Zanubrutinib (Handelsname Brukinsa; Hersteller BeOne Medicines) ist ein Arzneistoff, der zur Behandlung erwachsener Patienten mit Morbus Waldenström (MW), Marginalzonen-Lymphom (MZL), chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und follikulärem Lymphom (FL) eingesetzt wird.Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, EPAR der EMA, abgerufen am 19. Januar 2023This medicine is authorised for use in the European Union, Brukinsa - Overview, Autor: EMA, abgerufen am 10. März 2022 Bei Zanubrutinib handelt es sich um einen Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor (BTKi) aus der Gruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren.
Brukinsa ist sowohl in den USA durch die FDA als auch in Europa durch die EMA in verschiedenen Indikationen zugelassen.FDA approves zanubrutinib for Waldenström’s macroglobulinemia, PM FDA vom 31. August 2021, abgerufen am 10. März 2022 In verschiedenen weiteren Ländern (unter anderem Australien, Brasilien, China, Kanada etc.) sind auch weitere Indikationen zugelassen beziehungsweise im Zulassungsverfahren, z. B. Mantelzelllymphom (MCL).Presseinformationen, WebSite BeiGene Deutschland, DC geschützt, abgerufen am 18. Januar 2023FDA approves therapy to treat patients with relapsed and refractory mantle cell lymphoma, PM FDA vom 14. November 2019, abgerufen am 18. Januar 2023
Die Anwendung erfolgt peroral (Einnahme als Tablette).
Klinische Angaben Anwendungsgebiete In den Monotherapie wird Zanubrutinib angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit Morbus Waldenström (MW), die mindestens eine vorherige Therapie erhalten haben, oder zur Erstlinientherapie bei Patienten, die für eine Chemo-Immuntherapie nicht geeignet sind. Zanubrutinib wird ebenfalls angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Marginalzonen-Lymphom (MZL), die zuvor mindestens eine Anti-CD20-basierte Therapie erhalten haben. Außerdem ist Zanubrutinib für die Behandlung erwachsener Patienten mit therapie-naiver (TN) oder rezidivierter/refraktärer (R/R) chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) zugelassen.
Als Kombinationstherapie wird Zanubrutinib gemeinsam mit Obinutuzumab angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem follikulären Lymphom (FL), die mindestens zwei vorherige systemische Therapien erhalten haben.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten Zanubrutinib wird hauptsächlich durch das Cytochrom-P450-Enzym 3A (CYP3A) metabolisiert. Die gleichzeitige Anwendung von Brukinsa und Arzneimitteln, die CYP3A stark oder mäßig hemmen, kann die Zanubrutinib-Exposition erhöhen. Dazu zählen Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen, Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen und / oder Arzneimittel zur Behandlung einer HIV-Infektion, z. B. Posaconazol, Voriconazol, Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Indinavir, Lopinavir, Ritonavir und / oder Telaprevir. Ebenso kann es zu Wechselwirkungen mit Grapefruits und Bitterorangen kommen, die mäßige CYP3A4-Inhibitoren als natürliche Inhaltsstoffe enthalten.
Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit Frauen müssen während der Anwendung von Brukinsa und bis zu einem Monat nach Behandlungsende eine Schwangerschaft vermeiden.
Unerwünschte Wirkungen Die häufigsten Nebenwirkungen (≥ 20 %) waren Neutropenie (56,2 %), Thrombozytopenie (45,1 %), Infektion der oberen Atemwege (44,3 %), Blutungen/Hämatome (32,2 %), Hautausschlag (29,8 %), Blutergüsse (29,1 %) Anämie (28,9 %), Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems (24,3 %), Durchfall (23,6 %), Pneumonie (22,1 %) und Husten (21,7 %).
Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.
Wirkungsmechanismus Zanubrutinib ist ein Bruton-Tyrosinkinase(BTK)-Inhibitor. Zanubrutinib bildet eine kovalente Bindung mit einem Cysteinrest im aktiven Zentrum der BTK, was zu einer Hemmung der BTK-Aktivität führt. BTK ist ein Signalmolekül im Signalweg des B-Zell-Antigen-Rezeptors (BCR) und des Zytokin-Rezeptors. In B-Zellen führt die BTK-Signalübertragung zur Aktivierung von Signalwegen, die für die Proliferation, Migration, Chemotaxis und Adhäsion von B-Zellen notwendig sind.
Sonstige Informationen Zulassungsstatus Die EU-Kommission hat die Zulassung für Europa im November 2021 erteilt.Drei neue Kinasehemmer zugelassen; PZ vom 6. Dezember 2021, abgerufen am 10. März 2022 Das CHMP der EMA empfahl die Zulassung für die EU im September 2021.Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) 13-16 September 2021, PM EMA vom 17. September 2021, abgerufen am 10. März 2022 Zanubrutinib wurde ursprünglich im Mai 2019 für die Behandlung des lymphoplasmozytischen Lymphoms als Arzneimittel für seltene Leiden (Orphan Drug) ausgewiesen, jedoch von der Europäischen Kommission im Oktober 2021 auf Antrag des Zulassungsinhabers zum Zeitpunkt der Erteilung der Zulassung aus dem Unionsregister für Arzneimittel für seltene Leiden gestrichen. Ein Orphan-Status bestand ferner bis 2022 für die Behandlung des Marginalzonenlymphoms.Eintrag EU/3/21/2438 im EU-Register für Orphan-Arzneimittel, Europäische Kommission. Abgerufen am 11. März 2022. Die Zulassung in den USA erfolgte im August 2021. In den USA bestehen Einstufungen und Zulassungen als Orphan-Arzneimittel in verschiedenen Anwendungsgebieten.Eintrag 527516 (Chronisch lymphatische Leukämie), Eintrag 757020 (Marginalzonen-Lymphom der Milz), Eintrag 757120 (Nodales Marginalzonen-Lymphom), Eintrag 527416 (Mantelzelllymphom), Eintrag 756920 (Extranodales Marginalzonen-Lymphom des schleimhautassoziierten lymphatischen Gewebes) Eintrag 527616 (Waldenström-Makroglobulinämie) in der Datenbank Orphan Drug Designations and Approvals, FDA, abgerufen am 4. Oktober 2024.
In verschiedenen Ländern sind bereits weitere Indikationen zugelassen, z. B. Mantelzelllymphom (MCL) (USA, November 2019 und China, Juni 2020 und andere Länder).
Zusatznutzen In dem Verfahren nach §35a SBGV bewertet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Zusatznutzen von Arzneimitteln im Vergleich zum Therapiestandard im deutschen Versorgungskontext. Zanubrutinib wurde sowohl für die Behandlung von Patienten mit einer unbehandelten chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) und einer rezidivierten bzw. refraktären CLL als auch für die Behandlung von Patienten mit Marginalzonenlymphom (MZL), die mindestens eine vorherige Therapie mit einem Anti-CD20-Antikörper erhalten haben, bewertet und bekam einen Zusatznutzen bestätigt.Gemeinsamer Bundesausschuss bestätigt Zusatznutzen für Zanubrutinib, PM BeiGene Deutschland vom 15. Juni 2023, abgerufen am 16. Juni 2023
Handelsnamen Zanubrutinib wird unter dem Namen Brukinsa als Monopräparat von BeOne Medicines hergestellt und vertrieben.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Orphan-Arzneimittel
Kategorie:Tyrosinkinase-Inhibitor Kategorie:Diphenylether Kategorie:Pyrazol Kategorie:Hexahydropyrimidin Kategorie:Piperidin Kategorie:Alkensäureamid Kategorie:Vinylverbindung Kategorie:Aromatisches Carbonsäureamid