mini|Lysabild Kirke mini|Das Kirchspiel Lysabild Lysabild Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche der dänischen Ortschaft Lysabild (deutsch: Lysabbel) auf der Insel Alsen in Nordschleswig. Zu ihrem Kirchspiel Lysabild Sogn gehören die Orte Drejby, Fjelby, Lysabild, Lysabildskov, Mommark, Pøl, Sarup, Skovby und Vibøge. Das in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute, im Kern romanische Kirchengebäude der Dänischen Volkskirche gehört heute zum Bistum Haderslev.

Lysabild Kirke ist eine der ältesten Kirchen der Insel Alsen. Sie ist nach dem heiligen Michael benannt und zählt mit ihren über 500 Sitzplätzen zu den fünf größten Dorfkirchen Dänemarks.Preben Bonde: Lysabild Kirke. (dänisch ). Die Kirche besitzt eine Heiligblutkapelle, die auf ein bei Helmold von Bosau beschriebenes Blutwunder zurückgeht, und war im Mittelalter eine frequentierte Wallfahrtskirche.

Baugeschichte Kirchenschiff und Chor wurden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Backstein erbaut. Spätestens im 14. Jahrhundert wurde das Schiff um ein Gewölbejoch nach Westen verlängert. Um 1400 wurden Kirchenschiff und Chor mit 11–12 Backstein-Lagen um ca. 1,20 m erhöht und das Kreuzgewölbe wurde eingezogen.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2402 f. Darauf wurde um 1400–1425 an der Nordseite eine zweigeteilte Kapelle angebaut, deren westliche Hälfte die Heiligblutkapelle ist (siehe dazu den folgenden Abschnitt). Der östliche Teil der Nordkapelle dient schon länger als Materialraum.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2404. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts erfolgte der Bau des Kirchturms, der später mehrfach umgebaut wurde. Seine heutige Laternenspitze erhielt er 1763, nachdem die vorherige, 18 Alen (ca. 11 m) höhere Turmspitze, die Schiffern als Landmarke gedient hatte, ausgetauscht werden musste.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2406. Heute ist der Turm ca. 40 m hoch.Raben: Lysabild Kirke og minder fra sognet. 1943, S. 12. 1782 wurde das südliche Seitenschiff angebaut, wofür eine Marienkapelle und ein Waffenhaus an der Südwand abgerissen wurden.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2407.

Das Blutwunder und die Heiligblutkapelle mini|Ursache vieler Hostienwunder war das Bakterium Serratia marcescens, das ungesäuertes Brot kräftig rot färbt mini|Inneres der Heiligblutkapelle mini|Kalkmalerei von ca. 1425. Das Blut des Gekreuzigten aus Händen und Seitenwunde wird von Engeln sowie Maria und Johannes in Gefäßen aufgefangen. Helmold von Bosau berichtet in seiner Slawenchronik, Buch II, Kap. 13 bzw. nach durchgehender Zählung Kap. 109, über folgendes Blut- bzw. Hostienwunder, das im Jahr 1168 auf Alsen stattfand:

Helmold nennt in seinem Bericht zwar nicht den Ortsnamen Lysabild (dieser wird erstmals 1245 als Liusapeld erwähnt)Johannes Diederichsen: Alsiske stednavne. Hrsg.: Alsingergildet (= Alsingergildets skrifter. Band 13). [Nordborg] 1994, S. 49, ISBN 87-85174-32-7 (dänisch), doch weil es in keiner anderen Kirche Alsens eine Heiligblut-Verehrung gab, gilt der Bezug als sicher.Raben: Lysabild Kirke og minder fra sognet. 1943, S. 8.Jens Raben: Historier og Sagn fra Als og Sundeved. (Fra Als og Sundeved, Band 75). Sønderborg 1998, S. 56. Da die ältesten Teile der heutigen Kirche aber nicht vor 1200–1250 zu datieren sind, wird angenommen, dass sich Helmolds Blutwunder in einem hölzernen Vorgängerbau abspielte.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2402. Gemäß Helmolds Schilderung muss Lysabild Kirke damals dem Bischof von Schleswig unterstellt gewesen sein,Raben: Lysabild Kirke og minder fra sognet. 1943, S. 9. gehörte aber später wie die anderen Alsener Kirchen zum Bistum Fünen.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2401. Die blutige Hostie wurde 1168 offensichtlich wieder nach Lysabild gebracht und dort seitdem als Heiligblut-Reliquie regional verehrt. Es gab damals auch einen bei der Kirche jährlich stattfindenden Helligblod-Mai („Heiligblut-Markt“). Vor allem Pilger, die sich durch eine Wallfahrt von Krankheiten geheilt glaubten, schenkten der Kirche von Lysabild viel Geld, womit Baumaßnahmen finanziert wurden.Raben: Lysabild Kirke og minder fra sognet. 1943, S. 13 f. So wurde 1400–1425 an der Nordseite der Kirche die Heiligblutkapelle angebaut. Diese wurde um 1425 mit Kalkmalereien ausgeschmückt, die 1949 freigelegt und 1952 restauriert wurden. Im östlichen Gewölbemantel ist eine Kreuzigungsszene mit Auffangung des Blutes Christi dargestellt (vgl. Bild rechts), im westlichen Gewölbemantel eine Szene aus dem Garten Gethsemane mit schlafenden Jüngern. Die Mantelzwickel des Gewölbes zeigen groteske Gestalten, z. B. einen Mann in zweifarbiger Tracht mit kürbisartigem Barett.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2409 f. Mit Einführung der Reformation endete die Reliquienverehrung, die Heiligblut-Reliquie ging verloren und der ehemalige Heiligblut-Markt wurde nach Nordborg auf Alsen verlegt.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2401.

mini|Der Schalenstein in der Nordwand

Im Fundament der Außenmauer der Heiligblutkapelle entdeckte der Prähistoriker und Museumsdirektor Jens Raben in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Schalenstein (dän. skåltegnsten). Der Stein, 1,75 m hoch und 1,35 m breit, war zunächst nicht gut zu erkennen, da er im unteren Teil schwarz geteert und im oberen Teil von weißem Kalkputz überdeckt war, doch zeigte er nach Freilegung und Reinigung über 100 größere und kleinere „Schälchen“ (d. h. napfartige Vertiefungen). Jens Raben nahm an, dass der Stein kaum zufällig in der Kirchenmauer verbaut wurde; Schalensteine hätten bereits in heidnischer Zeit eine kultisch-religiöse Bedeutung gehabt, so bei der Sonnenanbetung und im Fruchtbarkeitskult, und vielleicht habe es noch damals (bei Erbauung der Kapelle im Spätmittelalter) „Brüche“ (damit wohl gemeint: Rivalitäten) zwischen dem alten und dem neuen Glauben gegeben.Raben: Lysabild Kirke og minder fra sognet. 1943, S. 19 f. (mit Abbildung S. 19).

Ausstattung Die ältesten Einrichtungsgegenstände der Kirche sind die romanische Tauffünte aus gotländischem Kalkstein und ein spätgotisches Chorbogen-Kruzifix von ca. 1475–1500. Beide Gegenstände sind nicht ganz vollständig erhalten, bei der Taufe fehlt das Mittelstück zwischen Kumme und Fuß (heute nachträglich ergänzt) und beim Kruzifix das untere Vierpassfeld mit dem Namen des Evangelisten Johannes.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2415 f.

Das Altarretabel im Rokoko-Stil wurde 1791 von Baumeister Hans Petersen Blæshøj und Bildhauer Rudolphsen aus Augustenborg ausgeführt. Vier korinthische Säulen gliedern das Retabel, von denen die beiden äußeren ca. 1,25 m hohe Freifiguren des gehörnten Mose mit den Gesetzestafeln bzw. des triumphierenden Christus mit der Siegesfahne tragen. Das Mittelfeld zeigt eine von Jes Jessen aus Aabenraa 1791 gemalte Kreuzabnahme im Louis-Seize-Rahmen. Das darüber befindliche Giebelfeld wird gefüllt vom Auge Gottes im Strahlenkranz und schließt mit einer Rokoko-Kartusche mit dem Gottesnamen JHWH in hebräischen Buchstaben ab. Das Altarretabel von 1791 ersetzte einen gotischen Flügelaltar, der u. a. Schnitzfiguren aller Apostel zeigte, aber im 18. Jahrhundert nicht mehr in gutem Zustand war.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2412.

Die klassizistische Kanzel wurde 1795 von Schreiner Friedrich Hansen aus Sønderborg angefertigt.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2416. Die Kronleuchter der Kirche stammen aus den Jahren 1902 (im südlichen Seitenschiff) und 1922 (im Hauptschiff). Im Kirchturm befinden sich zwei Glocken. Die ältere wurde 1623 von Michael Westphal aus Rostock gegossen und musste 1917 als Metallspende abgegeben werden, kehrte aber wieder nach Lysabild zurück. Die jüngere Glocke wurde 1706 von Conrad Kleimann aus Lübeck gegossen.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2418.

Orgel mini|Der neugotische Prospekt der Furtwängler-Orgel von 1878 mini|Spieltisch der Furtwängler-Orgel mini|150px|Die heute motorisierte Balganlage neben der Orgel mit Kalkantentritt (im Vordergrund unten) Bereits 1686 wird eine Orgel erwähnt, von der nur bekannt ist, dass sie sich an der Nordwand östlich der Heiligblutkapelle befand.Lysabild Kirke: Als Sønder Herred. In: Danmarks Kirker. Band 23,4, 1961, S. 2417. 1875 wurde eine Westempore in der Kirche eingebaut, und auf dieser fand 1878 die heutige, seitenspielige Orgel mit 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal ihren Platz. In jenem Jahr gaben nämlich die Kirchen von Asserballe, Ketting und Lysabild, alle im Süden Alsens gelegen, eine Sammelbestellung beim Orgelbauunternehmen Philipp Furtwängler & Söhne in Elze auf. Alle drei Orgeln – von denen die in Lysabild als einzige zweimanualig war – sind heute noch in umgebauter Form erhalten.Orgelsamling zu Asserballe, Ketting und Lysabild. Mittlerweile ist auch die Orgel von Ketting nach Erweiterung zweimanualig. Die Orgel von Lysabild kostete 4500 Mark und erklang erstmals am 7. November 1878, als sie von Heinrich Schmahl (1827–1892), dem damaligen Organisten an der Arp-Schnitger-Orgel in der Hamburger St.-Jacobi-Kirche, abgenommen und anschließend in einem Traugottesdienst gespielt wurde.Zu Heinrich Schmahl, der auch zum Erhalt der berühmten Schnitger-Orgel beitrug, vgl. Organisten und Kantoren an St. Jacobi (PDF; 1,1 MB). Am Sonntag, den 10. November 1878, folgte der Einweihungsgottesdienst.Raben: Lysabild Kirke og minder fra sognet. 1943, S. 17. Um 1970 wurden drei Register zur Klangaufhellung ausgetauscht, wobei die Orgel ihre romantischen Streicherstimmen verlor, ansonsten ist das Instrument weitgehend unverändert. Derzeit finden in der Kirche von Lysabild jährlich mehrere Konzerte statt, darunter Orgelkonzerte im Sommer.Gemeindebeschreibung auf der Kirchenhomepage (lysabild-kirke.dk, dänisch).Zeitungsartikel über das Orgelkonzert vom Juli 2020 mit Anne Agerskov (sonderborgnyt.dk, dänisch) Die Disposition lautet:

I Manual C–f3 1. Principal 8′ 2. Rohrflöte 8′ 3. Octav 4′ 4. Rørfløjte 4′Ursprünglich Viola da Gamba 8′ 5. Gemshorn 2′Ursprünglich Bordun 16′ 6. Mixtur II–III II Manual C–f3 7. Lieblich Gedackt 8′ 8. Flöte 4′ 9. Oktav 2′Ursprünglich Salicional 8′ Pedal C–d1 10. Subbass 16′ 11. Principalbass 8′ 12. Bordun 8′ Koppeln: II/I, I/P; (nicht mehr in Funktion): P Bass Octavkoppel, I Melodie Octavkoppel Nebenregister: Kalkantenruf Traktur: mechanische Schleifladen Anmerkungen

Pastorengeschichte