mini|Links ein Kohen, mittig ein Hohepriester und rechts ein Levit.Charles Foster: Story of the Bible in Pictures Hartford, Conn., 1873 mini|Grabstein (Mazewa) eines Kohen in Bonn-Schwarzrheindorf mini|Handhaltung beim Priestersegen durch einen Kohen mini|Kohanim während des Segnens Ein Kohen (deutsch: Priester) (, [], Plural Kohanim ) ist ein Mitglied der jüdischen Priesterschaft, als eine patrilineare geburtsständige geschlossene Gruppe. Der Status als Kohen wird über den Vater vererbt.siehe hierzu matrilineare Zugehörigkeit im rabbinischen Judentum Die Kohanim waren gemäß biblischer Überlieferung eine Untergruppe der Leviten, des tempeldienstlichen Stammes unter den zwölf Stämmen Israels, wobei sie aber als Gruppe hinsichtlich des Tempeldienstes oder der Organisationsaufgaben traditionell in der Hierarchie über den Leviten standen, .Martin Rösel: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. 11. durchgesehene Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, ISBN 978-3-525-56867-5, S. 21 Sie gelten als direkte Nachfahren Aarons, der ein Bruder des Mose war. Die Kohanim übten im Jerusalemer Tempel den Dienst am Altar aus. In biblischer Zeit war jedoch nur der Hohepriester () die höchste religiöse Autorität des Judentums.

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. waren die Unterschiede zwischen den Kohanim und den übrigen Leviten bezüglich ihrer Aufgaben und Befugnisse teilweise aufgehoben. Für die Kohanim gelten einige besondere Regeln bzw. Reinheitsgebote. Von ihnen wird zu bestimmten Anlässen (Jom tovRosch ha-Schana, Jom Kippur, Pessach, Schawuot, Sukkot und Schmini Atzeret bzw. nur am Jom Kippur) auch der Aaronitische Segen gesprochen, bei dem unter anderem eine bestimmte Haltung der Hände und FingerGemäß Salomon Ganzfrieds Kizzur Schulchan Aruch, Bd. II., Kapitel 100 (in der Übertragung Selig Bambergers): vorgeschrieben ist (die dann zu einer Art Kohen-Symbol wurde, das man besonders auf ihren Grabsteinen findet). Die Geste wird als Nachbildung des Buchstabens Schin des hebräischen Alphabets interpretiert, das den ersten Buchstaben des Wortes (El) Shaddai (der Allmächtige) abbilden soll. Während des Segens bedecken die Kohanim ihr Gesicht mit dem Tallit. Die Anwesenden sollen die Kohanim während des Segens nicht ansehen.

Religiöser Hintergrund Die Kohanim lassen sich auf Aaron zurückführen, der der levitischen Familie der Kehatiter entstammt (). Sie leiten sich schließlich von den beiden jüngeren Söhnen Eleasar und Itamar ab, nachdem Nadab und Abihu nach als Strafe Gottes in einem Feuer starben. Nach Aarons Tod setzte Mose seinen Sohn Eleasar als Hohepriester ein. Itamar wurde Gründer einer Priestergruppe außerhalb der Hohepriesterlinie (), die als Leviten für den Bau und Transport der Stiftshütte, , verantwortlich waren. Die Eigenschaft des Kohens wird vom Vater auf die Söhne vererbt. Die Tochter eines Kohens hingegen kann die Eigenschaft nicht mehr weitervererben.

Entscheidend ist das Konzept der Reinheit, das vor allem durch die priesterliche Literatur geprägt ist. Der Zustand der Reinheit ist die Voraussetzung für die Teilnahme am Kult, darin eingeschlossen der Kommunikation mit Gott, und am Leben der Gemeinschaft. Die Priester waren für die Ritualobservanz bei den Opferungen zuständig.Martin Goodman: Die Geschichte des Judentums. Glaube, Kult, Gesellschaft. Klett-Cotta, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-96469-1, S. 93 f. Bei einigen Opfertypen wurde die Sünde des Menschen symbolisch auf das Opfer übertragen und damit von sich losgelassen.Thomas Hieke: Der Kult ist für den Menschen da. Auf Spurensuche in den Opfervorschriften von Levitikus 1-10. Bibel und Kirche 3/209, S. 141–147, hier S. 143–144 (PDF auf publikationen.uni-tuebingen.de) Im tempelzentrierten Opferjudentum dienten die zentrale Kultstätte und die Opfer dazu, Gott zu ehren, den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel zu stärken und zu erneuern sowie die ‚göttliche Gegenwart‘ (SchechinaKaufmann Kohler, Ludwig Blau: Shekinah (‎שכינה‏; lit. "the dwelling"). auf jewishencyclopedia.com, abgerufen am 15. März 2025.) im täglichen Leben zu erfahren und damit die Verbindung zu Gott aufrechtzuerhalten und zu vertiefen. Die olfaktorischen Eindrücke des zuvor geschächteten, verbrennenden OpfertiersGideon Hartman, Guy Bar-Oz, Ram Bouchnick, Ronny Reich: The pilgrimage economy of Early Roman Jerusalem (1st century BCE–70 CE) reconstructed from the δ15N and δ13C values of goat and sheep remains. In: Journal of Archaeological Science. Vol. 40, Issue 12 2013, S. 4369–4376 () und die visuellen Wahrnehmungen des Blutes und des Feuers machten den Tempelgottesdienst zu einem „kraftvollen Akt der Verehrung und Sühne“. Das rituelle Geschehen wurde aber wahrscheinlich auch von Gesang und Musik begleitet, was den Gottesdienst zusätzlich zu einer sinnlichen Erfahrung machte. Auch Gebete wurden während des Opferns gesprochen.

Tempelamt in der Bibel

Zur Zeit des ersten und zweiten Tempels Die Anfänge des Tempelamts finden in der Torah (später übersetzt ins Alte Testament) in unterschiedlicher Form Ausdruck. Tempeldienstliche Funktionen wie Altarbau und Opfer werden zunächst von Familienvätern wie Noah und Abraham wahrgenommen. Eine Institutionalisierung findet nach dem Buch Exodus () während des Aufenthaltes der Israeliten am Sinai statt. Demnach weihte Mose seinen älteren Bruder Aaron aufgrund des Gebotes Gottes (vgl. ) zum ersten Hohepriestersiehe (en) Zevachim, (Ivrit) Mischna Zavahim Yad, Mischna IV und Jerusalemer Talmud, Halacha 11 (Kohen Gadol (wörtlich „Großer Kohen“)). Von diesem stammen der Überlieferung nach alle späteren jüdischen Kohanim ab. Die Nachkommen Moses (Stammfolge) selbst gehören nicht zu den Kohanim. Die übrigen Nachfahren des Jakobsohnes Levi gelten als Leviten, was insbesondere nach der Vorstellung des Buches Numeri () ein niederes Tempelamt bezeichnet. Bei der Einwanderung nach Kanaan wurde dem Stamm Levi kein Stammesgebiet zugesprochen, sondern spezielle Levitenstädte. Die materielle Versorgung der Kohanim und Leviten war der Fürsorge des Volkes anvertraut. Personen nichtlevitischer Herkunft galten als illegitime Kohanim, so wie die götzendienerischen Baalspriester des Nordreiches. Speziell die Bücher der Chronik schließen alle Tempelbediensteten, so auch die Sänger und Schwellenhüter, in levitische Genealogien ein. Welche möglichen historischen Vorgänge hinter den Auseinandersetzungen stehen, die sich in den biblischen Texten widerspiegeln, bleibt weitgehend Spekulation.

Nach der Chronik teilte David die Kohanim in 24 Familien ein, die ihren Dienst nach einem Rotationsprinzip versahen. Dies dürfte jedoch eher die zeitgeschichtlichen Verhältnisse im Juda der hellenistischen Zeit widerspiegeln. Belegt sind die Namen der 24 Klassen auch aus Fragmenten synagogaler Inschriften aus byzantinischer Zeit aus dem Lande Israel aber auch aus dem Jemen. Die Texte aus Qumran kennen abweichend davon ein System von 26 Klassen, welches den Bedürfnissen des Kalenders der Qumrangemeinschaft angepasst ist.

mini|hochkant=1.5|Rekonstruierte Kultutensilien, links Kleidung eines Tempeldieners (Leviten), Brandopfertisch, ein Jerusalemer Hohepriester (), Haube mit goldener Platte (), Choschen () über dem Efod () sowie Urim und Thummim () seitlich in der Lostasche (nicht abgebildet),Benjamin Sufiev: Der allerhöchste Dienst. Auf chabad.org, abgerufen am 21. November 2022. ferner Menora, Schaubrote, Bundeslade u. a. aus dem Tempel von Jerusalem.

Zur Zeit des Herodianischen Tempels Im Jahre 70 wurde Jerusalem durch die Römer unter Kaiser Titus nach langer Belagerung erobert. Dabei wurde der letzte Tempelbau, der prächtige Tempel des Herodes des Großen gemäß römischer Kriegsphilosophie vollständig zerstört (). Danach hatte das Tempelamt vermutlich kaum noch eine praktische Funktion. Die Beachtung der Kohanim und anderen Leviten besteht jedoch fort. Nachnamen wie „Kohn“ oder „Cohan“ deuten oft auf Angehörige der Kohanim hin.

Die Kohanim sprechen in der Synagoge den Aaronitischen Segen, sie werden als Erste zur öffentlichen Verlesung der Tora aufgerufen, gefolgt von den Leviten, und es gelten für sie bis heute einige bestimmte Gebote der Tora; beispielsweise dürfen sie im Normalfall keine Witwen, Konvertitinnen oder geschiedene Frauen und Nichtjüdinnen heiraten. Ebenso dürfen sie keinen Friedhof betreten oder Tote berühren. Ein Kohen darf nur an Begräbnissen von seinen nächsten Verwandten (Eltern, Kinder, Geschwister) teilnehmen. Nähe zu einem Verstorbenen gilt als unrein und ist einem Kohen verboten.German Djanatliev, durchgesehen und bestätigt von Rabbiner Shimon Grossberg: Beerdigung und Trauerzeit. Auf ikg-nuernberg.de, abgerufen am 16. August 2017

Weihe und Investitur

Der Kohen musste an seiner Person das volle Leben zeigen und alles fernhalten, was an den Tod, an körperliche oder sittliche Schwäche erinnerte. So konnte einer, der ein körperliches Gebrechen hatte, das Amt des Kohen nicht ausüben Jederzeit musste der Kohen in reinem Zustand vor die Gottheit treten können, sonst zog er Todesschuld auf sich . Er hatte sich vor der heiligen Handlung zu baden und zu waschen und sich während der Dienstzeit des Weins und Rauschtranks zu enthalten .

Eine feierliche Weihe stand am Anfang des Eintritts eines Angehörigen der Familie der Kohanim in den aktiven Dienst (; ). Nachdem der Kohen mit Wasser gewaschen und dadurch von allem Unreinen und Weltlichen befreit war, wurde er investiert, mit dem Kohenkleid versehen und dann mit Öl gesalbt. Durch die Salbung mit dem heiligen Öl, dessen Zubereitung in der Tora genau vorgeschrieben war und das von niemand nachgeahmt werden durfte , wurde der Kohen für den Dienst heilig gemacht und ausgerüstet. Danach folgte ein dreifacher Opferakt, das Sühnopfer eines Rindes (Farren), das Brandopfer eines Widders und das Einsetzungsopfer eines Widders. Mit dem Blut des Widders wurden Ohr, Hand und Fuß der rechten Seite und die Kleider des Kohen bestrichen. Die Blutbestreichung hatte einen ähnlichen Zweck wie die Salbung; sie wollte den Kohanim mit göttlichem Leben ausstatten. Das Blut steht für die Kraft des Lebens. Zuletzt wurden dem Kohen bestimmte Stücke des Einsetzungswidders auf die Hände gelegt und ihm so die Hände gefüllt . Das hatte eine zweifache Symbolik. Einerseits wurde so dargelegt, dass der Kohen die Opfergaben des Volkes in die Hände nahm und Gott darbrachte, andererseits wurde damit erklärt, dass JHWH ihm die Opferstücke zuweist und er so seinen Unterhalt hat.Paul Volz: Die biblischen Altertümer. Edition Komet, Köln 2004, ISBN 3-89836-316-3. S. 65

Das eigentliche Kohanim-Amt mini|Rauchopfer

Das Hauptamt der Kohanim war der Dienst am Altar und im Inneren des Heiligtums hinter dem Vorhang das tägliche Rauchopfer darzubringen (, , ), die Leuchter zuzurichten und allwöchentlich die Schaubrote aufzulegen . Am Brandopferaltar besorgten sie das Sprengen des Bluts , die Verbrennung des Opfers , das Ausgießen der Trankspenden , das Weben der Opferstücke . Nach dem Gottesdienst sprach der diensttuende Kohen den Segen (, ). An den Festtagen leiteten Kohanim durch Trompetensignale den Gang der Feier . Einige Kohanim mischten kostbare Salben .

Aufsicht über den Tempel und Tempelplatz