mini|hochkant=2|Mai 1919, die Imperator (links) und USS Leviathan ex Vaterland (gemeinsam in Hoboken, New Jersey) Die US-Truppentransporte im Ersten Weltkrieg wurden vorwiegend mit britischen und US-amerikanischen Schiffen durchgeführt, darunter rund 20 in den USA internierten deutschen Passagierschiffen, wie die Vaterland, seinerzeit eines der größten Schiffe der Welt.
mini|Deutsche Auflieger in New York mini|hochkant|Deutsche Auflieger in Boston, Norfolk und Philadelphia mini|hochkant|Zwei aufgelegte deutsche Hilfskreuzer am 28. März 1917 in Philadelphia. Die Prinz Eitel Friedrich (später USS DeKalb) und dahinter Kronprinz Wilhelm (später Von Steuben)
Als die Vaterland, das zweite der drei Imperator-Klasse-Schiffe der Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG) unter Führung ihres Vorsitzenden Albert Ballin ihre Jungfernfahrt in New York am 23. Mai 1914 beendete, veranstaltete der deutsche Botschafter Johann Heinrich von Bernstorff einen Mittagsempfang. US Navy Captain Albert Gleaves, Kommandant der New York Navy Yard, war ein geladener Gast. Er sprach mit einem der nautischen HAPAG-Offiziere und erkundigte sich nach dem Potenzial des Schiffes, sollte es im Kriegsfall Truppen transportieren.
Auch die Vaterland wurde zum Truppentransporter umgebaut und hieß Leviathan, nachdem die USA dem Deutschen Kaiserreich den Krieg aufgrund der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs erklärte. Der deutsche Kaiser und die Militärführung rechneten nicht mit dieser Antwort, weil die USA nach ihrer Meinung nicht in der Lage sein würden, eine Armee mit Ausrüstung über den Atlantik zu transportieren und zu versorgen. Um ihre Verbündeten zu unterstützen, wollten die USA zum Frühsommer 1917 eine erste Infanteriedivision nach Frankreich schicken. Die Schiffe der ersten Konvois, die aus Handelsschiffen und den Eskorten bestand, wurden im Juni 1917 aufgestellt. General John J. Pershing wurde 1917 zum Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa ernannt und Admiral Gleaves erhielt 1917 das Kommando zur Realisierung der Truppentransporte nach Frankreich.
Zu dieser Zeit lagen rund 90 deutsche Schiffe, davon neunzehn Passagierschiffe sowie zwei deutsche Hilfskreuzer, in den US-Häfen. Sie wurden interniert wie die Vaterland oder die President Lincoln und hatten 1914 bei Kriegsbeginn und auch später, wie der zum Hilfskreuzer umgebaute Dampfer Prinz Eitel Friedrich, in den Häfen der Vereinigten Staaten Schutz vor der britischen Marine gesucht und wurden hier aufgelegt. Nach dem Umbau zum Truppenschiff wurde die Vaterland am 6. September 1917 in Leviathan umbenannt und die erste Reise des Schiffes startete am 17. Dezember 1917 von New York mit 7.250 Soldaten, später waren es sogar 12.000 Soldaten. Sie war eines von fünfundvierzig US-amerikanischen Schiffen der US Navy, die etwa die Hälfte der über zwei Millionen US-Soldaten nach Frankreich brachten und war mit anderen deutschen Schiffen maßgeblich an dem Erfolg der Amerikaner und Alliierten während des Ersten Weltkriegs beteiligt. Sie beförderten auf 164 Reisen fast 600.000 Mann, etwa ein Viertel der US-Soldaten.
Februar 1917 Uneingeschränkter U-Boot-Krieg, 6. April 1917 Kriegserklärung der USA 1915 war der Uneingeschränkte U-Boot-Krieg wegen des „Lusitania-Zwischenfall“ eingestellt worden. Im Januar 1917 kündigte das deutsche Kaiserreich in einer Note an die Vereinigten Staaten die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges zum 1. Februar an. Ebenfalls im Januar 1917 entschlüsselte der amerikanische Geheimdienst die Zimmermann-Depesche, ein deutsches Bündnisangebot an Mexiko für den Fall, dass die USA in den Krieg eintreten sollte.
Die USA brachen am 3. Februar die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab.Jahreschronik 1917 In den USA regierte Woodrow Wilson, er hatte am 7. November 1916 die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten mit knappem Vorsprung gewonnen und wurde für eine zweite Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt. Der deutsche Kaiser und die Militärführung rechneten nicht damit, dass die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg eintreten würden. Auch weil sie nach Meinung der Militärführung nicht in der Lage wären, eine Armee mit der notwendigen Ausrüstung über den Atlantik zu transportieren und zu versorgen.
Im April 1917 votiert der US-Senat jedoch mit 82 zu sechs Stimmen für eine Kriegserklärung an das Deutsche Reich und wurde mit großer Mehrheit vom US-Repräsentantenhaus bestätigt. Die Vereinigten Staaten erklärten dem Deutschen Reich am 6. April 1917 den Krieg.Formal U.S. Declaration of War with Germany, 6 April 1917. (englisch: Wikisource).
7. Mai 1917 General John J. Pershing wird Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa mini|hochkant|General John J. Pershing Um ihre Verbündeten zu beruhigen, waren die USA entschlossen, bis zum Frühsommer eine Infanteriedivision nach Frankreich zu schicken. Am 7. Mai 1917 wurde General John J. Pershing nach Washington befohlen. Präsident Woodrow Wilson ernannte ihn zum Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, der sogenannten American Expeditionary Forces. Am 28. Mai fuhr Pershing nach Frankreich, um die Ankunft der amerikanischen Schiffe und Soldaten vorzubereiten. Das US-Heer und die US-Marine waren für den Transport der Soldaten über den Atlantik jedoch nicht ausgestattet, und da auch die Handelsmarine nur über wenig hochseetüchtige Passagierschiffe verfügte, wurde ein Komitee beauftragt, sich um geeignete neue und gebrauchte Schiffe zu kümmern. Da die benötigten Stahlmengen für Neubauten kurzfristig nicht zur Verfügung standen, sollten als erste Lösung Holzschiffe konstruiert und gebaut werden. Diese Idee wurde schnell verworfen, vor allem jedoch, da in amerikanischen Häfen viele große deutsche Passagierschiffe auflagen.
23. Mai 1917 Admiral Albert Cleaves erhält das Kommando über den Truppentransport mini|hochkant|Albert Gleaves 1917 Als die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten, hatte Admiral Albert Cleaves das Kommando über die Zerstörer der Atlantikflotte. Am 23. Mai 1917 wurde er in Washington vom Marineminister Josephus Daniels darüber informiert, dass er im Rahmen der American Expeditionary Forces (AEF) den ersten Konvoi nach Frankreich kommandieren sollte. Am 29. Mai, erhielt er den Befehl, der ihn zum „Commander of Convoy Operations in the Atlantic“ ernannte. Vom Panzerkreuzer Seattle aus begab er sich nach New York, um die dafür notwendigen Vorbereitungen zu beschleunigen. Damit wurde der Grundstein für die bis dahin größte Transportflotte der Geschichte gelegt.
Mai bis Juni 1917 Auswahl der amerikanischen Truppentransporter Es gab wenig geeignete US-Schiffe für den transatlantischen Konvoibetrieb und es war notwendig, Hochseeschiffe zu requirieren und sie so schnell wie möglich für den Truppentransport umzubauen. Der 1898 gegründete Army Transport Service wurde beauftragt, die verfügbaren Schiffe zu sichten. Sie wählte im Mai 1917 Schiffe für diesen Zweck aus, darunter auch die Finland. Sie wurde am 2. Juni 1917 als letztes der 14 amerikanisch-registrierten Schiffe der US Army übergeben.
Zur Umrüstung der beschlagnahmten bzw. gecharterten Schiffe zu Hilfsschiffen der U.S. NavyIndex der Hilfsschiffe der U.S. Navy im Ersten Weltkrieg, 1917–1919 wurden sie entsprechend umgebaut, mit Kanonen bewaffnet, mit Ausguckstationen und einem Kommunikationssystem sowie entsprechenden Truppenunterkünften ausgestattet. Die Methode der Versorgung und Art der Verpflegung wurden ausgearbeitet und die sanitären Verhältnisse auf den Schiffen so weit wie möglich optimiert. Die Zahl der gelieferten Rettungsgürtel lag pro Schiff 10 Prozent über der Zahl der geplanten Passagiere. Es wurden ausreichend Rettungsflöße bereitgestellt und an allen möglichen Stellen angebracht, so dass alle Personen auf den Rettungsbooten und -flößen untergebracht werden konnten, auch wenn das Schiff wegen Schlagseite nur einseitig zu verlassen war.
Juni 1917 Die Finland wird Truppentransporter Die Finland war wie auch die zwei Kühlschiffe PastoresKühlschiff Pastores und TenadoresKühlschiff Tenadores der ersten Konvoigruppe bis zur Kriegserklärung in Fahrt, hatte also nicht wie die deutschen Schiffe 3 Jahre aufgelegen. Die Finland wurde innerhalb von nur zwei Wochen für den Kriegseinsatz umgerüstet. Dazu wurde sie bewaffnet und sämtliche Unterkünfte der Passagiere wurden demontiert und durch Schlafsäle ersetzt.USS Finland. Weitere sanitäre Anlagen und Kombüsen wurden eingebaut und schon am 14. Juni 1917 legte die Finland mit dem 18. Infanterieregiment an Bord in New York nach Brest ab. Sie war mit 12.000 BRT der größte der Truppentransporter in den insgesamt vier Konvoigruppen dieser ersten Expedition. Sie befand sich in der 3. Gruppe und es folgten nach Abschluss dieser 1. Überfahrt zahlreiche weitere Truppenfahrten von New York Frankreich.
Aufgelegte Schiffe wurden Truppentransporter mini|hochkant|Ventilgehäuse, Reparierte Sabotage
Rund 20 deutsche Passagierschiffe hatten 1914 bei Kriegsbeginn in den Häfen der Vereinigten Staaten Schutz vor der britischen Marine gesucht, wurden hier aufgelegt und von Notbesatzungen in Betrieb gehalten. Von der berühmten Schnelldampferklasse der Kaiserklasse des Norddeutschen Lloyd mit vier Dampfern lagen drei in Häfen der USA, die Kronprinz Wilhelm (1901 bis 1923; Schwesterschiff der Kaiser Wilhelm der Große; 23,51 Knoten Maximalgeschwindigkeit, Blaues-Band-Gewinner und Hilfskreuzer der Kaiserlichen Marine, umbenannt in USS Von Steuben), die Kaiser Wilhelm II. (1902 bis 1940; 23,58 Knoten Maximalgeschwindigkeit, Blaues-Band-Gewinner und als Truppentransporter umbenannt in USS Agamemnon) und die Kronprinzessin Cecilie (1907 bis 1940; 23,6 Knoten Maximalgeschwindigkeit; umbenannt in USS Mount Vernon) Sie wurden für Truppentransporte eingesetzt.
Als sich die Verhältnisse zwischen Deutschland und den USA im Laufe der Kriegsjahre änderten und der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten wahrscheinlicher wurde, wollten die deutschen Besatzungen verhindern, dass diese Schiffe gegen Deutschland eingesetzt würden und verübten Sabotage. Sie demontierten wichtige Teile an Deck und auf der Brücke, zerstörten in den Maschinenräumen die Ventile sowie die Zylinder der riesigen Dampfmaschinen und ließen Ersatzteile verschwinden. Die amerikanischen Werften waren findig und mit dem Einsatz des noch neuen elektrischen Schweißverfahren konnte vieles repariert werden. mini|hochkant|Tabelle F mit Daten zur Transportleistung der 10 vorderen Schiffe
Juli 1917 Vaterland, Umbau in das US-Truppenschiff Leviathan Die nicht demontierten Schiffe wie die riesige Vaterland, war schnell umgebaut. Mit 52.000 BRT seinerzeit eines der größten Schiffe der Welt, traf sie Ende Juli 1914 in New York City ein, gerade als der Erste Weltkrieg ausbrach. Aufgrund der britischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren war es fraglich, ob eine sichere Rückkehr nach Deutschland möglich war. Daher wurde sie im Hafen von Hoboken, aufgelegt und blieb hier fast drei Jahre lang liegen. Das Schiff wurde beschlagnahmt und im Juli 1917 der Marine zum Umbau in ein Truppenschiff übergeben. Sie passte aufgrund ihrer Größe in kein Dock und daher wurde das Unterwasserschiff von Tauchern vom Bewuchs (Fouling) gereinigt. Nach Fertigstellung wurde sie am 6. September 1917 in Leviathan umbenannt und nach der Probefahrt nach Kuba erfolgten die ersten beiden Reisen als Truppentransporter am 17. Dezember 1917 von New York aus mit 7.250 Soldaten nach Liverpool.Vaterland.
mini|hochkant|Aufstellung der Konvoigruppen 1 bis 4