mini|250px|Stahlachterbahn Leviathan in Canada’s Wonderland mini|Holzachterbahn Scenic Railway im Luna Park mini|Stahlachterbahn Dragon Khan in PortAventura

Eine Achterbahn ist ein Fahrgeschäft, bei dem ein oder mehrere auf Schienen fahrende Wagen oder Züge eine derart beschaffene Strecke befahren, dass Passagiere gefahrlos außergewöhnliche g-Kräfte erleben können. Achterbahnen zählen zu den klassischen und größten Attraktionen auf Volksfesten und in Vergnügungsparks.

Der deutsche Name Achterbahn entstand aus der Bezeichnung Figur-8-Bahn. In Österreich werden Achterbahnen nach den Bahnen im Wiener Prater auch Hochschaubahn genannt. Der ebenfalls gebräuchliche Name Berg-und-Tal-Bahn leitet sich von den Bergen und Tälern des Streckenverlaufes ab. Die Herkunft des heutigen englischen Namens roller coaster ist umstritten. Er setzt sich aus den Begriffen roller – für rollend / Rollender und coaster – von to coast, das mit frei fahrend übersetzt werden kann, zusammen. Bereits LaMarcus Adna Thompson benutzt 1884 den Begriff im Patentantrag für seine Roller Coasting Structure. In vielen romanischen Sprachen nimmt die Bezeichnung Bezug auf die Russischen Berge, zum Beispiel montagnes russes im Französischen oder montagne russe im Italienischen, während im Russischen von Amerikanischen Bergen (американские горки) gesprochen wird.

Geschichte mini|Promenades Aériennes im Jardin Beaujon, ca. 1820

Russische Berge Die ersten Vorläufer der Achterbahn entstanden im 17. Jahrhundert in Russland vor allem in der Gegend um das heutige Sankt Petersburg und in Moskau. Bei niedrigen Temperaturen im Winter wurden Rampen aus Holz mit Schnee und Eis bedeckt, sodass man auf einer mehrere Zentimeter starken Eisschicht diese künstlichen „Berge“ herunterrutschen konnte. Um die Eisschicht zu halten, wurde sie täglich mit gefrierendem Wasser übergossen. Als „Schlitten“ wurden zunächst Eisblöcke benutzt, auf denen ein Sitz aus Holz und Wolle für die Mitfahrer befestigt wurde.David Bennett: Roller Coaster: Wooden and Steel Coasters, Twisters and Corkscrews Edison, Chartwell Books, New Jersey 1998, ISBN 0-7858-0885-X. Die Bahnen waren vor allem unter der reicheren Bevölkerung und beim Adel beliebt und wurden teilweise aufwendig gestaltet, dekoriert und mit Bäumen umpflanzt.Robert Cartmell: The Incredible Scream Machine: A History of the Roller Coaster Bowling Green State University Popular Press, 1987, ISBN 0-87972-341-6

Häufig ist zu lesen, Napoleons Soldaten hätten die unter dem Namen Montagnes Russes („russische Berge“) bekanntgewordene Erfindung während des Russlandfeldzugs kennengelernt und sie mit nach Westeuropa, insbesondere nach Frankreich gebracht. Allerdings gibt es Berichte, nach denen schon 1804 im Quartier des Ternes in Paris ein Russischer Berg in Betrieb war. Wegen häufiger Unfälle erlangte dieser aber schnell einen schlechten Ruf und wurde alsbald stillgelegt.

Russische Truppen brachten sie 1813 erneut nach Paris, von wo aus sie sich auch im deutschsprachigen Raum eine gewisse Zeit verbreiteten. Man fuhr bald auch ohne Eis auf Schlitten, die in Schienen glitten, „... welche am Ende des Wegs oft eine aufrechte Schlinge bildeten, die man, durch die Zentrifugalkraft gehalten, mit nach unten hängendem Kopf durchfuhr“.Meyers Konversations-Lexikon, 1888. https://www.elexikon.ch/1888_bild/14_0105#Bild_1888Belehrungs- und Unterhaltungsblatt für den Landmann und kleinen Gewerbsmann Böhmens, Band 3, Haase Söhne, 1840. https://books.google.de/books?id=zntfAAAAcAAJ&pg=PA85&lpg=PA85&dq=rutschberge&source=bl&ots=FNlTjWITl_&sig=AHZWQz6yRJPQrtqvIP9CVm-MvjI&hl=de&sa=X&ved=0CDkQ6AEwBWoVChMIo-yx9JraxwIVCroaCh3LiAYT#v=onepage&q=rutschberge&f=false

In der Literatur findet man auch verschiedene Angaben darüber, wo Schlitten auf Rädern zuerst entwickelt wurden. Einige Autoren sehen diese Entwicklung bereits in Russland, laut anderen wurden erst in Frankreich Wagen eingesetzt. Angeblich soll aber schon 1784 eine in der englischen Literatur als Switchback bezeichnete Bahn in der Vergnügungsanlage Katalnaya Gorka im Park Orienbaum in Sankt Petersburg mit Rädern ausgestattet gewesen sein. Es wird angenommen, dass wegen der milderen Winter in Frankreich und um die Verwendung auch auf die warme Jahreszeit ausdehnen zu können, dort weniger Eisrutschbahnen gebaut wurden, sondern eher Holzabfahrten, auf denen Wagen von Holzschienen geführt herabfahren konnten. Gesichert ist, dass 1817 in Paris zwei größere Anlagen in Betrieb waren, Les Montagnes Russes im Belleville und Promenades Aériennes im Jardin Beaujon. Zweitere war 30 Meter hoch, hatte bereits eine wellenförmige Abfahrt und wurde 1826 mit einem einfachen Kettenaufzug nachgerüstet. Auch die spanische Bezeichnung für Achterbahn Montaña rusa trägt heute noch die ursprüngliche Herkunft im Namen.http://themenpark.de/lexikon/listing/achterbahn mini|Centrifugal Railway

Loopingbahnen 1846 wurde im Frascati-Garten in Paris die erste Bahn mit Inversion vorgestellt. Zwischen zwei gleichförmigen geraden Abfahrten befand sich bei diesen Centrifugal Railway oder Loop-the-Loop genannten Bahnen ein kreisrunder Vertikallooping. Da bei den runden Loopings mit relativ geringen Radien sehr hohe Kräfte auf die Fahrgäste einwirkten und es dadurch zu Verletzungen kam, blieben die so gestalteten Bahnen nicht lange in Betrieb.

Lina Beecher baute 1895 mit Flip Flap Railway im Sea Lion Park in Brooklyn eine erste Achterbahn mit elliptischem Looping. Hier wurden die auftretenden g-Kräfte, vor allem bei der Einfahrt in den Looping, reduziert. Aber auch bei dieser Bahn kam es durch den zu kleinen Looping häufig zu Verletzungen; vor allem Schädigungen der Halswirbelsäule traten auf. Die Bahn wurde schon vor 1903 wieder abgebaut. Auch nachfolgende Versuche, Loopingbahnen zu konstruieren, waren nur mäßig erfolgreich. Einerseits hatten die Bahnen eine geringe Kapazität, in der Regel konnten nur jeweils zwei Personen pro Wagen fahren; andererseits erschien die Fahrt vielen Menschen zu extrem, sodass mehr Schaulustige als Mitfahrer angezogen wurden. Somit waren sie nur wenig profitabel. Zwar gab es noch weitere Versuche, Bahnen mit Überschlägen zu realisieren; dauerhaft erfolgreich war das aber erst Mitte der 1970er Jahre durch die Corkscrew-Bahnen von Arrow Development und Werner Stengels Einführung des Klothoidenloopings, der dann sehr erfolgreich von Schwarzkopf umgesetzt wurde.

mini|Aufzug der Mauch Chunk Railway bei Mount Pisgah

Switchback Railways Josiah White und Erskine Hazard bauten 1827 in Pennsylvania die Mauch Chunk Switchback Railway, eine der ersten Eisenbahnstrecken der Vereinigten Staaten, um Kohle aus den etwa 14 Kilometer entfernten Bergwerken am Summit Hill in den Ort Mauch Chunk (heute Jim Thorpe) zu bringen. Die Strecke nutzte dabei das kontinuierliche Gefälle und kam so ohne Antrieb aus. Für den Rückweg wurden die Wagen von Maultieren gezogen. Die Bergabfahrt dauerte etwa 30 Minuten, für den Bergauftransport wurden drei bis vier Stunden benötigt. Schon kurz nach der Eröffnung interessierten sich Besucher für die Neuheit und so wurden ab 1829 in begrenztem Umfang Mitfahrten für Passagiere angeboten. Der zunehmende Bedarf an Kohle durch den aufkommenden Eisenbahnverkehr in den 1840er Jahren machte einen Ausbau der vormals eingleisigen Strecke notwendig. So wurde die Strecke 1846 um einen zweiten Abschnitt erweitert, der sie zu einer geschlossenen Acht werden ließ. Für die beiden steileren Bergaufpassagen wurden zwei 89 kW Dampfmaschinen angeschafft, die die Wagen mit Seilzug nach oben beförderten. Da die Abfahrt aufregend war und eine gute Aussicht über die schöne Landschaft gab, nahm der Personentransport immer mehr zu. Nachdem 1872 die Kohlebergwerke direkt an das Eisenbahnsystem angeschlossen wurden, war die Mauch Chunk Railroad für den Kohletransport überflüssig geworden. Nun wurde aus ihr mit zeitweise bis zu 35.000 Besuchern eines der beliebtesten Ausflugsziele der USA. Als Touristenattraktion war die Strecke noch bis 1932 in Betrieb.

mini|hochkant|Switchback Railway 1884

Das einfache Hügelab-Konstruktionsprinzip der Mauch Chunk Railway war Inspiration für LaMarcus Adna Thompson, ab 1881 anhand dieser Konstruktion das zu planen, was heute als erste amerikanische Achterbahn gilt. Die sogenannte Gravity Pleasure Switch Back Railway auf Coney Island wurde 1884 eröffnet. Die Bahn bestand aus zwei parallel verlaufenden 180 Meter langen geraden Strecken mit hügeligen Abfahrten, die jeweils von einer 15 Meter hoch aufgeständerten Plattform starteten. Die Wagen wurden zur Abfahrt manuell angeschoben und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 11 km/h. Zu einem großen Teil fuhren die Wagen die zur gegenüberliegenden Plattform führende Steigung durch ihren Schwung wieder hinauf, den restlichen Weg wurden sie mit Muskelkraft geschoben. Über ein Transfergleis wurden sie dann auf die andere Strecke für die nächste Abfahrt gebracht (Switchback). Die Wagen waren mit einfachen Bänken mit seitlichen Haltegriffen und ohne Rückenlehnen versehen, so konnten die Mitfahrer mit Blick in beiden Richtungen sitzen und ein Umdrehen der Wagen war überflüssig. Thompson erhielt 1885 für seine Switchback Railway ein Patent.

Scenic Railways mini|Scenic Railway im Luna-Park am Auensee bei Leipzig, ca. 1918 Schon kurze Zeit später wurde 1885 ebenfalls in Coney Island die erste Bahn mit geschlossener ovaler Strecke und einem Aufzug von Phillip Hinkle gebaut. Es folgten eine Reihe weiterer Bahnen, vor allem von Thompson, der sich Patente auf die Gestaltung der Bahnen mit Tunneln und Pavillons gesichert hatte. Teilweise waren diese aufwendig thematisiert, vor allem als künstliche Gebirgsmassive, und wurden deshalb Scenic Railways (engl. sinngemäß „malerische / landschaftlich schöne Bahn“) im Deutschen Gebirgsszeneriebahn genannt. Die erste Achterbahn in Form der Ziffer 8 wurde 1898 auf Coney Island eröffnet.

Um ein Entgleisen der Wagen zu verhindern, wurden seitliche Führungen, Räder und Laufflächen angebracht. So entstanden die Side-Friction-Bahnen, für die Thompson 1913 ebenfalls ein Patent erhielt. Die Bahnen waren sehr erfolgreich und wurden in größerer Anzahl in den USA gebaut und auch in verschiedene europäische Länder exportiert. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Achterbahnen, vor allem in den USA, rasant, bis die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre das Ende dieser Entwicklung setzte. Die letzte noch existierende Side Friction Scenic Railway von Thompson ist die 1914 gebaute Rutschebanen im Tivoli in Kopenhagen.

Die erste Achterbahn Deutschlands, die aus Holz gefertigte Riesen-Auto-Luft-Bahn, wurde 1908 vom Münchner Großschausteller Carl Gabriel gemeinsam mit dem Deutsch-Amerikaner Bartling im Vergnügungspark der Ausstellung München vorgestellt.brand eins, Heft 09, September 2006.Florian Dering: Volksbelustigungen: eine bildreiche Kulturgeschichte von den Fahr-, Belustigungs- und Geschicklichkeitsgeschäften der Schausteller vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Greno, Nördlingen 1986, ISBN 978-3-89190-005-5. Die Bahn hatte einen elektrischen Aufzug für die vier Personen fassenden Wagen und war als Figur-8 Bahn, auch Schleifenbahn genannt, gestaltet.Carmen Finkenzeller, Angelika Dreyer: Auf geht's, auf d'Wiesn! : ein Spaziergang über das Oktoberfest, Allitera Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86906-101-6. Ein Jahr später wurde auf dem Oktoberfest von Carl Gabriel die Automobil Berg- und Talbahn präsentiert. Sie war nicht transportabel ausgelegt und wurde nach dem Fest wieder abgerissen.