Das Landgericht Memel war ein preußisches und zeitweise memelländisches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit im Bezirk des Oberlandesgerichtes Königsberg mit Sitz in Memel.

Geschichte Das königlich preußische Landgericht Memel wurde durch das Gesetz, betreffend die Einrichtung eines Landgerichtes in Memel vom 12. Februar 1884 mit Wirkung zum 1. Januar 1885 als achtes Landgerichten im Bezirk des Oberlandesgerichtes Königsberg gebildet. Der Sitz des Gerichtes war Memel. Das Landgericht war danach für die Kreise Heydekrug und Memel zuständig.Gesetz, betreffend die Einrichtung eines Landgerichtes in Memel vom 12. Februar 1884 (PrGS 1884, S. 63) Dieses Gebiet war vorher Teil des Gerichtsbezirks des Landgerichtes Tilsit gewesen. Ihm waren ursprünglich folgende vier Amtsgerichte zugeordnet: Amtsgericht Sitz Bezirk Amtsgericht Heydekrug Heydekrug Kreis Heydekrug ohne den Teil, der dem Amtsgericht Ruß zugeordnet war Amtsgericht Memel Memel Kreis Memel ohne den Teil, der dem Amtsgericht Prökuls zugeordnet war Amtsgericht Prökuls Prökuls aus dem Kreis Memel die Amtsbezirke Aglohnen, Kebbeln, Prökuls, Sakuten, Wensken und Teile der Amtsbezirke Dittauen und Gellßinnen und der Forstschutzbezirk Buttken Amtsgericht Ruß Ruß aus dem Kreis Heydekrug die Amtsbezirke Ibenhorst, Karkeln, Kurisches Haff, Rupkalwen, Ruß, Schakuhnen, Skirwieth, Spucken, Sziesze und WenteineVerordnung, betreffend die Bildung der Amtsgerichtsbezirke vom 5. Juli 1879, GS Nr. 30, S. 401 f., Digitalisat

Der Landgerichtsbezirk hatte 1892 zusammen 101.553 Einwohner. Am Gericht waren ein Präsident, ein Direktor und sechs Richter tätig. Am Amtsgericht Memel bestand eine Kammer für Handelssachen mit zwei Handelsrichtern.Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung. 1892, S. 283 online

Mit der Abtrennung des Memellandes 1920 wurden die Amtsgerichtsbezirke im Landgerichtsbezirk Memel und Tilsit entsprechend der neuen Grenze angepasst. Das Amtsgericht Wischwill kam dabei zum Memelland und damit zum Landgericht Memel. Der im Deutschen Reich verbliebene Rest des Amtsgerichtes Wischwill kam zum Amtsgericht Ragnit.Verordnung, betreffend verläufige Änderungen von Gerichtsbezirken anlässlich der Ausführung des Friedensvertrags vom 4. September 1919, GS 1919, S. 145 f., Digitalisat

Gleichzeitig endete die Zuständigkeit des Oberlandesgerichtes Königsberg und des Reichsgerichts als Obergerichte. Da sich die ebenfalls vom Reich abgetrennte Freie Stadt Danzig in der gleichen Situation befand, vereinbarte man, dass das neu geschaffenen Obergericht Danzig (siehe Gerichte in der Freien Stadt Danzig) als Danzig-Memelländisches Obergericht auch Obergericht für das Memelland wurde.Abkommen, betreffend ein vorläufiges Obergericht für Danzig und Memel; im Memelgebiet am 30. August 1920 als Gesetz veröffentlicht; Abl. S. 307 Wie dort war damit der Instanzenzug gegenüber dem Reich auf zwei Instanzen verkürzt. Durch Verordnung über die Einrichtung eines Obergerichtes in Memel vom 24. September 1921ABl. S. 867, geändert durch eine Verordnung vom 29. Juni 1922Abl. S. 620 wurde ein eigenes Obergericht in Memel geschaffen. Dieses Gericht nahm am 1. März 1922 die Arbeit auf.

Nach der Besetzung des Memellandes durch litauische Truppen 1923 wurde das Obergericht 1924 aufgehoben. Mit der Verordnung, betreffend das oberste Gericht für das Memelgebiet vom 13. März 1924Abl. S. 185 wurde eine memelländische Kammer am Litauischen Obertribunal als oberstes Gericht des Memellandes eingerichtet.

Aufgrund Vereinbarung mit der Republik Litauen erfolgte 1939 die Rückgliederung des Memelgebiets in die Provinz Ostpreußen. Das Landgericht Memel wurde wieder in den Bezirk des Oberlandesgerichtes Königsberg eingeordnet. Die Gerichtsbezirke blieben weitgehend unverändert. Lediglich das Amtsgericht Wischwill wurde wieder dem Landgericht Tilsit zugeordnet.Verordnung über die Eingliederung des Memellandes in den Oberlandesgerichtsbezirk Königsberg vom 28. März 1939, RGBl. I S. 700, online

Im Jahre 1945 wurde der Landgerichtsbezirk unter sowjetische Verwaltung gestellt und die deutschen Einwohner vertrieben. Damit endete auch die Geschichte des Landgerichtes Memel.

Siehe auch Gerichtsbarkeit im Memelland (1919–1945)

Einzelnachweise

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