mini|Adolph von Vagedes, um 1810 gezeichnet von Joseph Haase mini|Triumphbogen in der Elberfelder Straße entworfen von Adolph von Vagedes, Einzug Napoleons in Düsseldorf am 2. November 1811 mini|Breidenbacher Hof um 1870, Architekt Adolph von Vagedes Adolph Anton von Vagedes (* 25. Mai 1777 in Münster; † 27. Januar 1842 in Düsseldorf) war ein deutscher Architekt und Stadtplaner des Klassizismus, der auch als Dichter in Erscheinung trat. Bekannt wurde Vagedes vor allem durch seine Stadtplanung und seine öffentlichen Bauten in Düsseldorf. Als Architekt war er in Münster und seit 1809 in Düsseldorf tätig. 1812 wurde er großherzoglich bergischer Baudirektor, 1818 preußischer Regierungsbaurat und 1830 nach Köslin versetzt.
Als Dichter benutzte er unter anderem die Pseudonyme Philipp Nebeke und Maria. Sein älterer Bruder war der schaumburg-lippische Landbaumeister Clemens August von Vagedes.
Er fertigte Stadtpläne für Düsseldorf und Krefeld. Sein Wirken ist auch in vielen anderen rheinischen Städten wie Aachen, Wuppertal und Rees spürbar. Er gestaltete z. B. das Ratinger Tor in Düsseldorf, war Ideengeber für die Königsallee und die „Düsseldorfer Linden“ sowie die vier „Krefelder Wälle“. Deutliche Züge seiner Planungen sind heute noch in Krefeld zu erkennen, nicht zuletzt durch das Wirken seines Assistenten und Schülers Heinrich Johann Freyse aus Essen.
Adolph von Vagedes war ein äußerst vielseitig begabter Mensch. Neben seiner Tätigkeit als Stadtplaner und Architekt wirkte er auch als Theaterregisseur, Bühnenbildner, Lyriker, Musiker, Mathematiker und Maler.
Biografie Herkunft und Ausbildung
Vagedes war das siebte Kind des einstigen kurkölnischen Truchsesses, seinerzeitigen Regierungsregistrators und münsterschen Hofrats Johann Theodor Heinrich von Vagedes († 1803) und dessen Gattin Constanze von Graff. Getauft wurde er, ebenfalls am 25. Mai 1777, in der Überwasserkirche zu Münster. Zu Taufpaten waren der Vorgesetzte des Vaters, Minister Franz von Fürstenberg, und die Comitessa Anna Maria von Plettenberg-Galen auf Schloss Nordkirchen berufen. Im späteren Leben des Adolph von Vagedes sollten diese Patenschaften noch eine nicht unwesentliche Rolle spielen.
Wie seine älteren Brüder Clemens August und Franz Arnold Bernd dürfte Adolph von Vagedes das Gymnasium Paulinum besucht haben.Walter Kordt: Adolph von Vagedes. Ein rheinisch-westfälischer Baumeister der Goethezeit. Henn, Ratingen 1961, S. 15. Das anschließende Studium der Rechtswissenschaften an der münsterschen Universität, in welches er sich im Sinne der Familientradition drängen ließ, brach er, wie zuvor schon sein Bruder, Clemens August von Vagedes, ab, um Architektur zu studieren.
Wahrscheinlich wurde Adolph von Vagedes genau wie sein Bruder vom münsterschen Oberbaudirektor Wilhelm Ferdinand Lipper angeleitet,Walter Kordt: Adolph von Vagedes. Ein rheinisch-westfälischer Baumeister der Goethezeit. Henn, Ratingen 1961, S. 16. doch gingen die stärkeren Eindrücke vom Beispiel des Bruders aus. Nur eine Entwurfsskizze für einen Hochaltar des Doms zu Münster und die von Adolphs Schwiegervater, dem Ballentrepreneur und Weinhändler Johann Wilhelm Gabler schon 1799 in Auftrag gegebenen Innenraumausstattungen im ersten Stockwerk des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses Neubrückenstraße Nr. 2 lassen bzw. ließen Züge der Lipper’schen, noch stark „barock“ wirkenden, frühklassizistischen Formen erkennen. Von der Vagedes’schen Formensprache ist hier noch wenig zu sehen.
Eindrücke und Lehren von draußen dürften den jungen Adolph von Vagedes schon vor der damaligen Jahrhundertwende enorm beeinflusst haben. Wohl durch den Gedankenaustausch mit seinem älteren Bruder Clemens August wurde er auf das architektonische Anschauungsgut von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, Architekt von Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, aufmerksam. Seine in den ersten zehn Jahren des 19. Jahrhunderts in Westfalen geschaffenen Arbeiten lassen darauf schließen, dass ihm die von Erdmannsdorff verwirklichten Anlagen in Wörlitz (Sachsen-Anhalt) bekannt waren.Walter Kordt: Adolph von Vagedes. Ein rheinisch-westfälischer Baumeister der Goethezeit. Henn, Ratingen 1961, S. 17. Der tiefe Eindruck, den die Erdmannsdorff’schen Bauten, so auch der Parktempel von Wörlitz, bei ihm hinterlassen hatten, zeigten sich später noch oft in seinen eigenen Entwürfen.
Kurze Zeit nach den Begegnungen mit der Erdmannsdorff’schen Architekturgesinnung wurde Vagedes Schüler des Jean-Nicolas-Louis Durand an der École polytechnique in Paris. Dort lernte er auch Clemens Wenzeslaus Coudray, den späteren Oberbaudirektor Goethes, in Weimar kennen, mit dem er lange Zeit in Briefwechsel stand. Auch Johann Peter Cremer, mit dem Vagedes später in Düsseldorf zusammenarbeitete, gehörte zu dieser Zeit zu Durands Schülern.
Die Sorge um das Schicksal seiner Angehörigen und seiner Heimatstadt Münster veranlasste Vagedes zur baldigen Rückkehr in seine Heimat. Münster war, nachdem 1801 Maximilian Franz von Österreich, der letzte Fürstbischof, verstorben war, im Jahr 1802 vom preußischen General Gebhard Leberecht von Blücher besetzt worden und wechselte gemäß Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 offiziell den Besitzer.
Es kann davon ausgegangen werden, dass Vagedes sich seit 1802 wieder in Münster aufhielt,Walter Kordt: Adolph von Vagedes. Ein rheinisch-westfälischer Baumeister der Goethezeit. Henn, Ratingen 1961, S. 19. wo er am 4. Mai 1803 die zwölf Jahre jüngere Clara Franziska Gabler heiratete. Nur zwei Monate später verstarb sein Vater im Alter von 74 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt lebten nur noch zwei seiner sieben Geschwister und seine Mutter.
Werke (Auswahl) mini|Gedenktafel Adolph von Vagedes, Ratinger Tor, Düsseldorf 1805–1806: Neubau des Schlosses von Korff, ein klassizistisches Herrenhaus, erbaut nach dem Vorbild von Schloss Wörlitz bei Dessau 1805–1812: Umbau des ehemaligen Cölestinerinnenkloster zum Palais Spinrath, Ratinger Straße in Düsseldorf 1809: Goldene Brücke, Bogenbrücke über den Teich im Düsseldorfer Hofgarten 1811–1815: Ratinger Tor, das letzterbaute Stadttor von Düsseldorf im Stil eines griechischen Tempels mit dorischen Säulen, auch Vorbild für Schinkels Neue Wache und für die Münchener Propyläen 1812: Entwurf für ein großes klassizistisches Theater am Boulevard Napoleon in DüsseldorfWalter Kordt: Der Fall Klüber. Ein Kapitel zur Biographie des Baumeisters Adolph von Vagedes. In: Düsseldorfer Heimatblätter „Das Tor“. XXI. Jahrgang, Heft Nr. 5 (Mai 1955), S. 88–97 (PDF) 1814: Obelisk zu Ehren des „Freiwilligen Landsturms des Siebengebirges“ an der Burgruine Drachenfels 1815: Helmdach auf der Turmspitze der Kirche St. Lambertus in Düsseldorf 1817–1819: Planungen für die Erweiterung der Stadt Krefeld: Vagedes entwarf einen ehrgeizigen Plan, der auf einem griechischen Kreuz basierte, doch Berlin zwang ihn, das bestehende Straßenraster einzuhalten. Er weitete es dramatisch aus und umgab es mit einem großen Rechteck aus vier Straßen, den Wällen. Ausgeführt wurde dann der Abriss der alten Stadtbefestigungen und die an ihrer statt breit angelegten Boulevards, die vier Wälle (Nord-, Ost-, Süd- und Westwall) um 1840 nach Plänen von Franz Anton Umpfenbach. 1818: Planung eines neuen Kirchenschiffs für das Kloster Gräfrath in Solingen 1818–1820: Neubau nach Abriss der Evangelischen Kirche Solingen-Wald: Nach Einsturz des Mittelschiffes wurde Vagedes der Weiterbau untersagt. Die Fertigstellung erfolgte 1823 unter Friedrich Felderhoff. 1819: Planung zur Vergrößerung und Verschönerung Mülheims 1820: Planung zur Instandsetzung des herzoglichen Mausoleums der St. Andreaskirche in Düsseldorf 1826: Schloss Eller unter Einbeziehung des Bergfriedes der mittelalterlichen Wasserburg (Zuschreibung) 1828: Umgestaltung der Vorburg und der Ostfassade von Schloss Varlar 1828–1832: Neubau der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius in Wuppertal-Elberfeld 1830: Sockel des Reiterstandbildes des Kurfürsten Jan Wellem, auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in der Altstadt von Düsseldorf 1831–1832: Umbau des ehemaligen Gießhauses von Grupello zum Schauspielhaus (Grupellotheater) am Marktplatz in Düsseldorf
Sein Wirken als Baumeister Münster Nach seiner Ausbildung war Vagedes 1803 und 1804 zunächst als Zeichner und Kunstgutachter tätig. Die ersten von ihm in Münster übernommenen Aufträge waren Arbeiten im Freundes- und Verwandtenkreis.
Für seinen Schwager Theodor Lutterbeck (1773–1851), der zunächst als Arzt und später als Privatdozent tätig war, baute er das Wohnhaus Katthagen Nr. 15, welches als dreigeschossiger, vieradriger Putzbau mit sachlich ornamentloser, die beiden oberen Stockwerke einfassender Lisenengliederung und gequadert verputztem Erdgeschoss ganz in der Linie der münsterschen Traditionen der damaligen Zeit lag. In die beiden Mittelachsen des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes fügte sich ein vergitterter, mit verkröpfter Gesimsplatte versehener Balkon, der auf Kragsteinen ruhte. Akroterien verzierten die Vorderecken und die Mitte des vorgerückten Dachgesimses.Walter Kordt: Adolph von Vagedes. Ein rheinisch-westfälischer Baumeister der Goethezeit. Henn, Ratingen 1961, S. 22.
Auch das gleichfalls im letzten Weltkrieg vernichtete Haus Prinzipalmarkt Nr. 19, welches ebenso dem jungen Vagedes zugeschrieben wird, wies eine die Fensterfelder rahmende Lisenenverwendung auf. Ungewöhnlich für Vagedes ist das hohe Dach mit Mansardfenstern, das er vermutlich aus Gründen der optischen Eingliederung in die Umgebung so gestaltet hat.
Es ist anzunehmen, dass die Errichtung von Schloss Korff-Harkotten bei Füchtorf, die ihn schlagartig in die vorderste Reihe der münsterschen Baumeister rückte, zwischen dem Bau der beiden genannten Gebäude und dem der beiden Apotheken, die ihnen in der Schaffenszeit von Vagedes in Münster folgten, liegt. Es wäre jedoch auch möglich, dass die bis zu ihrem Abriss im Jahr 1902 auf dem Grundstück Prinzipalmarkt Nr. 16 gestandene „Löwenapotheke“ als Vorexperiment dem Schlossbau vorangegangen ist. Dieser Bau richtete sich nicht nach Traditionen, sondern war konsequent klassizistisch gehalten.
Die Innenausstattung der „Sonnenapotheke“ am Spiekerhof und das sogenannte „Falgersche Gartenhaus“ Wilhelmstraße 11 gehören ebenfalls zu den von Adolph von Vagedes in Münster erschaffenen Bauten.
Schloss Korff-Harkotten bei Füchtorf mini|Vordergrund Schloss von Ketteler, im Hintergrund Schloss von Korff, von Christian Hohe in Sammlung Duncker Schon vor dem Siebenjährigen Krieg wurde wegen angeblicher Baufälligkeit der östliche Teil der ursprünglichen Burg abgerissen und 1768 durch einen komfortablen Rokokobau ersetzt, den Johann Leonard Mauritz Gröninger auf der Rückseite der ehemaligen Burganlage errichtete.
1805 wurde auch der Westflügel abgerissen und Vagedes bekam den Auftrag, ein zweites neues Schloss neben das schon vorhandene Ketteler’sche Schloss Harkotten zu stellen. Friedrich von Korff auf Harkotten war wahrscheinlich der Bauherr. Es ist aber zu vermuten, dass die Anregung und Vermittlung des Auftrages Clemens August von Ketteler zuzuschreiben ist, dessen Ehefrau Anna Maria von Ketteler, verwitwete Plettenberg, keine andere war als eben jene Comitessa de Aldenberg-Galen auf Schloss Nordkirchen, die im Mai 1777 Taufpatin von Adolph Anton von Vagedes gewesen war.
Der junge Baumeister, der mit Annahme dieser ersten wirklichen Aufgabe ein nicht geringes Risiko einging, versuchte gar nicht erst, das zweite Gebäude bedeutsam hinzuzugruppieren. Er erbaute das heutige Schloss Harkotten mit der Front nach Westen auf den Grundrissen der alten Wehrburg mit der Rückseite zur Schmalseite des zweiten Baues.