mini|Lubov Roslavleva als Aurore (mit der Spindel in den Händen), Sankt Petersburg, 1899 mini|Originalbesetzung der Uraufführung, 3. Akt, mit Carlotta Brianza (3. von links) als Aurora und Pawel Gerdt (rechts) als Désiré, St. Petersburg 1890

Dornröschen (französisch: La Belle au bois dormant; („Spiaschtschaya Krassawitsa“); englisch: The sleeping beauty) ist ein Märchen-Ballett (franz.: Ballet féerie) zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (op. 66) nach dem Märchen La Belle au bois dormant von Charles Perrault. Das Libretto stammt von Iwan Alexandrowitsch Wsewoloschski. Das Ballett wurde am am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg mit der Choreografie von Marius Petipa uraufgeführt.

Bis heute ist Dornröschen eines der populärsten Ballette und gehört zum internationalen Standardrepertoire des klassischen Balletts. Tschaikowski selbst hielt es für sein bestes Ballett.

Personen Zentrale Figuren: Prinzessin Aurora Prinz Désiré (in späteren englischsprachigen Versionen manchmal: Florimond)Abschnitt En savoir plus, in: LA BELLE AU BOIS DORMANT ballet chorégraphié par Noureev, auf der Website der The Rudolf Nureyev Foundation (französisch (auch englisch); Abruf am 9. Januar 2020) die Fliederfee (Fee der Weisheit) die böse Fee Carabosse (urspr. en travesti von einem Mann, heute oft von einer Frau getanzt) König Florestan XIV. die Königin Catalabutte, Haushofmeister eine Amme

Nebenfiguren: Im Prolog: fünf Feen (Candide/Fee der Kristallquelle: Schönheit; Fleur de Farine/Fee des Zaubergartens: Klugheit; Miettes/Fee der Waldlichtung: Anmut; Canari/Fee der Singvögel: Beredsamkeit; Violante/Fee des Goldenen Weins: Kraft) und deren Begleiter; Begleiter der Carabosse Im ersten Akt: vier Prinzen (Ost, Nord, Süd, West), Auroras Freundinnen Im dritten Akt: Märchenfiguren: 4 Edelstein-Feen (Gold, Silber, Saphir, Diamant); der blaue Vogel und Prinzessin Florine; der gestiefelte Kater und weiße Katze; Rotkäppchen und der Wolf; Aschenbrödel und Prinz Fortuné; der Däumling und seine Brüder und der Menschenfresser Oger u. a. (Je nach Inszenierung werden manchmal Figuren gestrichen (z.B. bei Nurejew) oder verändert (z.B. bei Marcia Haydée), siehe unten die Aufführungsgeschichte). Corps de Ballet: Hofdamen und Hofherren, Pagen und Mädchen, Gärtnerinnen und Gärtner, Jäger, Waldgeister, Festgäste

Handlung Die Handlung unterscheidet sich etwas von der in Deutschland bekannten Version der Brüder Grimm, sie beruht in weiten Teilen (abgesehen vom Ende) auf Charles Perraults Märchen La Belle au bois dormant („Die Schöne im schlafenden Wald“) aus dem Jahr 1696 (zum Märchen und seinen Fassungen siehe auch den Artikel Dornröschen). Entsprechend waren im Original das Dekor und die Kostüme im Stil Ludwigs XIV (in Akt 2 und 3),Abschnitt History, in: Sleeping Beauty auf der Website der Petipa Society (englisch; Abruf am 7. Januar 2020) Kostüme von Prolog und Akt 1 im Stil des 16. Jahrhunderts.Das belegen einige Fotos der Originalproduktion von 1890, z. B. vom Schlafzimmer der Aurora. Die folgende Inhaltsangabe folgt dem Originallibretto in freier Erzählung.Thomas Kohlhase: Dornröschen, in: Einführung in ausgewählte Werke Petr Il'ič Čajkovskijs (= Čajkovskij-Studien, Band 2), Schott, Mainz 1996, S. 32–39, hier: 32-34 () Inhaltliche Abweichungen, wie sie in manchen modernen Produktionen (z. B. von Marcia Haydee), vorgenommen werden, können hier nicht berücksichtigt werden.

Prolog mini|hochkant=1|Die Feen an Auroras Wiege (Prolog), National Ballett der Kiew Oper, 2011 Auroras Taufe

Viele Jahre musste das Königspaar warten, bis ihm der sehnlichste Wunsch erfüllt wurde: die Geburt eines Kindes. Zur Taufe von Baby Aurora wurden neben der Hofgesellschaft auch sechs Feen eingeladen. Sie überbringen der Prinzessin Geschenke und gute Wünsche. Zur Überraschung aller verdunkelt sich mit einem mal der Himmel und ein Gewitter zieht auf. Plötzlich erscheint die böse Fee Carabosse mit einem furchteinflößenden Gefolge. Aus Wut darüber, dass sie keine Einladung erhalten hat, verflucht sie das Kind: Wenn Aurora ihren 16. Geburtstag feiern werde, solle sie sich an einer Spindel stechen und tödlich verletzen. Die Eltern und die ganze Festgesellschaft sind entsetzt. Die Fliederfee, die als Glückbringerin gilt, kann zwar den Fluch nicht rückgängig machen, aber doch etwas abmildern: Aurora werde nicht sterben, sondern lediglich in einen hundertjährigen Schlaf fallen. Wenn sie dann von einem Prinzen geküsst werde, erwachten in ihr wieder die Lebensgeister.

Erster Akt mini|Szenenfoto aus dem Walzer im 1. Akt (Kansas City Ballet, 2017)

Auroras Geburtstag

Während der Vorbereitungen zu Auroras 16. Geburtstagsfest entdeckt der Zeremonienmeister Catalabutte einige strickende Frauen, obwohl der König den Gebrauch aller Spindeln und Nadeln verboten hatte. Als der König erscheint, begnadigt er jedoch die Strickerinnen.

Die fröhliche Prinzessin erscheint und es beginnt ein feierlicher und zeremonieller Festakt, bei dem Aurora mit vier jungen Prinzen tanzen muss, die um ihre Hand anhalten und ihr dabei Rosen überreichen (Adagio à la rose). Mitten im Tanzen entdeckt Aurora eine alte Frau in einem weiten Mantel (in Wahrheit die verkleidete Carabosse), die ihr ein ungewöhnliches Geschenk reicht: eine Spindel. Entzückt über diesen raren Gegenstand, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat, beginnt Aurora ausgelassen damit zu tanzen. In höchster Sorge erinnern sich ihre Eltern an den Fluch und versuchen, ihr die Spindel wegzunehmen, doch schon ist es passiert: Aurora verletzt sich, beginnt zu taumeln und sinkt scheinbar tot zu Boden. Nun zeigt Carabosse ihr wahres Gesicht und ihre Freude darüber, wie sich ihr Fluch erfüllt hat. In dem Moment erscheint jedoch die gute Fliederfee und sorgt dafür, dass Aurora und alle Menschen im Schloss in einen tiefen Schlaf versinken.

Zweiter Akt mini|Aurora wird wachgeküsst, Finale Akt 2 (Tempe Ostergren und Lamin Pereira dos Santos, Kansas City Ballet (KSB), 2017)

Jagdszene, Prinz Désirés Vision und Auroras Erwachen

Hundert Jahre sind inzwischen vergangen. Unweit des verzauberten Schlosses befindet sich eine fürstliche Jagdgesellschaft, angeführt von Prinz Désiré. Die jungen Leute vertreiben sich die Zeit mit einem Blindekuhspiel (Colin-maillard) und mit Tanz. Doch der melancholische Désiré möchte allein sein und schickt die anderen fort. Da erscheint die Fliederfee und zeigt dem Prinzen mithilfe ihrer magischen Kräfte eine Vision von Aurora. Der junge Mann verliebt sich in das liebliche Mädchen und möchte sie heiraten. Die Fliederfee fordert ihn auf, ihr zu folgen. Während ihrer gemeinsamen Reise durch einen verzauberten Wald erklingt eine wundervolle und geheimnisvolle Musik, auch die Motive der Fee Carabosse und der Fliederfee sind manchmal leise zu hören (Panorama & Entracte).

Schließlich erreichen sie das Schloss und die schlafende Aurora inmitten ihres schlafenden Hofstaates. Désiré tritt vorsichtig an das Bett heran, und im selben Moment, als er Aurora behutsam einen Kuss auf die Lippen drückt, erwachen nicht nur bei ihr, sondern bei der gesamten Hofgesellschaft wieder die Lebensgeister. Der Akt schließt in höchster Freude.

Dritter Akt mini|Pas de deux des Blauen Vogels mit Taryn Mejia und Dillon Malinski, Kansas City Ballet (KCB), 2017

Auroras Hochzeit

Mit großem Prunk lassen der König und die Königin ein Fest ausrichten, bei dem Feen und viele Märchenfiguren geladen sind. Für die Gäste tanzen: der gestiefelte Kater und die weiße Katze, der Blaue Vogel und Prinzessin Florine, Rotkäppchen und der Wolf, Aschenputtel und der Prinz, der Däumling und seine Brüder mit dem Riesen Oger und seiner Frau, Herzog Blaubart und seine Prinzessin, die Schöne und das Biest und noch einige andere.

Als das Hochzeitsfest seinem Höhepunkt zustrebt, tanzt das Brautpaar einen großen Pas de deux. Anschließend erteilt die Fliederfee ihrem Schützling und dem Bräutigam ihren Segen. Dazu erklingt eine weihevolle und ergreifende Melodie: der alte Königshymnus Vive Henri Quatre.Noel Goodwin im Booklettext (S. 9, 14 + 18) zur CD-Einspielung: Tschaikowsky: The Sleeping Beauty (Dornröschen/La Belle au bois dormant), mit dem London Symphony Orchestra, Dir.: André Previn (EMI Classics)

(Das Geschick der Fee Carabosse bleibt meistens offen. In der Rekonstruktion nach Ratmansky (siehe unten) ist sie unter den geladenen Gästen. In der Version von Marcia Haydee beobachtet Carabosse von Ferne grollend das Geschehen.).

Musikalischer Aufbau Die mit einem * markierten Stücke wurden vor der Uraufführung durch Petipa gestrichen; die Variation der Goldfee (3. Akt) wurde im 2. Akt als Variation der Aurora verwendet.Abschnitt Composition and choreography, in: Sleeping Beauty auf der Website der Petipa Society (englisch; Abruf am 7. Januar 2020) In modernen Produktionen werden einige dieser Stücke manchmal wieder verwendet, z. T. an anderer Stelle.

Introduction Prolog 1. Marche 2. Scène Dansante 3. Pas de Six (der sechs Feen) 4. Finale 1. Akt 5. Scène 6. Valse 7. Scène 8. Pas d’Action: Adagio à la rose, Danse, Variation d’Aurore, Coda 9. Finale 2. Akt 10. Entr’acte et Scène 11. Colin-maillard (Blindekuh) 12. Scène, Tänze der Herzoginnen, Baronessen*, Comtessen* und Marquisen* 13. Farandole 14. Scène 15. Pas d’action, Variation d’Aurore*Die ursprünglich von Tschaikowsky als Variation für Aurora vorgesehene Musik wurde vor der Uraufführung gestrichen und gegen die Variation der Goldfee aus dem 3. Akt ausgetauscht., Coda 16. Scène 17. Panorama 18. Entracte* (Violinsolo für Leopold Auer) 19. Entracte Symphonique (le Sommeil) et Scène 20. Finale 3. Akt 21. Marche 22. Polacca 23. Pas de quatre (4 Edelsteine: GoldDie Solo-Variation der Goldfee wurde vor der Uraufführung durch Petipa in den 2. Akt vorverlegt, als Variation für Aurora., Silber, Saphir*Die Solo-Variation der Saphirfee im 5/4-Takt wurde vor der Uraufführung durch Petipa gestrichen. In den anderen Nummern des Pas de quatre tanzte sie aber offenbar mit., Diamant) 24. Pas de caractère (Gestiefelter Kater und weiße Katze) 25. Pas de deux des Blauen Vogels (urspr. „Pas de quatre“)Dieses aus 4 Nummern bestehende Stück war ursprünglich als Pas de quatre geplant, wurde aber bereits seit der Uraufführung als Pas de deux des Blauen Vogels und seiner Prinzessin getanzt. 26. Pas de caractère (Rotkäppchen und der Wolf; Aschenputtel und Prinz) 27. Pas berrichon (Däumling, seine Brüder und Oger) 28. Pas de deux (Aurora und Désiré) 29. Sarabande*Die Sarabande war ursprünglich als Tanz von Paaren aus Rom, Persien, Indien, Amerika und der Türkei geplant, aber laut dem Jahrbuch des Kaiserlichen Theaters von 1891/92 wurde sie spätestens seit 1891 nicht mehr aufgeführt. Ob sie in der Uraufführung getanzt wurde, ist nicht klar. Auch in modernen Produktionen fehlt sie normalerweise. 30. Finale und Apothéose

Aufführungsgeschichte Vorgeschichte und Entstehung Perraults Märchen wurde schon 70 Jahre vorher von dem Choreografen Jean-Pierre Aumer für die Pariser Oper als Ballett bearbeitet, mit der Musik von Ferdinand Hérold. In der Uraufführung am 27. April 1829 tanzte Lise Noblet die Hauptrolle der Prinzessin Iseult, und die junge Marie Taglioni als eine Najade.Abschnitt History, in: Sleeping Beauty auf der Website der Petipa Society (englisch; Abruf am 7. Januar 2020)

mini|links|hochkant=0.565|Tschaikowsky um 1890 mini|hochkant=0.7|Der Choreograf Marius Petipa