mini|hochkant=1.4|Das aufgegebene Gehöft Simonshardt, bei dem Bewuchs den Blick auf Gebäude und Innenhof verstellt (Blick von Westen, 2022) Simonshardt (auch mit Artikel: Die Simonshardt) ist ein ehemaliger Wohnplatz und ein aufgegebenes Gehöft nahe der nordrhein-westfälischen Ortschaft Kelz. Die Örtlichkeit befindet sich in der Gemeinde Vettweiß im Kreis Düren in der flachen Zülpicher Börde am Nordrand der Eifel. Sie liegt an bedeutsamen historischen Handels- und Pilgerwegen, hat dadurch eine lange, wechselvolle Geschichte und ist heute (Stand: Januar 2022) ein „Lost Place“.

Lage

Simonshardt liegt an der Jakobusstraße zwischen den Vettweißer Ortsteilen Kelz im Osten und Jakobwüllesheim im Westen. Mit jeweils rund 1,6 Kilometern Fahrstrecke ist die Örtlichkeit etwa gleich weit von den Zentren beider Dörfer entfernt. In westlicher Richtung wird nach rund 330 Metern der Hühnerbach, eher ein Graben denn ein Bach, überquert. Nach etwa 850 Metern wird an dem außerhalb des Ortes liegenden Haltepunkt Vettweiß-Jakobwüllesheim die Bördebahn gequert, die in diesem Bereich seit den 1950er-Jahren nur noch eingleisig ist und Düren im Nordwesten sowie Zülpich im Südosten verbindet. Kurz hinter dem Ortseingang setzt sich die Jakobusstraße – nun als Landesstraße 327 – in südwestliche Richtung nach Stockheim und Kreuzau fort.

In entgegengesetzter Richtung stößt die Jakobusstraße östlich von Simonshardt nach etwa 1,1 Kilometern im rechten Winkel auf die L 264, die den Nörvenicher Ortsteil Frauwüllesheim mit dem Vettweißer Ortsteil Kelz verbindet. In letzterem existiert die Straße „Hardter Weg“: Sie führt, als Verlängerung der „Klosterstraße“, in westnordwestliche Richtung bis zum Ortsrand, wird heute jedoch nicht mehr geradlinig nach Simonshardt fortgeführt, sondern geht in einen anders ausgerichteten Feldweg über. Südwestlich von Simonshardt liegt die Flur „Peschfeld“, nordöstlich davon die Flur „Auf der Hardt“, darin in etwa 1,1 bis 1,5 Kilometer Entfernung drei verstreute Aussiedlerhöfe.

Die Entfernung von Simonshardt nach Aachen wurde 1876 mit 43,0 Kilometer angegeben, zur Kreisstadt Düren mit 10,3 Kilometer und zum damaligen Gerichtsort Nideggen mit 15,0 Kilometer. Die Bürgermeisterei Kelz war (über einen direkteren Weg als heute) 1,4 Kilometer entfernt, der Bahnhof Vettweiß 4,1 Kilometer.

Die Region weist für den Ackerbau günstige Boden- und Wasserverhältnisse auf, insbesondere einen lösslehmreichen Boden, ausreichend Niederschläge durch die Lage am Nordrand der Eifel sowie langsam fließende Gewässer, namentlich den Neffelbach im Osten und den Ellebach im Westen. Aus tektonischer Sicht verläuft eine niedrige Bruchstufe inmitten des Ellebachgrabens über Simonshardt (Hardthäuschen) westlich vorbei an Merzenich parallel zur Rur-Hauptterrasse.Rudolf Stickel: Der Abfall der Eifel zur Niederrheinischen Bucht. Beiträge zur Landeskunde der Rheinlande, Heft 3, Veröffentlichungen des geographischen Seminars der Universität Bonn, Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1922, S. 76. Direkt in Simonshardt steht dadurch ein kleiner Sandhang an, weshalb das Gelände vergleichsweise lange als Wald beziehungsweise als unkultiviertes, mit Dornen bewachsenes Flurstück verblieb.

Beschreibung mini|hochkant=1.1|Wegekreuz in Simonshardt (Blick von Osten, 2022) Das als Simonshardt bezeichnete Areal besteht aus einem umfriedeten Grundstück mit dem ehemaligen Gehöft, ferner einer Grünfläche mit altem Baumbestand, Büschen, einem steinernen Wegekreuz, Sitzgelegenheiten zum Rasten sowie umgebenden, bewirtschafteten Ackerflächen. Der umfriedete Bereich ist etwa trapezförmig; die kürzeste Seite mit ungefähr 35 Metern liegt auf der Südostseite zur Straße hin, die längsten mit jeweils etwa 45 Metern liegen nach Nordosten und Nordwesten zu den Ackerflächen. Auf der etwa 40 Meter langen südwestlichen Seite befindet sich eine breitere, verfestigte, jedoch nicht asphaltierte Zufahrt; sie geht im weiteren Verlauf in einen unbefestigten Feldweg über, der nach insgesamt etwa 160 Metern leicht in nördliche Richtung abknickt. Bis zu diesem Knick zeigen Zufahrt und Feldweg noch den Verlauf eines Jahrhunderte alten Handels- und Pilgerwegs. Zufahrt und Feldweg trennen das umfriedete frühere Gehöft von der südwestlich gelegenen Grünfläche mit altem Baumbestand, Wegekreuz und Sitzgelegenheiten.

Im umfriedeten Bereich stehen (Stand: Januar 2022) relativ zentral drei sehr einfache, funktionale Gebäude, die schlicht gehalten und nahezu ohne Fensteröffnungen sind. Zwei davon sind eineinhalb- bis zweigeschossig, stehen L-förmig zueinander, offenbar ehemals Wohnhaus und Scheune, und bilden zum heutigen Feldweg hin eine Hoffläche. Beide Gebäude sind im Winkel des „L“ mit einem eingeschossigen Flachbau miteinander verbunden, wohl der früheren Stallung. Alle Gebäude bestehen aus gebrannten Ziegelsteinen; nur wenige Teilflächen zeigen alten Verputz. Beide höheren Gebäude haben einfache Pultdächer ohne nennenswerten Überstand, die jeweils von der Hoffläche weg entwässern.

Die Umfriedung besteht aus einem halbhohen, teils baufälligen Holzlattenzaun mit vorgesetztem Maschendraht sowie Strauchwerk, im Bereich der Einfahrt aus einem halbhohen Metallgittertor. Auf dem gesamten Grundstück einschließlich ehemaliger unbefestigter Hoffläche breiten sich Büsche und junge Bäume aus; das Areal ist verwildert, wird erkennbar seit mehreren Jahren nicht mehr unterhalten und zeigt sich damit als „Lost Place“.

Auf der Grünfläche nahe der Straße steht ein etwa 2,5 Meter hohes, weiß gestrichenes, teils verwittertes Steinkreuz. Seiner Inschrift nach geht es auf Bürger aus Kelz zurück, die im Kriegsjahr 1916, mithin im Ersten Weltkrieg, nach Kevelaer gepilgert sind. Anhaltspunkte für eine Kapelle, die in älteren Quellen für diesen Ort genannt wird, gibt es nicht mehr.

Zum vormaligen Wohnplatz gehören umgebende, hochwertige Ackerflächen. Durch Arrondierungen und weitere Maßnahmen zur Flurbereinigung entstanden in jüngerer Zeit große zusammenhängende Felder, die sich gut maschinell bearbeiten lassen. Durch sie gingen aber auch natürliche Hecken und Feldraine sowie historische, traditionell gewachsene Verkehrsstrukturen verloren. Je nach Witterung und Vegetation sind auf Ackerflächen nordwestlich und südöstlich von Simonshardt noch alte Verkehrswege erkennbar, insbesondere auf Luftaufnahmen und solchen von Satelliten mit hoher Auflösung.

Alternative Bezeichnungen und Namensherkunft Weitere gebräuchliche Bezeichnungen für Simonshardt beziehungsweise die Simonshardt sind HardterhäuschenGermany – Federal Republic and West Berlin: Official Standard Names Approved by the U.S. Board on Geographic Names. Volume I: A–K. (für Hardterhäuschen), Volume II: L–Z. (für Simonshardt), Gazetteer No. 47, United States, Office of Geography, Department of the Interior, Washington, D. C., Vereinigte Staaten, Mai 1960 (Volume I online bei Google Books und Volume II online bei Google Books, jeweils abgerufen am 1. Februar 2022), Vol. I S. 492 und Vol. II S. 497 (englisch) unter Bezug auf Deutsche Verkehrs- und Vertreterbezirks-Karte, Ravenstein Geographische Verlagsanstalt und Druckerei, Frankfurt am Main 1957., auch Hardthäuschen oder Hardtkreuzchen, sowie Haus Simonshardt, auch in der Schreibweise mit Bindestrich als Haus-Simonshardt.

In einem engeren Sinne bezeichnet Hardterhäuschen speziell die früher an dem Wohnplatz liegende Kapelle, ebenso die kürzere Form Hardthäuschen.

Die mundartliche Bezeichnung ist dę Háat. Sie knüpft an die Bezeichnung die Hardt an, wie sie – in unterschiedlichen Schreibweisen – in früheren Zeiten üblich war: Bereits Ende des 13. Jahrhunderts wurde ein eyrhoff tzo der hart erwähnt;Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Wilhelm Ritz: Urkunden und Abhandlungen zur Geschichte des Niederrheins und der Niedermaas. Teil 1, Aachen 1824, S. 142. eine Erbrente aus 35 Morgen in der Hardt verkaufte Wynheim von Golzheim 1370 dem Johann von Geylesheim aus seinem Hof zu Poll;Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Joseph Strange: Beiträge zur Genealogie der adeligen Geschlechter. Heft 3, Köln 1866, S. 73. 1373 erwähnte Herzogin Maria von Jülich gegenüber der Stadt Aachen lande bi Keylserhart, zugleich ein früher Beleg für die Zugehörigkeit der Hardt zu Kelz.Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Pick: Aus dem Aachener Stadtarchiv. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (ZAGV). 9. Jahrgang 1887, S. 113. Ein Areal in Kelser velde, vur der Hart wird 1416 erwähnt,Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Walter Kaemmerer: Urkundenbuch der Stadt Düren 748–1500. Band I, Allgemeine Quellentexte, 1. Teil, Urkundentexte von 748–1400, Nr. 223, Düren 1971 (Beiträge zur Geschichte des Dürener Landes; 12), S. 281. ein solches up dye hart 1502/03;Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Ingrid Joester: Urkundenbuch der Abtei Steinfeld. Köln, Bonn 1976 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde; 60), S. 740. aus dem 16. Jahrhundert ist die Schreibweise die Hardtt überliefert,Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Hans J. Domsta (Bearb.): Rheinische Weistümer, 4. Abteilung: Die Weistümer des Herzogtums Jülich, 1. Band: Die Weistümer der jülichschen Ämter Düren und Nörvenich und der Herrschaften Burgau und Gürzenich (mit ergänzenden Quellen). 1983 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde; 18), S. 314. aus dem 17. Jahrhundert die hardt.Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Weisthum zu Kelz. In: Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.): Archiv für die Geschichte des Niederrheins. Band 7, Neudruck der Ausgabe Düsseldorf 1831–1870, Osnabrück 1968, S. 49.

Seit 1871 ist die bis heute übliche Bezeichnung Simonshardt vorherrschend,Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Die Gemeinden und Gutsbezirke der Rheinprovinz und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, bearbeitet und zusammengestellt vom Königlichen Statistischen Bureau, XI, Rheinprovinz, Berlin 1974, S. 205. für 1905 findet sich die gleichberechtigte Nennung Simonshardt / Hardthäuschen.Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren – Ein Beitrag zur Namen- und Siedlungsgeschichte. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6, , S. 554 mit Verweis auf Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte, Heft XII, Rheinprovinz, Berlin 1909, S. 49.