Bovenden () ist ein Flecken im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen (Deutschland). Große Bereiche des heutigen Fleckens Bovenden decken sich mit der früheren „Herrschaft Plesse“.

Die Bezeichnung Flecken ist offizieller Teil des Namens. Der Flecken besteht aus dem Kernort Bovenden und sieben weiteren Ortsteilen. Etwa 14.000 Einwohner haben ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz im Flecken Bovenden, davon leben 48 Prozent im Kernort Bovenden. auf der Internetseite der Gemeinde, abgerufen am 23. August 2013

Geographie mini|hochkant=1.4|Bovenden im Leinetal mit Göttinger Wald (rechts) und Nörtener Wald (links) im Hintergrund Bovenden liegt an den nordwestlichen Ausläufern des Göttinger Walds und den südwestlichen des Nörtener Walds ungefähr sechs Kilometer nördlich von Göttingen. Der Kernort Bovenden befindet sich zwischen dem Osterberg und dem Keuperrücken der Lieth im Tal der in Süd-Nord-Richtung verlaufenden Leine. Am östlichen Ufer der in gleicher Richtung verlaufenden Weende, die wenige Kilometer weiter nördlich in die Leine mündet. Oberhalb bzw. östlich des Ortsteils Eddigehausen steht die Ruine der mittelalterlichen Burg Plesse.

Fleckengliederung Der Flecken Bovenden ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den Ortschaften Billingshausen Bovenden, Kernort Eddigehausen Emmenhausen Harste Lenglern Reyershausen Spanbeck

Ortswüstungen Neben den bestehenden Dörfern zählten noch einst folgende Orte zu Bovenden, die jedoch im späten Mittelalter wüst fielen.Martin Last, Bovenden, der Flecken mit Tradition und Fortschritt. Verlag Erich Goltze, Göttingen, 1985. S. 11. ISBN 3-88452-811-4 Rodershausen oder Rodershusen (2 km nordwestlich von Bovenden)Erhard Kühlhorn, Die Mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 3: O-Z, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld, 1995. S. 203–208, ISBN 3-89534-133-9. Aspe oder Aspa (1 km nordöstlich von Spanbeck)Erhard Kühlhorn, Die Mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 1: A-E, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld, 1994. S. 82–94, ISBN 3-89534-131-2. Botleveshusen (0,2 km westlich von Mariaspring)Erhard Kühlhorn, Die Mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 1: A-E, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld, 1994. S. 292–295, ISBN 3-89534-131-2. Backenhusen (1,2 km östlich von Reyershausen)Erhard Kühlhorn, Die Mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 1: A-E, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld, 1994. S. 101–107, ISBN 3-89534-131-2. Sturmbeke oder Stumbeke (0,9 km westlich von Reyershausen)Erhard Kühlhorn, Die Mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 3: O-Z, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld, 1995. S. 293–298, ISBN 3-89534-133-9.

Geschichte Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Bovenden ist in einer Urkunde Ottos des Großen vom 2. Februar 949 überliefert, in der der spätere Kaiser ein Tauschgeschäft mit dem Kloster Hersfeld beurkundet. Der Ortsname lautete dort Bobbenzunon und ist später als Bobbantun (1141, Fälschung des 13. Jahrhunderts), Bobentun (1170) und Bobentum (1191), seit dem 13. Jahrhundert als Boventen und seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert in der heutigen Form überliefert. Die Namensherleitung ist noch umstritten, naheliegend ist eine Deutung als Zusammensetzung eines Personennamens Bovo, Bob(b)o mit der Endung -tun (die Endung „-tun“ steht im Niederdeutschen für „Zaun, Einhegung“, auch „eingezäuntes Gebiet“ – daher auch das englische „town“), also eine von Bobo gegründete oder beherrschte eingehegte Siedlung. Eine andere Deutung geht nicht von einem Personennamen, sondern von dem Stamm bioðan (=„oberhalb“, vgl. niederdeutsch boven) aus, also eine eingehegte Siedlung oberhalb des Überschwemmungsgebiets der Leine.

Ab dem 12. Jahrhundert tritt zum ersten Mal die adlige Grundherrenfamilie der Herren von Boventen auf, deren früheste Nennung in einer Urkunde aus dem Jahre 1170 stammt. In dieser Urkunde, bei der es sich um Schenkungen in der Umgebung von Bovenden an das Kloster Helmershausen handelt, wird ein Bodo von Boventen in einer Reihe von Zeugen aufgezählt, ab 1211 treten sodann die Herren von Boventen als Patrone der örtlichen Kapelle auf. In den folgenden Jahrzehnten gelang es der Familie von Boventen ihre Güter zu erweitern, sodass sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts schon ausgedehnten Besitz im weiteren Umkreis besaßen, ihr Hauptort blieb jedoch Bovenden, in dem sie sieben Höfe, 11½ Hufen Land, zwei Wiesen und ihre Burg hatten. Außerhalb ihres Stammortes traten sie als Burgmannen auf der Hardenberg auf, standen im mainzischen Diensten und waren oftmals Zeugen bei den Hardenbergern. Die Nähe zu Kurmainz verhinderte jedoch nicht, dass die von Bovenden auch Lehen der Welfen annahmen. Im 14. Jahrhundert wechselten sie sodann immer mehr in das Braunschweiger Lager über, so gelobte beispielsweise Ritter Günther von Bovenden dem Herzog Otto von Braunschweig 1364 gegen jeden, außer dem Erzbischof von Mainz, behilflich zu sein und falls Herzog Otto sie aus ihrem Bündnis mit Kurmainz befreien könne, nur ihm zu dienen. Für zwei Jahrhunderte besaßen die Herren von Boventen maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke des Ortes, bis sie ab Ende des 14. Jahrhunderts allmählich an Bedeutung verloren. Nur eine Linie, diejenige zu Lenglern, führte nach 1500 den Namen weiter. Die Besitzungen der Herren von Boventen, in Urkunden als nobiles und miles bezeichnet, wechselten auf die Edelherren von Plesse über. Im Bovender Wappen erinnert heute der Schlüssel an das mainzische Amt der Burgmannen auf der Hardenberg.

Seit dem 14. Jahrhundert sind die Herren von Plesse als bedeutendste Grundbesitzer in Bovenden nachweisbar. Ihren gesamten Grundbesitz trugen sie am 28. Oktober 1447 dem Landgrafen Ludwig I. von Hessen auf und erhielten ihn von diesem als Erbmannlehen zurück.Heinz Ahlborn, Ulrich Scheuermann: Beiträge zur Geschichte Elliehausens (Stadt Göttingen). Heft 1: Die Edelherren von Plesse als Grundherren in Elliehausen. Sonderdruck aus Plesse-Archiv 28, Bovenden 1992, S. 243 Auf diese Weise konnten sie sich gegenüber dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg einen höheren Grad an Selbstbestimmung bewahren. Nach dem Aussterben der Plesser 1571 fiel die Herrschaft Plesse an die Landgrafschaft Hessen-Kassel und war nun eine hessische Enklave. Seit dem 16. Jahrhundert bekam Bovenden als bedeutendster Ort der Herrschaft Plesse auch mehr Rechte: Durch Johannes Letzner wurde es 1587 erstmals als Flecken bezeichnet, was zumindest auf ein Marktrecht hinweist, und 1605 wurde das Braurecht verliehen. mini|Hessisches Amtshaus und Jagdschloss Nach der Aufgabe der Burg Plesse 1660 wurde Bovenden Verwaltungssitz, ein neues Amtshaus wurde ab 1777 als repräsentative Barockanlage an der Stelle zweier ehemaliger Meierhöfe des Klosters Steina erbaut. Die Repräsentations- und Verwaltungsaufgaben wurden in diesem hessischen Schloss bis 1815 ausgeübt,Peter Ferdinand Lufen: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.2: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. Herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege -. CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 92. es diente auch als Jagdschloss der Landgrafen von Hessen-Rotenburg. Die Lage als Enklave bot verschiedenen Berufszweigen besondere Entwicklungsmöglichkeiten. Seit 1860 ist in dem Gebäude das Staatliche Forstamt Bovenden untergebracht, bis in das Jahr 1859 diente es als Verwaltungssitz des damals aufgelösten hannoverschen Amtes Bovenden.

Bei Gründung der Göttinger Georg-August-Universität erlebte auch Bovenden ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung. Viele Studenten kamen in den Ort, der damals noch eine Enklave der Landgrafschaft Hessen-Kassel war, um sich dort fahrende Theatergruppen anzusehen, im Wirtshaus „Zum letzten Heller“ sowie in der Ausflugsgaststätte Mariaspring zu speisen oder sich mit Wein, Branntwein, Kaffee und Zucker einzudecken, welche in Göttingen mit einer Luxussteuer versehen waren. Im Zuge dieser Ereignisse, die nach den Obrigkeiten der Göttinger Universität als Zeitverschwendung, Ausschweifungen und Schuldenmachen der Studenten angesehen wurden, sprach man auch von der „Bovender Gefahr“.

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Bovenden von 1871 bis 2017

Im Rahmen der Gemeinde- und Gebietsreform wurden am 1. Januar 1973 die acht Ortschaften Eddigehausen, Emmenhausen, Harste, Lenglern, Oberbillingshausen, Reyershausen, Spanbeck und das vorher im Landkreis Northeim gelegene Unterbillingshausen in den Flecken Bovenden eingegliedert.

Einwohnerstatistik Entwicklung der Einwohner von Bovenden. Vor der Eingemeindung 1973 ist die Zahl des heutigen Kernorts angegeben:

Jahr 1871 1925 1939 1950 1955 1961 1970 2017 2018 2020 2021 Einwohner 1572 1537 1531 2460 2409 2748 4476 13.559 13.586 14.144 14.272

Konfessionsstatistik Jahresende 2020 waren von den Einwohnern 45,7 % evangelisch und 11,6 % katholisch. 42,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Jahresende 2023 waren von den Einwohnern 41,6 % evangelisch und 10,5 % katholisch. 47,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Berichtsheft 2024 Teil 1 Landkreis Göttingen Bevölkerungsbestand nach Religion Seite 44, abgerufen am 25. Juni 2024Statistisches Berichtsheft 2023 Landkreis Göttingen Bevölkerungsbestand nach Religion, abgerufen am 23. Oktober 2023 Jahresende 2024 waren von den Einwohnern 40,1 % evangelisch und 10,4 % katholisch. 49,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung sinkt jährlich.Servicestelle Statistik im Referat Demografie und Sozialplanung des Landkreises Göttingen, Statistische Gemeindeprofile Tabellenteil Demografie-, Sozial- und Wohnstrukturdaten , abgerufen am 6. Juli 2025

Religion mini|links|St.-Martini-Kirche mini|Dietrich-Bonhoeffer-Haus mini|St.-Franziskus-Kirche Die St.-Martini-Kirche ist die älteste Kirche von Bovenden. Sie gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Bovenden der Evangelisch-reformierten Kirche (Landeskirche).Evangelische Gemeinde Bovenden. Evangelisch-reformierte Kirche, abgerufen am 13. September 2021. 1610 hatte der Landesherr Moritz von Hessen-Kassel in Bovenden das reformierte Bekenntnis eingeführt. Zur evangelischen Kirchengemeinde Bovenden gehören auch Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses in Bovenden.Plesse-Gemeinden. Evangelisch-reformierte Kirche, abgerufen am 13. September 2021.

Das „Haus der Mitte“, ein evangelisches Gemeindehaus, wurde in den 1960er Jahren im damals neu entstehenden Ortszentrum erbaut.

Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus gehört zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, es wurde 1987 neben der St.-Franziskus-Kirche errichtet und nach Dietrich Bonhoeffer benannt. Flecken Bovenden, abgerufen am 13. September 2021.

Eine weitere evangelische Einrichtung in Bovenden ist die evangelische Kindertagesstätte Bovenden, die seit 1966 besteht.Einblicke in unser Fest zum 50-jährigen Jubiläum. Evangelische Kindertagesstätte Bovenden, 2. Juni 2016. Abgerufen am 13. September 2021.

Weitere evangelische Kirchen befinden sich in den Ortsteilen Billingshausen, Eddigehausen, Harste, Lenglern, Reyershausen und Spanbeck.