mini|Slobodan Milošević (2001) Slobodan Milošević [] (, ; * 20. August 1941 in Požarevac, Militärverwaltungsgebiet Serbien, heute Serbien; † 11. März 2006 in Den Haag-Scheveningen, Niederlande) war ein jugoslawischer und serbischer Politiker des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und danach der Sozialistischen Partei Serbiens. Innerhalb verschiedener politischer Funktionen galt er von 1987 bis 2000 als die bestimmende politische Führungsfigur Serbiens und später der Bundesrepublik Jugoslawien. Während der 13 Jahre, die er an der Macht war, baute er das Staatssystem zunehmend zu einer Autokratie um.Thomas Brey: Milosevic ist tot, seine Ideen leben weiter. vom 11. Februar 2022 Deutsche Welle, abgerufen am 30. Juli 2026

Wegen seiner Beteiligung am Kosovokrieg (und an den Jugoslawienkriegen) wurde Milošević als erstes Staatsoberhaupt, noch während seiner Amtsausübung, von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt. Weitere Anklagepunkte des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag beinhalteten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.John B. Allcock: Slobodan Milošević. aktualisiert am 11. Juni 2026 Encyclopædia Britannica, abgerufen am 30. Juli 2026

Milošević war Parteivorsitzender des Bundes der Kommunisten Serbiens (1986–1989) und außerdem Gründer und langjähriger Vorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens (1990–2006). Milošević fungierte als Präsident der Sozialistischen Republik Serbien (1989–1991), Präsident der Republik Serbien (1991–1997) und Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien (1997–2000).

Milošević musste am 5. Oktober 2000 als jugoslawischer Staatspräsident zurücktreten, nachdem Zehntausende Demonstranten seinen Rücktritt gefordert hatten. Die friedlichen Demonstraten machten seine Regierung u. a. für die Jugoslawienkriege gegen Kroatien und Bosnien-Herzegowina verantwortlich, sowie für die Bombardements des Landes durch Nato-Flugzeuge und Wahlbetrugs.

Nach seinem Sturz floh Milošević zunächst und wurde, im April 2001, auf Betreiben des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Đinđić, verhaftet und an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert. Der Prozess begann im Jahr 2002, zog sich jedoch so lange hin, dass bis zu Miloševićs Tod, im März 2006, kein Urteil gesprochen worden war.Thomas Brey: Milosevic ist tot, seine Ideen leben weiter. vom 11. Februar 2022 Deutsche Welle, abgerufen am 30. Juli 2026

Leben

Milošević war der zweite Sohn von Svetozar Milošević und Stanislava Milošević. Seine Eltern waren Montenegriner. Sein Vater, ein orthodoxer Geistlicher, verließ die Familie, als Milošević noch die Grundschule besuchte. Er beging 1962 Suizid und seine Mutter elf Jahre später ebenfalls.. Milošević verstand sich als Serbe. Sein Bruder Borislav sah sich als Montenegriner; er machte im diplomatischen Dienst der SFR Jugoslawien und der späteren Bundesrepublik Jugoslawien Karriere.

Milošević war seit 1965 mit Mirjana Marković verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder.

Politischer Aufstieg (1959–1986) Milošević trat 1959 dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BDKJ) bei. 1964 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften mit dem juristischen Staatsexamen an der Belgrader Universität ab. Zunächst arbeitete er in der Wirtschaft und war ab 1969 war er Vizedirektor und ab 1974 Generaldirektor des staatlichen Energieversorgers (Technogas). Von 1978 bis 1983 war er Direktor der Beogradska Banka.

Als Protegé von Ivan Stambolić wurde er 1984 zum Leiter der Kommunistischen Partei in Belgrad gewählt und wurde 1986 Parteivorsitzender des Bundes der Kommunisten Serbiens.

Miloševićs Regime in Serbien (1987–2000) Politik vor Beginn der Jugoslawienkriege mini|hochkant|Slobodan Milošević (1988) Im September 1987 veranlasste Milošević den Sturz des serbischen Präsidenten Ivan Stambolić. Obgleich er das Präsidentenamt zunächst nicht selbst übernahm, sondern Petar Gračanin überließ, wurde Milošević zum starken Mann Serbiens. So war er in den Jahren 1988 bis 1990 die treibende Kraft hinter der sogenannten Antibürokratischen Revolution, im Rahmen derer er die innerparteiliche Opposition ausschaltete. Die politischen Führungen der beiden autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina wie auch der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro wurden durch ihm getreue Politiker ersetzt. Darüber hinaus wurde der seit 1974 herrschende erweiterte Autonomiestatus der beiden serbischen Provinzen auf den Grad von vor 1974 zurückgestuft, was die Auflösung der Regionalparlamente zur Folge hatte. Am 8. Mai 1989 übernahm Milošević das Präsidentenamt der jugoslawischen Teilrepublik Serbien.

Milošević entwickelte sich immer mehr vom überzeugten Kommunisten zu einem Nationalisten. Höhepunkt seines nationalistischen Kurses stellte die sogenannte Amselfeld-Rede vom 28. Juni 1989 anlässlich des 600. Jahrestags der Schlacht auf dem Amselfeld dar, allerdings ist der Grad des Nationalismus der Rede umstritten.

Im Januar 1990 führten die zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen Kroatiens und Sloweniens zur faktischen Auflösung des BDKJ. Im Juli 1990 fusionierte der Bund der Kommunisten Serbiens, der serbischen Republiksorganisation des BDKJ, mit der Massenorganisation Serbische Allianz zur Sozialistischen Partei Serbiens (SPS), zu deren erstem Vorsitzenden Milošević gewählt wurde. Bei den anschließenden ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg im Dezember 1990 wurde er mit 65 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt.

Der Krieg in Jugoslawien mini|hochkant|Slobodan Milošević nach der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens 1995

Während der Jugoslawienkriege lieferte Serbien bzw. die verbliebene Bundesrepublik Jugoslawien unter Milošević zwar Versorgungsgüter, Treibstoff und auch Waffen in die Kriegsgebiete, war jedoch nach dem kurzen Unabhängigkeitskrieg Sloweniens 1991 (10-Tage-Krieg) und der ersten Periode des Kroatienkrieges nicht mehr mit regulären Truppen an diesen Auseinandersetzungen beteiligt.

Es wurde während des Krieges und auch danach behauptet, dass die serbische Regierung unter Milošević die militärische Auseinandersetzung bereits 1990, möglicherweise auch schon davor, geplant hat, um einen gemeinsamen großserbischen Staat zu schaffen, wobei es in erster Linie darum gegangen sei, Gebiete an Serbien anzugliedern. Allerdings ist diese Ansicht nicht beweisbar, da von Politikern der Republik Serbische Krajina der gemeinsame Staat mehrfach gefordert, aber von Milošević, der als Mitglied der kommunistischen Partei den Erhalt des bisherigen Staates verfolgte, öffentlich immer wieder abgewiesen wurde.

Am 21. November 1995 unterzeichneten Milošević, der bosnische Präsident Alija Izetbegović und der kroatische Präsident Franjo Tuđman das so genannte Dayton-Abkommen, das den Krieg in der ehemaligen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina beendete und das politische System im nunmehr unabhängigen Bosnien und Herzegowina festlegte. Als in großem Maße selbstständige Entität innerhalb dieses Staates wurde die Republika Srpska geschaffen, was Milošević als Erfolg verbuchte.

Vom Präsidenten Serbiens zum Präsidenten Jugoslawiens mini|Slobodan Milošević (rechts) im Gespräch mit dem IFOR-Kommandeur und US-Admiral T. Joseph Lopez in Belgrad im September 1996

Aus den Kommunalwahlen vom 17. November 1996 waren in vielen Städten und Gemeinden Serbiens, unter anderen auch in Belgrad, Oppositionsparteien als Sieger hervorgegangen. Durch Wahlfälschungen konnten die Vertreter der SPS unter Milošević die politische Macht weiter für sich reklamieren. Insbesondere die Studentenproteste wurden blutig niedergeschlagen, wobei eine kritische Berichterstattung, wie beispielsweise die des Studentensenders B92, gezielt be- bzw. verhindert wurde.Es war einmal ein Radio B92. September 2023 Goethe Institut, abgerufen am 30. Juli 2026

In Belgrad und anderen serbischen Städten forderte die Opposition in Massendemonstrationen daraufhin den Sturz Miloševićs, was zur Anerkennung der Wahlerfolge der Opposition durch die Regierung im Februar 1997 führte. Damit begann Miloševićs Macht in Serbien zu bröckeln. Im Juli 1997 trat er vom Amt des serbischen Präsidenten zurück, auch weil er in diese Funktion laut Verfassung nicht hätte wiedergewählt werden können, wurde aber daraufhin am 15. Juli 1997 von der sozialistischen Mehrheit des jugoslawischen Bundesparlaments zum Staatspräsidenten der Bundesrepublik Jugoslawien gewählt.

Im Mai 1998 veranlasste er den Sturz des jugoslawischen Ministerpräsidenten Radoje Kontić aus Montenegro, wodurch die Spannungen zwischen der von Milošević beherrschten Bundesregierung und Montenegro sich erheblich verschärften.

Kosovo-Krieg und Sturz Während der 1990er Jahre verschärften sich im Kosovo die Gegensätze zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit und der serbischen Minderheit. Dabei kam es ab etwa 1996 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) und den Streitkräften der BR Jugoslawien. Dieser Konflikt mündete schließlich 1998/1999 in den zunächst innerstaatlichen Kosovokrieg, der aufgrund der Unterstützung der Kosovo-Albaner durch die NATO und der Weigerung der jugoslawischen Regierung, NATO-Truppen auf eigenem Boden zu akzeptieren, ab dem 24. März 1999 zu NATO-Angriffen auf Jugoslawien und letztlich zu einem von den Vereinten Nationen verwalteten, aber weiterhin formell zu Jugoslawien gehörigen Kosovo führte.

Milošević erklärte sich nach den Präsidentschaftswahlen vom 24. September 2000 zunächst zum Wahlsieger. Er wurde nach langanhaltenden Protesten und Massendemonstrationen am 5. Oktober 2000 durch einen Volksaufstand gestürzt, wobei die Wahlfälschung nur einer von mehreren Vorwürfen war. Neuer Präsident wurde nach Neuwahlen Vojislav Koštunica (Demokratische Partei Serbiens).5. Oktober 2000 beograd.rs, Dokumentation des Sturzes von Milošević.

Da eine Milliarden-Aufbauhilfe für Serbien und Montenegro durch eine internationale Geberkonferenz von der Auslieferung des ehemaligen Machthabers abhing, ließ der nunmehrige serbische Ministerpräsident Zoran Đinđić Milošević am 1. April 2001 festnehmen und nach Den Haag an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ausliefern.

Prozess vor dem Kriegsverbrechertribunal Am 27. Mai 1999 wurde Milošević, der als Schlüsselfigur der Jugoslawienkriege galt, vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Die endgültigen Anklageschriften fügten dem weitere Anklagepunkte hinzu, darunter Kriegsverbrechen, Verstöße gegen die Genfer Konventionen und Völkermord.

Anklagepunkte Insgesamt 66 Klagepunkte wurden Milošević in drei Anklageschriften für die folgenden Handlungen vorgeworfen:

Anklagepunkte Kroatienkrieg

Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter: Verfolgung, Tötung, Folter und unmenschliche Behandlung. Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Genfer Konventionen Deportation von mindestens 170.000 Kroaten und anderen Nicht-Serben Das Massaker von Vukovar Die Belagerung von Dubrovnik

Anklagepunkte Bosnienkrieg mini|Massaker von Srebrenica; nachträgliche Bestattung von 465 identifizierten Opfern (2007) Zusätzlich die folgenden Verbrechen: Völkermord, allein über 8.000 Opfer beim Massaker von Srebrenica Tausende Ermordete in den Gefangenenlagern Omarska und Keraterm.

Anklagepunkte Kosovokrieg

Zusätzlich die folgenden Verbrechen: die systematische Vertreibung des albanischen Bevölkerungsteils geplant, befohlen und betrieben zu haben die Vertreibung von 800.000 Zivilisten aus dem Kosovo den Tod von mindestens 900 Menschen Verbrechen gegen die Menschlichkeit Kriegsverbrechen.

Allen drei Anklageschriften zufolge war Milošević verantwortlich für: Massenvertreibungen („ethnische Säuberungen“) Festhalten und Internierungen von Personen unter unmenschlichen Bedingungen Deportationen und unmenschliche Taten Zerstörung und Plünderungen öffentlicher und privater Güter Angriffe und Morde an Zivilisten