mini|Ausdehnung der Hallertau mini|Lage der Hallertau in Bayern Die Hallertau (auch Holledau oder Hollerdau) ist eine Kulturlandschaft in Bayern.

Sie ist mit 2.400 km² das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Hier wurden 2016 rund 86 % des deutschen und rund 34 % des weltweit verarbeiteten Hopfens produziert.

Geografie und Geologie mini|Sonnenaufgang über abgeernteten Hopfengärten Die Hallertau erstreckt sich über die bayerischen Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern auf Teile der Landkreise Pfaffenhofen, Freising, Kelheim, Landshut, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen.

Die Grenze der Hallertau ergibt sich aus einer Rechtsvorschrift des Freistaates Bayern. Einen groben Rahmen bilden die Städte Ingolstadt, Kelheim, Landshut, Moosburg, Freising und Schrobenhausen. Die Gesamtfläche der Hallertau beträgt circa 2.400 km², sie erstreckt sich in Ost-West-Richtung maximal 65 km und ist in Nord-Süd-Richtung bis zu 50 km breit. Sie grenzt im Norden an den Oberpfälzer Jura, im Osten an den Gäuboden, im Süden an die Mooslandschaft um Erding und Freising und im Westen an das Donaumoos.

Die südlichen Begrenzungen der Hallertau entspricht ungefähr dem Verlauf von Glonn, Amper und Isar, die nördliche Grenze ist ungefähr die Donau, seit der Eingliederung des Siegelbezirks Altmannstein wird aber auch nördlich der Donau Hallertauer Hopfen angebaut. Die rechten Donau-Nebenflüsse Paar, Ilm, Abens und Große Laber sowie die Kleine Laber durchfließen das Gebiet.

Die höchsten Erhebungen in der Hallertau befinden sich laut amtlicher topografischer Karte mit nordwestlich von Osseltshausen, mit in Schweitenkirchen sowie mit nördlich von Winden (westlich von Schweitenkirchen).

Naturräumlich gehört die Hallertau zum größten Teil zum Donau-Isar-Hügelland, das erdgeschichtlich dem Tertiären Hügelland zuzuordnen ist und während des Pleistozäns nicht mit Eis bedeckt war. Die obersten Ablagerungen, die unter der Bodenkrume liegen, sind Süßwasserablagerungen aus dem Miozän.

Namenserklärungen mini|hochkant=1.5|Halberthaw, im westlichen Teil des damaligen Landgerichts Moßpurg auf der Landtafel 14 von Philipp Apian (1568) (grün eingefärbt) Die ursprüngliche Bedeutung des seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlichen Namens ist nicht völlig geklärt. Am wahrscheinlichsten ist die Zusammensetzung aus den althochdeutschen Wörtern „Hardt“ (= Wald) und „hall“, ablautend von „helan“ (= verbergen, hehlen), zu „Hal hart“, also einem Wald, der sein Inneres verbirgt, ein wilder Urwald, dem noch der Flurname „Au“ angehängt wurde. Johannes Aventinus führt im frühen 16. Jahrhundert zur Lage der Quelle des Flusses Abens aus: „… entspringt Gegen mitternacht bey einem dorff haißt Haller unnd Hollerthaw.“ Zwei Kilometer südlich der Abensquelle, zwischen den Dörfern Holzhausen und Hirschbach südöstlich von Schweitenkirchen, befindet sich ein drei Kilometer langer Mischwald, der auch heute noch die Flurbezeichnung „Holledau“ trägt.Peter M. Busler: Die Hallertau. Porträt einer urbayerischen Landschaft. Ludwig Verlag, 2001, ISBN 978-3-7787-3365-3, S. 9. Philipp Apian gibt zu diesem Waldstück in seinen Landtafeln von 1566 unter dem Stichwort Hirschbach folgende Erklärung ab: „… der sich von dort gegen Osten nach Norden erstreckende Wald heißt Hallerthaw. Davon erhält fast der ganze Landstrich bis hin zur Ilm den gleichen Namen; er ist ganz voll von Hügeln und Wäldern.“

Die offizielle Schreibweise stammt erst aus dem Jahr 1926, als der Name der Ortschaft Au von „Au bei Freising“ in „Au in der Hallertau“ umgeändert wurde.

Wohl eher ins Reich der Legenden gehört die mündlich tradierte Geschichte, dass ein Fürst, als er in der Schlacht von Gammelsdorf (1313) in Bedrängnis kam, mit den Worten „Hol’ Er d’ Auer“ um Hilfe schickte, woraus sich dann der Name Hallertau für die Region um Au entwickelt haben soll.

Hopfenanbau 150px|mini|Stockgarten Anfang 19. Jahrhundert mini|200px|Hopfenernte um 1900

mini|200px|Hopfenzupfer, ca. 1930 mini|200px|Hopfenernte mini|200px|„Hopfenausputzen“ im Frühjahr mini|200px|Hopfengarten Mitte Juni mini|200px|Hallertauer Hopfengarten während der Ernte 200px|mini|Häckselabfall bei der Hopfenernte

Geschichte Der Hopfenanbau in der Region ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Die Orte Geisenfeld und Gründl bei Nandlstadt beanspruchen beide, das Ursprungsgebiet des Anbaus zu sein. Im Jahre 736 sollen kriegsgefangene Wenden – ein slawischer Volksstamm – auf Geisenfelder Boden den ersten Hallertauer Hopfengarten angelegt haben.Peter M. Busler, S. 29 Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war die Region um Spalt bei Nürnberg das Hauptanbaugebiet in der Region. Erst nach der Bauernbefreiung waren ab 1848 die Voraussetzungen für eine Produktionssteigerung in der Hallertau erfüllt; so stieg der Ertrag von 1.500 Zentner 1815 auf über 75.000 Zentner 1865. Seit 1912 ist die Hallertau das größte Anbaugebiet in Deutschland.

Rationalisierung Um die Ernte haltbar zu machen, wurden die Dolden auf so genannten „Horden“, auch „Reuter“ genannt, zur Trocknung an der Luft aufgeschichtet. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Wolnzacher Zimmerer Max Eder eine zweistöckige Darre. Der unten befeuerte Ofen erwärmte eine Heizrohrspirale, die die obenliegenden Dolden trocknete.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs jede einzelne Rebe an einer Holzstange als Kletterhilfe nach oben. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte die Umstellung der Hopfengärten auf Drahtgerüstsysteme, die um 1930 in der Hallertau abgeschlossen war.

Um die Dolden von den Reben abzutrennen, kamen in Spitzenzeiten bis zu 200.000 so genannte „Hopfenzupfer“ aus den strukturschwachen Gebieten der Oberpfalz, dem Bayerischen Wald und dem Donaumoos um Ingolstadt in die Hallertau. Als in der Zeit des Wirtschaftswachstums die Arbeitskräfte rar wurden, erfolgte ab den 1950er Jahren die Einführung von mechanischen Pflückmaschinen. Die erste Maschine wurde 1955 aus England importiert, später baute die Firma Wolf in Geisenfeld Pflückmaschinen. Seit 1967 wird der Hopfen komplett maschinell geerntet.

Heute wird der Anbau von Hopfen nahezu ausschließlich von Familienbetrieben bewerkstelligt. Lediglich in der Wachstumsphase zum Ausschneiden und „Anleiten“ und während der Ernte werden einige Helfer zumeist aus Osteuropa beschäftigt.

Entwicklung Das Hopfenanbaugebiet erstreckt sich zu 37 % über den Landkreis Pfaffenhofen, 37 % über den Landkreis Kelheim, zu 13 % über den Landkreis Freising sowie zu 8 % über den Landkreis Landshut (Stand September 2004). Diese vier Landkreise haben sich im Jahr 2005 zur Förderung des Tourismus in der Hallertau zur Arbeitsgemeinschaft „Hopfenland Hallertau“ zusammengeschlossen. 4 % der Anbauflächen liegen im Landkreis Eichstätt, 0,3 % im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und 0,7 % entfallen auf die Stadt Hersbruck.

Die Zahl der Pflanzerbetriebe weist seit Beginn der 1990er-Jahre wegen des gesunkenen Durchschnittspreises für Hopfen und der daraus resultierenden geringeren Rentabilität von Hopfenanbau im Nebenerwerb stark fallende Tendenz auf. Auch die bewirtschaftete Hopfenfläche in der Region ging in diesem Zeitraum um etwa 4.000 Hektar zurück. Zwei Drittel des geernteten Hopfens werden exportiert.

Mit 14.200 Hektar, die von 1.251 Pflanzerbetrieben bewirtschaftet werden (Stand September 2006), ist die in 14 Siegelbezirke unterteilte Hallertau das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Hier werden ca. 85,4 % des deutschen Hopfens erzeugt, der Anteil am Weltmarkt liegt bei etwa 31,5 % (Stand 2005).

Weil der Hopfen in der Hallertau seit Jahren unter zunehmender Wasserknappheit leidet, gibt es Pläne für eine groß angelegte Tröpfchenbewässerung, die durch Flüsse wie Donau, Isar und Amper gespeist werden soll.

Entwicklung der Anzahl der Anbaubetriebe und -flächen in der Hallertau: Jahr Betriebe Flächen 1950 ~ 15.000 ~ 7.000 1960 7.818 ~ 8.000 1996 2.270 ~ 17.800 1999 1.930 14.652 2001 1.630 15.510 2006 1.251 14.221 2009 1.197 15.485 2016 931 15.510

Siegelbezirke Um die Qualität des Hopfens zu sichern, werden die Hopfenballen versiegelt und zertifiziert. Die erste Siegel- und Waagstelle entstand 1834 in Wolnzach. Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Geisenfeld Hohenwart Pfaffenhofen an der Ilm Wolnzach Landkreis Kelheim Abensberg Langquaid Mainburg Neustadt an der Donau Siegenburg Landkreis Freising Au in der Hallertau Nandlstadt Landkreis Landshut Pfeffenhausen Rottenburg an der Laaber

Das Anbaugebiet Altmannstein im Landkreis Eichstätt wurde 1992 der Hallertau angegliedert.

Hersbruck im Nürnberger Land wird seit 2004 S. 23 (PDF-Datei; 1,53 MB) als 15. Siegelbezirk zugerechnet; geografisch liegt es allerdings nicht in der Holledau.

Spargelanbau Neben dem Hopfen, der praktisch in der gesamten Hallertau produziert wird, ist in einigen Regionen auch der Anbau von Spargel von großer Bedeutung. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen rund um Abensberg, Schrobenhausen und Pörnbach.

Kultur und Sehenswürdigkeiten 200px|mini|Maderturm in Abensberg 200px|mini|St. Ulrich in Ainau 200px|mini|Herzogskasten in Abensberg Bauwerke Eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten ist im Gebiet der Hallertau zu finden. Ein Glanzlicht darunter ist wohl das Kloster Scheyern, hervorgegangen aus der ehemaligen Stammburg der Grafen von Scheyern. Das Wahrzeichen von Pfaffenhofen an der Ilm ist die Stadtpfarrkirche, deren 77,7 Meter hoher, sich verjüngender Turm das Ortsbild überragt. Südlich der Kreisstadt steht auf einem Hügel die imposante ehemalige Kollegiatstiftskirche St. Arsatius von Ilmmünster.

In einem weitläufigen englischen Park liegt das Wasserschloss Reichertshausen. Das Rohrbacher Schloss bildet mit der historischen Wehrkirche und der alten Tafernwirtschaft ein sehenswertes Ensemble. Auf einer Anhöhe über dem Ort dominiert die moderne Basilika Verklärung Christi auf dem Berge des Architekten von Branca. Jeweils zwei Kilometer von Rohrbach entfernt liegen die Wallfahrtskirchen Sankt Kastl und Lohwinden, Kleinode der Gotik und des Barock. Eine bauliche Besonderheit ist die Stadtpfarrkirche (ehemalige Klosterkirche) von Geisenfeld, deren Südturm im Stil der Renaissance auf das Doppelte erhöht wurde.

Die Abensberger Altstadt ist nahezu unversehrt erhalten. Im Herzogskasten wurde im Jahre 2006 das neue Stadtmuseum eröffnet, das bis dahin den Namen Aventinusmuseum trug und über dem Kreuzgang des Karmelitenklosters untergebracht war. Am Rande der Abensberger Altstadt befindet sich der 2010 eröffnete, von Friedensreich Hundertwasser entworfene Kuchlbauer-Turm. Im Ortsteil Allersdorf steht die barocke Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Beim Neustädter Ortsteil Eining sind die Überreste der Abusina zu finden, eine ehemalige römische Wehranlage. Im äußersten Norden der Hallertau befindet sich am Donaudurchbruch die Benediktinerabtei Kloster Weltenburg mit der Asamkirche. Auch im Landkreis Kelheim liegt das Kloster Rohr, ebenfalls mit einer Asamkirche. Das Wahrzeichen Mainburgs ist die Salvatorkirche St. Peter und Paul des Paulinerklosters auf dem Salvatorberg.

In Nandlstadt im Landkreis Freising besitzt das Rathaus von 1881 ein neugotisches Zinnentürmchen. In Hörgertshausen befindet sich neben der Pfarrkirche Jakobus der Ältere die Wallfahrtskirche Sankt Alban. In Au in der Hallertau steht neben dem Wasserschloss der Familie Beck von Peccoz die Schlossbrauerei.

Gleich bei drei Kirchen blieb das romanische Aussehen nahezu unverändert erhalten: St. Ulrich in Ainau, St. Petrus in Griesbach und die Turmkirche in Gasseltshausen bei Aiglsbach.

In Siegenburg im Landkreis Kelheim thront hoch über dem Marienplatz die Kirche St. Nikolaus. Sie wird weithin als „Dom der Hallertau“ bezeichnet.

Museen Das Deutsche Hopfenmuseum im Wolnzacher Zentrum der Hallertau wurde 2002 eröffnet. Die Ausstellungen behandeln neben der regionalen Hopfengeschichte auch die Entwicklung in den anderen deutschen Anbaugebieten.