She Said ist ein Filmdrama von Maria Schrader, das im Oktober 2022 beim New York Film Festival seine Premiere feierte, im November 2022 in die US-Kinos kam und im Dezember 2022 in Deutschland und in Österreich startete. Der Film basiert auf dem 2019 erschienenen gleichnamigen Sachbuch von Jodi Kantor und Megan Twohey, die auch im Film die Hauptpersonen sind und von Zoe Kazan und Carey Mulligan verkörpert werden. Ein von Kantor und Twohey Anfang Oktober 2017 veröffentlichter Enthüllungsartikel hatte den Hollywoodmogul Harvey Weinstein zu Fall und die #MeToo-Bewegung ins Rollen gebracht.
Handlung Nachdem die New York Times im Jahr 2017 über sexuelle Belästigung durch den Fox-News-Moderator Bill O’Reilly berichtet und der Artikel dessen sofortige Entlassung zur Folge gehabt hat, beschließt die Herausgeberin Rebecca Corbett, die gesamte Unterhaltungsbranche weiter unter die Lupe zu nehmen. Die Investigativjournalistin Jodi Kantor stößt daraufhin schon bald auf Missbrauchs-Anschuldigungen der Schauspielerinnen Rose McGowan und Ashley Judd gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein und beginnt mit einer Recherche.
Als die Untersuchungen umfangreicher werden und sich Vorwürfe verdichten, holt Kantor ihre Kollegin Megan Twohey mit an Bord, die zuvor bereits eine ähnliche Recherche über Donald Trump veröffentlichte und nach einer Schwangerschaftspause wieder arbeiten möchte. Beide Journalistinnen kontaktieren vor allem Schauspielerinnen, die am Anfang ihrer Karrieren mit Weinstein zu tun hatten, und ehemalige Mitarbeiterinnen von dessen Produktionsfirma Miramax. Viele Betroffene geben zu, von Weinstein in der Vergangenheit sexuell belästigt oder sogar missbraucht worden zu sein, wollen aber keinesfalls zitiert oder namentlich genannt werden, da sie negative Folgen für ihre eigenen Karrieren befürchten oder gegen Geld sogenannte Non-Disclosure Agreements (NDA) unterzeichnet haben.
Kantor und Twohey offenbart sich das Bild einer Filmbranche, die offen von Weinsteins Missbrauch gewusst und es bewusst vertuscht zu haben scheint. Der Filmproduzent nutzte seine Machtposition gegenüber angehenden Schauspielerinnen und Angestellten über Jahrzehnte hinweg aus, ehe er sie über seine Anwälte mit Geheimhaltungsverträgen mundtot machte. Ermittlungen gegen ihn wurden aufgrund seiner guten Kontakte unverzüglich eingestellt und Weinsteins Verhalten als problemhaft, aber nicht illegal dargestellt.
Da Weinstein von der Recherche erfahren hat, kommt es zu einem Treffen mit seinem Vertreter Lanny Davis. Dieser gibt die Existenz der Geheimhaltungsverträge offen zu, fordert allerdings die sofortige Einstellung der Recherche und deutet an, dass man sich auch mit dem New Yorker finanziell einigen konnte, um die Geschichte nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Um eine Person zu finden, die offen und legal über die NDAs sprechen darf, kontaktiert Kantor Irwin Reiter, einen ehemaligen Buchhalter von Weinstein. Dieser zeigt sich von der Tragweite der Vorwürfe erschüttert und überlässt der Journalistin ein internes Memo von Miramax, mit dem die Missbrauchsvorwürfe belegt werden können.
Kantor und Twohey kontaktieren Weinstein und bitten ihn um eine Stellungnahme. Dieser streitet zunächst alle Vorwürfe ab, fordert vehement die namentliche Nennung der anonymen Quellen, spricht von Diskreditierung und gibt an, vorerst eine Auszeit von der Weinstein Company zu nehmen. Wenig später melden sich Ashley Judd und die ehemalige Produktionsassistentin Laura Madden bei den Journalistinnen und willigen ein, namentlich im Artikel genannt und zitiert werden zu dürfen, um den Spuk endlich zu beenden. Die Recherche wird von der New York Times im Oktober 2017 veröffentlicht und löst in der Gesellschaft den Weinstein-Skandal sowie die MeToo-Bewegung aus.
Hintergrund
Der Film basiert auf dem Sachbuch She Said – Breaking the Sexual Harassment Story That Helped Ignite a Movement von Jodi Kantor und Megan Twohey, das im Jahr 2019 bei Penguin Press veröffentlicht wurde.https://www.shesaidthebook.com/Verena Lueken: Wahrheit statt Abfindungen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. September 2019.Thomas Schultze: Maria Schrader inszeniert in Hollywood. In: Blickpunkt:Film, 8. Juni 2021.
Die beiden Journalistinnen der New York Times hatten den Weinstein-Skandal aufgedeckt und mit ihren Berichten im Oktober 2017 die #MeToo-Bewegung ausgelöst. In einer Reihe von Artikeln machten sie die Vorwürfe mehrerer Frauen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein wegen sexueller Belästigungen und Übergriffe öffentlich. Als sie mit ihren Recherchen begonnen hatten, war sein Name noch immer ein Synonym für Macht. In monatelangen vertraulichen Interviews mit erfolgreichen Schauspielerinnen, ehemaligen Weinstein-Mitarbeitern und anderen Quellen wurde auch die Praxis von Geheimhaltungsvereinbarungen enthüllt. Weinstein beauftragte in Folge ein Team von hochrangigen Anwälten und Privatdetektiven, um die Berichterstattung zu verhindern.She said: breaking the sexual harassment story that helped ignite a movement. In: loc.gov. Abgerufen am 19. Januar 2022. Die Veröffentlichung des Artikels ließ Weinstein, der bis dahin unantastbar gewesen war, zu einer fast symbolischen Figur für Machtmissbrauch werden.Thomas Schultze: Maria Schrader über „She Said“: „Intimität, Gewalt, Gesellschaft, Abhängigkeit.“ In: Blickpunkt:Film, 6. Dezember 2022.
Kantor und Twohey wurden für ihre investigative Arbeit 2018 mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie Dienst an der Öffentlichkeit ausgezeichnet.Pulitzerpreis für Enthüllungen zu Harvey Weinstein. In: Zeit Online, 16. April 2018.
Produktion Regie und Drehbuch
Das Buch wurde von Rebecca Lenkiewicz für den Film adaptiert. Sie hatte die Zusammenarbeit mit Kantor und Twohey begonnen, bevor sie ihr Buch las, und von den beiden Journalistinnen nach und nach dessen einzelne Kapitel erhalten. Neben Kantor und Twohey traf Lenkiewicz drei Frauen, die unterschiedliche Erfahrungen mit Weinstein gemacht hatten. Basierend auf dem Material, das ihr Kantor und Twohey zur Verfügung stellten, und den Schilderungen aus den geführten Gesprächen, schrieb Lenkiewicz das Drehbuch und erfand zudem einige Szenen hinzu.Manori Ravindran: ‘She Said’ Writer Spent Days With Harvey Weinstein Survivors and Received Book Chapters in Real Time to Pen Screenplay. In: Variety, 12. Oktober 2022.Jodi Kantor und Megan Twohey: Jodi Kantor and Megan Twohey Go Behind the Scenes of ‘She Said’. In: Vogue, 12. Oktober 2022. Kurz nach Lenkiewicz kam Maria Schrader als Regisseurin zu dem Projekt.MeToo in Hollywood: Maria Schrader verfilmt Bestseller „She Said“ zum Weinstein-Skandal. In: Der Tagesspiegel, 9. Juni 2021. Dies geschah, bevor Universal als Studiopartner bekannt wurde. In Lenkiewicz’ Drehbuch für den Film Ungehorsam wurde eine ähnliche Geschichte aus derselben Welt erzählt, wie in Schraders Miniserie Unorthodox. Nach den Filmen Liebesleben, Vor der Morgenröte und Ich bin dein Mensch handelt es sich um die erste US-Produktion, bei der Schrader Regie führte.
Schrader hatte die Enthüllungen um Harvey Weinstein ziemlich unmittelbar miterlebt. Im Zuge der Veröffentlichung sei etwas passiert, was man eine gesellschaftliche Bewegung, eine Veränderung nennen könne: „Es wurde plötzlich gesprochen, es begannen Debatten, und zwar so lautstark, dass ich als jemand, der im Alter von 16 Jahren angefangen hat, Schauspielerin zu sein, genauso wie viele andere Menschen der Gesellschaft, Frauen wie Männer, meine eigenen Erlebnisse die letzten Jahrzehnte hindurch überdacht habe.“
Kantor und Twohey erklärten über den fertigen Film, dieser zeige viel von dem, was sie während ihrer Recherchen über Weinstein gemeinsam erlebten, auch wie sie als Kolleginnen zusammenwuchsen, sich zwischen ihnen eine Verbindung entwickelte und außerdem einige persönliche Dinge, von denen sie zuvor nicht erzählt hatten. Sie hoffen, dass der Film dazu beitragen wird, die investigative Arbeit von Journalisten mehr zu würdigen und die Menschen darin bestärkt, die Wahrheit zu sagen. Kurz vor der Premiere des Films wurde der zweite Prozess gegen Harvey Weinstein begonnen.Harvey Weinstein steht erneut vor Gericht: Früherem Filmmogul werden Sexualverbrechen vorgeworfen. In: Der Tagesspiegel, 8. Oktober 2022. In diesem steht er wegen elf neuen Anklagepunkten gegen fünf Frauen vor Gericht, die ihm unter anderem Vergewaltigung vorwerfen.Harvey Weinstein zum zweiten Mal vor Gericht. In: Deutschlandfunk Kultur, 11. Oktober 2022.
Schrader erklärte, in ihrem Film habe man es mit zwei Frauen zu tun, die mit beiden Beinen im Arbeitsleben stehen, fest verankert in der Normalität und mit Familienleben und privaten Nöten. Sie habe im Film versucht zu zeigen, wer Megan Twohey und Jodi Kantor eigentlich sind. Auch ging es ihr darum zu zeigen, was es bedeutet hat, in den 1990ern als Frau in patriarchalen Strukturen aufzuwachsen und zu arbeiten.
Besetzung und Dreharbeiten
Die US-Amerikanerin Zoe Kazan und die Britin Carey Mulligan spielen Jodi Kantor und Megan Twohey. Andre Braugher spielt Dean Baquet, der seit 2014 Chefredakteur der New York Times ist.Anthony D’Alessandro: André Braugher Boards Universal’s New York Times Harvey Weinstein Exposé Movie ‘She Said’. In: deadline.com, 11. August 2021.Brian Welk: Andre Braugher Joins Weinstein Investigation Film ‘She Said’ as New York Times Editor Dean Baquet. In: Blickpunkt:Film, 11. August 2021. Patricia Clarkson spielt die ebenfalls für die New York Times tätige Investigativjournalistin Rebecca Corbett, die Kantor und Twohey zusammenbringt und an der Sache arbeiten lässt.Abbey White: Carey Mulligan and Zoe Kazan Expose Harvey Weinstein Abuse as N.Y. Times Reporters in ‘She Said’ Trailer. In: The Hollywood Reporter, 14. Juli 2022.Lovia Gyarkye: ‘She Said’ Review: Carey Mulligan and Zoe Kazan Anchor Solid Dramatization of New York Times’ Weinstein Investigation. In: The Hollywood Reporter, 13. Oktober 2022. Die Britin Samantha Morton spielt die Weinstein-Whistleblowerin und Gründerin der Aktion Can’t Buy My Silence Zelda Perkins.Dreharbeiten für Film über Harvey Weinstein laufen. In: Süddeutsche Zeitung, 24. August 2021. Angela Yeoh ist in der Rolle von Perkins Assistentin Rowena Chiu zu sehen. Jennifer Ehle spielt Laura Madden, eine ehemalige Miramax-Angestellte, die von Weinstein in einem Hotelzimmer sexuell bedrängt wurde.Richard Lawson: ‘She Said’ Is a Journalism Drama That Never Sensationalizes. In: Vanity Fair, 13. Oktober 2022. Die Schauspielerin Ashley Judd, die in den Weinstein-Skandal involviert war, spielt sich selbst.Kate Erbland: ‘She Said’ Review: A Reckoning Gets the Incendiary and Artful Film It Requires. In: IndieWire, 13. Oktober 2022. In weiteren Rollen sind Tom Pelphrey, Adam Shapiro und Sean Cullen zu sehen.
Weinstein selbst ist im Film nicht oder nicht vollständig zu sehen und wird dann von Mike Houston gespielt. Er wird als wütende Stimme am Telefon und später als massige, gesichtslose Gestalt dargestellt, die Twohey anstarrt. In Szenen, in denen er eigentlich eine Rolle spielt, so bei Aufnahmen in Hotelzimmern, wurden die Personen aus den Tableaus entfernt und was dort geschehen ist durch Objekte und andere Platzhalter angedeutet/nacherzählt.Jesse Hassenger: She Said’s Dramatized Harvey Weinstein Investigation Is More Sincere than Shrewd. In: pastemagazine.com, 13. Oktober 2022.
Die Dreharbeiten fanden ab Sommer 2021 in New York statt. Das Gebäude der New York Times stand in dieser Zeit nahezu leer, da die meisten Mitarbeiter Coronavirus-bedingt von zu Hause aus arbeiteten. Dies ermöglichte es Schrader, in den Redaktionsräumen der New York Times zu drehen. Die Regisseurin war mit der Stadt sehr vertraut und drehte dort bereits zuvor. Als Kamerafrau fungierte die Argentinierin Natasha Braier, die zuletzt für die Filme Gloria – Das Leben wartet nicht von Sebastián Lelio und Honey Boy von Alma Har'el arbeitete.
Filmmusik, Marketing und Veröffentlichung