mini|Zeughaus Berlin (um 1935) Hermann Wilhelm Richard Lorey (* 25. September 1877 in Stralsund; † 15. Oktober 1954 in Berlin-Dahlem)Herbert Knötel: Nachruf Hermann Lorey, Konteradmiral a. D. In: Zeitschrift für Heeres- und Uniformkunde, 140, 1955/I, Januar 1955, S. 1Herbert Knötel gibt 1955 im Nachruf für Hermann Lorey den 25. September 1954, also den Tag des 77. Geburtstages von Hermann Lorey, als dessen Todestag an. Andere Quellen benennen als Todestag den 15. Oktober 1954 war ein Marineoffizier (Korvettenkapitän) der deutschen Kaiserlichen Marine, Kommandant der osmanischen ehemaligen deutschen Linienschiffe Barbaros Hayreddin und Torgud Reis sowie des osmanischen Kreuzers Hamidiye, Kapitän zur See der Vorläufigen Reichsmarine, Konteradmiral a. D. der Reichsmarine, Konteradmiral z. V. der Kriegsmarine, Kustos der Reichsmarinesammlung, Direktor des Museums der Kriegsmarine, Direktor des Berliner Zeughauses, Chef der Heeresmuseen sowie Seefahrts- und Marineschriftsteller.
Leben Herkunft Hermann Lorey war der Sohn des Stralsunder Ratsherrn und Geheimen Regierungsrates Hermann Lorey (1835–1909) und dessen Ehefrau Luise, geborene Sarnow. Er besuchte die Schule in Stralsund und nach der Berufung seines Vaters im Jahr 1889 als Bürgermeister nach Kiel hier bis 1896 die höhere Schule.Angaben zur Herkunft und zur Familie wurden dem Lebenslauf von Hermann Lorey vom 5. Februar 1946 entnommen.
Offizierausbildung Hermann Lorey trat am 7. April 1896 in die Kaiserliche Marine ein, absolvierte die Grundausbildung auf den Schulschiffen Stein und Gneisenau, wurde am 3. Mai 1897 Seekadett, durchlief die Torpedoausbildung auf dem Torpedoschulschiff Blücher und die Artillerieausbildung auf dem Artillerieschulschiff Mars und absolvierte dann vom 21. September 1898 bis 1. Oktober 1899 die Marineschule, wobei er während dieser Zeit am 1. Januar 1899 zum Fähnrich zur See und am 30. September 1899 zum Leutnant zur See ernannt wurde. mini|links|Enterkommando der Gazelle sammelt sich zum Kapern des venezolanischen Kanonenboots Restaurador mini|Die Restaurador nach der Kaperung unter deutscher Flagge im Hafen von Cura¢ao mini|Deutsche Besatzung an Bord der Restaurador mini|links|Barbaros Hayreddin mini|Crew der E11, die das unter dem Kommando von Korvettenkapitän Lorey stehende türkische Linienschiff Barbaros Hayreddin versenkte mini|links|Crew der Grampus feiert 1915 die E11 nach einem erfolgreichen Angriff mini|Kreuzer Hamidiye
Ausbildung zum Wachoffizier/Kaperung eines venezolanischen Kanonenboots Nach seiner weiteren Ausbildung zum Wachoffizier auf den Linienschiffen Bayern und Kaiser Wilhelm II., dem Schulschiff Stosch, den Küstenpanzerschiffen Odin und Hagen, der nur noch als Torpedoversuchsschiff eingesetzten ehemaligen Panzerfregatte Friedrich Carl, dem Kleinen Kreuzer Ariadne sowie mehreren zwischenliegenden Landverwendungen war Hermann Lorey nach seiner Zuversetzung am 15. Juni 1901 und der zum 1. März 1902 erfolgten Beförderung zum Oberleutnant zur See als Wachoffizier unter dem Kommandanten Korvettenkapitän Joachim von Oriola mit dem Kleinen Kreuzer Gazelle zunächst zur Aufnahme in das Ostasiengeschwader an das an der chinesischen Ostküste im Süden der Shandong-Halbinsel gelegene deutsche Pachtgebiet Kiautschou beordert. Während der Venezuela-Krise, die Venezuelas Präsident Cipriano Castro durch Einstellung des Schuldendienstes ausgelöst hatte, wurde die Gazelle 1902 in das Einsatzgebiet vor der Küste Venezuelas verlegt und vor Ort der neu gebildeten Ostamerikanischen Kreuzerdivision zugeordnet. Hier war Hermann Lorey am 11. Dezember 1902 als Bootsführer des I. Kutters der Gazelle Angehöriger des Enterkommandos, das unter der Führung des damaligen Kapitänleutnants und Ersten Offiziers Titus Türk (Dampfpinasse unter Türk, Ruderpinasse unter Oberleutnant zur See Hugo von Rosenberg, I. Kutter unter Lorey und Jolle unter Bootsmannsmaat Materne) im Hafen von Guanta das venezolanische Kanonenboot Restaurador (ex US-amerikanische Jacht Atalanta) enterte, dessen Kommandant der spätere General und Revolutionsführer Román Delgado Chalbaud war. Das Schiff wurde nach der erfolgreichen Kaperung unter deutscher Flagge als Blockadeschiff eingesetzt und nach Beendigung der Blockade wieder an die venezolanischen Behörden übergeben. Hermann Lorey wurde während einer Landverwendung am 30. März 1906 zum Kapitänleutnant befördert, war ab 1. Oktober 1906 Wachoffizier auf dem Linienschiff Lothringen und danach am 24. Oktober 1907 Mitglied der Indienststellungsbesatzung des Schweren Kreuzers Scharnhorst, von dem er nach seiner Verwendung bis 27. Mai 1910 als Wachoffizier unter den Kommandanten Konrad Trummler, Otto Philipp und zuletzt Leberecht Maaß am 28. Mai 1910 in Tsingtau ausgeschifft wurde.German naval vessels in China and Japan. In: The Directory & Chronicle for China, Japan, Corea, Indo-China, Straits Settlements, Malay States, Siam, Netherlands India, Borneo, the Philippines, &c for the year 1910. Hongkong Daily Press Office, 1910, S. 1518 (Digitalisat)
Verwendungen als Erster Offizier und Einsätze im Ersten Weltkrieg Hermann Lorey wurde ab 17. Juli 1910 zur Verfügung der I. Werftdivision in Kiel gestellt, war vom 15. September 1910 bis 22. September 1911 Artillerieoffizier auf dem Schweren Kreuzer Roon, wurde nach zwischenzeitlichen Landverwendungen am 22. März 1913 zum Korvettenkapitän befördert und war danach u. a. vom 18. März bis 1. August 1914 unter dem Kommandanten Kapitän zur See Heinrich Rohardt Erster Offizier des Großen Kreuzers Hertha. Im Zeitraum des Kriegseintritts des Deutschen Kaiserreiches in der ersten Augustwoche 1914 wurde er versetzt und wirkte im Ersten Weltkrieg zunächst vom 2. August 1914 bis 4. Mai 1915 unter dem Kommandanten Kapitän zur See Wilhelm Tägert als Erster Offizier des Linienschiffs Mecklenburg. Die Mecklenburg wurde dem neugebildeten IV. Geschwader zugeteilt und, obwohl das Geschwader zur Hochseeflotte gehörte, dem Oberbefehlshaber der Ostseestreitkräfte Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen unterstellt und nahm vom 5. bis 10. September sowie vom 22. bis 26. September an Vorstößen in die östliche Ostsee teil. Vom 5. Dezember 1914 bis zum 2. April 1915 war die Mecklenburg im Vorposten- und Sicherungsdienst auf der Unterelbe tätig. Nach der Unterzeichnung eines Deutsch-Türkischen Bündnisvertrages am 2. August 1914 und dem Kriegseintritt der Türkei nach Erhalt mehrerer Kriegserklärungen im November 1914Datum der Erklärung des Kriegszustands an das Osmanische Reich: Rußland 2. November 1914, Großbritannien 5. November 1914, Frankreich 6. November 1914, Serbien 7. November 1914 übernahm der deutsche Vizeadmiral Wilhelm Souchon den Oberbefehl über die Osmanische Marine und später nach dem Kriegseintritt Bulgariens auch über die Bulgarische Marine. Im weiteren Verlauf des Ersten Weltkriegs war Hermann Lorey hier Kommandant der osmanischen ehemaligen deutschen Linienschiffe und vormaligen Panzerschiffe Kurfürst Friedrich Wilhelm und Weißenburg, die 1910 an das Osmanische Reich verkauft wurden und unter dem neuen Namen Barbaros Hayreddin und Torgud Reis weiter im aktiven Dienst blieben. Im August 1915 war die Barbaros Hayreddin unter dem Kommando von Korvettenkapitän Hermann Lorey auf dem Weg in die Dardanellen und wurde dabei am 8. August durch einen Torpedo des unter dem Kommando von Lieutenant Commander Martin Eric Nasmith (1883–1965) stehenden britischen U-Bootes E11 vor Bolayır am Nordende der Halbinsel Gallipoli im Marmarameer versenkt. Es gab 253 Tote unter den Besatzungsmitgliedern, wobei Hermann Lorey schwer verletzt wurde, aber überlebte. Nach seiner Genesung war Hermann Lorey zur Verfügung des Befehlshabers der Mittelmeerdivision abgeordnet und wirkte dann vom 6. November 1915 bis Juni 1917 als Kommandant der Torgud Reis und zwischenzeitlich vom 2. April bis 23. Juli 1916 als Kommandant der Hamidiye, die ebenfalls zur Verteidigung der Dardanellen eingesetzt wurden. Zuletzt war er von Juni 1917 bis März 2018 Chef einer türkischen Torpedobootflottille, bevor er im März 1918 in das Reichsmarineamt versetzt wurde, wo er dann über das Kriegsende hinaus bis Juli 1919 in der Seetransportabteilung tätig war.
Vorläufige Reichsmarine und Reichsmarine Nach Kriegsende wurde Hermann Lorey in der Vorläufigen Reichsmarine 1920 zum Fregattenkapitän und am 30. November 1920 zum Kapitän zur See befördert und in der zum 1. Januar 1921 gegründeten Reichsmarine noch vom 6. Oktober 1920 bis 27. Mai 1924 als Kommandant der Befestigungen an der Ems-Mündung eingesetzt. Nachdem er im Jahr 1923 von der Marineleitung aufgrund der erlassenen Vorgaben nicht dem Personenkreis zugeordnet werden konnte, der für eine Übernahme näher zu betrachten war, schied er nach seiner zum 30. Juni 1924 erfolgten Ernennung zum Konteradmiral a. D. aus dem aktiven Dienst aus. Im Jahr zuvor hatte Hermann Lorey am 3. November 1923 in einem Brief an den Chef der Marineleitung die Problematik des Abgangs mit etwa 45 Jahren aus Sicht des Angehörigen einer Beamtenfamilie aufgezeigt, wobei Admiral Paul Behncke von den Ausführungen so angetan war, dass er am Rand notierte: „Aus diesen Ausführungen spricht ein hocherfreulicher Geist“ und die Marineleitung Lorey anschließend dabei unterstützte, zumindest indirekt weiter für die Marine tätig zu sein.Klaus Franken: Der Übergang von Seeoffizieren der Kaiserlichen Marine in die Marine der Weimarer Republik. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3878-3, S. 118–119 mini|Kommandobrücke eines Schiffes im Museum für Meereskunde mini|links|Schülerbesuch 1925 im Museum für Meereskunde
Institut und Museum für Meereskunde Das im Jahr 1900 als gesonderte Einrichtung der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin gegründete Institut und Museum für Meereskunde (IMfM bzw. MfM) hatte eine enge Verbindung zum Geographischen Institut der Universität und wurde am 5. März 1906 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. mit dem Ziel eröffnet Reichsmarinesammlung Im Jahr 1924 wurde Hermann Lorey in der Nachfolge des bereits seit Juli 1903 tätigen Kapitän zur See a. D. Rudolf Wittmer als Vorsteher der Reichsmarinesammlung und Verwalter der Abteilung für Schiffsbau eingestellt und wirkte in der Folge unter den Museumsdirektoren Alfred Merz und Albert Defant als Kustos am Institut und Museum für Meereskunde in Berlin. Dabei veröffentlichte er in der hauseigenen unter der Schriftleitung des Ozeanographen Georg Wüst befindlichen Reihe Meereskunde. Sammlung volkstümlicher Vorträge zum Verständnis der nationalen Bedeutung von Meer und Seewesen im Jahr 1929 das Werk Der I. Offizier an Bord eines Kriegsschiffes und 1930 Auf der Kommandobrücke eines Kriegsschiffes.
Kriegsmarinesammlung Nach Gründung der Wehrmacht und Umbenennung der Reichsmarine in Kriegsmarine wurde die von Hermann Lorey betreute Reichsmarinesammlung am 1. Juni 1935 in Kriegsmarinesammlung umbenannt.
Museum der Kriegsmarine