Das 4. Magdeburgisches Infanterie-Regiment Nr. 67 war ein von 1860 bis 1919 bestehender Infanterieverband der Preußischen Armee.
Geschichte Der Verband wurde am 5. Mai 1860 im Zuge der Heeresvermehrung als 27. kombiniertes Infanterie-Regiment aufgestellt und erhielt am 4. Juli 1860 die Bezeichnung 4. Magdeburgisches Infanterie-Regiment (Nr. 67). Die Klammer entfiel am 7. Mai 1861. Das I. Bataillon war zunächst in Halberstadt, das II. Bataillon in Halle (Saale) und das Füsilier-Bataillon in Quedlinburg stationiert. Vom 21. Mai 1860 bis zum 19. Januar 1868 standen I. und II. Bataillon in Wittenberg. Das I. verlegte anschließend wieder nach Halberstadt und das II. Bataillon erhielt Nordhausen als neue Garnison zugewiesen. Nach dem Krieg gegen Frankreich kamen das I. und III. Bataillon am 25. Juni 1871 nach Braunschweig, das II. Bataillon nach Blankenburg (Harz). Am 25. März 1887 erfolgte die Zusammenführung und Verlegung nach Metz.
Deutsch-Dänischer Krieg Für die Dauer der Mobilmachung anlässlich des Krieges gegen Dänemark 1864 war das Füsilier-Bataillon des Regiments zum Schutz des Jadegebietes eingesetzt.
Deutscher Krieg Im Krieg gegen Österreich nahm das Regiment geschlossen am 23. Juni 1866 an der Erkundung gegen Reichenberg in Nordböhmen teil. Daran schlossen sich die Schlachten bei Münchengrätz am 28. Juni und bei Königgrätz am 3. Juli 1866 an. Zu letzten Kampfhandlungen kam es am 22. Juli 1866 im Gefecht bei Blumenau. Die Verluste während des Krieges beliefen sich auf 527 Offiziere und Mannschaften.[Hans] Weberstedt: Geschichte des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 67. Mittler & Sohn, Berlin 1899, Anlage 6, S. 480.
Deutsch-Französischer Krieg Im Verbund mit der 15. Infanterie-Division nahm das Regiment im Krieg gegen Frankreich zunächst an der Schlacht bei Gravelotte teil, wo der Tamborstock des französischen 75. Linien-Infanterie-Regiments erbeutet wurde. Als äußeres Zeichen des Sieges in dieser Schlacht erhielt das Regiment nach dem Krieg am 23. November 1871 durch Allerhöchste Order von Kaiser Wilhelm I. die Erlaubnis, diesen Stock als Regiments-Tamborstock zu führen.[Hans] Weberstedt: Geschichte des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 67. Mittler & Sohn, Berlin 1899, S. 347. Im weiteren Kriegsverlauf war der Verband vom 19. August bis zum 10. September 1870 in die Einschließung von Metz sowie vom 12. November 1870 bis 18. Februar 1871 in die Belagerung von Belfort eingebunden. Einzelne Kompanien des Regiments beteiligten sich ab Ende November 1870 an den Gefechten bei Offemont, Vétrigne, Voujeaucourt, Cravanche, La Tuilerie, Bavilliers, L’Isle-sur-le-Doubs, Arcey und Sainte-Marie (Doubs). Das I. und III. Bataillon nahm vom 15. bis 17. Januar 1871 an der Schlacht an der Lisaine teil. Das Füsilier-Bataillon kämpfte am 16. Januar bei Essert und nahm am 26. Januar 1871 am Sturm auf das Fort des Hautes Perches teil. In der Zwischenzeit kamen das I. und II. Bataillon bei Le Haut Taillis und Pérouse zum Einsatz.
Insgesamt hatte das Regiment 173 Tote, 604 Verwundete und 79 Vermisste zu beklagen, den Großteil in der Schlacht bei Gravelotte.[Hans] Weberstedt: Geschichte des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 67. Mittler & Sohn, Berlin 1899, Anlage 6, S. 506.
Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg unterstand es der 34. Infanterie-Division.
Verbleib Nach Kriegsende wurde das Regiment ab dem 21. Dezember 1918 zunächst in Wettin und ab Mitte März 1919 in Hadmersleben demobilisiert und aufgelöst. Aus Teilen bildete sich das Freiwilligen-Bataillon „Alemann“, das als II. Bataillon im Freiwilligen-Infanterie-Regiment „Haupt“ beim Freikorps „Hasse“ im Grenzschutz Oberschlesien eingesetzt wurde. Diese Formation wurde am 5. Februar 1920 als II. Bataillon in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 108 eingegliedert.
Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die in Quedlinburg stationierte 5. Kompanie des 12. Infanterie-Regiments.
Gedenken mini|Das Soldatendenkmal im Bochumer Stadtpark bei der Einweihung am 18. August 1935 Für die während des Deutsch-Französischen Krieges in der Schlacht bei Gravelotte gefallenen Regimentsmitglieder wurde am 18. August 1872 bei Saint-Hubert ein Denkmal errichtet. Die Ausführung in Sandstein wurde dem Bildhauer Jacquemin in Metz übertragen. Es handelt sich um einem viereckigen Obelisk, der sich auf einem Sockel in Form eines liegenden Kranzes erhebt. Gekrönt ist der Obelisk von einem in Stein nachgebildeten Eisernen Kreuz.
In Bochum wurde zur NS-Zeit das Kriegerdenkmal am Stadtpark für die 67er errichtet und am 18. August 1935 eingeweiht. Es sollte die Kontinuität zwischen der kaiserlichen Truppe und der neuen Wehrmacht unterstreichen. Auf dem Denkmal wurden Orte genannt, an denen die Soldaten des Regimentes gekämpft haben: Fillières, Dannevoux, Argonnen, Verdun, Deuxnouds, Vauquois, Brimont, Flandern, Thiaucourt, Cambrai, Crozat-Kanal, Beauregard.
Die Soldaten des Denkmals wurden 1983 von Unbekannten abgesägt und umgestürzt. Die Soldatenfiguren wurde in das Stadtarchiv Bochum gebracht. 2014 waren sie als Leihgabe einer großen Ausstellung über den Ersten Weltkrieg auf der Zeche Zollverein.
Kommandeure DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 184–185.Oberstleutnant/OberstHermann von Gersdorff8. Mai 1860 bis 24. Juni 1864OberstEduard von Bothmer25. Juni 1864 bis 7. Februar 1868OberstleutnantHeimart von Linsingen8. Februar bis 21. März 1868 (mit der Führung beauftragt)OberstHeimart von Linsingen22. März 1868 bis 16. Juni 1869OberstFriedrich von Zglinicki18. Juni 1869 bis 19. Januar 1873Oberstleutnant/OberstHeinrich von Olszewski20. Januar 1873 bis 13. Januar 1879OberstRudolph Buek14. bis 22. Januar 1879OberstleutnantFranz von Gaza23. Januar bis 11. April 1879 (mit der Führung beauftragt)Oberstleutnant/OberstFranz von Gaza12. April 1879 bis 11. Januar 1881OberstEugen von Hering12. Januar 1881 bis 3. August 1888OberstPhilipp von Fischer-Treuenfeld4. August 1888 bis 23. März 1890OberstKarl Hoffmann24. März 1890 bis 13. Februar 1893OberstFerdinand Stolte14. Februar 1893 bis 19. Mai 1896OberstFerdinand Windt20. Mai 1896 bis 14. Juni 1899OberstOskar Sachs15. Juni 1896 bis 17. April 1903OberstWaldemar Hopfe18. April 1903 bis 17. Mai 1905OberstHans von Sannow18. Mai 1905 bis 20. Mai 1906OberstFranz Reitzenstein21. Mai 1906 bis 1. Mai 1910OberstPaul Rethel2. Mai 1910 bis 20. April 1911OberstBruno Melms21. April 1911 bis 21. März 1914OberstWolfgang Pietsch22. März bis 13. Oktober 1914OberstleutnantFelix von Merkatz14. Oktober 1914 bis 11. Oktober 1917MajorLubbert von Westphalen12. Oktober bis 19. Dezember 1917MajorFranz Caesar20. Dezember 1917 bis 9. März 1918MajorFritz Schubert11. März 1918 bis 9. Januar 1919OberstPaul Haehling von Lanzenauer10. Januar bis 3. Februar 1919OberstPaul Schallehn4. Februar bis 3. Mai 1919
Siehe auch Liste der Infanterieregimenter der neupreußischen Armee
Literatur [Max] Heinrich: Die ersten 25 Jahre des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 67. Mittler & Sohn, Berlin 1885. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 126. Eduard Simon: 4. Magdeb. Infanterie-Regiment Nr. 67: Band I: Bewegungskrieg, Agonnen, Verdun (August 1914 bis Ende Oktober 1916). (= Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Band 156), Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1926. Band II: Von den Kämpfen vor Verdun bis zum Ausgang des Weltkrieges (Oktober 1916 bis November 1918). (= Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Band 156), Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1927. Hans Weberstedt: Geschichte des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 67. Mittler & Sohn, Berlin 1899. (Digitalisat)
Einzelnachweise
InfanterieRegiment 067 Kategorie:Militärischer Verband im Deutsch-Französischen Krieg Preussen Infanterieregiment #::67 Kategorie:Gegründet 1860 Kategorie:Aufgelöst 1919 Kategorie:Militärgeschichte (Magdeburg)