mini|Blick von Norden (vom Turm der Johanniskirche) auf das südliche Ende der Großen Junkerstraße mit der Einmündung auf die Berliner Straße, Aufnahme vor 1922 mini|Große Junkerstraße auf einem Stadtplan aus der Zeit um 1885, Karte nicht eingenordet, Norden ist rechts, recht ist das Rathaus und die Johanniskirche zu erkennen mini|Einmündung der Großen Junkerstraße (rechts des zum Haus Johannisbergstraße 3 gehörenden Turms) auf die Johannisbergstraße, etwa Mitte des 19. Jahrhunderts Die Große Junkerstraße war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße aufgegeben.
Lage und Verlauf Die Straße befand sich im östlichen Teil der Magdeburger Altstadt. Sie begann gegenüber der südöstlichen Ecke des Magdeburger Rathauses, wo sie von der Johannisbergstraße nach Süden abging. Von Westen her mündete nach kurzer Strecke die Dreienbrezelstraße ein. Etwas weiter südlich traf von Osten her die Kleine Junkerstraße auf die Große Junkerstraße. Noch weiter südlich ging ebenfalls auf der Ostseite die kleine Gasse Zeisigbauer ab. Am südlichen Ende mündete die Straße auf die Berliner Straße ein. Etwas versetzt mündete auf der gegenüberliegenden Seite der Berliner Straße die Straße Pfeifersberg ein. Der Verlauf der Straße folgte der oberen Kante des nach Osten dann zur Elbe hin abfallenden Geländes. Die Länge der Straße betrug etwa 200 Meter.
Die Hausnummerierung verlief von der Nummer 1 an der südöstlichen Ecke zur Berliner Straße aufwärts entlang der Ostseite. Nach der Nummer 2 erfolgte die Einmündung des Zeisigbauers, nach der Nummer 4 die der Kleinen Junkerstraße. Es folgte die Nummer 5 und ein sehr langgestreckter schon zum Eckhaus Johannisbergstraße 3 gehörender Gebäudeflügel, der mit zwei historischen Dreiecksgiebeln das Erscheinungsbild des nördlichen Teils der Straße dominierte. An der gegenüberliegenden, nordwestlichen Ecke befand sich die Nummer 6. Von dort liefen die Nummern auf der Westseite aufsteigend nach Süden. Nach der Nummer 11 mündete die Dreienbrezelstraße ein. An der südwestlichen Ecke zur Berliner Straße hin befand sich das Eckhaus mit der Nummer 19.
Heute befindet sich an dieser Stelle in etwa der südlich der Johannisbergstraße verlaufende Teil der Jakobstraße. Der Bereich der ehemaligen Großen Junkerstraße quert die heutige Ernst-Reuter-Allee und verläuft dann weiter in südlicher Richtung am östlichen Ende des Allee-Centers.
Geschichte Anfänglich wurde der Straßenzug nicht als einheitliche Straße betrachtet und im nördlichen und südlichen Teil unterschiedlich benannt. Die Unterscheidung ergab sich insbesondere, da der mittlere Abschnitt, etwa im Bereich der Häuser 14/16 sehr schmal war. Ursprünglich musste man gegenüber dem Zeisigbauer um eine Ecke biegen, um in den südlichen Teil zu gelangen, der auch nicht in gerader Fortsetzung des nördlichen Abschnitts verlief. In einer Juninacht im Jahr 1815 brach dort ein Feuer aus, das fast die Hälfte der Häuser der Straße zerstörte. Beim bis 1817 erfolgten Wiederaufbau wurde dieser Bereich nach Westen hin verbreitert. Insgesamt wurde die Straße begradigt und neu gepflastert.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, Fürstenwallstraße in STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 37
Der nördliche Teil der Straße, zwischen Rathaus und Zeisigbauer, hieß ursprünglich Sperlingsberg. Die Bezeichnung könnte im Sinne eines nur kleinen Berges gemeint gewesen sein. Denkbar wäre, dass das abschüssige Gelände zwischen der Großen Junkerstraße und der etwas weiter östlich verlaufenden Johannisfahrtstraße insgesamt als Sperlingsberg bezeichnet und so zeitweise auch auf den Straßenverlauf angewandt wurde. Der nördlichste Teil der Straße wurde zeitweise auch zum Johanniskirchhof gezählt.
An der Einmündung der Kleinen Junkerstraße befand sich eine kleine platzartige Erweiterung. Sie trug in der letzten Zeit keinen gesonderten Name, bis um die Zeit um 1700 wurde der Platz jedoch als Trommelsberg bezeichnet. Diesen Namen erhielt später die etwas weiter östlich verlaufende Straße Trommelsberg. Zum Teil wurde nur die Bezeichnung der Plan verwendet. Der Platz war zeitweise klar viereckig gefasst und wurde erst bei Wiederaufbau nach dem Brand so nach Westen erweitert, dass die klare platzartige Umgrenzung verloren ging.
Der mittlere Teil zwischen Einmündung von Kleiner Junkerstraße und Zeisigbauer wurde in einer Erwähnung aus dem Jahr 1717 als Gelbelöwenstraße bezeichnet. Der Name orientierte sich am dort befindlichen Haus zum gelben Löwen in der Großen Junkerstraße 4.
Der südlichste Teil der Großen Junkerstraße, zwischen Zeißigbauer und Berliner Straße, ist urkundlich als up dem pole iegen dem ummelop in Niederdeutsch (hochdeutsch: auf dem Pfuhl gegen den Umlauf) überliefert. Eine erste Erwähnung als auf dem Pfuhl findet sich bereits im Jahr 1523 im Zinsregister des Klosters Unser Lieben Frauen. Die Bedeutung der Benennung als Pfuhl ist unklar. Es gibt Vermutungen, dass in diesem Bereich Wasserbecken als Vorsorge für den Brandschutz angelegt worden waren. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass der Wasserablauf in diesem Bereich schlecht geregelt war und sich so häufiger Pfützen und stärker vernässte Stellen bildeten. Vermutlich wurde dieses Problem zum Ende des 16. Jahrhunderts gelöst, so dass mit der Vernässung auch der Name verschwand. Die Bezeichnung Umlauf benennt eine Straße die in einem Bogen verläuft. Die Benennung Umlauf war noch bis Anfang des 18. Jahrhunderts für den südlichen Teil der Großen Junkerstraße gebräuchlich, die in einem Bogen in den unteren Teil der Berliner Straße in Richtung Altem Brücktor verlief.
Als weiterer Name ist bereits 1552 Schreckenstraße, auch in den Schreibformen Schrickenstraße, Schröckenstraße und Schrackenstraße, überliefert. Diese Bezeichnung ging möglicherweise auf eine hier ansässige Familie zurück. Ein konkreter Nachweis für das 16. Jahrhundert besteht schon aufgrund für diese Zeit fehlender Unterlagen nicht, für das 17. Jahrhundert ist in benachbarten Straßen eine Familie Schreck, auch Schricke belegt, jedoch in größerer Zahl belegt. Der südliche Teil der Großen Junkerstraße wurde zeitweise auch als Teil der Kuhstraße, der späteren Berliner Straße, geführt.
Der Name Junkerstraße wurde erstmals 1631, allerdings nur für den Bereich der späteren Kleinen Junkerstraße erwähnt. Er könnte auf die Stadtjunker verweisen, die möglicherweise in diesem Bereich lebten. Hierbei handelte es sich um erzbischöfliche, adlige Dienstfamilien, die vor der Einführung der bürgerlichen Selbstverwaltung im Regiment der Stadt saßen. Diese Deutung würde allerdings darauf verweisen, dass der Name bereits erheblich älter sein müsste und bereits auf eine Situation aus der Zeit vor 1200 verweist. Die Unterscheidung zwischen Großer und Kleiner Junkerstraße wurde erst seit etwa 1660 gemacht. Da die Kleine Junkerstraße die ältere Straße mit dieser Bezeichnung war, wurde sie zunächst als Große Junkerstraße bezeichnet und die spätere Große Junkerstraße dementsprechend als Kleine Junkerstraße. In der Zeit ab 1750 empfand man diese, den tatsächlichen Größenverhältnissen widersprechende Benennung als unpassend, so dass die Namen getauscht wurden. Seit dieser Zeit war der Name Große Junkerstraße gebräuchlich.
In der Straße befand sich ein 1523 als Haus Zum roten Herzen bezeichnetes, später unter dem Namen Zum roten Hahn geführtes Gebäude, dessen genaue räumliche Zuordnung unklar ist. In der Zeit nach 1631 war der Name nicht mehr gebräuchlich.
1831/1832 wohnten in der Straße 232 Menschen in 19 Gebäuden.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 65 In der Zeit um 1873 wurde die Straße verbreitert. Zumindest wurde vom Grundstück des im Umbau befindlichen ehemaligen Waisenhauses seitens der Stadt ein Streifen Land angekauft.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 557
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Magdeburger Innenstadt und dabei auch der Bereich der Großen Junkerstraße schwer zerstört. In der Zeit der DDR erfolgte ein Wiederaufbau der Innenstadt, der sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur hielt. Die Große Junkerstraße wurde dabei aufgegeben und Teil einer ausgedehnten Grünfläche bzw. durch veränderte neue Straßenzüge der Jakobstraße und der damaligen Wilhelm-Pieck-Allee (heutige Ernst-Reuter-Allee) überbaut. In der Zeit nach der friedlichen Revolution in der DDR wurde der Bereich westlich des Südteils mit dem Allee-Center neu bebaut.
Historische Häuser der Großen Junkerstraße
Hausnummer Name Bemerkungen Gewerbliche Nutzung vor der ZerstörungMagdeburger Adreßbuch 1939, Verlag August Scherl Nachfolger, Teil II, Seite 91 f. Bild 1a Das Gebäude wurde als Brauhaus geführt. Die Hinterhäuser des Anwesens entsprachen den Gebäuden Zeisigbauer 2 und 3. Vor dem Jahr 1631 gehörte es zunächst Joachim Wilde, später bis 1630 seinem Enkel, dem Brauer Adam Horn. Im Jahr 1630 kaufte es der Kämmerer Johann Löde, nach anderen Angaben Mathias Löder. Nach dem Jahr 1631 war er aber nicht in der Lage die Summe zu bezahlen, so dass das Gebäude an die Erben zurückfiel. Im Innungskinderbuch der Bauer wird es 1648 als Besitz von Peter Hengkel genannt. Im Jahr 1652 gehörte es Adam Horn junior. Das Grundstück war dann Gegenstand eines Streits, da auch Jakob Heinrich Rohde Ansprüche geltend machte. 1659 wurde das Areal vom Erben, dem Barbier Friedrich Horn und der Hypothekengläubigerin, der Witwe des Brauers Lorenz Gernreich, an den Fähramtsschreiber Simon Stettin für 290 Taler verkauft. Stettin bebaute das Grundstück im Jahr 1660 neu. 1683 erwarb der Barbier Johann Otto Christoph Hertel, auch Härtel, das Haus samt Hinterhaus für 1650 Taler. Die Erben von Johann Hertel verkauften das Anwesen ihrerseits für 3000 Taler 1717 an den Brauer Johann Christoph Hertel, der im Jahr darauf nur das Vordergebäude für 2600 Taler an den Kaufmann Johann Valentin Wendland veräußerte. Wendland blieb bis 1730 Besitzer. In der Zeit um 1750 wurde das Grundstück mit dem benachbarten Haus Nummer 1b zusammengeführt. 1888/1889 entstand auf dem Grundstück durch die Magdeburger Bau- und Creditbank für den Drogerie- und Arzneimittelhandel Meischner & Zierenberg Nachf. ein repräsentatives Wohn-, Geschäfts- und Speichergebäude.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, Grosse Junkerstraße in STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 37 Drogerie Herbert Ruthe, Drogengroßhandlung Meischner & Zierenberg Nachf. und Gustav Karcher GmbH Drogengroßhandlung