Děčín (; deutsch Tetschen, 1942–1945 Tetschen-Bodenbach, 1945 Děčín-Podmokly) ist eine Stadt im Ústecký kraj an der Elbe im Norden Tschechiens und grenzt mit seinem Gemeindegebiet an Sachsen. In Děčín liegt der wichtigste Eisenbahngrenzübergang zwischen Deutschland und Tschechien. Er ist Teil der transeuropäischen Verkehrsachse 23 Nord-/Ostsee – Dresden – Prag (Baltisch-Adriatische Achse). Der Grenzübergang Děčín war früher unter dem Namen Bodenbach bekannt. Podmokly (Bodenbach) ist heute der größte linkselbische Stadtteil von Děčín.
Geographie Geographische Lage
Die Stadt liegt im Übergangsbereich zwischen Böhmischer Schweiz und Böhmischem Mittelgebirge in einem Talkessel, in den von Osten die Ploučnice (Polzen) und von Westen der Jílovský potok (Eulaubach bzw. Eulauer Bach) in die Elbe münden. Mit einer Höhenlage von ist Děčín die am tiefsten gelegene Stadt Tschechiens. Einige der durch Eingemeindungen zur Stadt gekommenen Ortsteile wie z. B. Maxičky (Maxdorf) liegen aber bereits auf den Höhen von Böhmischer Schweiz bzw. Böhmischem Mittelgebirge und damit bedeutend höher.
Nachbarorte
Stadtgliederung Ortsteile und Eingemeindungen Děčín besteht aus 35 Ortsteilen:Územně identifikační registr ČR: Části obcí: Obec Děčín
Die 70 Grundsiedlungseinheiten sind Bechlejovice, Bělá, Boletice nad Labem, Březiny, Bynov, Čechy, Červený vrch (Rotberg), Děčínská výšina (Kaiseraussicht), Děčín-střed, Dolní Oldřichov, Dolní Žleb, Folknáře, Havraní vrch (Rabenstein), Hlavní nádraží, Horní Oldřichov, Horní Žleb, Hoštice nad Labem, Chlum, Chlumská stráň, Chmelnice, Chmelník (Hopfenberg), Chrochvice, Jakuby (Jakuben), Jalůvčí, Kamenická (Steinbach), Krásný Studenec, Kristin Hrádek (Christianaburg), Křešice, Labská niva, Lesná, Lesní Mlýn (Buschmühle), Letná, Letná-Lovosická, Loubí, Marjanín (Mariannaberg), Maxičky, Nad Boleticemi, Nad Dolním Žlebem, Nad Křešicemi, Nad Slovankou, Nebočady, Nemocnice, Nová Ves, Pastýřská stěna (Schäferwand), Pod Chlumem, Podmokly, Popovice, Prostřední Žleb, Průmyslový obvod Boletice, Průmyslový obvod Křešice, Přípeř, Přípeřské polesí (Peiperzer Waldhäuser), Přístav, Rozbělesy, Staré Město, Telefonka, U cihelny, U koupaliště, U nemocnice, U Ploučnice, U stadiónu, U zimního stadiónu, Václavov, Velká Veleň, Vilsnice, Východní nádraží, Za nádražím, Zámek (Schloss Tetschen), Želenice (Seldnitz) und Žlíbek (Bösegründel).Územně identifikační registr ČR: Obec Děčín: Základní sídelní jednotky
Zu Děčín gehören außerdem die Ansiedlungen Čertova Voda (Tschirte), Dolní Chlum (Stabigt), Libverda (Liebwerd) und Podskalí (Rasseln).
Kataster Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 11.770 ha und gliedert sich in 22 KatastralbezirkeÚzemně identifikační registr ČR: Části obcí – Obec Děčín
Geschichte mini|Schloss und Kettenbrücke (1855) Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Děčín mit dem Schloss auf dem rechten Ufer der Elbe, von der Schäferwand (Pastýřská stěna) aus gesehen mini|Rathausplatz
Archäologische Funde belegen, dass die Besiedlung des Tetschener Talkessels bis in die jüngere Bronzezeit zurückreicht. Im 10. Jahrhundert legten die Přemysliden am Standort des heutigen Schlosses eine hölzerne Befestigungsanlage an. Diese schützte und kontrollierte eine wichtige Elbfurt, über die ein am Südfuß des Erzgebirges nach der Lausitz führender Handelsweg verlief. Unterhalb der Burg entstand ein Handelsort, der 993 erstmals erwähnt wurde. Der Elbhandel selbst wurde erstmals im Jahr 1057 erwähnt und die Burg 1128.
Im 13. Jahrhundert erfolgte der Umbau der hölzernen Befestigungsanlage zu einer steinernen Burg, die zugleich das Verwaltungszentrum der Domäne Děčín wurde. König Ottokar II. legte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die südlich der Burg auf der Frauenwiese gelegene Stadt Děčín an, wahrscheinlich weil die ältere und tiefer gelegene Siedlung von einem Hochwasser vernichtet wurde. Im 14. Jahrhundert errichteten die Herren von Wartenberg im Norden der Burg eine neue Stadt, die einen Großteil der Einwohner der alten Stadt aufnahm. Von 1347 bis 1350 grassierte hier die Pest, der zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Für das Jahr 1384 belegen Urkunden die Stadtgerechtsame und das Vorhandensein des Zunftwesens (Schusterbrief). Der genaue Zeitpunkt der Stadtrechtsverleihung ist hingegen unbekannt. Wahrscheinlich ist dafür die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts anzusetzen.
Am 15. Oktober 1387 verkauften die damaligen Eigentümer Johann von Wartenberg und weitere seiner Verwandten das Dorf Deutschkahn an die Stadt Tetschen.
Im Jahr 1534 ging die Grundherrschaft Tetschen mitsamt Stadt und gleichnamigen Schloss in den Besitz derer von Bünau über. Damit begann eine Blütezeit der Stadtentwicklung, da die Bünaus die wirtschaftliche Entwicklung ihres neuen Besitzes forcierten. Sie intensivierten u. a. den Handel mit Holz, für den die Waldungen in der Umgebung Tetschens gute Voraussetzungen boten. Gleichzeitig führten sie die Schafzucht ein und errichteten in Tetschen zwei große Schafställe. In der Umgebung der Stadt ließen sie Obstgärten und Weinberge anlegen. Der gestiegene Elbhandel ließ die Stadt bis zum Dreißigjährigen Krieg aufblühen.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) befanden sich Burg und Stadt abwechselnd in den Händen von sächsischen, schwedischen und kaiserlichen Truppen. Die Stadt selbst brannte während dieser Zeit mehrmals ab. Im Jahr 1628 musste die streng protestantische Familie von Bünau die Herrschaft Tetschen an Christoph Simon von Thun verkaufen. Tetschen blieb nun bis weit in die Neuzeit unter der Herrschaft der von Thun, die 1706 bzw. 1707 im damaligen Bodenbach eine Brauerei gründen ließen. Die ehemalige Schlossbrauerei in Tetschen existierte von 1511 bis zu ihrer Schließung im Jahr 1886.
19. und 20. Jahrhundert mini|Tetschen um 1900
Auf der linken Elbseite befanden sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur einige kleine unbedeutende Siedlungen, die sich im Jahr 1850 zum Ort Bodenbach zusammenschlossen. Ein Jahr später wurde am 6. April 1851 der letzte von Krippen nach Bodenbach führende Abschnitt der Dresden-Bodenbacher Eisenbahn in Betrieb genommen. Der Eisenbahnbau forcierte die Entwicklung des bis dato wirtschaftlich unbedeutenden linken Elbufers. Innerhalb weniger Jahrzehnte siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an. Bodenbach entwickelte sich zu einem Industrieort mit umfangreicher Jugendstilarchitektur. Bereits 1880 übertraf der Ort das rechtselbische Tetschen sowohl an wirtschaftlicher Bedeutung als auch an Einwohnerzahl. Er bekam deshalb 1901 das Stadtrecht verliehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt der wirtschaftliche Aufschwung beider Städte weiter an, er schlug sich in umfangreicher Bautätigkeit nieder. Tetschen hatte zwei Kirchen, ein Realgymnasium, eine Handwerkerschule, eine Schifferschule und war ein bedeutender Industriestandort. 1901 wurde das Stadttheater als Varieté erbaut. 1906/07 entstand in Bodenbach eine Synagoge.
mini|Karte von Tetschen und Bodenbach 1924
Ab 1918 (Ende 1. Weltkrieg) gehörten Tetschen und Bodenbach zur neu gegründeten Tschechoslowakei und besaßen hier als Elbhäfen eine wichtige Funktion für den Außenhandel. Durch das Münchner Abkommen wurden beide Städte im Jahr 1938 zusammen mit dem Sudetenland ohne Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung dem Deutschen Reich zugesprochen. Am 1. Oktober 1942 wurden die Städte Bodenbach und Tetschen mit der Gemeinde Altstadt zur neuen Stadt Tetschen-Bodenbach vereinigt. Im Jahr 1945 gehörten beide Städte zum Landkreis Tetschen-Bodenbach im Regierungsbezirk Aussig im Reichsgau Sudetenland. Die Synagoge der Stadt überstand als eine von wenigen in Nordböhmen den Zweiten Weltkrieg.Kilian Kirchgessner: Das Wunder von Decin. In: Jüdische Allgemeine. 11. Januar 2007; abgerufen am 28. Juli 2017.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm am 8. Mai 1945 ein antifaschistischer Ausschuss von in der Stadt wohnhaften Deutschen und Tschechen das Rathaus, und Albert Allert, deutschböhmischer Antifaschist, wurde Bürgermeister. Nach wenigen Tagen wurde Allert allerdings wegen seiner deutschen Nationalität abgesetzt und durch František Eret ersetzt.
Die deutschsprachige Bevölkerung wurde aus dem Sudetenland und Tetschen vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Kirchengemeinden in der Tschechoslowakei wurden enteignet.
Im Jahr 1947 wurde der einheitliche Stadtname Děčín eingeführt. In der Nachkriegszeit hielt die bauliche Entwicklung der Stadt an. Vorhandene Anlagen wurden erweitert und weitere Industriebetriebe siedelten sich an. Viele Neubürger aus Mittelböhmen und -mähren, der Slowakei, sogenannte Repatrianten, und Roma wurden angesiedelt. Im Zuge der Stadtentwicklung wurden zahlreiche alte Gebäude abgerissen, darunter auch weite Teile des alten Tetschener Stadtkerns. Ab den 1960er Jahren wurde für die wachsende Bevölkerung zusätzlicher Wohnraum in Neu- und Plattenbauvierteln vorwiegend an den Stadträndern geschaffen.
Im Jahr 2002 nahm in der Stadt die damals größte Geothermieanlage Europas ihren Betrieb auf. Die Anlage kostete knapp 17 Millionen Euro und versorgt einen Großteil der Stadt mit jährlich 78 GWh (Erd-)Wärme. Das Thermalwasser wird aus einer Quelle in 400 m Tiefe gewonnen.
Heute ist Děčín mit über 50.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in der Region Ústí und zugleich ein bedeutendes Wirtschafts- und Verwaltungszentrum sowie ein wichtiger Verkehrsknoten in Nordböhmen.
Seit den 1990er Jahren werden Planungen für eine Elbe-Staustufe Děčín flussabwärts der Stadt vorangetrieben. Gegen das Vorhaben gibt es umweltpolitischen Widerstand, unter anderem aus dem benachbarten Sachsen.
Bevölkerung Im Jahr 1749 hatte Tetschen eine Anzahl von 210 Häusern und im Jahr 1787 insgesamt 293 Häuser.
Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1749 1007 zusammen mit dem Ort Laube in 315 HäusernLudwig Käs: Tetschen. In: Ernst Mischler, Karl Theodor von Inama-Sternegg: Oesterreichisches Städtebuch – Statistische Berichte der grösseren österreichischen Städte. II. Jahrgang 1888, Verlag von Carl Gerold’s Sohn, Wien 1888, Abschnitt Tetschen. S. 1–18 (books.google.de). 1830 1423 in 291 Häusern,Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis. Prag 1833, S. 234–236, Ziffer 1. (books.google.de).Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 16 unten (books.google.de). ohne Bodenbach (190 Einwohner in 34 Häusern)Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis. Prag 1833, S. 239, Ziffer 53 (books.google.de). 1850 2131 in 291 Häusern 1857 2783 am 31. OktoberStatistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 41, rechte Spalte (books.google.de). 1869 3822 1880 5612 1900 9698 deutsche Einwohner, (Bodenbach 10.782 deutsche Einwohner) 1914 11.500 1930 12.855 davon 9944 Deutsche (77 %), 2.135 Tschechen (17 %) und 734 Ausländer (6 %)Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon. Band 4. Adam Kraft Verlag, 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 441. 1939 11.962 davon 1.362 evangelische, 9.702 katholische, 135 sonstige Christen und sieben Juden 1942 36.000 Tetschen-Bodenbach insgesamt
Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs
(Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres)
Jahr Einwohner 1947 30.855 1950 30.819 1960 36.498 1970 45.431 1980 50.540 Jahr Einwohner 1990 56.043 2000 52.758 2010 51.691 2020 47.951 2022 47.180
Wappen Tetschen