Empfertshausen ist eine Gemeinde im Wartburgkreis in Thüringen. Erfüllende Gemeinde für Empfertshausen ist die Gemeinde Dermbach. Empfertshausen wurde besonders als Schnitzerdorf bekannt und liegt im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Empfertshausen liegt in der Auersberger Kuppenrhön und gehört zum Biosphärenreservat Rhön.
Nachbargemeinden und -städte Die Gemeinde grenzt im Norden und Osten an Dermbach, im Süden und Westen an Kaltennordheim.Thüringer Landesvermessungsamt Wartburgkreis und Kreisfreie Stadt Eisenach. Erfurt 2002, ISBN 3-86140-250-5.
Berge Die Landschaft um Empfertshausen wird durch die Berge und Täler der Vorderen Rhön bestimmt. Als höchster Punkt der Gemeinde gilt der Horbel ().Thüringer Landesvermessungsamt TK25 – Blatt 5326 Tann (Rhön), Erfurt 1999, ISBN 3-86140-090-1.
Flüsse Der Schmerbach ist ein Quellbach der Felda; er entspringt an der Landesgrenze zu Hessen am Westhang des Horbel. Die Wasserführung war ausreichend, um die am Nordrand des Orts befindliche Schmerbachmühle betreiben zu können. Ein Mühlbach, welcher die Versorgung gewährleistete, existiert noch.
Geschichte mini|Ortseingang mini|Die evangelische Kirche () mini|Blick vom Gläserberg auf Zella/Rhön, Empfertshausen und Klings (v.v.n.h.)
Mittelalter Im Jahre 825 wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda zum ersten Mal genannt. Die als „Orentil“ und „Francswind“ genannten Schenker übergaben am 22. September 825 neben anderen Besitztümern im Ort auch 3 Leibeigene und 30 ungezähmte Pferde.Gemeindeverwaltung 1175-Jahrfeier Empfertshausen Faltblatt mit Auszügen aus der Dorfchronik. Empfertshausen 2000. S. 2. 1284 nennt ein Verzeichnis des Klosters Zella für den Ort „Empenfrideshusen 5 Mansen, 3 Halbmansen, 2 Hufen, 2 Kühe, 13 Schweine und 20 Ziegen als dem Kloster zu eigen“.Paul Lehfeld: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. In: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Heft XXXVII, Jena, 1911, S. 190. 1317 wurde der Ort als Teil der Zehnt Dermbach erwähnt. Ab 1328 befand sich der Amts- und Verwaltungssitz des fuldischen Amts Fischberg, zu dem Empfertshausen nun gerechnet wurde, im Nachbarort Klings. Die Pfarrei für Empfertshausen befand sich im Nachbarort Fischbach.
Frühe Neuzeit Wegen ihrer Teilnahme am Bauernkrieg wurden die Empfertshäuser Bauern mit einer Strafe belegt, sie hatten zusätzlich zu den fälligen Abgaben 15 Malter Hafer an das Kloster abzuführen. Die Reformation erreichte auch Empfertshausen: Nicolaus Dietrich wechselte 1544 als erster Pfarrer im Amt Fischberg zum evangelischen Glauben über.Adelbert Schröter: Land an der Straße. Die Geschichte der katholischen Pfarreien in der thüringischen Rhön. S. 77ff. Der Fuldaer Abt Balthasar von Dernbach begann bereits 1570 einen ersten Versuch der Rekatholisierung; hieraus entstanden bis Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche soziale Spannungen und Konflikte zwischen den Orten Zella und Föhlritz als katholische Enklaven einerseits und deren Nachbarorten mit einer überwiegend protestantischer Bevölkerung.Erich Schreiber: Der bäuerliche Lebens- und Sittenkreis im oberen und mittleren Feldatale. In: Beiträge zur Volkskunde der thüringischen Rhön. Würzburg, 1935, S. 77.
Schwer wurde Empfertshausen im Dreißigjährigen Krieg mitgenommen: 1649 hatte der Ort nur noch 18 Wohnhäuser und 15 Einwohner, 1631 waren es dagegen 54 Wohnhäuser mit (?)51 Einwohnern. Infolge der Pest waren 1635 im Dorf 86 Einwohner verstorben.Paul Lehfeld: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. In: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Heft XXXVII, Jena, 1911, S. 216.
links|mini|Das Portal mit Wappenstein der ehemals Katholischen Kirche
18. Jahrhundert Als Teil der hennebergischen Erbmasse gelangte das Amt Fischberg an das Herzogtum Sachsen. 1707 erhielt die Abtei Fulda das Amt Fischberg zurück und begann sofort einen Prozess der Rekatholisierung; dabei spielten die 1718 im Nachbarort errichtete Propstei Zella und das neu geschaffene Kloster in Dermbach eine bedeutende Rolle.Gerd Bergmann: Das Eisenacher Land und seine wechselnden Ausdehnungen im Laufe der Zeiten. In: EP Report 2 – Heimatblätter des Eisenacher Landes. Marburg 1992, ISBN 3-924269-94-7, S. 60–64.
Fürstabt Constantin von Buttlar ließ zeitgleich im Ort eine massive Kirche aus Stein erbauen; sie wurde 1719 geweiht, der Turm, eigentlich nur ein achteckiger Dachreiter aus Fachwerk, wurde erst 1776 hinzugefügt. Das Innere der Kirche misst 17,6 m in der Länge und etwa 8 m in der Breite. Im Altarraum befindet sich die mit Laubsägearbeiten verzierte Orgelempore. Kanzel, Taufgestell und Lesekanzel sind eher schlichte Arbeiten.
Wegen des rauen Klimas der Rhön waren die landwirtschaftlichen Erträge gering, deshalb wurden die Viehzucht und der Anbau von Flachs bevorzugt. Empfertshausen war zunächst ein auf Weberei und Blaudruck spezialisiertes Dorf; hierzu wurden kunstvolle Druckmodelle von begabten Schnitzern vor Ort hergestellt.Leopold Höhl Flachsbau und Leinenindustrie. In: Rhönspiegel. Ebern, 1892, S. 30 ff. Bereits um 1780 war das Schnitzen als Gewerbe im Ort nachweisbar. Das heutige Ortswappen zitiert dieses Handwerk mit einem Pferd als Motiv. Um 1790 entstand eine sehr enge Zusammenarbeit mit Ruhlaer Unternehmern, die sich mit der Herstellung von Tabakpfeifen befassten. Die Empfertshäuser lieferten zunächst nur kunsthandwerkliche Pfeifenköpfe auf Bestellung; später kam auch die Schnitzerei von Peitschenstöcken, Back- und Buttermodellen sowie Krippenfiguren hinzu. Die Schnitzerei entwickelte sich zum Kunstgewerbe.
19. Jahrhundert Mit den territorialen Veränderungen nach dem Wiener Kongress wurde das Dermbacher Gebiet wieder Teil des Eisenacher Oberlandes und gelangte 1815 an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Amtsgerichtsbezirk Kaltennordheim. Im Juli 1866 fanden im Deutschen Krieg im Feldatal schwere Gefechte zwischen preußischen und königlich bayerischen Einheiten statt; diese Ereignisse waren Teil des Mainfeldzugs.
Im Jahre 1835 gründete der sehr begabte Pfeifenkopfschnitzer Adam Bley eine eigene Werkstatt, und 1875 wurden bereits 50 Schnitzerwerkstätten im Ort gezählt.Gemeindeverwaltung 1175-Jahrfeier Empfertshausen. Faltblatt mit Auszügen aus der Dorfchronik. Empfertshausen 2000, S. 8.
mini|Gasthaus zur Linde
Im Jahr 1879 wurden, basierend auf der Volkszählung von 1875, erstmals statistische Angaben zum Ort publiziert. Empfertshausen hatte in diesem Jahr 86 Wohnhäuser mit 448 Einwohnern. Die Größe der Flur betrug 418,0 ha, davon Höfe und Gärten 8,9 ha, Wiesen 141,1 ha, Ackerfläche 172,9 ha, Wald 24,4 ha, Teiche, Bäche und Flüsse 0,02 ha. Auf Wege, Triften, Ödland und Obstbauplantagen entfielen 70,7 ha. Das Dorf hatte einen Viehbestand von 4 Pferden, 204 Rindern, 171 Schafen, 63 Ziegen und 9 Schweinen. Zum Dorf wurde auch die Schmerbachsmühle gezählt.C. Kronfeld: Landeskunde des Großherzogthumes Sachsen-Weimar-Eisenach. Zweiter Teil. Weimar 1879. S. 52 ff.
Der Bau der Feldabahn 1884 hatte für die Feldatal-Orte einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge. Ein Besuch des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahre 1878 bewirkte die Gründung der ersten Schnitzerschule in der Rhön; sie stand unter der Leitung des Bildhauers Reinhold Giese und wurde als Berufsschule eröffnet.
20. Jahrhundert Bereits 1898 erfolgte die Eröffnung der Staatlichen Schnitzschule Empfertshausen in den Räumlichkeiten der alten Dorfschule. Dort wurden Gesellenprüfungen und ab 1903 auch Meisterprüfungen abgenommen. Die Anfangsjahre des neuen Jahrhunderts waren auch in der Schnitzerei erfolgreich. Der Erste Weltkrieg brachte einen schweren Rückschlag. Die Mehrzahl der Handwerker wurde einberufen, 16 Einwohner fielen an der Front. Im und nach dem Krieg mussten auch Hand-, Arm- und Beinprothesen für die Versehrten gefertigt werden. Das traditionelle Sortiment wurde mit der Spielzeugproduktion erweitert. Mitte der 1920er Jahre kam Professor Blechschmidt nach Empfertshausen, unterrichtete in der Schnitzschule und führte die Anfertigung vollendet gestalteter Holzkleinplastiken ein.
1937 wurde die nationalsozialistische Staatliche Schnitzerschule Empfertshausen in einen großzügigen, modernen Neubau oberhalb des Ortes in der Andenhäuser Straße verlagert. Leiter wurde der Bildhauer Erich Sperling, der aus dem späteren Kriegseinsatz nicht zurückkehrte. 1943 wurde die Schule geschlossen.
Anfang 1945 wurde ein Teil der Gemälde der Weimarer Kunstsammlungen aus der durch Luftangriffe gefährdeten Stadt in die Staatliche Schnitzerschule Empfertshausen verbracht. Im März 1946 wählte ein sowjetischer General 22 besonders wertvolle Gemälde aus, darunter solche von großen niederländischen Meistern, die in die UdSSR verschickt wurden. Danach liehen sich sowjetische Dienststellen aus dem Depot Gemälde aus, andere wurden gestohlen. Als die sowjetische Kommandantur 1948 aufgelöst wurde, fehlten weitere 68 Gemälde.Recherchen des Museumsdirektors Walter Scheidig.
Das Schulgebäude diente den Besatzungsmächten als Kaserne, dann war es Obdachlosen- und Altenheim. Die Schnitzbänke und Arbeitsmittel waren entwendet worden. 1947 konnte die Schnitzerschule mit viel Improvisation wiedereröffnet werden, wobei sich der aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Bildhauer und Kunsterzieher Otto Schmidt besondere Verdienste erwarb. Er wurde 1949 Direktor der Schule. Im gleichen Jahr konnte ein Erweiterungsbau als Internat bezogen werden.
DDR-Zeit und Gegenwart Bei den Verwaltungsreformen in den Jahren 1950 und 1952 wurde der Ort Empfertshausen in den Bezirk Suhl und den neu geschaffenen Kreis Bad Salzungen eingegliedert. Während der DDR-Zeit befand sich die Gemeinde bis 1972 im Sperrgebiet an der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland und war von den Umlandbewohnern nur mit Passierschein zu erreichen. Für große Unruhe unter der Bevölkerung sorgten Gerüchte über eine im Juni 1952 vorbereitete Deportation missliebiger Personen aus der Grenzregion um Kaltennordheim. Dort waren am Bahnhof ungewöhnlich viele Güterwagen eingetroffen; zahlreiche Familien verließen deshalb in Panik ihre Heimat und flüchteten über die noch offene Grenze nach Hessen.
Im Ort wurde eine LPG eingerichtet. Die durch Agitation, später auch zwangsweise Verstaatlichung erfolgte Vereinigung der zahlreichen Handwerksbetriebe zum VEB Rhönkunst erfolgte zwischen 1953 und 1976. Die etwa 660 Beschäftigten dieses Betriebes stellten neben kunsthandwerklichen Artikeln auch Kleinmöbel her, die zum Großteil in der Bundesrepublik und in den skandinavischen Ländern gegen Devisen abgesetzt wurden.
Die Schnitzschule war ab 1951/52 Fachgrundschule für Angewandte Kunst. Als aus politischen Gründen ein Schüler zu sieben Jahren Haft im Zuchthaus Bautzen verurteilt worden war, gab es eine Petition der Meisterklasse an den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht mit darauffolgenden Repressionen. 1963 überwanden zwei Schülerinnen die Grenzanlagen mit Hilfe eines Grenzsoldaten, der dabei ums Leben kam. Im gleichen Jahr wurde die Fachgrundschule aufgelöst und die Ausbildung zum Holzbildhauer dem VEB Rhönkunst Empfertshausen im Ort übertragen. Die bisherige Schnitzerschule wurde normale Zentralschule, die bis 1992 Bestand hatte.
1986 wurde die geschnitzte Tafel der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) in der Kirche eingeweiht. Im November 1989 führte der Druck der Bevölkerung zur Öffnung der Grenzsperranlagen. Bei Andenhausen entstand ein provisorischer Grenzübergang.Stadtverwaltung Kaltennordheim (Hrsg.): 1200 Jahre Kaltennordheim. Meiningen 1995 S. 91 ff.
Die Berufsausbildung zum Holzbildhauer konnte durch persönlichen Einsatz der Lehrkräfte und anderer verantwortungsbewusster Persönlichkeiten über die Wende dauerhaft gerettet werden.
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