Das New Century Theatre war ein Theatergebäude am Südrand des Central Park in Midtown Manhattan, New York City. Erbaut wurde es 1921 von Herbert J. Krapp für die Theater-Mogule Lee und Jacob J. Shubert. Genutzt wurde das Gebäude als Broadwaytheater (mit 1700 Plätzen), Kino und Fernsehstudio. Während seines Bestehens hatte das Gebäude „fast so viele Namen wie Mieter“.Bordman, Gerald Martin; Hischak Thomas S.: The Oxford Companion to American Theatre. Oxford University Press, New York 2004. ISBN 978-0-19-516986-7. S. 120 Von 1954 bis 1957 fanden hier die Oscar-Verleihungen der Ostküste statt. 1962 wurde das Gebäude abgerissen und durch ein Apartmenthaus ersetzt.
Grundstück und Bau + Geschätzter Wert des Gebäudes Jahr Wert (US-Dollar) 1922 1.350.000 1923 1.400.000 1924 1.425.000/ 1.375.000 1925 1.450.000 Das Grundstück liegt direkt südlich des Central Park. Vierzig Jahre lang war dort eine Reitschule untergebracht. Das Grundstück umfasst etwa 22.500 Quadratfuß (ungefähr 2100 Quadratmeter).
Der Bau fällt in die Zeit des Theaterbooms der 1920er Jahre und den Aufstieg der Shubert-Brüder zu einer beherrschenden Stellung in der amerikanischen Theater-Branche. Bei Ticketpreisen von bis zu 2 Dollar war der Profit groß genug, um die Baukosten eines Theaters innerhalb von zwei bis drei Jahren wieder einzuspielen. Die Saison umfasste in der Regel neun bis zehn Monate, im New Yorker Sommer blieben die Theater mangels Klimaanlage geschlossen.Hornby, Richard: Broadway Economics. In: The Hudson Review. Band 44, Nr. 3, Herbst 1991. . S. 453–460. doi:10.2307/3851981 (S. 453)
Der Architekt, Herbert J. Krapp, hatte sich 1914 selbstständig gemacht, möglicherweise beeinflusst durch die Shuberts. Seitdem entwarf, baute und renovierte er Theater für die beiden Brüder. Allein in den Jahren 1919 bis 1921 arbeitete er an den Plänen für neun verschiedene Bauten. Bei diesem Bau zwang ihn die schmale Breite des Grundstücks von nur 65 foot (knapp 20 m) die Sitzreihen in zwei geraden Blöcken und einem zentralen Durchgang anzulegen, statt in einer fächerförmigen Anordnung. An den Seiten befanden sich die Logen für das Parkett. Damit der Balkon (1. Rang) genug Platz bot, um die Gesamtkapazität von 1700 Plätzen zu erreichen musste das Dach durchbrochen und das Gebäude um zwei Etagen aufgestockt werden.
Die Front des neuen Gebäudes war nicht bemerkenswert: „Its front wall is of yellow brick pierced by five high arched windows.“Rice, Edwin T.: Thomas and Central Park Garden. In: The Musical Quarterly. Band 26, Nr. 2, April 1940. S. 143–152. jstor.org (S. 143) Für Foster Hirsch hatten die Shuberts bei der Gestaltung des Innenraums ihre übliche Zurückhaltung aufgegeben. Er sei
Bill Morrison hingegen hebt die Gemeinsamkeiten mit den zur selben Zeit gebauten Theatern Ritz und Ambassador hervor. Die Inneneinrichtung sei bei allen beeinflusst durch das Werk Robert Adams.
Ursprünglich hatten die Shubert-Brüder den Namen Imperial Theatre vorgesehen. Sie verwendeten diesen Namen dann zwei Jahre später für ein anderes Theater an der 249 West und 45th Street.
Jolson's 59th Street Theatre (1921–1931, 1941–1942, 1943) mini|Al Jolson (etwa 1925) Der Entertainer Al Jolson war spätestens seit Mitte der 1910er das „Zugpferd“ der Shubert-Brüder. Foster Hirsch beschreibt Jolson als aggressiv, misstrauisch, durchsetzungsfähig und einen harten Verhandler, der als einer der wenigen den Shubert-Brüdern gewachsen war. Seinen Ausführungen nach hassten und misstrauten ihm die Shuberts zwar, brachten ihm aber gleichzeitig Zuneigung entgegen und betrachteten ihn als Mitglied der Familie.Hirsch, Foster: The Boys from Syracuse: The Shuberts' Theatrical Empire. Cooper Square Press, 2000. ISBN 978-0-8154-1103-1. Laut Jonas Westover sieht die Mehrzahl der Autoren die Shuberts hingegen in einem positiven Licht. Da sich Al Jolson sträubte, nicht im gewohnten Winter Garden Theatre aufzutreten, benannten die Shubert-Brüder kurzerhand das Gebäude in Jolson's 59th Street Theatre um.
Auf der Bühne galt Jolson unbestritten als begnadeter Entertainer. Er trat vor allem als Blackface auf. „Bombo“, mit dem das Theater am 6. Oktober 1921 eröffnet wurde, war dabei keine Ausnahme. Jolson spielte den namensgebenden Sklaven als Stimmungskanone, der seinem gutaussehenden, weißen Besitzer Christoph Columbus die romantischen und historischen Erfolge ermöglicht, mit wesentlich stärker sexualisiertem Untertönen als seine sonstigen Sklavenrollen. Hatte Jolson schon vorher keine anderen Stars neben sich geduldet, so spielte er nun gegen statt mit dem Stück. Die Handlung sabotierte er nach Lust und Laune und manchmal stellte er das Publikum vor die Wahl, die Aufführung fortzusetzen oder ihm beim Singen zuzuhören. Sein Sologesang fand dann vor geschlossenem Vorhang statt. Während der Laufzeit von Bombo zerstritten sich Johnson und J.J. Shubert über eine Kostümrechnung von 400 Dollar, die Jolson als viel zu hoch ansah. Auch wenn sich beide später wieder einigten, trat Jolson nicht wieder in dem nach ihm benannten Gebäude auf.
Am 26. Januar 1922 versuchte ein bewaffneter Mann, in der Lobby einen Angestellten zu überfallen, der mit 15.000 Dollar auf dem Weg zur Bank war. Der Überfall missglückte und der Räuber entkam mit einem Komplizen per Fluchtwagen. Wie die New York Times hilfreich anmerkte, verpassten es die Männer zudem, sich weiterer 20.000 Dollar in einem nahebei geparkten Wagen zu bemächtigen."Unarmed Man Foils Hold-Up in Jolson Theatre Saves $15,000 Receipts on Threat to Shoot." 1922. New York Times (1857–1922), Jan 27, 1.
1923 gastierte hier das Moskauer Künstlertheater unter Konstantin Sergejewitsch Stanislawski."Century Theatre." In The Concise Oxford Companion to the Theatre, edited by Hartnoll, Phyllis, and Peter Found.: Oxford University Press, 1996. Sie eröffneten im Januar mit Tolstois Zar Boris, Teil des Cast war Tschechows Witwe Olga Knipper. Das Repertoire umfasste Stücke von Tschechow, Gogol und Gorky. Die Vorstellungen waren ausverkauft. Insgesamt tourte das Ensemble vier Monate durch die Vereinigten Staaten.Saul, Norman E.: Zenaida Ragozin and Elizabeth Reynolds Hapgood. Two remarkable Russian American Women. in: Kurilla, Ivan; Zhuravleva, Victoria I. (Hrsg.): Russian/Soviet Studies in the United States, Amerikanistika in Russia. Lexington Books, 2015. ISBN 978-1-4985-1798-0. S. 36 Will Rogers, bei der Konkurrenz unter Vertrag, spöttelte darüber, dass keine wisse, worüber die Darsteller reden würden und daher jeder Zuschauer gegenüber seinem Nachbarn so tun könne, als ob er es wisse.
Am 2. Dezember 1924 fand die Uraufführung des The Student Prince in Heidelberg (oder bald kurz: The Student Prince) statt. Der (fiktive) Kronprinz Karl Franz (Howard Marsh) verbringt ein Jahr inkognito als Student in Heidelberg und verliebt sich in die Gastwirtstochter Kathie (Ilse Marvenga). Sie hegt ebenfalls Gefühle für ihn. Aus Pflichtbewusstsein kommt es nicht zu einem Happy End. Dies war einer der beiden Gründe, der Shuberts mit der Aufführung zögern ließ. Der andere war der Einsatz eines 60-köpfigen Männerchors. Jedoch erfreute sich dessen "Drinking-Song" („Trinkerlied“) während der Prohibition in den Vereinigten Staaten großer Beliebtheit bei Publikum. Mit insgesamt 606 Aufführungen war es die am längsten laufende amerikanische Operette des Jahrzehnts.Hischak, Thomas S.: Broadway plays and musicals : descriptions and essential facts of more than 14,000 shows through 2007. McFarland & Company, 2009. ISBN 978-0-7864-3448-0. S. 444
1942 und 1943 trug das Theater wieder den Namen Jolson's 59th Street Theatre, unterbrochen durch das Gastspiel von Molly Picon ab Oktober 1942.
Central Park Theatre (1931–1932) Das Theaterimperium der Shuberts wurde von der Großen Depression hart getroffen. Für die Shubert Theatrical Corporation wurde 1931 ein Insolvenzverwalter bestellt.Eintrag Shubert, Lee in der American National Biography. doi:10.1093/anb/9780198606697.article.1801059 (kostenpflichtig) Jolson’s 59th Street Theatre wurde an den Kinobetreiber Leo Brecher vermietet, der es, nach kurzem Umbau, unter dem Namen Central Park Theatre als Kino nutzte. Der Wechsel war allerdings nicht sehr abrupt, denn als erster Film wurde am 20. Februar 1931 die amerikanische Uraufführung der Opern-Verfilmung I Pagliacci gezeigt. Schauspieler waren die San Carlo Opera Company. Der Kritiker der New York Times war von dem „Talkie“ nicht überzeugt, empfand er den Ton doch als "für die Ohren nach einer Viertelstunde nahezu unerträglich". Ab März wurde der Opernfilm im Repertoiresystem durch Erfolgsfilme des Jahres 1930 wie Tom Sawyer, Africa Speaks! oder Sin Takes a Holiday ergänzt.
Am 26. Juni schloss das Central Park Theatre seine Pforten. Brecher begründete dies mit der mangelnden Auswahl an geeigneten Filmen und dem Rückgang der Zuschauerzahl durch den beginnenden Sommer. Das Kino sollte im September 1932 wieder eröffnet werden, in Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Verhältnisse.
Shakespeare Theatre (1932–1933) Am 24. Oktober 1932 gab die Shakespeare Theatre Company bekannt, das Theater am 17. November zu übernehmen. Unter dem Namen Shakespeare Theatre sollten tägliche Vorstellungen stattfinden. Für Schüler war eine Freitagnachmittagsvorstellung um 16 Uhr geplant und am Samstag eine Matinee. Die Karten sollten zwischen 0,25 und einem Dollar kosten. Das Programm für die ersten zwei Wochen bestand aus einer Auswahl von Shakespeare-Stücken. In der Rolle als Julia spielte Margery Maude.
Venice Theatre (1933–1937) Am 16. September 1933 meldete die New York Times die Umbenennung in Venice Theatre. Die neue Saison sollte im Oktober beginnen. Die Percival Vivian Shakespearean Repertory Company und das Italian Art Theatre planten, sich das Gebäude zu teilen.
mini|Marc Blitzstein und die Schauspieler von The Cradle Will Rock (1937) Die Premiere der Operette Afrikana am 26. November 1934 musste bereits im ersten der beiden Akte unterbrochen werden. Während Donald Heywood, Autor und Komponist, das Orchester dirigierte, näherte sich ihm ein anderer Mann, schrie ihn an und schlug ihm auf den Hinterkopf. Als Zuschauer die Kontrahenten trennen konnten, hatten beide jeweils einen Stuhl aus dem Orchestergraben zum Schlag erhoben. Nach der Festnahme des Angreifers wurde das Stück ohne weitere Zwischenfälle fortgesetzt. Bei der Polizei gab der arbeitslose Lehrer an, die Operette gemeinsam mit Heywood verfasst zu haben, anhand seiner Erfahrungen in der Fremdenlegion. Heywood verweigere ihm aber die Anerkennung. Der Mann wurde des ordnungswidrigen Verhaltens für schuldig befunden, aber nicht verurteilt. Der Premiere wohnten 1500 Zuschauer bei. Der Kritiker der New York Times hielt die Auseinandersetzung für die beste Stelle der Aufführung und bedauerte alle, die sich extra aus Harlem auf den Weg gemacht hatten.
Das Federal Theatre Project der WPA sorgte am 16. Juni 1937 für Unmut als es die Voraufführung der Oper The Cradle Will Rock von Marc Blitzstein am zwanzig Blocks entfernten Maxine Elliot Theatre kurzfristig absagte. Aus Budgetgründen sollten alle Aufführungen der WPA bis zum 1. Juli verschoben werden. Da die Oper einen Stahlarbeiterstreik aus Sicht der Gewerkschaft behandelt, sah ein Teil der 600 potenziellen Zuschauer dies als Zensurversuch an. Die Mehrheit wollte zumindest irgendeine Aufführung sehen. Während der Direktor Orson Welles die Menge mit einer Rede beruhigte und auf dem Bürgersteig zwei Nummern des Stücks gesungen wurden, kümmerte sich jemand von der WPA um einen anderen Aufführungsort. Für 100 Dollar konnte das Venice Theatre gemietet werden. Um nicht in Schwierigkeiten für die ungenehmigte Aufführung zu geraten, sangen die Schauspieler ihre Einsätze aus dem Zuschauerraum. Auf der Bühne spielte lediglich Blitzstein am Piano während Welles erläuternde Kommentare abgab. Der Dichter Archibald MacLeish hielt zum Abschluss eine Rede. Am 7. Juli gab die WPA bekannt, dass sie die Oper endgültig nicht aufführen würden.
Yiddish Art Theatre (1937–1940)