriften stellte er in abgewandelter Form mustergültig u. a. auch seine Entwürfe für die Sternwarte GöttingenGeorg Heinrich Borheck: Grundsätze über die Anlage neuer Sternwarten unter Beziehung auf die Sternwarte der Universität Göttingen. (Manuskript, 1805) In: Klaus Beuermann (Hrsg.): Grundsätze über die Anlagen neuer Sternwarten mit Beziehung auf die Sternwarte der Universität Göttingen. Von Georg Heinrich Borheck. Göttinger Universitätsverlag, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-02-4, S. 51–100. (online als PDF auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 14. Mai 2023) sowie die Dorfkirchen in MengershausenGeorg Heinrich Borheck: Anweisung über die zweckmäßige Anlegung der Landkirchen. Heinrich Dieterich, Göttingen 1808, S. 66 ff. und Tafeln VI–VII. (Digitalisat auf goobi.tib.eu, abgerufen am 14. Mai 2023) und St. Petri in LandolfshausenGeorg Heinrich Borheck: Anweisung über die zweckmäßige Anlegung der Landkirchen. Heinrich Dieterich, Göttingen 1808, S. 97 ff. und Tafeln XIII–X. (Digitalisat auf goobi.tib.eu, abgerufen am 14. Mai 2023) vor. Im „Landkirchen“-Traktat von 1808 brachte er auch seinen monumentalen klassizistischen Kanzelaltar für die Göttinger Stadtkirche St. Johannis unter.Georg Heinrich Borheck: Anweisung über die zweckmäßige Anlegung der Landkirchen. Heinrich Dieterich, Göttingen 1808, S. 45 ff. und Tafel V. (Digitalisat auf goobi.tib.eu, abgerufen am 14. Mai 2023)
1798 zog sich Borheck erstmals wegen eines Augenleidens zurück auf sein Landgut Plackkrug bei Bovenden nördlich von Göttingen. 1803 bewarb er sich erfolglos um eine Architektenstelle in Braunschweig.Christian Freigang: Architekturhistorische Bemerkungen zur Göttinger Sternwarte. In: Klaus Beuermann (Hrsg.): Grundsätze über die Anlagen neuer Sternwarten mit Beziehung auf die Sternwarte der Universität Göttingen. Von Georg Heinrich Borheck. Göttinger Universitätsverlag, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-02-4, S. 21–26, hier S. 25. (online als PDF auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 18. Mai 2023) 1805 wurde die „Gesichtsschwäche“ so stark, dass er seine Göttinger Ämter als Klosterbaumeister und Universitätsarchitekt niederlegte, die dann der Baukommissar Heinrich Julius Oppermann bis 1811 übernahm; seinen Lehrauftrag übernahm ebenfalls Oppermann.Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8, S. 570, S. 653, S. 770. (online als PDF auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023) Borheck lebte von 1805 bis 1808 auf dem gepachteten Gut Elbenberg südwestlich von Kassel, wo seine landwirtschaftliche Beschäftigung zu einer Augenheilung führte. Dem von seinen Nachfolgern vollendeten und in seiner ursprünglichen Planung veränderten Bau der Göttinger Sternwarte konnte er nur verbittert und untätig zusehen.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler, Grafiker, Bildhauer, Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 224.Der Bau der Göttinger Sternwarte wurde erst 1810 auf Anweisung von Jérôme Bonaparte nach den Borhecks Plänen fortgesetzt, allerdings überarbeitet von Generalbauinspektor Heinrich Christoph Jussow in Kassel und von August Crelle. Die Bauleitung hatte Justus Heinrich Müller, und die Sternwarte wurde 1816 fertiggestellt. 1812 gab man die Pläne an Borheck zurück, dessen Wiedereinstellungsgesuch von 1813 aber abgelehnt wurde. Nach dem Ende des Königreichs Westphalen wurde 1813 sein Wiedereinstellungsgesuch als Universitätsarchitekt zugunsten von Justus Heinrich Müller abgelehnt.Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8, S. 772. (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023) Dennoch lebte Borheck ab 1819 wieder in Göttingen und hielt ab 1820 bis 1830 an der Universität erneut Vorlesungen über „verschiedene Zweige der Baukunst“.