mini|Ehrengrab von Manfred Weiß auf dem Hauptfriedhof Erfurt. Manfred Weiß (* 1. Dezember 1943; † 20. Mai 1962 bei Henneberg) war ein Angehöriger der Grenztruppen der DDR.
Leben Manfred Weiß wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges von einer Pflegefamilie in Erfurt ausgezogen. Anschließend absolvierte Weiß eine Lehre als Maurer.Forschungsverbund SED-Staat: Gefreiter Manfred Weiß, abgerufen am 20. Mai 2026 Später leistete Weiß als Wehrpflichtiger Dienst bei den Grenztruppen der DDR in Hermannsfeld und hatte zuletzt den Dienstgrad eines Gefreiten inne und war Mitglied der SED. Bei Kameraden galt er als beliebt, bei seinen Vorgesetzten als zuverlässig.
Ermordung an der Grenze Am 20. Mai 1962 wurde Weiß, damals Postenführer, während einer Grenzstreife in der Nähe des späteren Grenzübergang Eußenhausen/Meiningen von seinem danach „republikflüchtigen“ Posten Günter Jablonski durch vier Schüsse in den Rücken getötet. Jablonski war mit dem monotonen Dienst bei der NVA unzufrieden und störte sich an der Verpflegung, wollte nach dem Dienstende jedoch auch nicht in seine alten Familienverhältnisse zurückkehren. Um nicht selbst bei der Flucht nach Westdeutschland erschossen zu werden, tötete er Weiß und betrat anschließend die Bundesrepublik.
In Westdeutschland wurde der geständige Jablonski daraufhin am 14. Dezember 1962 wegen Mordes zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Verbüßung von sechs Jahren Haft wurde Jablonski auf Bewährung entlassen. Er ging offenbar davon aus, dass seine Schuld mit Ende der Haft in Westdeutschland gesühnt sei und versuchte am 18. Dezember 1978 über die Transitautobahn nach West-Berlin zu gelangen. Beim Versuch der Einreise wurde er am Grenzübergang Marienborn von DDR-Beamten festgenommen. Am 12. Juni 1979 verurteilte ihn das Militärobergericht der DDR in Berlin erneut wegen Mordes. Als Strafe wurde lebenslange Haft festgesetzt. Der Prozess wurde von Familienangehörigen des Opfers sowie Angehörigen der Grenztruppen begleitet, westliche Beobachter waren nicht zugelassen. Einwände der Bundesrepublik, dass die Festnahme aufgrund des Transitabkommens unzulässig gewesen sei, wies die DDR zurück. Ihrer Ansicht nach waren Fahnenflüchtige von diesem ausgenommen.
Zu Ehren von Manfred Weiß wurde in dessen ehemaliger Einheit ein Gedenkzimmer für ihn errichtet sowie eine Gedenktafel aufgehängt. Im Jahr 1987, dem 41. Jahrestag der DDR-Grenztruppen, wurde die Grenzkompanie Henneberg nach Weiß benannt. Am 15. Dezember 1988 wurde Jablonski heimlich nach Westdeutschland entlassen, vorausgegangen waren Interventionen der Bundesregierung. Nach dem Zusammenbruch der DDR stellte das Kammergericht Berlin fest, dass die zweite Festnahme von Jablonski durch die DDR rechtswidrig war, weil sie gegen das Transitabkommen verstieß. Im Jahr 2002 wurden ihm daraufhin für die verbüßten zehn Jahre DDR-Haft eine Haftentschädigung von 37.000 Euro zugesprochen.
Weblinks
Angaben zu Manfred Weiß auf den Seiten des Forschungsverbundes SED-Staat der FU Berlin
Literatur Kurt Frotscher, Horst Liebig: Opfer deutscher Teilung. Beim Grenzschutz getötet. GNN-Verlag, Schkeuditz 2005, ISBN 3-89819-198-2.
Quellen
Kategorie:Opfer an der innerdeutschen Grenze Kategorie:Militärperson (Grenztruppen der DDR) Kategorie:Mordopfer Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Gestorben 1962 Kategorie:Mann