mini|Senderlogo des EO seit 1. September 2025 mini|Das EO-Gebäude (Aufnahme vom Dezember 2019) Der Evangelische Omroep (EO) ist ein niederländischer öffentlich-rechtlicher Rundfunksender mit evangelikaler Ausrichtung, der seine Zuhörerschaft auf 440.000 Mitglieder (Stand 2014) beziffert.
Geschichte Gründung (1965–1970) Der Anlass zur Gründung des EO lag in einem kleinen Stolperstein: 1965 setzte die Nederlandse Christelijke Radio Vereniging (NCRV) die Radiosendung „Ziekenuurtje“ („Krankenstunde“) des Nederlandse Christelijke Gemeenschapsbond (NCGB) überraschend ab. Der NCGB zeigte sich unzufrieden über diese Entscheidung und überlegte bei einer Zusammenkunft Alternativen um weiter Sendungen im Radio ausstrahlen zu können. Da traf es sich gut, dass gerade ein neues Mediengesetz in Planung war, die die bisherigen Strukturen des Rundfunks aufbrechen und einen neuen dritten Radiosender (Hilversum 3) auf den Weg bringen sollte. Dessen Inhalte waren noch nicht festgelegt und so hoffte man, dass man hier den Platz für die christlichen Sendungen finden könnte, den die NCRV verweigerte. Als klar wurde, dass Hilversum 3 auf Popmusik ausgerichtet werden sollte, zerstob die Hoffnung. Nachdem der NCRV bekräftigt hatte, dem Aktionskomitee keine Sendezeit geben zu wollen, wurde am 21. April 1967 die Stiftung (Stichting) De Evangelische Omroep gegründet. Jan Kits sr. war ihr erster Vorsitzender und Albert Ramaker, damaliger Vorsitzender der niederländischen Youth for Christ-Bewegung, wurde Schriftführer.
§3 der Satzung benennt den Stiftungszweck: „...die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus durch Rundfunk- und Fernsehsendungen im weitesten Sinne des Wortes zu fördern“. Ursprünglich sollte das Akronym des Senders 'D.E.O.' lauten („Deo“ bedeutet im Lateinischen „für Gott“). Als unter anderem der Bond tegen vloeken dagegen protestierte, wurde der Name 1968 in EO geändert. Im September 1968 gab der Sender bekannt, dass er eine eigene Sendelizenz anstrebe. Nach dem neuen Rundfunkgesetz („Mediawet“) wurden dafür 15.000 Mitglieder benötigt. Um eine breite Unterstützung in den reformierten, reformierten und evangelischen Kirchen zu gewinnen, vergrößerte sich der EO-Vorstand, um Menschen aus möglichst vielen Konfessionen vertreten zu können. Zu Ende der sechziger Jahre war die evangelikale Bewegung noch sehr klein und die Zielgruppe daher weitgehend reformiert oder im Hintergrund reformiert. Kits und Ramaker übergaben die Führung an die Reformierten Johan Rippen und J.C. Maris, um die Akzeptanz weiterer christlicher Zuhörer zu erhöhen. Um Mitglieder anzuwerben, veröffentlichte der EO eine Zeitung mit dem Namen Visier, mit einer dreimaligen Auflage von jeweils 100.000 Exemplaren. 1970 wurde diese Zeitung in die Programmzeitschrift „Visie“ („Vision“), der zweiten Silbe des niederländischen Wortes für Fernsehen „Televisie“, umgewandelt. Nach zwei Jahren erreichte die EO die erforderliche Mitgliederzahl von 15.000 und durfte ab dem 1. April 1970 als angehender Sender senden.
Bollwerk gegen Säkularisation (1970–1984)
Im Laufe der Jahre sucht die EO sich auf verschiedene Weise innerhalb der niederländischen Rundfunklandschaft zu profilieren. In den frühen 1970er Jahren, die Zeit einer besonders schnell fortschreitenden Säkularisierung, wollte der Sender ein Bollwerk und eine orthodoxe Stimme im Kampf gegen diese sein. Die ersten beiden Sendejahre waren auch geprägt von der Mitgliederwerbung: Ein noch zu bewertender Sender, dem es nicht gelang, innerhalb von zwei Jahren von 15.000 auf 100.000 Mitglieder zu wachsen, hätte seine frische Sendelizenz wieder verloren. Dem EO gelang es zwar nicht diese Zahl zu erreichen und auch der Rundfunkrat (der den Neuankömmling nicht mochte) stellte dem EO ein schlechtes Gutachten aus. Dennoch gewährte Minister Piet Engels der Katholieke Volkspartij dem EO den sogenannten C-Status am 16. Mai 1972, was ihm erheblich mehr Sendezeit einbrachte.
mini|Direktor Bert Dorenbos, hier noch als Moderator Der Sender war 1970 ohne qualifiziertes Personal und ohne Erfahrung in der Produktion von Fernseh- und Hörfunkprogrammen gestartet. Die Sendungen aus der ersten Hälfte der siebziger Jahre strahlten daher eine gewisse Amateurhaftigkeit aus. Ab dieser Zeit laufen Programme wie für Kinder EO KinderkrantEO Kinderkrant (1972–1993), kindertv.net und der kreationistischen Sendung Adam oder Aap?, über die einige andere Sender wie die VARA und die VPRO aber auch Kabarettisten sich belustigten. Die überschaubare Sendezeit als C-Sender waren zu weiten Teilen ausgefüllt mit Kirchengesang, Ansprachen von Pfarrern und Evangelisten, Naturfilmen und Kindersendungen. Die EO nahm auch eine starke Haltung gegen Themen wie Abtreibung, Drogen und den „allgemeinen Verfall der Gesellschaft“ ein, wie der Sender es sah. Es gab auch viel Aufmerksamkeit für den Themenbereich Kreationismus versus Evolutionstheorie (mehrere Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern). Es gab glaubensfestigende Themen wie Radio- und Fernsehbibelstudienprogramme. 1975 fanden die ersten regionalen Jugendtage statt; diese legten den Grundstein für den jährlichen EO-Jongerendag, der viele Jahre lang von den Moderatoren Henk Binnendijk und Jan van den Bosch präsentiert wurde.
Krise und Veränderung (1984–1992) mini|Moderator Henk Binnendijk Von 1971 bis 1983 war Willem Glashouwer sr. (1913–1983) Vorsitzender des Senders. Nach seinem Ausscheiden 1982, kurz vor seinem Tod, geriet der Vorstand des EO in eine Krise. Die Senderpolitik, die bislang verfolgt wurde, geriet plötzlich unter Beschuss. Durch die Legalisierung der Abtreibung Ende 1980 wurden die Niederlande von gläubigen Menschen und der Zuhörerschaft nicht mehr als christliches Land wahrgenommen. Die bis dahin verfolgte Strategie: 'Schutz und Bewahrung des christlichen Erbes' reichten zumindest nach Ansicht vieler Mitwirkenden des EO nicht mehr aus. Ihrer Meinung nach sollte der Schwerpunkt auf die Evangelisation gerichtet werden.
So wurde die Mitgliederwerbung wieder intensiviert, um als Sender mit 250.000 Mitgliedern den sogenannten B-Status zu erreichen, was auch im Oktober 1984 gelang. Die hierüber zusätzlich erhaltene Sendezeit wurde mit neuen evangelisierenden Sendungen wie der Kindersendung Bunkeren (1988–1990), God verandert mensen (Vorläufer von De Verandering) und Vrouw-Zejn (1984–1996), welche eine wichtige Rolle bei der Emanzipation der orthodox-protestantischen Frau spielte. Bald werden Frauentreffen als Teil des Programms organisiert. Als der EO die Zeitschrift „Eva“ für christliche Frauen herausbringt, werden diese in Eva-dagen benannt. Zu Anfang der 1990er Jahre stiegen die Einschaltquoten von EO, vor allem dank der Natursendungen. So erreichte etwa „Haaien, jagers van de zee (“„Haie, Jäger des Meeres“) mehr als eine Million Zuschauer, beispiellos für eine EO-Sendung.
Evangeliserender Rundfunk (1992–2005) Die zweite Hälfte der 1980er Jahre bildete somit eine Übergangszeit, in der die EO zu erkennen begann, dass die Niederlande „nachchristlich“, also weltlicher waren. Der Schwerpunkt der Sendungen verlagerte sich so etwas von der Produktion von Programmen zur Förderung des eigenen Standpunkts (die oft hauptsächlich vom eigenen christlichen Publikum gesehen wurden) hin zu Programmen für ein weniger oder sogar nicht christliches Publikum. Diese waren zum einen evangelisierende Sendungen aber eben auch Sendungen, die gar keine offensichtliche Schnittstelle zum christlichen Glauben aufwiesen. Ein Beispiel für Letzteres ist Het Familiediner, in dem der moderierende Gastgeber Bert van Leeuwen möchte, dass zerbrochene Familien bei einem gemeinsamen Essen einen ersten Schritt zu neuer Gemeinsamkeit unternehmen. In den 1990er Jahren wandelte sich die Evangelische Omroep von einer Stiftung in einen rechtlichen Verband und die neue Evangelisierungsstrategie wurde intensiviert. Im Herbst 1992 startete die Talkshow Het Elfde Uur, in der unter der Leitung von Andries Knevel mit bekannten und weniger bekannten Gästen aktuelle Themen diskutiert wurden. Die Kluft zwischen Christen und Nichtchristen wuchs weiter und immer mehr Programme konzentrierten sich darauf, diese Kluft zu überbrücken; zum Beispiel wurde 1993 das Gesprächsformat Fifty-Fifty gestartet, in der berühmte Niederländern über ihre sehr unterschiedlichen Ansichten über das Leben befragt wurden. Auch eine Jugendsendung mit dem Titel Jong wurde ab Herbst 1996 ins Leben gerufen, in der mit jungen Menschen über ihre jeweils eigene Geschichte sprachen. mini|Moderator Bert van Leeuwen, 1991
Das Aufkommen des kommerziellen Fernsehens ab 1989 bedrohte das öffentliche Rundfunksystem im Allgemeinen und die EO im Besonderen. Da die Sender Marktanteile verloren, wurden die Einschaltquoten wichtiger – die die EO nicht hatte. Zudem wuchs die VPRO auf A-Status, wodurch sie mehr Sendezeit erhielt und die EO als B-Sender dadurch weniger. Dies war Ende 1991 der Grund für eine neue Mitgliederwerbungskampagne, die die EO in nur zwei Monaten von 330.000 auf 550.000 Mitglieder wachsen ließ. Das machte EO zum Sender A und bekam mehr Sendezeit. Um mit öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Sendern weiter konkurrieren zu können, tat sich die EO zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit anderen Rundfunkgesellschaften zusammen: Am 4. Oktober 1993 wurden die Nachrichtensendungen von TROS („Aktua“), EO („Tijdsein“) und Veronica Omroep Organisatie („Nieuwslijn“) zusammengelegt in das neue Format „2Vandaag“, was auf Nederland 2 ausgestrahlt wurde. Der EO begann auch mit der Produktion von Dramaserien, in denen es (ebenfalls zum ersten Mal in seiner Geschichte) mit dem Produzenten Joop van den Ende zusammenarbeitete.
Seit Mitte der 90er Jahre bringt die EO auch sonntags Fernsehsendungen. Das hatte der Sender schon seit Anfang der 1980er Jahre im Radio gemacht, war aber im eigenen Kreis umstritten. Gegner argumentierten, dass die EO die Öffentlichkeit dazu verleite, sonntags vor dem Fernseher abzuhängen, anstatt Zeit miteinander zu verbringen oder in die Kirche zu gehen. Außerdem war in bestimmten orthodoxen protestantischen Kreisen das Fernsehen am Sonntag tabu. Befürworter hingegen sahen im Sonntagsrundfunk eine einzigartige Gelegenheit, sowohl Christen (die beispielsweise sonntags nicht in die Kirche gehen konnten) als auch Nichtchristen mit dem Evangelium zu erreichen. Bis 2006 blieb die Ausstrahlung am Sonntag jedoch dürftig: Im Fernsehen wurde lediglich die Sendung Nederland Zingt op Zondag gezeigt, ein Ableger der montäglichen Sendung Nederland Zingt.
Zusammenarbeit und Fusionen (2006–heute) Als der Nederlandse Publieke Omroep (NPO) seine Kanäle 2006 neu klassifizierte, wurden die Möglichkeiten für die EO, auf Nederland 3 auszustrahlen, verringert, da dieser Kanal als Jugend- bzw. Popmusiksender eingerichtet wurde. Mitte 2007 strahlte die EO jedoch hier die Reality-Show „40 dagen zonder seks“ („40 Tage ohne Sex“) aus, womit der EO eine neue Offenheit demonstrierte. Zwischen 2007 und 2014 setzte der EO mit dem Late-Night-Talk „Knevel & Van den Brink“ ein „christliches Gegenstück“ zu dem VARA-Format Pauw & Witteman, mit dem es sich einen Sendeplatz teilte.
mini|links|Das Logo des EO bis 2020
Gegen Ende des Jahres 2012 machte das Kabinett Rutte II bekannt, dass die Sendezeitregelung für die kleinen konfessionellen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in den Niederlanden, dem sogenannten „2.42-omroep“, zum 1. Januar 2016 aufgehoben wird. Das bedeutete faktisch das Ende der bisherigen Rundfunkgesellschaften, wie etwa Zendtijd voor Kerken (ZvK) und dem Interkerkelijke Omroep Nederland (IKON).