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Max Franz Immelmann (* 21. September 1890 in Dresden; † 18. Juni 1916 bei Annay, Département Pas-de-Calais, Frankreich) zählte neben Oswald Boelcke und Manfred von Richthofen zu den bekanntesten deutschen Jagdfliegern des Ersten Weltkrieges. Seine Erfolge im Luftkampf trugen ihm bei seinen Gegnern den Beinamen „Adler von Lille“ ein. Er erhielt die höchste Tapferkeitsauszeichnung Preußens – den Orden Pour le Mérite.

Leben Kindheit und Jugend Max Franz Immelmann war der Sohn des Kaufmanns Franz August Immelmann (1858–1897), Inhaber einer Kartonagenfabrik, und dessen Ehefrau Gertrude Sidonie (1862–nach 1928), geborene Grimmer. Sie war die Tochter des Generalauditeurs Maximilian Bruno Grimmer (1818–1905). Immelmann hatte einen Bruder, den Röntgenologen Kurt Immelmann (Vater des Verhaltensbiologen Klaus ImmelmannWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 567.), und eine Schwester.

Seine ersten Jugendjahre verbrachte Immelmann im Dresdner Vorort Weißer Hirsch, wo er eine frühzeitige Veranlagung für alles Technische entwickelte. Nach dem Tod des Vaters oblag die Erziehung der Mutter. Immelmann, der das Königliche Gymnasium Dresdner-Neustadt besuchte, galt nicht als strebsam. Vom Beruf eines Soldaten hielt er zunächst nichts. Die Immelmanns zogen 1902 nach Braunschweig, wo Verwandte lebten und er das Herzogliche Gymnasium Martino-Katharineum besuchte. Die Familie kehrte 1904 nach Dresden zurück.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 11–15.

Kadetten-, Regiments- und Studienzeit mini|Leutnant Immelmann zwischen 1915 und 1916

Im April 1905 trat Immelmann als Kadett der Sächsischen Armee bei. Die Ausbildung erfolgte im königlich-sächsischen Kadettenkorps Dresden. Immelmann erkannte jedoch bald, dass ihm die militärische Lebensart missfiel und er stattdessen einen technischen Beruf erlernen wollte. Dies führte dazu, dass er 1908 aus dem Kadettenkorps austreten wollte. Auf Bitten der Mutter und vor dem Hintergrund eines späteren Studiums blieb er bis zu seinem Abiturabschluss.

Anschließend wurde er am 4. April 1911 als „(Portepee-)Fähnrich“ dem Eisenbahn-Regiment Nr. 2 in Berlin-Schöneberg überwiesen, wo sich Immelmann bei der Eisenbahn-Versuchs-Abteilung eine für ihn zufriedenstellende technische Betätigung erhoffte. Allerdings beschränkte sich diese nur auf die Anwendung technischer Bestimmungen. Dies bestärkte Immelmann in seinen Bestrebungen, auf eine Offizierslaufbahn zu verzichten, um Maschinenbau zu studieren. Auch der Besuch der Kriegsschule Anklam, zu der er im April 1911 abkommandiert worden war, änderte nichts mehr an seinem Beschluss, sich nach bestandenem Offiziersexamen in die Reserve versetzen lassen zu wollen. Mitte April 1912 wurde seiner Bitte entsprochen und Immelmann als sogenannter „Degen-Fähnrich“ zur Reserve beurlaubt; die eigentlich zeitnah anstehende Beförderung zum Leutnant unterblieb.

Im gleichen Jahr begann Immelmann an der Technischen Hochschule in Dresden sein Maschinenbaustudium, dessen erstes Arbeitssemester er im Reicker Turbinenwerk absolvierte. In seinem Studium wurde Immelmann Mitglied des Akademischen Turn-Vereins Alsatia Dresden und des ADAC, für den er 1913 bei der Harz-Winterprüfungsfahrt als Unparteiischer fungierte. Schließlich wurde Immelmann noch Mitglied des örtlichen Luftflottenvereins, wo er als Funktionär beim Dreiecksflug 1913/14 auf dem Flugplatz Dresden-Kaditz eingesetzt war.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 15–33.

Erster Weltkrieg 1914 Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges bewarb sich Immelmann bei der Inspektion der Fliegertruppen als Flugschüler. Zunächst erfolgte jedoch im Zuge der Mobilmachung am 20. August seine Reaktivierung zu seinem früheren Regiment. Der dortige Garnisonsdienst als Zugführer beschränkte sich auf die Aufsichtsführung sowie das Üben des Feldbahn-Betriebs. Die Aufgaben begannen Immelmann zu langweilen, so dass er um eine Versetzung zur Infanterie bat. Stattdessen wurde er Kompanieführer und in Ermangelung eines Leutnants Offizierstellvertreter. Am 12. November erfolgte seine Versetzung zur Fliegertruppe. Ab dem 13. November bildete ihn auf dem Flugplatz Johannisthal bei der Feldfliegerabteilung 2 sein Fluglehrer Friedrich Kempter praktisch aus. Der Theorieunterricht fand in Adlershof statt.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 37–47.

1915 mini|Ehrengeschenk an Max Immelmann anlässlich seines ersten Luftsieges am 1. August 1915 mini|Immelmanns erstes Kampfflugzeug, ausgestellt in der Dresdener Kriegsausstellung

Nach 54 Schulflügen absolvierte Immelmann am 31. Januar den ersten Alleinflug. Am 9. Februar bestand er die erste Pilotenprüfung und zwei Tage später die Feldpilotenprüfung. Am 4. März erfolgte seine Versetzung zum Armeeflugpark 3 in die nordfranzösische Gemeinde Rethel. Dort unternahm Immelmann vornehmlich Botenflüge und fungierte zugleich als Führer der Kraftwagenkolonne. Seine dritte und letzte Flugmeisterprüfung bestand Immelmann am 27. März.

Am 12. April wurde Immelmann zur Feldflieger-Abteilung 10 nach Vrizy versetzt, wo er als Artillerieflieger die ersten Fronteinsätze flog. Seine Aufgaben bestanden in der Erkundung gegnerischer Artilleriestellungen und in der Feuerleitunterstützung der eigenen Batterien. Ende April wurde er zur in Aufstellung begriffenen Feldflieger-Abteilung 62 nach Döberitz kommandiert. Hier traf Immelmann auf Oswald Boelcke. Nach Abschluss der Aufstellung wurde die Abteilung nach Pontfaverger verlegt und von dort weiter nach Douai, wo sie auf dem nahen Flugplatz Brayelle stationiert wurde. Unterstellt war die Abteilung der 6. Armee. Im Juni erfolgte die teilweise Umrüstung der Abteilung auf den Jagdeinsitzer Fokker E.I, der mittels Unterbrechergetriebe das Schießen durch den Propellerkreis ermöglichte. Zunächst flog Immelmann als Aufklärer mit dem Auftrag, gegnerische Stellungen und Truppenbewegungen zu dokumentieren. Bis zum 25. Juni hatte er 21 Flüge absolviert. Neben Aufklärungs- und Sperrflügen betätigte sich Immelmann als Begleitschutz. Im Juli erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse sowie die Friedrich-August-Medaille in Silber. Zugleich erfolgte am 14. Juli seine Beförderung zum Leutnant der Reserve. Am 30. Juli flog Immelmann erstmals die Fokker E.I. Als am 1. August der von der Feldflieger-Abteilung genutzte Flugplatz bombardiert wurde, konnte Immelmann nach kurzem Luftkampf eine B.E.2 zur Landung zwingen. Für seinen ersten Luftsieg wurde Immelmann noch am gleichen Tag das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 46–105.

Seinen zweiten Abschuss errang Immelmann im gemeinsamen Wirken mit Boelcke am späten Abend des 9. September gegenüber einem französischen Artillerieflieger. Zwei weitere Abschüsse gegen Flugzeuge des Royal Flying Corps gelangen ihm am 21. September bei Willerval und am 10. Oktober nordwestlich von Lille. In Würdigung seiner bisherigen Leistungen belieh ihn der sächsische König Friedrich August III. am 13. Oktober mit dem Ritterkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens.Der Königlich Sächsische Militär-St. Heinrichs-Orden 1736–1918. Ein Ehrenblatt der Sächsischen Armee. Wilhelm und Bertha von Baensch-Stiftung, Dresden 1937, S. 344. Zuvor hatte er am 10. September das Ritterkreuz des Albrechtsordens mit Schwertern erhalten. Am 26. Oktober bezwang Immelmann einen französischen Doppeldecker. Seine anhaltenden Erfolge brachten ihm unter seinen Gegnern den Beinamen „Adler von Lille“ ein.Kai Biermann, Erhard Cielewicz: Flugplatz Döberitz. Geburtsort der militärischen Luftfahrt in Deutschland. Ch. Links Verlag 2005, S. 62. Nach seinem sechsten Luftsieg am 7. November westlich von Douai mit anschließendem Festmahl an der Hoftafel von Rupprecht von Bayern bekam Immelmann am Folgetag aus den Händen seines Königs Friedrich August III. einen Wandteller aus Meißner Porzellan. Als weitere Auszeichnung in diesem Monat erhielt er das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 106–134.

Nach einem Heimaturlaub und seiner Rückkehr zur Truppe wurde Immelmann eine weitere Ehrung zuteil, als ihm der Kronprinz von Bayern den Militärverdienstorden III. Klasse mit Schwertern überreichte. In das Luftkampfgeschehen griff Immelmann wieder am 15. Dezember ein, nachdem er wenige Tage zuvor eine Bruchlandung mit Überschlag heil überstanden hatte. An jenem Tag schoss er über Valenciennes einen zweisitzigen britischen Eindecker ab. In der zweiten Dezemberhälfte flauten die Luftkämpfe ab und zum Weihnachtsfest wurden Immelmann und Boelcke mit dem Ehrenbecher für den Sieger im Luftkampf ausgezeichnet.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 135–148.Johannes Werner: Boelcke. Der Mensch, der Flieger, der Führer der deutschen Jagdfliegerei., v. Haase & Koehler Verlag, Leipzig 1932, S. 127.

1916 mini|Immelmann und seine Fokker E.I

Am Morgen des 12. Januar schoss Immelmann bei Bapaume einen Vickers-Doppeldecker ab. Für ihre achten Abschüsse wurden Immelmann und Boelcke noch am Abend des gleichen Tages mit der höchsten preußischen Kriegsauszeichnung, dem Orden Pour le Mérite, ausgezeichnet. Dies waren die ersten beiden Verleihungen an Angehörige der Fliegertruppe.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1942, S. 144–147.Johannes Werner: Boelcke. Der Mensch, der Flieger, der Führer der deutschen Jagdfliegerei. v. Haase & Koehler Verlag, Leipzig 1932, S. 136.

Nach einem weiteren erfolgreichen Luftkampf am 2. März zwischen Lens und Arras gegen einen britischen Doppeldecker schoss Immelmann im Verlauf des 13. März zwei Flugzeuge ab, denen am 29. März ein weiteres folgte. In der Zwischenzeit hatte er den Luftschutz für die am Boden kämpfenden Hamburgischen Regimenter übernommen, wofür ihm der regierende Bürgermeister Carl August Schröder bei einem Frontbesuch seiner Truppen das Hanseatenkreuz seiner Stadt verlieh. Nach seinem 13. Abschuss am 30. März erhielt Immelmann, der bis dahin etwa 450 Einsätze geflogen hatte, in Anerkennung seiner Verdienste ein Dankschreiben des Kaisers Wilhelm II.Franz Immelmann (Hrsg.): Immelmann. „Der Adler von Lille“. v. Hase & Koehler Verlag Leipzig 1942, S. 152–164. und Friedrich August III. belieh ihn mit dem Komturkreuz II. Klasse des Militär-St.-Heinrichs-Ordens.Der Königlich Sächsische Militär-St. Heinrichs-Orden 1736–1918. Ein Ehrenblatt der Sächsischen Armee. Wilhelm und Bertha von Baensch-Stiftung, Dresden 1937, S. 91.