Das Baionnette du Fusil Mauser Modele 1889 (kurz: Baionnette Mle 89) war ein Bajonett der belgischen Armee für das Mauser Model 1889 und wurde ab 1892 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eingesetzt.

Entwicklung Im Oktober 1889 führte die belgische Armee als erste weltweit das neue Gewehr vom Typ Mauser Model 1889 (Originalbezeichnung: Fusil à répétition, Système Mauser, Modèle 1889) ein, wobei die ersten Gewehre erst im Februar 1892 ausgeliefert wurden. Speziell für dieses Gewehr musste eine Nahkampfwaffe zum Aufstecken entwickelt werden, da man in der damaligen Zeit noch immer häufiger von Nah- als von Fernkämpfen ausging. So wurde zeitnah das Baionnette Mle 89 in zwei Varianten entwickelt und am 21. März 1892 in den Bestand der Armee aufgenommen. Damit hatte Belgien einen großen Schritt zur Modernisierung seiner Armee durchgeführt.

Produktion Die Herstellung des Baionnette Mle 89 wurde von verschiedenen Herstellern durchgeführt und unterschiedlichen Zeiten. Den Beginn machen die Fabrique Nationale d'Armes de Guerre de Herstal (kurz: FN Herstal) und die Manufacture d’armes de l’État (kurz: MAE). Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen im August 1914 fielen diese Produktionsstätten in deutsche Hände und die Produktion musste zu Hopkins & Allen in Großbritannien und in die Vereinigten Staaten ausgelagert werden.

Hersteller Datum Produktionszahl Fabrique Nationale d'Armesde Guerre de Herstal 1889–1914 Manufacture d’armes de l’État 1889–1914 Hopkins & Allen (Birmingham) 1914 Hopkins & Allen (Norwich) 1914

Die Kennzeichnungen und Markierungen waren sehr minimalistisch gehalten. So befindet sich auf der Fehlschärfe ein Abnahmestempel und auf der Parierstange und dem Schneidehaken die individuelle Seriennummer des Bajonetts.

Beschreibung M1889 Vom Baionnette Mle 89 gab es insgesamt zwei verschiedene Varianten. Zum einen eine kurze Variante mit einer Klingenlänge von 25 cm und einer Gesamtlänge von 37,6 cm. Diese kurze Variante wurde auch als Baionnette-poignard Mle 89 (deutsch: Messerbajonett) bezeichnet und von der Bürgerwehr, der Militärpolizei oder den Festungstruppen genutzt. Die zweite Variante war mit einer Klingenlänge von 55 cm und einer Gesamtlänge von 67,6 cm deutlich länger. Diese lange Version, auch als Baionnette-sabre Mle 89 (deutsch: Schwertbajonett) bezeichnet, wurde von der Infanterie, den Pionieren und der Kavallerie genutzt. Vom Aufbau und den verwendeten Materialien waren beide Varianten identisch.

In der Länge ist die Klinge einschneidig mit einer beidseitigen Hohlkehle. Die Spitze der Klinge hingegen ist zweischneidig. Gedacht war das Bajonett nicht nur für den Kampfeinsatz gegen andere Soldaten, sondern auch für den täglichen Gebrauch des Soldaten, wie das Schneiden von Lebensmitteln oder für handwerkliche Tätigkeiten. Der Griff besteht aus zwei Holzplatten, welche mit zwei Schrauben am Erl befestigt sind. Der Knauf verfügt über einen T-förmigen Schlitz und einen Federverschluss mit einer innen angebrachten Schraubenfeder für die Befestigung am Gewehr. Die Parierstange hat ein nach vorn gebogenes Ende, welches in einer charakteristischen Kugel endet. Auf der Rückseite der Klinge befindet sich ein Mündungsring für den Lauf des Gewehres. Die Scheide für das Bajonett ist in frühen Modellen aus Leder mit Blechbeschlägen, in späteren Modellen aus Stahl gefertigt und verfügt über einen Froschhaken, welcher typisch für die belgische Ausrüstung war.

M1889/36 In der Zwischenkriegszeit, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, führten die Konstrukteure einige Änderungen am Bajonett durch. Um das Bajonett für das neue Mauser Model 1889/36 weiterhin nutzen zu können, wurden einige kleinere Änderungen am Schaft durchgeführt.

Einsatz Belgien Das Baionnette-sabre Mle 89 war im Ersten Weltkrieg das Standardbajonett der belgischen Truppen an der Kriegsfront. Im Ersten Weltkrieg wurde das Bajonett das erste Mal im Kampf eingesetzt. Das spätere Baionnette Mle 89/36 wurde von den belgischen Kolonialtruppen in Belgisch-Kongo zusammen mit dem Mauser Model 1889/36 eingesetzt.

Deutsches Kaiserreich Nach dem es den Truppen des Deutschen Kaiserreiches gelungen war, die Fabriken von FN und MAE in Herstal zu erobern, gelangten sie an einen größeren Bestand des Baionnette Mle 89. Viele davon wurden mit erbeuteten Gewehren unverändert weiter genutzt, während man einen anderen Teil für die Nutzung auf anderen Gewehren umbaute.

Wehrmacht Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien während des Westfeldzuges, gelangten mehrere Baionnette Mle 89 in den Besitz der Wehrmacht. In der Dienstvorschrift Kennblätter fremden Geräts wurde das Bajonett als Seitenwaffe 101 (b) geführt.

Siehe auch Liste von Bajonetten gemäß den Kennblättern fremden Geräts D 50/1

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Bajonett Kategorie:Militärische Klingenwaffe