Postfinance (Eigenschreibweise PostFinance) ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen Schweizerischen Post, welche im Privatkundengeschäft und Geschäftskundengeschäft tätig ist und als solches zu den grössten Schweizer Finanzinstituten gehört. Das Haupttätigkeitsgebiet liegt im nationalen und internationalen Zahlungsverkehr. Daneben bietet sie auch Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Sparen, Anlegen, Vorsorgen, Finanzieren und digitale Anlagen an. Seit Ende Juni 2013 ist Postfinance im Besitz einer Banklizenz und unter Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA). 2015 wurde Postfinance von der Schweizerischen Nationalbank im Inland als systemrelevant eingestuft und muss besondere Regeln bei Eigenmitteln und Liquidität einhalten und einen Notfallplan vorlegen. Letztgenannten stuft die FINMA mit Stand vom 26. März 2024 als nicht umsetzbar ein.
Geschichte Postfinance führt seine Ursprünge auf das Jahr 1900 zurück, als in der Schweiz begonnen wurde, mit dem «Postcheck- und Girodienst» die Bargeldversorgung auch über das Poststellennetz ablaufen zu lassen. 1906 wurde zudem mit der Abwicklung von Zahlungsverkehr über das Poststellennetz angefangen. Dabei gab es zunächst kein eigenes Unternehmen für Zahlungs- und Bargeldverkehr, sondern die Aufgaben wurden von der Schweizerischen Post und nach dessen Gründung 1928 von dem übergeordneten Staatsbetrieb Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT) übernommen. Im Jahr 1971 kam es zur Einführung des Blauen Einzahlungsscheines mit Referenznummer durch die PTT, es folgten die Einführung des «Postomaten» für Bargeldbezug 1978 und die Einführung der «Postcard» für internationalen Zahlungsverkehr 1991.
Als die PTT Ende 1997 im Zuge einer Postreform aufgelöst wurden, entstand aus der ehemaligen Abteilung für Zahlungsverkehr die Post-Tochtergesellschaft Postfinance. In den Folgejahren erfuhr Postfinance ein starkes Wachstum. 2001 wurde Postfinance an das Inland-Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC) der Banken angeschlossen. Aus der Weltfinanzkrise 2007–2008 ging Postfinance ohne Beeinträchtigungen hervor und konnte niedrige Zinsen anbieten, woraufhin sich der Kundenstamm erhöhte und sich das Kundenvermögen binnen weniger Jahre verdoppelte. Mit den zeitweiligen Negativzinsen in den 2010er-Jahren hatte Postfinance hingegen Probleme, da die Negativzinsen zu einem sinkenden Zinsertrag führten.
2008 erfolgte die Gründung der Postfinance AG, welche seit dem Erhalt der Banklizenz im Juni 2013 als eine privatrechtliche Aktiengesellschaft geführt wird. Postfinance war zuvor bis zum Juni 2013 ohne Banklizenz gewesen. Zugleich bedeutete der Erhalt der Banklizenz den 2017 endgültig erfolgten Wegfall der Staatsgarantie. Ebenfalls 2013 wurde der neue Hauptsitz an der Mingerstrasse 20 in Bern eingeweiht.
Die Staatsgarantie des Bundes wurde per Ende September 2017 endgültig aufgehoben. Diese Staatsgarantie war zuvor ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Kundengelder gewesen – in den Jahren von 2012 bis 2017 hatten sich die Kundengelder von 50 Mrd. CHF auf über 100 Mrd. CHF verdoppelt.
Postfinance stellte über das Osterwochenende 2018 auf das Kernbankensystem der indischen Anbieterin Tata Consultancy Services um. Für Firmenkunden bedeutete die Umstellung eine Anpassung des Zahlungsverkehrs auf ein neues Datenformat für den Austausch von Zahlungsdaten nach dem Standard ISO 20022.
Am 20. Januar 2021 teilte der Bundesrat mit, er strebe die Privatisierung von Postfinance an, um ihr den Eintritt in den Kredit- und Hypothekarmarkt zu vereinfachen. Verschiedene Kommissionen verwarfen jedoch den Gesetzesentwurf des Bundesrates. Ständerat und Nationalrat gingen nicht auf die Vorlage ein, womit die Privatisierung vorderhand nicht stattfinden wird.
Unternehmensstruktur Die Postfinance AG gehört zu 100 % der Schweizerischen Post. Innerhalb des Post-Konzerns nimmt Postfinance eine wichtige Stellung ein und steuert einen wichtigen Beitrag zum gesamten Betriebsertrag der Post bei. Die Bilanzsumme lag per Ende 2025 bei circa 104 Milliarden CHF, der Nettogewinn (EBIT) für das Gesamtjahr 2025 bei circa 282 Millionen CHF. Postfinance betreute 2025 rund 2,4 Millionen Personen und wies einen Personalbestand von umgerechnet 3'464 Vollzeitstellen auf.
Seit Ende Juni 2013 besitzt Postfinance eine Banklizenz und wird von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) überwacht. Sie wurde zu diesem Zweck in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft im Besitz der Schweizerischen Post überführt. Postfinance ist Mitglied des Swiss Payments Council.
Mit dem Ende der vorherigen Staatsgarantie gilt seit dem 1. Oktober 2017 bei Postfinance, wie bei anderen Banken, eine Einlagensicherung für Spargelder. Soweit das im Konkurs befindliche Institut über hinreichend liquide Mittel verfügt, werden die Einlagen bei in- und ausländischen Geschäftsstellen bis zum Maximalbetrag von 100'000 CHF pro Kundin oder Kunde umgehend ausbezahlt. Zudem gibt es die Garantie des Vereins Esisuisse, welcher bis zu einer Gesamtsumme von 6 Mrd. CHF für alle beteiligten Institute aufkommt.
Postfinance unterhält diverse Unternehmens- und Kooperationsbeteiligungen. So bestehen etwa Kooperationsbeteiligungen mit «Twint», an der Postfinance mit 26,666 % beteiligt ist, und «SIX Group». Im Jahr 2021 lancierte Postfinance im Joint Venture mit Swissquote die Neobank «Yuh». Im Juli 2025 haben sich Swissquote und Postfinance darauf geeinigt, dass Swissquote «Yuh» vollumfänglich übernimmt.
Leitung Postfinance wird geleitet von einem Verwaltungsrat als oberstes Gremium sowie einer Geschäftsleitung, welche vom Verwaltungsrat gestellt wird und die Verantwortung für das operative Geschäft trägt. Sowohl Verwaltungsrat als auch Geschäftsleitung haben Stand 2024 jeweils sieben Mitglieder. Die Mitglieder des Verwaltungsrates sind Marcel Bührer (Präsident des Verwaltungsrats), Hans Lauber (Vizepräsident des Verwaltungsrats), Bernadette Koch, Alex Glanzmann, Beat Rütsche, Nicole Burth und Maria Teresa Vacalli (Stand Dezember 2024).
Seit dem 1. Juli 2024 ist Beat Röthlisberger, zuvor stellvertretender Geschäftsführer der Basellandschaftlichen Kantonalbank, der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Postfinance.
Im Juni 2024 wurde bekannt, dass der bisherige Finanzchef Kurt Fuchs per Ende Mai 2025 als Finanzchef zurücktritt. Das Retail Banking wird seit März 2020 von Sandra Lienhart geleitet, womit sie auch Einsitz in der Geschäftsleitung nahm. Die weiteren Mitglieder der Geschäftsführung sind neben den bereits erwähnten Personen Stand Juli 2024 Benjamin Staeheli (Bereich «Payment Solutions»), Felicia Kölliker (Bereich «Governance, Risk, Compliance & Legal»), Ron Schneider (Bereich «Strategy & Transformation») und Markus Fuhrer (Bereich «IT & Operations»).
Bisherige Vorsitzende der Geschäftsleitung von Postfinance waren Urs W. Wepf (bis Ende 2002), Jürg Bucher (2003 bis Ende 2011), Hansruedi Köng (2012 bis Februar 2024), Kurt Fuchs (interimsmässig März bis Juni 2024) und Beat Röthlisberger (seit Juli 2024).
Unternehmensdaten
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Bilanzsumme (in Mrd. CHF) 43,1 44,2 47,3 52,1 56,2 67,2 80,3 89,3 104 115 115 114,5 119,5 120,8 118,2 125,7 117,2 121,7 114,4 102,3 104,8 104,4 Kundengelder/-vermögen (in Mrd. CHF) 32,8 35,7 38,2 40,6 43,7 58 75 84 95 103 108 114,9 119,4 119,8 118,9 119,7 123,7 110,7 104,6 104,1 106,6 112,8 davon in Depositen- und Anlageform (in Mrd. CHF) 7,6 9,7 11,2 13,1 14,7 17,7 23,9 29,3 33 37 38 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 15,9 17,7 20,3 23 Nettogewinn (EBIT, in Mio. CHF) 243 278 312 246 318 229 441 571 591 625 719 575 575 543 229 246 129 223 190 164 120 282 Personalbestand (Vollzeitstellen; Jahresdurchschnitt) 2'148 2'246 2'390 2'526 2'709 2'889 3'042 3'265 3'425 3'473 3'432 3'571 3'599 3'474 3'325 3'243 3'260 3'237 3'250 3'340 3'527 3'464 Anzahl Kundenkonten (in Tausend) 2'746 2'879 3'008 3'154 3'335 3'646 3'881 4'079 4'211 4'520 4'628 4'835 4'845 4'809 4'503 4'401 4'286 4'037 3'918 3'877 k. A. k. A.
Rechtsgrundlage Die rechtliche Grundlage für die Tätigkeit der Post und von Postfinance bilden das Schweizer Postgesetz, die Postverordnung und das Postorganisationsgesetz.
Die Grundversorgung mit Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs muss im ganzen Land gewährleistet sein. Demnach müssen alle Bevölkerungsgruppen in allen Regionen in angemessener Weise Zugang zu Einzahlungen, Auszahlungen und Überweisungen haben. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) muss dafür sorgen, dass diese Grundversorgung erbracht wird. Zu diesem Zweck legt die Post dem BAKOM jährlich einen Bericht über die Erfüllung ihres Auftrags vor.
Tätigkeitsbereiche mini|Postomat: Geldautomat der Postfinance, der nebst der Postfinance Card auch mit anderen Bankkarten funktioniert mini|Benutzeroberfläche des Postfinance-eigenen Electronic Bankings E-Finance (Stand 2018) Die Tätigkeitsgebiete liegen in den Bereichen Zahlungsverkehr, Sparen, Anlegen, Vorsorgen und Finanzieren. Postfinance ist mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent die Marktführerin im schweizerischen Zahlungsverkehr und mit E-Finance, dem Online-Portal von Postfinance, welches 1998 unter dem Namen Yellownet eingeführt wurde, führend im Electronic Banking.
Zahlungsverkehr Das Kerngeschäft von Postfinance ist der nationale und internationale Zahlungsverkehr. Bereits 2011 liefen rund 900 Millionen Transaktionen pro Jahr über Postfinance.
Sparen Zum Bereich Sparen gehören das Privatkonto-Sortiment (seit Juli 2021 bestehend aus den Bankpaketen Smart und SmartPlus) und die verschiedenen damit verbundenen Dienstleistungen. Zwar hatte Postfinance Ende 2013 108 Mrd. CHF Kundengelder, doch davon waren nur 38 Mrd. CHF in Depositen- und Anlageform, während der weitaus grösste Teil in Form von Guthaben auf Privat- und Sparkonti lag.
Anlage Der Bereich Anlegen umfasst eigene Anlageprodukte und solche, die in Zusammenarbeit mit anderen Banken angeboten werden. Zu den eigenen Anlageprodukten gehören Kassenobligationen und Anlagestrategiefonds. Daneben bietet Postfinance auch Drittfonds von anderen Finanzinstituten an. Ebenso betreibt Postfinance in Zusammenarbeit mit Swissquote eine Onlineplattform für den Wertschriftenhandel (E-Trading) an. Swissquote ist für Postfinance als Tradingplattform tätig und wickelt die von ihren Kunden im E-Trading aufgegebenen Börsenaufträge ab. Basierend auf der Effektenhändlerbewilligung, die Postfinance zusammen mit der Bankenbewilligung erhalten hat, ist sie Kundenhändlerin und Depotstelle für ihre rund 60'000 E-Trading-Kunden. 2020 baute Postfinance ihr Angebot im Anlagebereich weiter aus und lancierte vier neue digitale Anlageprodukte. Im Februar 2024 begann Postfinance zudem, den Handel und die Verwahrung von Kryptowährungen anzubieten.
Vorsorge und Versicherung Im Bereich Vorsorgen bietet Postfinance ein Freizügigkeitskonto als 2. Säule, ein Vorsorgekonto im Rahmen der Säule 3a sowie in Zusammenarbeit mit AXA Winterthur Leben verschiedene Lebensversicherungs-Möglichkeiten an. Im Jahr 2022 kündigte Postfinance an, nur noch aktiv verwaltete 3a-Vorsorge-Fonds anzubieten. Für Kunden resultiert daraus eine Erhöhung der Gebühren.
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