Carlsfeld ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Eibenstock im Erzgebirgskreis und staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografische Lage und Klima Lage Carlsfeld liegt im oberen Erzgebirge unweit der Grenze zu Tschechien in einer Höhenlage von etwa 850 m. Nach der Naturraumkarte von Sachsen gehört es zur Mikrogeochore „Carlsfelder Wilzsch-Tal“ und ist Teil der Mesogeochore „Eibenstocker Bergrücken“. Der Ort ist rings von Fichtenwäldern umgeben, durch die die Staatsstraße 276 von Wildenthal nach Wilzschhaus führt, unterhalb von Carlsfeld im Tal der Wilzsch bis zu deren Mündung in die Zwickauer Mulde verlaufend und in Wilzschhaus die Bundesstraße 283 erreichend.mini|Passhöhe „Hefekloß“ in Carlsfeld zentriert|mini|610x610px|Blick auf Carlsfeld im Frühjahr 2006

Gemeindegliederung Neben dem Hauptort Carlsfeld gehören noch der Ortsteil Weitersglashütte und die Siedlungen Blechhammer, Wilzschmühle und Neues Wiesenhaus im Tal der Wilzsch zum Ort. Die Häuser der ehemaligen Siedlung Weiterswiese mussten Ende der 1920er Jahre dem Bau der Talsperre Weiterswiese weichen.

Nachbarorte

Klima Die Carlsfelder Hochfläche gehört mit 4,8–5,1 °C im Jahresdurchschnitt zu den kältesten Teilen des Westerzgebirges.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Bereich Landschaftsökologie, Flächennaturschutz, Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief „Oberes Westerzgebirge“, o. J., S. 4 Die sommerlichen Durchschnittstemperaturen im Zeitraum von 1961 bis 1990 betrugen 11,3 °C im Juni, 12,8 °C im Juli und 12,5 °C im August.Mittelwerte von 1961 bis 1990 des Deutschen Wetterdienstes Aufgrund des Klimawandels stiegen die Durchschnittstemperaturen auf 12,1 °C im Juni, 14,2 °C im Juli und 14,0 °C im August (bezogen auf die Jahre 1981 bis 2010).Mittelwerte von 1981 bis 2010 des Deutschen Wetterdienstes Diese Werte ermittelte der Deutsche Wetterdienst an seiner automatischen Wetterstation Carlsfeld, die oberhalb des bebauten Ortes auf 897 Metern Höhe liegt. Damit ist Carlsfeld, bezüglich der Mittelwerte der aktuellen Stationsstandorte (2012) des Deutschen Wetterdienstes, die Ortschaft mit der tiefsten Durchschnittstemperatur in den Sommermonaten.

Das raue Klima war einer der Gründe, Carlsfeld zum Sächsischen Sibirien zu zählen.Hermann Adalbert Daniel: Handbuch der Geographie, Fues-Verlag, 3. Auflage, Band 4, Leipzig 1870, S. 779 (Link zum Digitalisat)

Geschichte mini|hochkant| Ortsgründer Veit Hans Schnorr von Carolsfeld (1688) mini|Infotafel zur Gründung von Carlsfeld mini|Ortsansicht um 1900 mit Bahnhof und Glashütte

Ortsgründung im 17. Jahrhundert Der Ort entstand auf Veranlassung des Ratsherrn Veit Hans Schnorr aus Schneeberg im Jahr 1677 unweit der bereits vorhandenen Weitersglashütte. Dieser hatte hier entlang des Flüsschens Wilzsch Grund und Boden sowie Eisenerz- und Zinngruben gekauft. Zur Weiterverarbeitung ließ Schnorr Hammerwerke errichten, die unter anderem ausgestattet waren mit zwei Hochöfen, Stab- und Frischfeuer zur Schmiedbarmachung des Eisens, einem Rohrhammer, einer Drahtmühle und einem Zinnhaus. Die Anlagen produzierten vor allem Weißbleche, die europaweit verkauft werden konnten.Informationstafel neben der Trinitatiskirche Zum Neuen Hammer an der Wilzsch. Erstes Wohnhaus am Ort war das des Hammerherren Schnorr. In ihm fanden anfangs bis zum Bau der Carlsfelder Kirche Messen und Andachten statt. Für seine Arbeiter ließ er entsprechend den ihm verliehenen Privilegien eine Mahlmühle sowie ein Malz- und Brauhaus bauen.

Schnorr betrieb auch ein Gasthaus, den Grünen Baum. Er stiftete den Kirchenbau samt Pfarrhaus und ein 1688 errichtetes Schulgebäude., abgerufen am 24. Februar 2011 Bis 1688 gehörte der nach seinem Gründer benannte Ort Carlsfeld zur Parochie Schönheide, danach wurde die Kirche eigenständig. Die Kirchgemeinde Carlsfeld vereinigte sich 1998 mit der Kirchgemeinde Eibenstock zur evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Eibenstock-Carlsfeld.

Entwicklung im 19. Jahrhundert mini|Schnorrsches Hammerherrenhaus in Carlsfeld 1803 erwarb Conrad Ludwig Jähring von Waldungen aus Greiz gemeinsam mit einem Partner aus Schleiz das Hammerwerk Carlsfeld und Weitersglashütte. Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten fand am 21. Oktober 1811 im Gerichtsamt Schneeberg die öffentliche Versteigerung des Hammerwerks Carlsfeld und des dazugehörigen Fleckens Carlsfeld und der Weitersglashütte statt.Allgemeiner Anzeiger der Deutschen, 2. Band, 1811, Sp. 2175f.

August Schumann schrieb 1817 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen Carlsfeld betreffend u. a.:

Albert Schiffner ergänzte 1830:

Über die Erwerbszweige der Bevölkerung ist bei Schumann Folgendes nachzulesen:

Schiffner ergänzte hierzu 1830:

Mit dem Aufkommen billiger Weißbleche aus England wurde der Hammerwerksbetrieb nach 1820 aufgegeben. Stattdessen begann in Carlsfeld die Glasherstellung. Auf dem Gelände des Neuen Hammers wurde noch bis zum Jahr 1979 eine Hohlglasfabrik betrieben. Die ersten Odol-Flaschen mit ihrem markanten Design wurden in Millionen Stück im Glaswerk in Carlsfeld produziert.Erwähnung auf der Webseite www.pressglas-korrespondenz.deChronik der von Carlsfeld Exponate dieser Flaschen sind heute im Glashüttenmuseum des Erzgebirges in Neuhausen/Erzgeb. zu sehen.

Uhrenherstellung In den Gebäuden des früheren Hammerwerkes wurde um 1829 mit dem Bau von Wanduhren nach Schwarzwälder Art begonnen. Zu Beginn der Produktion waren Uhrmacher aus dem Schwarzwald angeworben worden.Thieriot von Weissenbach (Hrsg.): Bericht über die Ausstellung sächsischer Gewerb-Erzeugnisse in Dresden im Jahre 1845, Verlag von B. G. Teubner, Leipzig 1846, S. 230 Digitalisat Hugo von Bose berichtet in seinem Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreichs Sachsen im Jahr 1847:

Schon im Wirtschaftsjahr 1841/42 wurden um 7.000 Uhren hergestellt.Sächsische Vaterlands-Blätter, Beilage zu Nr. 2. vom 3. Januar 1843, S. 9, books.google.de Später folgten Turm- und Bahnhofsuhren.Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen: Organ des Vereins, Band 11, Nr. 23/1871 vom 9. Juni 1871, S. 464 books.google.de Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begann der Niedergang der Uhrenfabrikation. 1866 berichtet die Handelskammer Plauen über eine ungünstige Entwicklung, die auch auf die Konkurrenz durch unerlaubtes Hausieren zurückgeführt wurde, obwohl den Carlsfeldern selbst der Direktvertrieb durch Hausieren erlaubtZeitschrift für Rechtspflege und Verwaltung: Zunächst für das Königreich Sachsen. Verlag von Bernhard Tauchnitz jun., Leipzig 1840, Band 3, S. 190 books.google.de worden war.Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer Plauen von dem Jahre 1865. Gedruckt bei Moritz Wieprecht, Plauen 1866, S. 141 books.google.de 1884 wurde die Produktion noch von den drei Firmen W. Lorenz, H. Lorenz und K. Glöckner mit zusammen 14 bis 15 Arbeitern betrieben.

Carlsfeld bis 1990 mini|hochkant=1.4|Carlsfeld (1930)

Am 7. August 1908 überschwemmte der durch Carlsfeld fließende Wilzschbach große Teile des Ortes. Dieses Hochwasser war das Ergebnis eines dreitägigen ununterbrochenen Regens, das einige Häuser schwer beschädigte. Für die Regulierung des Wassers und zum Hochwasserschutz beschloss das Gemeindeamt zusammen mit der sächsischen Landesregierung, eine Talsperre zu bauen. So wurden die acht Häuser von Weiterswiese abgerissen und in den Jahren 1926–1929 die Talsperre Carlsfeld gebaut.

Während des Ersten Weltkrieges kamen viele Betriebe zum Erliegen oder wurden mit wenigen Arbeitskräften weitergeführt. Die Produktion ging entsprechend zurück – gleiches galt für die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von der SDAG Wismut hunderte Kumpel in Carlsfeld einquartiert und für einige Jahre dort ansässig.

In der DDR-Zeit wurden die Kleinbauern des Ortes unter Führung der SED zur Gründung einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) aufgefordert. Ab 1952 erfolgte zunächst die gemeinsame Hühnerhaltung, 1954 wurde ein Schweinestall und 1958 ein Rinderstall für 65 Tiere errichtet.

Vom 21. Juni 1897 bis zum 14. Juli 1967 war Carlsfeld Endpunkt der Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld. Neben dem Bahnhof Carlsfeld gab es auf dem Gemeindegebiet noch die Betriebsstellen Blechhammer, Wilzschmühle und Wiesenhaus im Tal der Wilzsch.

Nach 1990 Die Wende führte zur Wiedergründung des Freistaats Sachsen, zur Reprivatisierung von landwirtschaftlichen Betrieben und zu völlig neuen Verwaltungsstrukturen. So wurde Carlsfeld am 1. April 1997 nach Eibenstock eingemeindet.Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997. StBA Am 23. Mai 1997 erhielt Carlsfeld das Prädikat „staatlich anerkannter Erholungsort“, musste es 2010 abgeben und errang es 2012 zurück.2008 noch Erholungsort, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 17. Oktober 2008 (SächsABl. S. 1504) auf: revosax.sachsen.de2010 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de2012 wieder Erholungsort, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Dezember 2012 (SächsABl. 2013 S. 73) auf: revosax.sachsen.de

mini|Museumsbahnhof Carlsfeld, ganz links ist das abgerissene Gemeindeamt

Der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen (FHWE) rekonstruierte den alten Lokschuppen und das ehemalige Bahnhofsgebäude.Wiederaufbau der Carlsfelder Bahnhofsgleisanlage Gemeinsam mit der Stadt Eibenstock erfolgte im Rahmen eines Förderprojektes der Europäischen Union bis 2004 der Umbau des ehemaligen Bahnhofsgeländes und umliegender Flächen zum Ortsmittelpunkt.

Außerdem wurden die Gleisanlagen wiederaufgebaut, sodass in Carlsfeld nun ein kleiner Museumsbahnhof an die ehemalige Schmalspurbahn erinnert. Der Verein veranstaltet mit Gastfahrzeugen gelegentlich Fahrten für Eisenbahnfreunde.

Auf dem Grundstück des 2014 abgerissenen Gemeindeamts entstand 2015 ein neues Depot der Freiwilligen Feuerwehr. Im Zuge der außergewöhnlichen Schneefälle in Mitteleuropa im Januar 2019 war auch Carlsfeld zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.Gefangen im Schnee. Tagesschau online (tagesschau.de), 10. Januar 2019.

Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl1791 67 Feuerstätten1834 9581871 1.2771890 1.6281910 1.788 Jahr Einwohnerzahl1946 1.6221925 1.7501939 1.6031950 2.2321964 1.490 Jahr Einwohnerzahl1990 1.1192011 7102017 694

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Gemälde der Weitersglashütte um 1910 Glashütte