In der Liste der Orte der Hep-Hep-Krawalle 1819 werden alle antijüdischen Ausschreitungen (mit den größten Ausmaßen in Würzburg, Frankfurt am Main, Hamburg und Kopenhagen) sowie auch vereinzelte Vorfälle wie einzelne Steinwürfe, „Hep-Hep“-Rufe oder Drohungen verschiedener Art im Zeitraum zwischen August und November 1819 dokumentiert und nach ihrem Ausmaß und dem Grad der Gewalttätigkeiten kategorisiert.

Überlieferung mini|Karte der Hep-Hep-Krawalle 1819 Für die Rekonstruktion der Hep-Hep-Krawalle gibt es Quellen und Darstellungen aus verschiedenen Überlieferungszusammenhängen (s. den Abschnitt im Artikel Hep-Hep-Krawalle). Eine umfangreiche Darstellung der Ereignisse in verschiedenen Städten und Ortschaften, in denen es zwischen August und November 1819 zu Vorfällen kam, hat Stefan Rohrbacher 1993 in seiner Dissertation Gewalt im Biedermeier vorgelegt, die in der 2020 erschienenen Gesamtdarstellung Tumulte – Excesse – Pogrome: Kollektive Gewalt gegen Juden in Europa 1789–1900 von Werner Bergmann ergänzt wurde. Darüber hinaus gibt es inzwischen einige Einzeldarstellungen zu bestimmten Orten, die in der Liste als Fußnote nachgewiesen werden.

Stefan Rohrbacher stellt zu seiner ausführlichen Rekonstruktion der Schauplätze der Hep-Hep-Krawalle fest:

Ergänzungen (in der alphabetischen Liste von Städten und Ortschaften) der Liste, die sich auf neue Quellenfunde oder Publikationen stützen, können gerne vorgenommen werden.

Übersicht Übersicht über die Vorfälle im Zusammenhang der Hep-Hep-Krawalle (für jeden Ort nur ein Eintrag): A Die drei schwersten, mehrere Tage andauernden Ausschreitungen B Schwere Ausschreitungen C Vereinzelte Vorfälle D Unklare Fälle

August1819September1819Oktober1819anderer oderunbekannter ZeitpunktinsgesamtA – Die vier schwersten, mehrere Tage andauernden AusschreitungenWürzburg Frankfurt/M.Hamburg Kopenhagen 4B – Schwere Ausschreitungen Bamberg BayreuthDarmstadt Heidelberg Heidingsfeld KarlsruheRimpar SommerachDanzig Odense Dormagen11C1 – Kleinere Tumulte, dabei vereinzelt eingeworfene Fensterscheiben oder Übergriffe gegen einzelne Personen Berlichingen Dresden Fulda Jagstberg Koblenz LeipzigMemmelsdorf Obergrombach Barchfeld Enger Güstrow Hilleröd Helsingör Meimbressen Naestved Schwerin Slagelse Vordingborg Hülchrath Rheinbreitbach Rheinbrohl 21C2 – Vereinzelte „Hep-Hep“-Rufe, Menschenaufläufe Bühl Burgkunstadt Kassel Lissa Aachen Bergen Berlin Bionville-sur-Nied Brugny-Vaudancourt Mühlhausen Rappoltsweiler Königsberg Durmenach Edenkoben Graz Kleve Künzelsau Schlettstadt Saarebourg Wien 20C3 – Vereinzelte Plakatanschläge, Schmierereien an Häusern, Drohbriefe oder Drohungen Breslau Düsseldorf Köln Mannheim Marburg Regensburg Zirndorf Elbing Grünberg Hamm Kreuznach Halle Ingelfingen Breitenbach Rotenburg Salmünster Volkmarsen17C4 – Andere oder nicht genauer ausgeführte vereinzelte Vorfälle Fürth Heidelsheim Leinach Mainz Pressburg Pforzheim Untergrombach Binningen Emmerich Krakau Malchin 11insgesamt372671484D – Unklare Fälle, fehlende Nachweise – werden nicht gezählt Ebermannstadt Hannover Hollfeld Meiningen Pottenstein Breisgau Amsterdam Helsinki Linz Prag Riga Straßburg

Liste von Städten und Ortschaften Alphabetische Liste von Städten und Ortschaften, in denen Vorfälle im Zusammenhang der Hep-Hep-Krawalle stattgefunden haben. Nur zitierte Primärquellen werden als Zitat eingerückt.

Ort Datum VorfallAachenPreußen September 1819 C2 – „Doch von vereinzelten Schmährufen abgesehen, wie sie etwa in Aachen gehört wurden […]“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 117AmsterdamNiederlande unbekannt D – Bergmann (2020) ordnet Amsterdam den Orten zu, in denen es nur zu kleineren Vorfällen gekommen war.Werner Bergmann: Tumulte ― Excesse ― Pogrome: Kollektive Gewalt gegen Juden in Europa 1789–1900, 2020, S. 139 f.: "In den verschiedenen Darstellungen der Hep-Hep-Unruhen gibt es allerdings teils Übereinstimmungen über die betroffenen Orte, teils finden sich in manchen aber auch Orte, die in anderen nicht aufgeführt sind, sowie Orte, die offenbar fälschlich benannt werden, da es dort zwar Spottgesänge, 'Hep-Hep'-Geschrei, Drohbriefe und Aufrufe und Plakatierungen gab, die dazu aufriefen, Juden zu vertreiben oder zu verprügeln, wobei es jedoch nicht zu nennenswerten Krawallen kam (z. B. in Koblenz, Köln, Düsseldorf, Hamm, Breslau, Berlin, Güstrow, Meiningen, Grünberg/Schlesien, Halle/Saale, Regensburg, Lissa/Posen, Elbing und Königsberg, Riga, Helsingfors, Amsterdam, Prag, Wien und Graz)." – unklar, mehr Nachweise erforderlich BambergOberfranken Bayern 8.–12. August 1819 B – „Es folgten ab dem 8. August mehrtägige Ausschreitungen in Bamberg, in denen die Fensterscheiben von Juden bewohnter Häuser eingeworfen wurden, obwohl Patrouillen der Bürgerwehr eingerichtet worden waren. Erst ab dem 12. Juli [Fehler im Text: August] kehrte wieder Ruhe ein.“ – Zitat Bergmann (2020), S. 152

"In der Nacht des 8./9. August fielen Ausschreitungen gegen die Juden in Bamberg vor. Auch durch verstärkte Patrouillen konnte nicht verhindert werden, dass in den folgenden Nächten erneut an verschiedenen von Juden bewohnten Häusern die Fensterscheiben eingeworfen wurden. – Zitat Rohrbacher (1993), S. 102 f.

Aufsatz von Johannes Staudenmaier: „Nach einem Bericht des in Bamberg geborenen und in Bayreuth tätigen Regierungsdirektors Friedrich Freiherr Lochner von Hüttenbach an den Minister des Innern Friedrich Graf von Thürheim vom folgenden Tag begannen die Aktionen mit einem Angriff auf ein Hauß vor dem Langgasser Thore, der sogenannten Salzlecke, welches ein Jud gekauft hat. Dem Würzburger Beispiel folgend wurden die Fenster eingeworfen. In der Nacht wurden weitere Häuser ins Visier genommen, auch dem Nathan Walter sowohl als mehreren anderen Juden wurden die Fenster unter dem lärmenden Geschrei Hep-hep eingeworfen. Dem Banquier Heßlein […] wird gedroht, daß in wenigen Tagen alle Juden aus ihren Häusern gejagt, und in die ehemalige Juden Gasse würden verwiesen werden. Wie in Würzburg begannen die antijüdischen Unruhen in Bamberg mit Zerstörung der Häuserfenster und Geschrei.“ An den folgenden Tagen kam es zu weiteren Ausschreitungen; am 12. August konnten die Krawalle beendet werden. BarchfeldKurhessenheute Thüringen Sept./Okt. 1819 C1 – „Zu Ausschreitungen, die sich aber offenbar auf Fenstereinwürfe beschränkten, kam es hingegen im September und Oktober in einigen Landgemeinden, so in der kurhessischen Exklave Barchfeld (Thüringen) und in Meimbressen.“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 108 BayreuthOberfranken Bayern 8. August 1819 B – „Ein ähnliches Muster [wie in Bamberg] zeigen die Krawalle am 11. und 12. August in Bayreuth, wo es bereits seit dem 8. August Drohbriefe und 'Hep-Hep'-Rufe gegeben hatte.“ – Zitat Bergmann (2020), S. 152 – mehr Nachweise notwendig, da es sich vermutlich um einen Vorfall der Kategorie B handelt „Am 11. August wurden an drei von Juden bewohnten Häusern einige Fensterscheiben eingeworfen; am Abend des 12. August kam es zu größeren Zusammenrottungen, und die Szenen vom Vortag wiederholten sich in bedeutenderem Ausmaß. Aus verschiedenen Gendarmeriestationen im weiten Umkreis wurden daraufhin Verstärkungen nach Bayreuth beordert. In den folgenden Nächten blieb es in Bayreuth 'ziemlich ruhig'“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 108

„Am 12. August 1819 kam es in Bayreuth erneut zu Ausschreitungen, bei denen Juden geschmäht und mit Steinen und Äpfeln beworfen wurden“ – Zitat auf der Seite Geschichte der Juden in Bayreuth (abgerufen am 17. Februar 2022)

Primärquelle : Bericht über die Hep-Hep-Krawalle Bayreuth mini|hochkant=0.8|Baireuther Zeitung vom 15. August 1819 BergenHessen Anfang September 1819 C2 – Primärquelle: Bericht über die Hep-Hep-Krawalle in Bergen bei Hanau mini|hochkant=0.8|Augsburgische Ordinari Postzeitung vom 17. September 1819

Nennung Im Hanauischen mit Datum in der „Übersicht über Ort und Zeit der tumultarischen Auftritte gegen die Juden in Deutschland 1819 mit dem Losungswort Hep-Hep“ (HStAM Best. 6 a Nr. 2548).Stadtarchiv Marburg: , 2019. BerlichingenWürttemberg 21./22. August 1819 C1 – In Württemberg kam es „vielerorts vorkommende 'Neckereien' und Zettel mit Drohungen gegen die Juden, die in einigen Orten, wie Berlichingen, auch zu Steinwürfen einiger junger Burschen gegen einige jüdische Häuser oder zu physischer Gewalt eines betrunkenen Soldaten gegen einen einzelnen Juden ausarten konnten.“ – Zitat Bergmann (2020), S. 158

„In Berlichingen wurden am 21. August durch 'ledige Pursehe' Steine gegen Türe und Fensterläden eines von Juden bewohnten Hauses geworfen; in der Nacht wiederholten sich diese Exzesse vor mehreren Häusern.“ – Rohrbacher (1993), S. 110 BerlinPreußen August 1819 C4 – Primärquelle : Bericht über die Hep-Hep-Krawalle in Berlin mini|hochkant=0.8|Augsburgische Ordinari Postzeitung vom 31. August 1819

„Ohne nennenswertes Echo blieben die 'Hepp-Hepp-Krawalle' in Berlin. […] Einen französischen Pressebericht, wonach 'schon einige recht stürmische Szenen an verschiedenen öffentlichen Plätzen' vorgefallen seien, zitiert Poliakov, Antisemitismus, S. 103-104“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 118

Nennung der Stadt mit Datum in der „Übersicht über Ort und Zeit der tumultarischen Auftritte gegen die Juden in Deutschland 1819 mit dem Losungswort Hep-Hep“ (HStAM Best. 6 a Nr. 2548)

Bergmann (2020) ordnet Berlin den Orten zu, in denen es nur zu kleineren Vorfällen gekommen war. – Bergmann (2020), S. 165 mehr Nachweise wünschenswert BinningenPreußen November oder Dezember 1819 C4 – „[…] waren in den Monaten November und Dezember auch in entfernteren Gegenden der Rheinprovinz erstmals mehr oder minder schwerwiegende Exzesse zu verzeichnen, so in Emmerich und Binningen (Mosel).“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 118 Bionville-sur-NiedFrankreich September 1819 C2 – „Solche 'Auftritte' [Hep-Hep-Rufe, kleine Tumulte] gab es auch in einigen kleineren Orten Lothringens (Brugny, Bionville-sur-Nied).“ – Zitat Bergmann (2020), S. 177

„Im Oktober berichtete das französische Innenministerium, daß die unruhigen Bewegungen gegen die Juden in Deutschland nun auch an mehreren Orten Lothringens ein Nachspiel gefunden hatten. Unordnungen waren in Saarburg und zwei kleinen Ortschaften im nördlichen Grenzgebiet, Brugny und Bionville-sur-Nied bei St. Avold, vorgekommen; doch hatten, sie sich offenbar auf 'Hepp-Hepp'-Rufe beschränkt.“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 123 BreisgauBaden Anfang September 1819 D – Primärquelle: Bericht über die Hep-Hep-Krawalle im Breisgau, ohne genaue Ortsangabe mini|hochkant=0.8|Augsburgische Ordinari Postzeitung vom 17. September 1819

Angaben zu ungenau – Kategorie D BreitenbachKurhessen Oktober 1819 C3 – „In Breitenbach bei Kassel verkündete ein Tagelöhner, 'daß den 18ten October eine Schlacht sein solle, wo alle Juden geschlachtet werden sollten, er wolle auch noch in alle Wirthshäuser gehen, um es weiter bekannt zu machen.'“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 108 BreslauPreußen August 1819 C3 – „In Breslau ließ ein Buchdrucker an den Straßenecken Plakate anbringen, die eine gegen die Juden gerichtete Flugschrift anpriesen. Am gleichen Tag wurde ein Aufruf gefunden, der zum Angriff gegen die Juden aufforderte; doch blieb es bei 'ein paar Neckereien der Juden in einem Schänkhause'.“ – Zitat Rohrbacher (1993), S. 115

Bergmann (2020) ordnet Breslau den Orten zu, in denen es nur zu kleineren Vorfällen gekommen war. Brugny-VaudancourtFrankreich September 1819 C2 – „Solche 'Auftritte' [Hep-Hep-Rufe, kleine Tumulte] gab es auch in einigen kleineren Orten Lothringens (Brugny, Bionville-sur-Nied).“ – Zitat Bergmann (2020), S. 177