mini|Soledad Sevilla vor einem ihrer Werke am Institut Valencià d’Art Modern, 2019 Soledad Sevilla Portillo (* 1944 in Valencia) ist eine spanische Malerin und Installationskünstlerin. Sie ist bekannt für ihre großformatigen abstrakten Gemälde und Installationen.
Leben und Werk
Die Anfänge Soledad Sevilla wuchs in einer Familie mit drei Brüdern und zwei Schwestern auf. Ihren eigenen Worten zufolge hatte sie schon in der Kindheit den Wunsch, Künstlerin zu werden, und verbrachte einen großen Teil ihrer Zeit mit Malen und Zeichnen. Im Alter von 11 Jahren kopierte sie die Darstellung des Haupts aus dem Gemälde Christus am Kreuz von Diego Velázquez. Freunde der Familie rieten zu einem Kunststudium. Die franquistisch eingestellten Eltern sträubten sich zunächst dagegen, weil ihnen die Nacktheit von Frauen im Kunstbetrieb widerstrebte. Sie löste sich jedoch aus dem autoritären Elternhaus und studierte an der Real Academia Catalana de Bellas Artes de San Jorge in Barcelona und anschließend in Madrid.
Bereits in sehr jungem Alter heiratete sie den Architekten José Miguel de Prada Poole. Die Ehe hatte 22 Jahre Bestand, und es gingen zwei Kinder daraus hervor. In den ersten Jahren ihrer Laufbahn behinderte die Kindererziehung ihr Fortkommen. Sie konnte zwar malen, aber nur in ihrer Wohnung und nicht im Atelier, wie ihre Freunde, deren Karriere bereits begonnen hatte. Sie konnte sich jedoch nicht um Öffentlichkeit und Ausstellungen kümmern und musste gegen den Ruf ankämpfen, eine Amateurin zu sein. Als sie 1968 ihre künstlerische Laufbahn begann, suchte sie ihren eigenen Stil, abweichend zu der in Spanien vorherrschenden akademischen Lehre mit ihren expressionistischen Strömungen. Im Gegensatz dazu orientierte sie sich an der sogenannten normativen Kunst, die auf serieller Form, farblicher Reinheit und Ablehnung der Subjektivität beruht.
Sie begann mit Arbeiten, die dem Minimalismus zugeordnet werden können. 1969 beteiligte sie sich an einem zweiteiligen Seminar am Rechenzentrum der Universidad Complutense de Madrid, einem der ersten Institute, an denen in Spanien Informatik betrieben wurde. Die Mitglieder der Gruppe erforschten die maschinelle Erzeugung geometrischer und lyrischer Abstraktionen. Beide Teile des Seminars mündeten in Ausstellungen in Madrid und der zweite Teil auch in Sevilla. Im Katalog zur Ausstellung in Sevilla ist ihre Arbeitsweise so beschrieben:
Bilder und Installationen In den 1970er Jahren malte sie Bilder mit geometrischen Linien und Rastern, die der Op-Art zugeordnet werden können. Den Anstoß gaben ihre Freunde José María Iturralde und Jordi Teixidor. Künstlerische Vorbilder der drei waren Victor Vasarely und François Morellet.
1979 wurde sie mit einem Stipendium der Stiftung Juan March gefördert. Ein weiteres Stipendium, diesmal vom Centro de Promoción de las Artes Plásticas e Investigación de las Nuevas Formas ExpresivasZentrum zur Förderung der bildenden Kunst und der Erforschung neuer Ausdrucksformen, erhielt sie im Folgejahr. Ein Aufenthalt in Boston von 1980 bis 1982 wurde vom Comité Conjunto Hispano Norteamericano para Asuntos CulturalesGemeinsames nordamerikanisch-spanisches Komitee für kulturelle Belange gefördert. Ein viertes Stipendium unterstützte ihre Arbeit an der Harvard University. Dort entstand die Serie Las Meninas, eine Interpretation des gleichnamigen Werks von Diego Velázquez auf der Grundlage einer Rasterstruktur.
Während ihres Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten entstand 1980 ihre erste Rauminstallation, M.I.T line. Damit wollte sie aus dem begrenzten Format von zweidimensionalen Werken ausbrechen. In Anlehnung an das Werk von Sol LeWitt verteilte sie große, mit geometrischen Mustern versehene Papierrollen auf Wände, Böden und Decken.
Sie selbst begründete ihr Interesse an dieser Kunstform so:
Gleichwohl betonte sie, dass ihr die Malerei weiterhin wichtig sei. Wenn sie zu wählen habe zwischen Malerei und Installationskunst, würde sie auf Letztere zugunsten der Malerei verzichten.
Nach Spanien zurückgekehrt schuf sie weitere Rauminstallationen. In Leche y sangreMilch und Blut bedeckte sie die Wände der Galerie mit roten Nelken. Mit deren Welken erschien das Weiß der Wände. Mitte der achtziger Jahre konzentrierte sie sich in ihrer Arbeit auf die Landschaft und auf die kulturelle Wahrnehmung und Erinnerung. Die Serie La Alhambra von 1984–1986 ist eine Interpretation des Nasridenpalasts auf der Grundlage eines Rasters. In den darauf folgenden Installationen und Serien wurde das Licht zum entscheidenden Element. 1992 projizierte sie in der Burg von Vélez-Blanco Reproduktionen des Renaissance-Portikus, der sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York befindet, auf die kahlen Wände. In anderen Installationen verwendete sie Kupfer- und Baumwollfäden, die durch eine passende Beleuchtung wie Lichtstrahlen wirkten. In einem späteren Werk rieselten Wassertropfen langsam an Kupferdrähten herunter. Aus ihren Installationen entstanden Bildserien als bleibende Reminiszenzen. Beispielsweise ist die Serie zu Vélez Blanco im Museo Reina Sofía in Madrid ausgestellt.
Spätere Arbeiten und Anerkennung 1993 erhielt sie den Premio Nacional de Artes Plásticas.Nationaler Preis für Bildende Kunst Gegen Ende der 1990er Jahre verschwand das Raster als aus ihren Werken. Eine geometrische Grundstruktur blieb jedoch erhalten; sie ergab sich beispielsweise durch pflanzliche Formen, insbesondere von Blättern. Aufsehen erregte 2000 ihre doppelsinnige Arbeit El Rompido, die einerseits einen gewaltigen Rissrompido (span.) = zerbrochen, zerrissen an einer rund 10 m hohen Wand darstellt, andererseits an eine aufgegebene Almadraba in El Rompido und damit den Niedergang des Thunfischfangs in Andalusien erinnern soll. 2007 erhielt sie die Goldmedaille für Verdienste um die Schönen Künste und den Premio José González de la Peña der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando.
Spätere Arbeiten behandeln die Idee des Fensters als Bildraum und setzen sich mit den Texturen hölzerner und metallischer Oberflächen auseinander. Ihre Bildserien Los apóstoles de Rubens und Retablo sind Beispiele großformatiger Arbeiten, denen die Textur von Holz zugrunde liegt. 2018 war ihre Skulptur Sin título von 1971–1972 aus bemaltem Methacrylat Teil der Ausstellung El poder del arteDie Macht der Kunst , die anlässlich des 40-jährigen Bestehens der spanischen Verfassung im Congreso de los Diputados und im Senado stattfand. 2019 widmete ihr das Institut Valencià d’Art Modern eine große Retrospektive. In jüngster Zeit wandte sie sich mehr der Leinwand als den großen Formaten zu, wobei jedoch die Einzelbilder einer großen Serie wiederum eine räumliche oder lineare Struktur aufspannen.
Soledad Sevilla lebt und arbeitet in Granada und lehrt an der dortigen Universität. Seit geraumer Zeit arbeitet mit dem Centro Andaluz de Arte Contemporáneo in Sevilla zusammen. 2020 schenkte sie ihrer Wahlheimat Andalusien eine Auswahl ihrer Werke. Im selben Jahr verlieh ihr das spanische Ministerium für Kultur den mit 100.000 Euro dotierten Premio Velázquez für Bildende Kunst.
Nach ihrer Ehe mit José Miguel de Prada Poole wurde der Fotograf Miguel Bargalló ihr Lebenspartner. Die Beziehung dauerte 21 Jahre, bis sein Tod an Krebs ihr ein Ende setzte.
Ausstellungen
Dauerhafte Ausstellungen Soledad Sevilla ist mit ihren Werken in einer Vielzahl spanischer und internationaler Museen und Institutionen vertreten, beispielsweise im Museo Reina Sofía in Madrid, im Europäischen Parlament, in der Sammlung Patrimonio Nacional, im Institut Valencià d’Art Modern, und am Centro Andaluz de Arte Contemporáneo in Sevilla.
Temporäre Ausstellungen (Auswahl) + Jahr Institution Ort Titel / KommentarTyp 1969 Galería Trilce Barcelona Erste individuelle AusstellungEinzelausstellung 1969 Rechenzentrum der Universidad Complutense de Madrid Madrid Formas computablesGemeinschaftsausstellung 1971 Ateneo de Madrid Madrid Formas computadasGemeinschaftsausstellung 1971 Museo de Arte Brasileira da FAAP (Fundaçao Armando Álvares Penteado) Sao Paulo Exposición Arteonica. O uso criativo de meios eletronicos nas artesGemeinschaftsausstellung 1971 Museo de Arte Contemporáneo Sevilla Gráfica española actualGemeinschaftsausstellung 1971 Goethe-Institut Madrid Impulsos: arte y computador. Grafismos-plástica-música-cineGemeinschaftsausstellung 1971 Lunds Konsthall Lund, Schweden SpansktGemeinschaftsausstellung 1976 La Galleri Ferm Malmö Erste individuelle Ausstellung außerhalb SpaniensEinzelausstellung 1979 XI Festival International de la Peinture Cagnes-sur-Mer Teilnahme 1980 Muzej Savremene Umetnosti Belgrad Medunarodna Izlozba Likovnih Umetnosti (colectiva)Gemeinschaftsausstellung 1980–1982 WanderausstellungLateinamerika Línea, espacio y expresión en la pintura española actualGemeinschaftsausstellung 1981 Massachusetts College of Art and Design Boston Einzelausstellung 1981 Museo Español de Arte Contemporáneo Madrid Salón de los 16Gemeinschaftsausstellung 1982 Fundación Juan March Madrid VII Exposición de Becarios de Artes PlásticasGemeinschaftsausstellung 1984 Museo de Bellas Artes de Asturias Oviedo IV Bienal Nacional de Arte Ciudad de OviedoTeilnahme 1985 Centro Cultural Manuel de Falla Granada Installation Las MeninasEinzelausstellung 1985 Museo de Bellas Artes de Málaga Málaga Einzelausstellung 1985 Museo de Arte Contemporáneo Sevilla Einzelausstellung 1985 und 1989 Fundación Juan March Madrid Arte español contemporáneo. Colección de la Fundación Juan MarchGemeinschaftsausstellung 1987 Galería Montenegro y Fundación Rodríguez Acosta Madrid und Granada Serie AlhambraEinzelausstellung 1988 Rotonda di Via Besana und Studio Marconi Mailand Spagna oggi. Artisti spagnoli contemporaneiGemeinschaftsausstellung 1989 WanderausstellungDeutschland Spanische Malerei und Skulptur von 1960 bis zur GegenwartGemeinschaftsausstellung 1971 Wanderausstellung der Casa de la Cultura Vereinigte Staaten Imágenes líricas. New Spanish visionsGemeinschaftsausstellung 1991 Galería Soledad Lorenzo Madrid Installation: En Soledad, la que recita la poesía es ellaEinzelausstellung 1993 Museo Marugame Hirai Japan Installation: Soledad GranadaEinzelausstellung 1994 Instituto Cervantes Roma La voz del género. La voce del genere. Cristina Iglesias, Eva Lootz, Soledad SevillaGemeinschaftsausstellung 1995 Palacio de Velázquez Madrid RetrospektiveEinzelausstellung 1995 Palacio de los Condes de Gabia Zagreb Granada de fondo. Colección Diputación de GranadaGemeinschaftsausstellung 1999 Palacio de Madrazo Granada Installation: El tiempo vuelaEinzelausstellung 2000 Koldo Mitxelena Kulturunea San Sebastián Soledad Sevilla. LurEinzelausstellung 2001 Institut Valencià d’Art Modern Valencia Retrospektive: Soledad Sevilla. El espacio y el recintoEinzelausstellung 2003 Kunstmuseum aan Zee Ostende De tuinen van GranadaGemeinschaftsausstellung 2003 Museo Municipal de Bellas Artes Santander Aena. Colección de Arte ContemporáneoGemeinschaftsausstellung 2003 CaixaForum Barcelona Installation: Temporada de lágrimasEinzelausstellung 2005 Centro Andaluz de Arte Contemporáneo Sevilla Modelos, estructuras, formas. España 1957–1979Gemeinschaftsausstellung 2006 Centro Andaluz de Arte Contemporáneo Sevilla Colección 2006Gemeinschaftsausstellung 2007 Museo del Prado Madrid Gemeinschaftsausstellung: Doce artistas en el Museo del PradoGemeinschaftsausstellung 2012 Museo Reina Sofía Madrid Escrito en los cuerpos celestesEinzelausstellung2018Kongress und AbgeordnetenhausMadridEl poder en el arte. Ausstellung zum 40-jährigen Jahrestag der spanischen VerfassungGemeinschaftsausstellung 2019 Institut Valencià d’Art Modern Valencia RetrospektiveEinzelausstellung 2021 Museo Patio Herreriano Valladolid Los días de PessoaEinzelausstellung
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