mini|Michel Legrand (2015) Michel Jean Legrand (* 24. Februar 1932 in Paris; † 26. Januar 2019 in Neuilly-sur-Seine) war ein französischer mehrfach mit dem Oscar und Grammy ausgezeichneter Komponist für Filmmusik, Pianist, Sänger und Arrangeur.

Leben Erste musikalische Eindrücke erhielt Legrand durch seinen Vater Raymond Legrand, der als Leiter eines Varieté-Orchesters Chansonsänger wie Édith Piaf und Maurice Chevalier begleitete, oder Arrangements für Ray Ventura schrieb. Auch seine Mutter stammte aus einer Musikerfamilie. Ihr Bruder Jacques Hélian leitete ein Orchester; sie stammen aus einer armenisch-französischen Familie.Jean Bahuaud: Jacques Hélian et son orchestre bei dutempsdescerisesauxfeuillesmortes (französisch). Einer seiner Großväter sang mit Oum Kalsoum und beherrschte das Spiel auf der Oud. Die Eltern des kleinen Michel ließen sich scheiden, als ihr Sohn drei Jahre alt war. Legrand schloss sein Studium mit 17 Jahren am Pariser Konservatorium, u. a. bei Nadia Boulanger, 1952 ab.«Unerschöpfliches Genie»: Michel Legrand mit 86 gestorben. In: Die Welt, 27. Januar 2019. Bereits in diesem Jahr arrangierte er ein Streicheralbum für Dizzy Gillespie. 1952 begleitete er Maurice Chevalier auf einer USA-Tournee. mini|hochkant|Legrand (1953) Ende der 1950er Jahre wandte er sich verstärkt der Filmmusik zu. Seine Soundtracks für Hollywood-Filme begründeten seinen Weltruhm. Eines seiner weltweit bekanntesten Werke ist das Filmmusical Die Regenschirme von Cherbourg aus dem Jahr 1964, mit dem Catherine Deneuve der Durchbruch gelang.

Zwölfmal wurde Legrand für den Oscar nominiert, den er dreimal erhielt: für den Filmsong zu Thomas Crown ist nicht zu fassen – The Windmills of Your Mind (1968) – sowie für die Soundtracks zu den Filmen Sommer ’42 (1971) und Yentl (1983). Daneben wurde er dreimal für den César nominiert und zwölfmal für den Golden Globe Award, den er für Thomas Crown ist nicht zu fassen auch gewinnen konnte. Insgesamt schrieb er Musiken zu etwa 200 Kino- und Fernsehfilmen, etwa für den Spielfilm Atlantic City, USA (1980) von Regisseur Louis Malle mit Burt Lancaster in der Hauptrolle. Er komponierte auch die Musik für die französische Zeichentrickserie Il etait une fois la vie (1987), die in Deutschland unter dem Titel Es war einmal … das Leben bekannt ist. Als einer der ersten Musiker Frankreichs machte er sich zudem den Bossa Nova zu eigen. Eine französische Version von The Windmills of Your Mind mit dem Titel interpretierte Legrand selbst, deren Text wurde von Eddy Marnay geschrieben.

Als Jazzpianist arbeitete er u. a. mit Django Reinhardt zusammen. 1958 nahm er ein Jazzalbum mit Donald Byrd, John Coltrane und Ben Webster auf. 1972 folgte ein Album mit der Jazzsängerin Sarah Vaughan. 1978 spielte er das Album Le Jazz Grand mit Gerry Mulligan, Phil Woods Jon Faddis, Ron Carter und Grady Tate ein. 1983 produzierte er ein weiteres Jazzalbum mit dem Titel After the Rain mit Ron Carter, Grady Tate, Zoot Sims, Phil Woods u. a. 1991 entstand in Zusammenarbeit mit Miles Davis das Album Dingo. 2004 entstand ein Tribut-Album für Luiz Eça.

Bemerkenswert war auch seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Barbra Streisand, die er erstmals 1966 auf deren Album Je m’appelle Barbra als Arrangeur, Orchesterleiter und Komponist begleitete. barbra-archives.com (englisch). Streisand nahm auf ihren folgenden Alben immer wieder Lieder von Legrand auf.Vgl. discogs.com Die Zusammenarbeit fand ihren Höhepunkt im preisgekrönten Soundtrack zu Yentl. Noch 2011 wählte sie für das Album What Matters Most seine Komposition The Windmills of Your Mind als Eröffnungslied aus. mini|hochkant|Legrands Grab in Paris Neben den ihm verliehenen Oscars wurde Legrand mit zahllosen weiteren Auszeichnungen bedacht. Im November 1984 überreichte ihm der damalige Kulturminister Jack Lang die Médaille de la Légion d’honneur. 17 Mal wurde er für den Grammy nominiert und fünfmal ausgezeichnet. grammy.com (englisch). 1990 wurde er in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen. songhall.org, 26. Januar 2019. 1998 wurde ihm der ASCAP Henry Mancini Award zuerkannt.ASCAP Henry Mancini Award. ascap.com (englisch). In Deutschland wurde ihm im Juni 2011 der „Look & Listen – Telepool-BR-Music-Award“ für sein Lebenswerk als Komponist von Filmmusik verliehen.Telepool-BR-Music-Award für Michel Legrand. br.de, 7. April 2011.

Daneben trat Legrand auch als Dirigent und Pianist mit Werken von klassischen Komponisten wie z. B. Eric Satie auf.Ein Musiker für alle Lebensstationen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2012, S. 30. 2013 legte Legrand seine Autobiographie Rien de grave dans les aigus (Éditions du cherche midi) vor.

Legrand war bis zu seinem Tod im Januar 2019 im Alter von 86 Jahren aktiv. Seine letzte Filmmusik entstand 2018 für den französischen Film Wo ist Albert? von Didier van Cauwelaert. Sein Grab befindet sich auf dem Cimetière du Père-Lachaise in Paris.

Privates Legrand war dreimal verheiratet: Von 1958 bis 1992 mit Christine Bouchard, von 1994 bis 2007 mit Isabelle Rondon und ab 2014 bis zu seinem Tod mit der Schauspielerin Macha Méril. Er hatte vier Kinder. Seine Tochter Eugénie, verheiratet mit dem Reiter Cédric Angot, ist als Springreiterin aktiv und nahm an den Olympischen Spielen 2004 teil. In: L’Eperon, 30. Mai 2004 (französisch) Seine ältere Schwester war die Vokalistin Christiane Legrand, Mitglied der Swingle Singers.

Bekannteste Lieder 1964: I Will Wait for You – aus dem Film Die Regenschirme von Cherbourg mit Catherine Deneuve 1968: The Windmills of Your Mind – aus dem Film Thomas Crown ist nicht zu fassen mit Steve McQueen und Faye Dunaway 1969: What Are You Doing the Rest of Your Life? – aus dem Film Happy End für eine Ehe mit Jean Simmons und John Forsythe 1971: The Summer Knows – aus dem Film Sommer ’42 mit Jennifer O’Neill 1982: How Do You Keep the Music Playing? – aus dem Film Zwei dicke Freunde mit Burt Reynolds 1983: Papa, Can You Hear Me? – aus dem Film Yentl mit Barbra Streisand

Filmografie (Auswahl)

Diskographische Hinweise 1954 I Love Paris 1955 Holiday in Rome 1955 Vienna Holiday 1959 Legrand Jazz 1963 Michel Legrand Big Band Plays Richard Rodgers 1964 Archi-Cordes 1964 Les Parapluies de Cherbourg [Original Soundtrack] 1967 Les Demoiselles de Rochefort 1968 At Shelly’s Manne-Hole 1969 Windmills of Your Mind, mit Bud Shank 1972 Sarah Vaughan with Michel Legrand 1983 After the Rain 1992 Legrand Grappelli 1993 Michel Plays Legrand 1995 Michel Legrand Big Band

Weblinks

Offizielle Website (englisch, Archivlink)

Einzelnachweise

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