Das Presidio in San Francisco, Kalifornien, ist ein historischer Militärstützpunkt in strategisch günstiger Lage an der Spitze der Halbinsel. Er liegt direkt am Golden Gate, der Einfahrt in die Bucht von San Francisco, und ist der am längsten genutzte Militärstützpunkt in den Vereinigten Staaten. Das Presidio wurde seit der Gründung durch die Spanier im Jahr 1776 bis 1994 nacheinander von den spanischen Streitkräften, dem Militär Mexikos und den Streitkräften der Vereinigten Staaten genutzt.

In dem zwei mal drei Kilometer großen Gelände befinden sich 870 Gebäude, wovon rund 470 als historisch bedeutend gelten. Das Presidio wurde 1962 als National Historic Landmark District ausgewiesen und wird seit dem 1. Oktober 1994 als Teil des Golden Gate National Recreation Area vom National Park Service verwaltet. Für die Nutzung des Areals wurde im Jahr 1996 der Presidio Trust gegründet.

Zu dessen Aufgaben gehört die wirtschaftliche Verwertung der Grundstücke zur Vermietung und Verpachtung von Wohnungen und Gewerbeflächen. Größte gewerbliche Mieter mit rund 61.000 m² sind die ehemaligen Unternehmen von George Lucas: LucasArts, Industrial Light and Magic und Lucasfilm. Diese haben seit dem Jahr 2005 Büros für rund 2500 Angestellte im Presidio. Die ehemaligen Quartiere der Mannschaften und Offiziere werden nach Renovierungen und Umbauten vermietet, wodurch heute etwa 2500 Personen auf dem Gelände in spektakulärer Lage wohnen.

Geschichte Die Siedlungsgeschichte auf der Halbinsel von San Francisco reicht etwa 10.000 Jahre, mithin bis in die paläoindianische Periode zurück.Die Vorgeschichte beruht soweit nicht anders angegeben auf: National Park Service: Presidio of San Francisco – Indigenous Period Eine archäologische Untersuchung des Presidios selbst wurde erst in den letzten Jahren begonnen. Die ältesten datierbaren Funde stammen von etwa 740. Sie zeigen, dass die ältesten nachweisbaren Bewohner der Region am Golden Gate zu den Muwekma Ohlone, auch als Costanoan bezeichnet, gehörten. Dieses Volk, dessen Kultur und Sprache der Penuti-Sprachen-Familie zugeordnet wird, lebte als Jäger und Sammler im Familienverband oder kleinen Dörfern und zog je nach Saison von einer festen Siedlung hinunter an die Küste zum Fischen oder in die Hügel zur Jagd.John Phillip Langelier, Daniel Bernard Rosen: El Presidio de San Francisco: A History under Spain and Mexico 1776-1846. National Park Service, 1992. Prologue, Seiten 5–7

Spanische Zeit (1776–1822) 1769 ordnete der visitador general des Vizekönigreichs Neuspanien, José de Gálvez y Gallardo, an, dass die Besitzungen Spaniens an der Pazifikküste ausgedehnt werden sollten, um den Einfluss von Großbritannien und Russland im Raum des Pazifischen Ozeans zurückzudrängen.Soweit nicht anders angegeben, beruht die Darstellung der Geschichte des Presidios unter spanischer Verwaltung auf: John Phillip Langelier, Daniel Bernard Rosen: El Presidio de San Francisco: A History under Spain and Mexico 1776-1846. National Park Service, 1992. Bereits im selben Jahr segelte in seinem Auftrag Gaspar de Portolà nach Norden und gründete mit San Diego die erste spanische Siedlung im heutigen US-Bundesstaat Kalifornien. Als zweiter Siedlungsort war das bereits 1602 von Sebastián Vizcaíno beschriebene Monterey vorgesehen. Weil die Aufzeichnungen Vizcaínos über die Monterey Bay aber wesentlich von der Realität abwichen, segelte Portolà über das Ziel hinaus. Es ist nicht völlig sicher, dass er die Bucht von San Francisco erreichte – die Männer seiner Expedition gelten aber als die ersten, die das Golden Gate sahen. Sie berichteten von einem Hafen aller Häfen, der im folgenden Jahr näher erkundet wurde.

miniatur|Gedenkstein zur Gründung des Presidios 1776 Pedro Fages, der bei der Portolà-Expedition mitgefahren und seit Mitte des Jahres Nachfolger Portolàs als Militär-Gouverneur von Nuevo California war, zog von Monterey auf dem Landweg nach Norden, erreichte das Santa Clara Valley und stieß auf dem Ostufer der Bucht bis zum heutigen Alameda vor. Da er die Bucht nicht überqueren konnte, erreichte er das Golden Gate nicht, sondern kehrte zurück nach Monterey. Als er im März 1772 wiederkam, konnte er erstmals die gesamte Bucht überblicken und kartieren. Er erfasste dabei auch die Farallon-Inseln vor der Küste im Pazifik. Sein Bericht erregte Interesse beim Leiter aller spanischen Missionen in Kalifornien, dem Franziskanerpater Junípero Serra. Dieser schlug die Gründung zweier neuer Missionen in den neu erkundeten Gebieten vor. Als Fages das Projekt nicht unterstützte, wurde er 1774 abgelöst und durch Fernando Rivera y Moncada ersetzt. Rivera zog kurz darauf von Monterey nach Norden und erreichte am 4. Dezember 1774 die Spitze der Landzunge am Golden Gate, wo er ein Holzkreuz errichtete. Anfang desselben Jahres hatte Oberst Juan Bautista de Anza im Auftrag des Vizekönigs als erster Spanier den Landweg von Sonora zur Pazifikküste erkundet.

Wegen seiner erfolgreichen Expedition wurde de Anza beauftragt, erneut an den Pazifik zu ziehen und dort mehrere neue Missionen anzulegen. Außerdem sollte er bis zum Golden Gate vorstoßen und dort eine Befestigung errichten, die den Hafen für die spanische Krone militärisch sichert. Er rekrutierte Siedler, mit denen die Missionen bemannt werden sollten, und brach im Frühjahr 1775 auf. Im Mai erreichte er das Presidio San Ignacio de Tubac im heutigen Tubac, Arizona. Zu seiner Unterstützung wurde Juan Manuel de Ayala mit dem Segelboot San Carlos ausgesandt. Er sollte durch das Golden Gate in die Bucht einfahren und diese erkunden. Am 4. August 1775 lief ein Lotse mit einem Ruderboot als erster Europäer in die Bucht von San Francisco ein, am nächsten Tag folgte Ayala mit der San Carlos. Sie hielten sich 44 Tage in der Bucht auf und kartierten die Region. Bei ihrer Rückkehr nach Monterey berichteten sie von einem hervorragenden Siedlungsgebiet mit guter Trinkwasserversorgung, günstigem Klima und friedlichen Eingeborenen.

mini|Spanische Kanone, installiert 1793 Auf diese Meldung hin zog Juan Bautista de Anza im Oktober 1775 von Tubac los, begleitet von 240 Soldaten und Siedlern und 1000 Stück Vieh. Mit ihm kam ein Franziskaner-Priester. Sie erreichten im März 1776 Monterey und de Anza zog mit einer kleinen Vorausabteilung zum Golden Gate. Vom 27. März bis 5. April erkundeten sie die Hügelketten auf der Halbinsel und erkundeten geeignete Standorte für das Presidio und die Missionsstation. Nach ihrer Rückkehr nach Monterey wurde de Anza nach Mexiko abgezogen, die Siedler unternehmen den letzten Abschnitt ihrer Reise unter der Führung von de Anzas Stellvertreter José Joaquín Moraga und dem Franziskaner Francisco Palóu. Nur noch 193 Siedler, teils Soldaten, teils Zivilisten, verließen Monterey und kamen am 27. Juni auf der Halbinsel an. Nach einer Erkundungsphase begannen sie am 26. Juli mit den Arbeiten an einer kleinen Kapelle, die Teil des Presidios sein sollte. Im August kam die San Carlos unter de Ayala an und brachte Baumaterialien, Proviant und die erfahrenen Schiffshandwerker mit. Der Bauplan wurde von de Ayalas Lotsen gezeichnet und sah ein Quadrat aus Lehmziegelbauten mit einer Kantenlänge von etwas über 80 m vor. Das Lagerhaus, die comandancia und die Kapelle wurden von den Seeleuten und Schiffshandwerkern errichtet, die Soldaten bauten sich ihre Unterkünfte selbst. Am 17. September konnte die Kapelle geweiht werden.

Sie errichteten die erste Garnison auf dem heutigen Gelände und die Missionsstation Mission San Francisco de Asís etwas landeinwärts und für die Zivilisten das Pueblo de San José. Die Garnison im Presidio war lange die nördlichste Einrichtung des Vizekönigreiches und ein Vorposten der Kolonisation. Sie war über El Camino Real (den Königlichen Weg) mit einer Kette von anderen spanischen Missionen, Stützpunkten und Siedlungen verbunden, die sich entlang der Pazifikküste und an den wenigen Flüssen auch ins Innere des Kontinents erstreckte.

mini|links|Der Presidio, gezeichnet von Louis Choris im November 1817 und lithografiert von Victor Adam Das Presidio bestand zunächst nur aus mehreren langgestreckten Bauten aus Adobe genannten ungebrannten Lehmziegeln um einen fast quadratischen Hof. 1792 wurden zusätzlich zwei kleine Festungen errichtet und Kanonen installiert. Die Castillos hatten die Aufgabe, die Einfahrt in die Bucht von San Francisco zu bewachen, die der beste Naturhafen an der kalifornischen Küste war. Aus dem Castillo de San Joaquin ging das spätere Fort Point hervor. Rund um die Militäranlage lebten zwischen 200 und 300 Siedler, zumeist Mestizen. Landwirtschaft und insbesondere die Viehhaltung mit Rindern und Schafen veränderten die Landschaft und zerstörten innerhalb weniger Jahrzehnte die Lebensgrundlage der indianischen Urbevölkerung.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es gelegentlich zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen mit russischen Kolonisten, die etwas weiter nördlich an der Bodega Bay eine Siedlung für den Pelzhandel errichtet hatten. In der Folge wurden auch Jäger aus dieser Siedlung im Presidio gefangen gehalten, da der russische Handelsstützpunkt von den Spaniern als illegal angesehen wurde. Die Konflikte intensivierten sich ab 1812 zunächst mit dem Ausbau des russischen Stützpunkts zu Fort Ross.

Mexikanische Zeit (1822–1848) miniatur|Blick zum Golden Gate und dem „Presidial Pueblo“ (um 1830) mini|Presidio (um 1850) Der Kampf um die Unabhängigkeit Mexikos begann 1810 und dauerte bis zur formellen Anerkennung im Jahr 1822. Nach der Unabhängigkeit von Spanien übernahm die neu gegründete mexikanische Armee das Presidio. Der Außenposten war in schlechtem Zustand. Mexiko nahm die Angelegenheiten in ganz Oberkalifornien (Alta California) nicht besonders wichtig, da es auch keine militärische Bedrohung gab.

Die benachbarte Stadt San Francisco wuchs langsam zu einem Zentrum des aufkommenden Pelzhandels heran. Die Bevölkerungsanzahl der einheimischen Ohlone hatte in den letzten Jahrzehnten abgenommen und die Mexikaner siedelten unter Zwang andere Völker aus dem Inneren des Landes an der Küste an, um den Handel mit Lebensmitteln zu versorgen. Coast Miwok, Yokuts, Pomo, Sierra Miwok und Salina wurden um- und angesiedelt. Dabei gingen die Unterschiede ihrer Kulturen schnell verloren.

1828 wehrten sich die Indianer der Region unter der Führung ihres Alcalde (Dorfvorsteher) Estanislao, einem Yokut, gegen die Ausbeutung und den unfairen Handel. Sie zogen von ihrem Siedlungsgebiet bei San José ins Tal des San Joaquim River und errichteten ein durch Palisaden geschütztes Wehrdorf. Einem ersten Angriff der wenigen Soldaten des Presidios konnten sie widerstehen. 1829 wurden Truppen aus Monterey und dem Presidio zusammengezogen, und ihren Kanonen hatten die Dorfbewohner nichts mehr entgegenzusetzen. Estanislao selbst konnte entkommen. Er wurde einige Jahre später begnadigt. Der kleine Feldzug war die einzige militärische Aktion, die die mexikanische Garnison Presidios erlebte.

1835 zog die Garnison aus den Castellos nach Sonoma. Im eigentlichen Presidio blieb nur eine Rumpfbesatzung zurück.

Vereinigte Staaten (1848–1994)