Die beste Depression der Welt ist der 2020 erschienene Debütroman der Autorin und Comedienne Helene Bockhorst.

Handlung Der Roman handelt von der 31-jährigen, kinderlosen Vera, die sich vor kurzem von ihrem Ehemann getrennt hat. Sie hat einen Buchvertrag mit einem Verlag geschlossen, um einen Ratgeber über Depressionen zu schreiben. Da Vera selbst in einer depressiven Phase steckt, fällt ihr das Schreiben schwer bzw. ist ihr tage- oder sogar wochenweise gänzlich unmöglich. In dieser Zeit liegt sie antriebslos im Bett und wird immer wieder von Suizidgedanken heimgesucht. Sie erinnert sich an ihre Kindheit. Schon als sechsjähriges Mädchen sehnte sie sich danach, von zuhause auszuziehen, um nicht mehr durch die bösartige Mutter, die selbst unter Depressionen leidet, gedemütigt oder misshandelt zu werden. Sie probiert verschiedene Dinge wie Meditation, Lachyoga oder eine Geisterbeschwörung bei einer Schamanin aus, um die Depression zu überwinden und endlich das Buch, welches ihr doch so sehr am Herzen liegt, schreiben zu können. Die Internet-affine Vera verwendet Datingplattformen, um zahlreiche Männer kennenzulernen und sehr schnell mit ihnen im Bett zu landen. In Japan erhofft sie sich durch den Besuch eines Shinto-Tempels spirituelle Erfahrung und besichtigt Aquarien des berühmten und von ihr verehrten Aquarianers Takashi Amano. Und schließlich beginnt Vera auf Initiative ihres Ex-Mannes eine Therapie bei einem professionellen Therapeuten. Halt findet Vera die meiste Zeit bei ihrer besten Freundin Pony, von der sie regelmäßig besucht wird und der sie sich ein wenig öffnet.

Stil, Form und Figuren Das Buch besteht bei einem Gesamtumfang von 320 Seiten aus 68 Kapiteln und einer Danksagung. Die Kapitel tragen keine Titel und sind nicht nummeriert. Der Roman wird in der Ich-Form aus Sicht der Hauptperson Vera, die jedes Kapitel dominiert, erzählt. Ein Gespräch Veras mit einer Männerbekanntschaft in Japan legt nahe, dass Vera in Norddeutschland / Hamburg lebt und der Hauptteil der Handlung dort spielt. Wie folgendes Zitat belegt, ist der Ort der Handlung aber unerheblich: „Die meisten Geschichten ... könnten überall spielen, es ist vollkommen egal, in welcher deutschen Großstadt man gerade vor sich hinschimmelt.“S. 226. Außerdem gibt es noch zwei Urlaubsreisen, die Vera nach ÄgyptenS. 69–73. und JapanS. 206–215.S. 221–240. führen.

Im Roman wird nicht explizit angegeben, wann die Haupthandlung spielt, aber Teile der Handlung (Veras Japanreise) basieren auf Erlebnissen, die die Autorin als 31-Jährige auf einer Reise nach Japan im August 2019 hatte. Im Haupthandlungsstrang wird erzählt, wie Vera aufgrund ihrer Depression und der daraus resultierenden Lethargie daran scheitert, einen Ratgeber über Depressionen zu schreiben. In zahlreichen, chronologisch ungeordneten Nebensträngen, die lose mit der Haupthandlung verbunden sind, reflektiert Vera selbstkritisch ihr Leben von der Kindheit über die Schulzeit, das Studium, das Berufsleben bis hin zu Spekulationen über ihre Zukunft, in der sie sich beispielsweise als gefeierte Autorin in Talkshows sitzen sieht.

Die wichtigste Nebenfigur des Romans ist Pony, Veras beste Freundin. Innerhalb der Haupthandlung führen die beiden Frauen zahlreiche Gespräche miteinander, in denen oft Vera und ihre Gedanken im Mittelpunkt stehen und ihr Verhalten auch mal von Pony kritisiert wird.

Aus Veras familiärem Umfeld wird vor allem ihr Großvater respekt- und liebevoll beschrieben und ebenso Sara, die geistig behinderte Schwester. Ihr wird im Roman deutlich mehr Raum gegeben als dem Großvater. Noch mehr Raum wird den Eltern eingeräumt. Bei der depressiven Mutter wird vor allem ihr Fehlverhalten gegenüber den beiden Töchtern thematisiert. Der Vater wird als ein überforderter Mensch dargestellt, der nicht willens oder in der Lage ist, Vera genügend Beachtung zu schenken und ihr keinen Schutz vor der Mutter bietet.

Anton, Veras Ehemann, wird in etlichen Kapiteln erwähnt, aber meistens nur beiläufig oder in Mini-Episoden. Von ihm und seinen Eigenschaften als eigenständige Person wird so gut wie nichts berichtet, denn – so erfährt man aus dem Buch – das Ehepaar hat aneinander vorbeigelebt. Dazu passt auch das Zitat: „Anton kennt mich [Vera] überhaupt nicht.“S. 305.

Neben den fiktiven Romanfiguren erinnert das Buch an ungefähr 30 reale (historische) Personen. Viele von ihnen sind Künstler – überwiegend Schriftsteller. Etliche dieser Künstler waren Leidensgenossen der Autorin und litten wie sie unter Depressionen. Besonders häufig und in zahlreichen über das Buch verstreuten Fragmenten wird die Schriftstellerin Sylvia Plath erwähnt, die mit der Protagonistin viele Gemeinsamkeiten teilt und die Vera schon als 11-Jährige bekannt war.S. 223. Dem anderen Seelenverwandten, Franz Kafka, sind dagegen lediglich 6 Zeilen gewidmet.S. 136–137. Eine weitere, häufig erwähnte Person, die aber nicht in das Muster der schwermütigen Künstler passt, ist der Japaner Takashi Amano. Mit ihm teilt Vera das Interesse an der Aquaristik.

Fiktive Personen (unvollständige Aufzählung): Vera: Depressive, 31-jährige, kinderlose Frau und Protagonistin des Romans. Da mehrere Versuche sich umzubringen scheiterten, kommt sich die frühere Musterschülerin dumm vor.S. 124. Einmal nahm sie so viele Tabletten, bis sie gar kein Bedürfnis mehr hatte zu atmen. Während dieses Nahtoderlebnisses sah sie einen Bahnhof und das Wort „Reise“ drängte sich ihr ins Bewusstsein.S. 76. Mutter: Neben Depressionen litt sie auch an anderen Dingen, bürdete ihr Leid gerne mal ihrer minderjährigen Tochter Vera aufS. 62. oder drohte, sie totzuschlagen.S. 60. Manchmal hat sie sich aber auch Mühe gegeben, mit Vera gebastelt, ihr Geschenke gemacht und sie umarmt.S. 248. Vater: Als Selbstständiger setzte er im Laufe von Veras Kindheit drei Geschäftsideen in den Sand.S. 166–167. Sie wünscht sich, von ihm gesehen und verstanden zu werden.S. 262. Als Veras Mutter im Sterben liegt, hat sie für einen Augenblick die Hoffnung, dass doch noch eine Verständigung mit ihm möglich sein könne.S. 259. Sara: Die geistig behinderte Schwester bekam von den Eltern alles, was sie sich wünschte, wie Vera meinte. Daher war Vera oft neidisch auf sie und wünschte sich manchmal heimlich, dass Sara sterben möge.S. 215. Großvater: Er las seiner Enkelin Vera zahlreiche Märchen vor als sie noch klein war und sie wieder mal für mehrere Tage bei den Großeltern abgegeben wurde.S. 23. Er starb, als sie 16 Jahre alt war.S. 22. Am Sterbebett wussten beide nicht wie sie sich voneinander verabschieden sollten und sprachen stattdessen nur über Belanglosigkeiten. Sie hatte ihn geliebt. In einem Abschiedsbrief erlaubte er ihr, dass sie sich so viele von seinen Büchern aussuchen durfte, wie sie wollte.S. 24. Vera wählte 19 Sex-Ratgeber. Die Ratgeber schien der ehrgeizige Großvater gründlich durchgearbeitet zu haben. Er hatte wohl durch kontinuierliche Vorbereitung optimale Ergebnisse erzielen wollen.S. 25. Großmutter: Veras Großmutter litt lange Zeit an schweren Depressionen.S. 62. In einem Brief bat sie ihre Enkelin, sich mit ihrer Mutter zu versöhnen. Zwar liebt Vera ihre Großmutter und teilte ihr dies auch mit, aber schrieb ihr ebenso, dass sie ihr diese Bitte nicht erfüllen könne. Da eine Antwort der Großmutter ausblieb und Vera es nicht gelang, einen weiteren Brief zu formulieren, kam kein weiterer Kontakt der beiden mehr zustande.S. 70. Urgroßmutter: Vera lernte ihre Urgroßmutter nie kennen, erfuhr aber durch ihre Großmutter, dass auch diese Ahnin an Depressionen gelitten hatte. Vera fragt sich, was ihre drei weiblichen Vorfahren dazu brachte, Kinder zu kriegen und dieses Leid über Generationen ihren jeweiligen Nachkommen aufzubürden.S. 62. Pony: Veras beste Freundin ist eine schöne, kluge, 30-jährige Frau, die halbtags Schulkinder betreut. Sie leidet „grundlos“ an Depressionen und war deshalb schon in therapeutischer Behandlung. Als offene Frau macht sie – zur Verwunderung von Vera – daraus kein Geheimnis. Pony hat einen Roman mit einer depressiven Hauptfigur geschrieben, findet aber keinen Verlag, der ihn veröffentlichen will. Es gibt zwar Interesse an dem Stoff, aber es wird ein „plausibler“ Grund für die Depression der Protagonistin vermisst.S. 14–15.S. 28.S. 30–31. Pony bringt mit manch penetranter Frage Vera hin und wieder in Verlegenheit.S. 10. Sie ist die einzige Person, die Vera um sich haben kann, wenn es ihr schlecht geht.S. 146. Pony verwandelt sich für Vera in ein fremdes Wesen, als sie erfährt, dass Pony schwanger ist.S. 290. Pepe: Der Kursleiter eines Yogakurses leitet seine Schüler mit Meditationsübungen zum Entspannen an. Für Vera eine weitere Aufgabe, die es zu erledigen gilt. Sie verkrampft. Ihr kommen Suizidgedanken in den Sinn und sie spürt, dass sie hier nur ihre Zeit verplempert.S. 7. Daniela: Die mit Pony befreundete Frau ist schwanger und versucht mit allerlei Argumenten Vera davon zu überzeugen, auch ein Kind auszutragen. Vera empfindet diesen Missionierungsversuch als übergriffig. Im Moment möchte sie sich nicht vorstellen, die nächsten achtzehn Jahre damit zu verbringen ein Kind davor zu bewahren sich absichtlich oder unabsichtlich umzubringen.S. 141–143. Nico: Daniela stellt Vera ihren Freund Nico als die „Liebe ihres Lebens“ vor und beginnt mit ihm zu flirten. Vera ist die Situation unangenehm und sie empfindet dies als ekelhaft und übergriffig.S. 143. Anton: Veras Ehemann, ist der Mensch, der ihr mal am wichtigsten war. Sie war sich vollkommen sicher, dass ihn zu heiraten die richtige Entscheidung gewesen sei. Er hätte gerne ein Kind von ihr. Heute versteht sie nicht, wie man so viel Zeit miteinander verbringen und so aneinander vorbeileben kann. Vera gibt sich die Schuld, dass Anton sie überhaupt nicht kennt und dabei geht ihr jedes liebe Wort, das sie sich mal gesagt haben, und jedes einzelne Versprechen, das sie sich gemacht haben, im Kopf herum. Obwohl es sie beide schmerzt und Anton ihr erklärt, nicht zu wissen wie er eine Trennung aushalten soll, beschließt Vera, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Antons Vorschlag einer Paartherapie lehnt sie ab. Nach mehreren Monaten des Getrenntseins, informiert sie ihn, dass sie die Scheidung wünscht, was er bedauert, aber akzeptiert.S. 42–44.S. 61.S. 135.S. 305.S. 310–312. Ken: Von Beruf Baumpfleger, ein echter Freund und einer der wenigen Männer des Romans, mit dem Vera nicht ins Bett geht. An seiner Schulter kann sie sich ausweinen und Trost finden. Ihm erzählt sie von ihren Schuldgefühlen gegenüber ihrer Schwester und ihrem Ehemann. Auch er rät ihr – ebenso wie ihr Mann – zu einer Therapie.S. 187–189.S. 299–300. Karl: Ein Kampffisch, den Vera in einem Aquarium hält. Er hat eine beruhigende Wirkung auf sie und ist manchmal ihr einziger „Ansprechpartner“ in schweren Stunden.S. 121.S. 270. Abraxas und die stellvertretende Schulleiterin: Bei der Einschulungsuntersuchung wurde Vera von der stellvertretenden Schulleiterin genötigt, ein Gespräch mit einem Plüschraben zu führen. Vera antwortete daraufhin nur einsilbig, worüber sich ihre Mutter auf der Heimfahrt aufregte. Die Schule bewertete Vera als verhaltensauffällig und empfahl die Sonderschule.S. 45–46. Florian: Lektor, der Vera zu motivieren versucht, an ihrem Buch zu arbeiten; sie fühlt sich von ihm unter Druck gesetzt.S. 157.S. 275. Karsten: Ex-Freund, dessen leichte Ähnlichkeit mit Anton Vera anziehend findet. Sein ungewöhnliches Vorspiel dauert ihr viel zu lange und entspricht auch sonst nicht ihren sexuellen Wünschen.S. 18–21. Jens: Der Mitbewohner von Karsten stellt sich der entsetzten Vera selbst vor und streckt ihr zur Begrüßung die Hand entgegen, während sie unbekleidet und nur von einer Bettdecke verhüllt im Bett liegt. Zögernd zieht Vera, die noch ganz vom Sex mit Karsten verzaubert ist, ihre klebrige Hand unter der Bettdecke hervor und schüttelt ihm die Hand.S. 21–22. Geistesgestörter: Namenloser Ex-Freund, der ähnlich wie Vera zu lange grübelte und dann wahnsinnig wurde.S. 306.