mini|hochkant|Grete Mosheim 1928 auf einer Fotografie von Alexander Binder Margarete Emma Dorothea Mosheim (* 8. Januar 1905 in Berlin, Deutsches Reich;Standesamt Berlin VI, Geburtsurkunde Nr. 52 vom 11. Januar 1905 (Landesarchiv Berlin) † 29. Dezember 1986 in New York, Vereinigte Staaten) gehörte zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen der 1920er und 1930er Jahre.
Leben Grete Mosheim war die Tochter des jüdischen Arztes Markus Mosheim (* 1868 in Adorf ; † 1956 in Berlin) und seiner Ehefrau Clara, geborene Hilger (* 1875 in Dresden; † 1970 in Berlin). Nach dem Besuch des Lyzeums studierte sie zusammen mit Marlene Dietrich bei Max Reinhardt sowie an der Reicherschen Hochschule für dramatische Kunst.Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch, 2. Band: Hurka – Pallenberg. Kleinmayr, Klagenfurt 1960, S. 1528
Mosheim war von 1922 an, also ab ihrem 17. Lebensjahr bis 1931 Mitglied des Deutschen Theaters Berlin. Von 1931 bis 1932 spielte sie am Lessingtheater und der Tribüne, 1932/1933 am Metropoltheater und danach am Komödienhaus und der Volksbühne. Sie trat auch in Operetten und Musikrevuen auf, auf Schellackplatten sang sie Lieder von Friedrich Hollaender und anderen zeitgenössischen Komponisten.
Ab 1924 trat sie häufig im Stummfilmen auf. Im September 1927 war sie an der Gründung der Grete Mosheim Film-Produktions GmbH beteiligt.Handelsregister Berlin HRB Nr. 40378. Gegenstand des Unternehmens war laut Handelsregistereintrag: Die Herstellung von Filmen, in denen Frau Grete Mosheim die Darstellung der weiblichen Hauptrolle übernimmt. Die Gesellschaft kann neben den Filmen, in denen Frau Grete Mosheim tätig ist, auch andere Filme im Einverständnis mit Frau Grete Mosheim herstellen. 1928 erfolgte eine Umwandlung der Firma in die Essem Film-Produktions GmbH. 1930 gab sie ihr Tonfilmdebüt in dem Sittendrama Cyankali unter der Regie von Hans Tintner. Der Film prangert das Abtreibungsverbot an, weswegen er auch bald danach verboten wurde. In den nachfolgenden Jahren hatte Mosheim Hauptrollen in verschiedenen Tonfilmen. Gegen Ende der Zwanziger Jahre repräsentierte sie vorbildlich den beliebten spitzbübisch-trotzigen Mädchentyp.
Ihr letzter Erfolg in Berlin war die Operette Die Katz' im Sack! von Michael Eisemann Anfang 1934 in der Komischen Oper.Neues Wiener Journal vom 28. Jänner 1934, S. 23 Nach einigen Gastspielen in Österreich arbeitete sie ab Ende 1934 zunächst in England. Im Dezember 1938 emigrierte sie in die Vereinigten Staaten und ließ sie sich in New York nieder. Im Januar 1944 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin.Petition for naturalization no. 423993 vom Januar 1942 Trotz einiger Theaterauftritte konnte sie dort nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Sie spielte in New York auch bei den Players from Abroad, einem deutschsprachigen Theater, das sie mitbegründete.
1952 kehrte sie erstmals wieder nach Deutschland zurück und gastierte in den folgenden Jahren mit Theaterproduktionen in verschiedenen Städten. Ihr erstes Gastspiel gab sie in Berlin, wo sie Sally Bowles in John Van Drutens Theaterstück Ich bin eine Kamera spielte, auf dem das spätere Musical Cabaret basiert. In den 1960er und 1970er Jahren hatte sie auch einige Auftritte in Fernsehproduktionen, darunter in der Krimiserie Der Kommissar. Eine letzte Filmrolle nach Jahrzehnten der Pause übernahm sie 1978 als Großmutter in Hark Bohms Jugenddrama Moritz, lieber Moritz.
Grete Mosheim wurde 1963 für ihre Rolle der Hannah Jelkes in Tennessee Williams’ Stück Die Nacht des Leguan mit dem „Kritikerpreis für darstellende Kunst“ und 1971 mit dem Deutschen Filmpreis für ihre „herausragenden Verdienste um den deutschen Film“ geehrt, außerdem 1974 mit dem Bundesverdienstkreuz. Im Jahr 1976 wirkte sie in Rosa von Praunheims Film Underground & Emigrants mit.
Verheiratet war sie von 1924 bis 1926Heiratsregister Standesamt Berlin-Charlottenburg 1, Nr. 931/1924 mit dem Bankier Herbert Hauer, von 1928 bis 1933 mit dem Schauspieler Oskar Homolka, von 1937 bis 1948 mit dem Industriellen Howard Gould und in vierter Ehe seit 1951 mit dem Journalisten Robert Cooper. Sie lebte bis an ihr Lebensende in New York, war beruflich aber häufig in Deutschland.
Grete Mosheim starb 1986, wenige Tage vor ihrem 82. Geburtstag. Sie ist, wie viele bekannte Schauspieler, auf dem Westwood Village Memorial Park Cemetery, Westwood (Los Angeles) begraben.
Ihre Schwester war die Theaterschauspielerin Lore Mosheim.
Filmografie 1924: Michael 1925: Ein Lebenskünstler 1925: Wir armen kleinen Mädchen 1926: Derby 1926: Der Geiger von Florenz 1926: Junges Blut 1926: Die Flammen lügen 1926: Die Sporck’schen Jäger 1927: Faschingszauber 1927: Primanerliebe 1927: Feme 1927: Arme kleine Sif 1927: Das Erwachen des Weibes 1927: Höhere Töchter 1928: Frau Sorge 1928: Die Rothausgasse 1928: Die kleine Sklavin 1928: Die Siebzehnjährigen 1930: Cyankali 1930: Dreyfus 1931: Arme, kleine Eva 1931: Arm wie eine Kirchenmaus 1931: Yorck 1933: Moral und Liebe 1935: Car of Dreams 1962: Dreht euch nicht um (TV) 1969: Die Glasmenagerie (TV) 1970: Der Hermelin (TV) 1970: …wie die Wölfe (TV-Serie Der Kommissar) 1978: Moritz, lieber Moritz
Auszeichnungen 1963: Deutscher Kritikerpreis 1971: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 1974: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Literatur Gundolf S. Freyermuth: Reise in die Verlorengegangenheit. Auf den Spuren deutscher Emigranten (1933–1940). Rasch & Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-382-6, Kap. 2.24. Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 682. Wolfgang Jacobsen: Grete Mosheim – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 9, 1987.
Mosheim, Grete. In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. Saur, München 1983, S. 835. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2. Auflage 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 500. Grete Mosheim. In: Manfred Weihermüller: Discographie der deutschen Kleinkunst, Band 1 (= Deutsche National-Discographie, Serie 1). Birgit-Lotz-Verlag, Bonn 1991, ISBN 3-980-26560-9, S. 185 f. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 566. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“ Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 351 f., ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8.
Weblinks
Grete Mosheim bei steffi-linie.de Ralph Erdenberger: 08.01.1905 - Geburtstag von Grete Mosheim WDR ZeitZeichen vom 8. Januar 2020 (Podcast)
Einzelnachweise
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